30.10.2008Versammlung / Gemeinde

Zucht in der Versammlung (Gemeinde) 3: Ausschluss

Die Fragen, die wir in diesem Themenkomplex zu beantworten suchen, sind die Folgenden:

  1. Zucht in der Versammlung (Gemeinde) – worum geht es?
  2. Ausschluss – was bedeutet der Ausschluss? Was heißt das praktisch?
  3. Wer muss ausgeschlossen werden? Wann muss ausgeschlossen werden?
  4. Warum muss ausgeschlossen werden? Wer schließt aus?
  5. Wann kann ein Ausgeschlossener wieder zugelassen werden?
  6. Was ist, wenn jemand ausgeschlossen war, dann Buße tut über den Zustand und die dem Zustand zugrunde liegende(n) Tat(en), nicht aber das Zusammenkommen wieder besuchen möchte, an dem er früher teilnahm?
  7. Was muss die örtliche Versammlung tun, wenn jemand sich zurückgezogen hat aus der Gemeinschaft und erst danach in Sünde gefallen ist?
  8. Was ist zu tun, wenn eine solche Person wieder zurückkommt oder zurückkommen will?
  9. Wie kann eine solche Person wieder zugelassen werden?

Die Fragen 1 und 2 haben wir in der letzten Folge behandelt, jetzt geht es um:

3.  Wer muss ausgeschlossen werden? Wann muss ausgeschlossen werden?

Wir wollen festhalten, dass es darum geht, jemanden ausschließen zu müssen. Es ist kein Akt der Freude, sondern ein trauriges Muss. Die Frage lautet: Wer muss ausgeschlossen werden. Diese Frage hängt eng damit zusammen, warum jemand ausgeschlossen werden muss.

Die Antwort auf diese Fragen finden wir in 1. Korinther 5. „Nun habe ich euch geschrieben, keinen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein Hurer [Unzüchtiger] ist oder ein Habsüchtiger oder ein Götzendiener oder ein Schmäher oder ein Trunkenbold oder ein Räuber, mit einem solchen nicht einmal zu essen. Denn was habe ich die zu richten, die draußen sind? Ihr richtet ihr nicht die, die drinnen sind? Die aber draußen sind, richtet Gott; tut den Bösen von euch selbst hinaus.“ (1. Kor 5,11–13).

Sünde als Kennzeichen des Lebens

Das heißt, wir müssen jemanden aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausschließen, bei dem die Sünde zu einem Kennzeichen seines persönlichen Zustandes geworden ist. Jemand, der einmal gelogen hat, wird damit nicht zu einer Person, die durch Lüge (dauerhaft) gekennzeichnet ist. Jemand, der einmal betrunken war, ist kein Trunkenbold. Wenn aber Alkohol, Lüge, Götzendienst oder Unzucht das Leben eines Menschen kennzeichnet, dann ist sein Zustand durch diese Sünde geprägt. Daher muss er aus der Gemeinschaft der örtlichen Versammlung (Gemeinde, Kirche) ausgeschlossen werden.

Es ist nützlich zu verstehen, dass die Liste der in diesem Kapitel genannten Sünden nicht vollständig ist. Paulus nennt hier einige hervorstechende Sündenzustände, nicht jedoch alle denkbaren. Selbstverständlich ist ein Mörder hier ebenfalls einzureihen.

Der Böse wird ausgeschlossen

Dass es um einen solchen Zustand geht, macht Vers 13 dieses Kapitels sehr deutlich. Es heißt dort nicht: „Tut den Bruder von euch selbst hinaus.“ Der Mensch, der nach 1. Korinther 5 ausgeschlossen werden muss, ist von seinem Charakter her kein Bruder mehr, sondern ein Böser. Das bedeutet nicht, dass ein Gläubiger wieder verloren gehen könnte. Aber wir können in einer Person, die in der Sünde lebt, nicht mehr erkennen, dass es sich um einen Gläubigen handelt. Denn ein Gläubiger lebt nicht in der Sünde – das wäre vollkommen unnormal. Dass die betreffende Person dennoch gläubig sein kann, wird aus 2. Korinther 2,6.7 deutlich. Denn die Korinther sollten demjenigen, den sie ausschließen mussten, vergeben und ihn wieder in die praktische Gemeinschaft der Gläubigen aufnehmen. Das aber ist nur bei einem Gläubigen möglich, wie Vers 12 unseres Kapitels erklärt.

