24.10.2008Versammlung / Gemeinde

Zucht in der Versammlung (Gemeinde) 2: Ausschluss

Die Fragen, die wir in diesem Themenkomplex zu beantworten suchen, sind die Folgenden:

  1. Zucht in der Versammlung (Gemeinde) - worum geht es?
  2. Ausschluss - was bedeutet der Ausschluss? Was heißt das praktisch?
  3. Wer muss ausgeschlossen werden? Warum muss ausgeschlossen werden? Wann muss ausgeschlossen werden? Wer schließt aus?
  4. Wann kann ein Ausgeschlossener wieder zugelassen werden?
  5. Was ist, wenn jemand ausgeschlossen war, dann Buße tut über den Zustand und die dem Zustand zugrunde liegende(n) Tat(en), nicht aber das Zusammenkommen wieder besuchen möchte, an dem er früher teilnahm?
  6. Was muss die örtliche Versammlung tun, wenn jemand sich zurückgezogen hat aus der Gemeinschaft und erst danach in Sünde gefallen ist?
  7. Was ist zu tun, wenn eine solche Person wieder zurückkommt oder zurückkommen will?
  8. Wie kann eine solche Person wieder zugelassen werden?

Frage 1 haben wir in der letzten Folge behandelt, jetzt geht es um:

 

1.      Was bedeutet der Ausschluss eigentlich? Welche praktische Folge hat er.

Den Ausschluss aus der örtlichen Versammlung (Gemeinde) finden wir in 1. Korinther 5. Dort heißt es im letzten Vers: „Tut den Bösen von euch selbst hinaus" (1. Kor 5,13).

Ausschluss heißt, dass die Geschwister der örtlichen Versammlung (und damit auch der weltweiten Versammlung) keine Gemeinschaft mehr mit der Person pflegen dürfen, die ausgeschlossen wird. Sie wird aus der praktischen Gemeinschaft der örtlichen Versammlung ausgeschlossen. Die Verse 9 und 11 zeigen, dass sich diese Gemeinschaft im „Umgang" miteinander äußert.

Paulus schreibt in 1. Korinther 5 nicht vom Brotbrechen. Dass dieses eingeschlossen ist, dürfte deutlich sein. Denn es wird „ein Böser" hinaus getan. Gemeinschaft mit Bösem beim Brotbrechen würde die gesamte Gemeinschaft verunreinigen. Aber die Konsequenzen dieses Schrittes der örtlichen Versammlung beziehen sich eben nicht nur auf das Brotbrechen, sondern auf den gesamten Umgang mit einer solchen Person.

Keinen Umgang miteinander haben

Das Urteil Gottes über einen Irrlehrer, der die Person des Herrn Jesus durch seine böse Lehre über Ihn verunglimpft, ist noch schärfer als bei jemandem, der Bruder genannt wird und in moralische Sünde fällt: Er „hat Gott nicht" (2. Joh 9). Denn er wendet sich direkt gegen Gott und den Herrn Jesus. Jemand, der in moralische Sünde fällt, wird oft durch die Schwäche des Fleisches zur Sünde und zum Bösen geführt. Bei ihm heißt es nicht, dass er Gott nicht hat, sondern dass er durch diesen sündigen Zustand ein „Böser" ist, von dem wir aufgrund seines für einen Christen unnatürlichen Verhaltens nicht sagen können, ob er wirklich gläubig ist.

Da die Irrlehrer, von denen Johannes spricht, zu den einzelnen Häusern gehen, wird die Empfängerin des Johannesbriefs ermahnt, eine solche Person nicht ins Haus aufzunehmen, ja sie nicht einmal zu grüßen (vgl. 2. Joh 10.11). Jemand, der Bruder genannt wird und in moralische Sünde fällt, hält sich in der Gemeinschaft praktischen Umgangs mit den Gläubigen auf. Im Blick auf ihn werden die Korinther daher ermahnt, diesen Umgang nicht mehr zuzulassen, ja nicht einmal mit einem solchen auch nur zu essen.

Der Gruß ist das geringste Mittel der Freundlichkeit, wenn jemand zu mir kommt. Das Essen ist sozusagen das geringste Mittel der Freundlichkeit im praktischen Umgang von Gläubigen miteinander. Beides wird uns im Blick auf einen „Bösen" (Irrlehrer, in moralischer Sünde Lebenden) untersagt. Denn durch äußere Gemeinschaft machen wir uns in den Augen Gottes innerlich mit dem Bösen eins, wenn wir ihn grüßen oder mit ihm essen (vgl. 2. Joh 11).

Mit einer in Sünde lebenden, aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossenen Person wird man sich also nicht zu Tisch setzen und essen. Man wird mit einer solchen Person keinen „netten Abend" verbringen. Man wird sich mit ihr auch nicht in der Stadt treffen, um einen Einkaufsbummel durchzuführen. Man wird nicht zusammen Sport treiben oder spazieren gehen usw.

Familienbeziehungen

Es ist wahr, dass die Familienbeziehungen durch den Ausschluss nicht aufgehoben sind. Ein Sohn bleibt Sohn, auch wenn er aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden muss. Eine Mutter bleibt Mutter, auch wenn sie ausgeschlossen werden muss. Dasselbe gilt auch für den Ehepartner. Diese Beziehungen sind also nicht direkt betroffen. Aber natürlich wird auch dieser Umgang sehr belastet und daher eingeschränkt sein.

Eine Familienfeier mit einer ausgeschlossenen Person ist schlechterdings undenkbar, unabhängig davon, ob andere Gäste eingeladen sind oder nicht. Denn wie will man Freude mit einer Person genießen, die als „Böser" direkt mit Sünde identifiziert ist? Dass ein Nicht-Familienangehöriger an einem solchen Zusammensein nicht teilnehmen kann, wird aus 1. Korinther 5 deutlich: Er darf keinen Umgang mehr mit einer solchen Person pflegen.

Geschäftsbeziehungen

Was geschäftliche Beziehungen betrifft, so ist auch klar, dass sie bestehen bleiben. 1. Korinther 5,10 zeigt, dass wir nicht aus der Welt hinausgehen können. Wenn also jemand, den wir aus der Gemeinschaft der Geschwister ausschließen mussten, mein Kollege oder Geschäftspartner ist, werde ich ihm auf dieser Ebene beispielsweise auch bei einem Geschäftsessen begegnen können. Hier werde ich ihn auch normal als Kollegen begrüßen. Aber jeder darüber hinausgehende Kontakt - sagen wir ein Mittagessen zu zweit, was zumindest in die Nähe des persönlichen Umgangs geht - werde ich meiden.

Die praktischen Konsequenzen

Die praktischen Konsequenzen, die sich aus einem Ausschluss ergeben, sind also sehr weit reichend. Wir nehmen sie auf uns, weil wir den Herrn ehren wollen und seiner Heiligkeit teilhaftig geworden sind. Wir freuen uns nicht über eine solch abweisende Haltung einem anderen gegenüber, sondern leiden darunter. Aber wenn jemand das Böse mehr liebt als den Herrn, müssen wir uns auf die Seite unseres Herrn und Retters stellen. Das kann Er von uns erwarten.