Keine Frage der Ewigkeit oder des Heils in dem Herrn Jesus

Zugleich sollte niemand meinen, durch den Ausschluss aus der örtlichen Versammlung würde jemand nicht mehr zu der Versammlung in den Augen Gottes gehören. Menschen haben mit der Frage der Ewigkeit bei einer anderen Person nichts zu tun. Das ist allein eine Frage, die Gott entscheidet. Wenn die örtliche Versammlung jemanden ausschließt, dann schließt sie ihn (allein) aus der praktischen Verwirklichung der Versammlung Gottes hier auf der Erde aus. Dafür ist sie verantwortlich (1. Kor 5,7.8) – mehr kann sie nicht tun.

Wann muss ausgeschlossen werden?

Wann ist man dann in der Pflicht auszuschließen? Wenn sich ein Gläubiger, der sich in Gemeinschaft in der örtlichen Versammlung befindet, als in Sünde lebend offenbart. Wir sind keine Detektive, die hintereinander herspionieren sollen. Wenn aber solch eine Sünde offenbar geworden ist wie Unzucht, Habsucht oder Trunkensucht, dann muss die örtliche Versammlung handeln.

Abschließend möchte ich noch der Frage nachgehen, die immer wieder gestellt wird:

Muss jemand, der Ehebruch begangen hat immer ausgeschlossen werden?

Es geht hier um die Frage, ob jemand, der einmal in die Sünde der Hurerei (Unzucht) bzw. des Ehebruchs gefallen ist, ausgeschlossen werden muss. Diese Frage ist – wie alle konkreten Fälle, die von Ausschlüssen betroffen sind, nicht ohne genaue Kenntnis des Falls beantwortbar.

Es wird niemand wegen einer einzelnen Sünde ausgeschlossen. Das macht Vers 11 von 1. Korinther 5 deutlich. Es geht um den Zustand eines Menschen. Ein Mörder muss immer ausgeschlossen werden, denn Mord setzt Vorsatz voraus – damit ist Mord nie im Affekt geschehen. Dann wäre es Totschlag. Wenn ich mir einen Mord im Herzen vorsetze, dann kennzeichnet mich diese Sünde als Mensch.

Der Weg in den Ehebruch und die Unzucht

Das ist oft bei Hurerei nicht anders. Man hat schon lange diesen Gedanken im Herzen gepflegt und sich auf den Weg in diese Sünde gemacht. [Leider müssen wir anerkennen, die wir nicht gefallen sind bislang, dass gerade die Sünde von Unzucht und Ehebruch bei vielen von uns auch schon im Herzen geschlummert hat, und dass nur die Gnade des Herrn uns vor der Tat bewahrt hat. Ihm sei Dank dafür!]

Es geht nicht um die Frage, wie eklatant eine Sünde in ihrem Ausmaß oder in ihrer Größe ist. Es geht um den Zustand des Gläubigen, der in Sünde gefallen ist. Die in 2. Korinther 7,11 genannte Handlungsweise, die bewies, dass die Korinther sich in allem als rein erwiesen hatten, bedeutet nicht, dass eine Versammlung nur dann rein ist, wenn sie jede Sünde durch Ausschluss straft (dass es sich um eine Strafe handelt, sagt Paulus in 2. Korinther 2,6). Hier muss jeder Fall abgewogen werden.

Zeugnis vor der Welt

Natürlich ist es wahr, dass das Zeugnis in dieser Welt eine wichtige Rolle spielt. Wie könnte sich eine örtliche Versammlung als rein erweisen, wenn die sie umgebende Gesellschaft den Eindruck gewinnen würde, dass jeder tun und lassen kann, was er will – er wird geduldet. Nein, sie muss handeln. Aber das Maß des Handelns richtet sich danach, ob die Sünde den Zustand einer Person beschreibt oder nicht. Das kann allein in Gespräch „vor Ort“ erkannt werden. Diese sind bei Geschwistern, die in Sünde fallen, die der Kategorie von 1. Korinther 5 entsprechen, immer nötig.

Wir wollen Gnade üben und zugleich die Herrlichkeit und Heiligkeit der Versammlung in praktischer Weise aufrecht erhalten. Wir müssen urteilen und richten und zugleich immer im Bewusstsein behalten, dass jeder von uns jederzeit in gleicher Weise in Sünde fallen kann. Im Gebet und durch Leid tragen (1. Kor 5,2) wollen wir bei jedem Einzelfall die klare Führung des Herrn auf der Grundlage seines Wortes erbitten. Dann werden wir richtig handeln.