28.08.2008Menschliches Zusammenleben | Dienst

Wenn Vorbilder straucheln

Der Sturz

Der Sturz des Post-Chefs, dessen Haus unter großem Medienecho nach Akten wegen Steuerhinterziehung durchsucht wurde, erregte großes Aufsehen. Das ausgerechnet die Vorzeige-Bischöfin der Evangelischen Kirche Deutschlands, Margot Käsmann, sich von ihrem Mann scheiden ließ, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Und als herauskam, dass der Verbraucherschutzminister Horst Seehofer aus dem so katholischen Bayern eine Liaison mit Nachwuchsfolgen eingegangen war, kam bei vielen Zeitungen große Häme auf.

Das sind nur drei von vielen Fällen der vergangenen Jahre, wo bekannte Persönlichkeiten, die in Wirtschaft, Religion und Politik Vorbilder sein sollten, ins Straucheln gerieten. Manches Weltbild geriet ins Wanken. Zeitungen titelten: Wo bleibt die Moral?

Dieses Thema hat zwei Seiten. Da geht es zum einen um Konsequenzen für diejenigen, die solche Vorbilder sind, ob sie es sein wollen oder nicht. Das ist für unseren Artikel der Fokus. Es gibt auch eine zweite Seite. Wie können sich junge Christen verhalten, wenn ihre Vorbilder von dem Podest fallen? Dieses Thema möchte ich gerne in anderem Zusammenhang behandeln.

Das Anlehnen an Vorbildern

Junge Menschen lehnen sich an Vorbildern an. Das ist so, ob wir es wollen oder nicht. Umso wichtiger ist, dass wir, wenn andere auf uns sehen, ein solches Vorbild sind, dass andere einen Nutzen davon haben. Paulus konnte sagen: „Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi“ (1. Kor 11,1). Was müsste man über mein Leben schreiben?

Es gibt junge Menschen, die haben vor allem ältere als Vorbilder. Es gibt aber auch junge Menschen, die suchen sich ihre Vorbilder gerade unter Menschen ihres Alters. Daher ist jeder von uns angesprochen, wenn es um dieses Thema geht.

Junge und nicht mehr junge Menschen sehen, wie ich mich kleide. Mir geht es nicht um solche, die an fast jeder Kleidung etwas auszusetzen haben. Und wenn man sich wie sie kleidet, dann kritisieren sie immer noch, dass man sie kopiert. Das ist nicht das Thema hier. Aber andere kopieren. Bin ich ihnen durch meine Kleidung zum Nutzen?

Junge und nicht mehr so junge Menschen sehen, wie ich mich verhalte, mit wem ich Umgang pflege, wie weit ich meine Freiheit ausnutze. „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich“ (1. Kor 6,12), schreibt einmal der Apostel Paulus. Ist mein Verhalten, das Ausnutzen meiner Freiheit, wirklich zum Nutzen meiner Zu-Schauer? Nur eine Äußerlichkeit, aber immerhin: Ich weiß noch, wie mir meine Mutter erzählte, dass ihr eine Schwester einmal gesagt hat: „Tu Dir eine Kette um, sei sicher, dass Deine Töchter deren drei tragen wollen.“ Vorbilder prägen. Eltern mehr als alles andere. Wenn ich meine, mir Freiheiten genehmigen zu können, werden andere diese verdoppeln. Wo werden sie durch mich landen?

Freiheit ist auch, die Freiheit, die man hat, nicht auszureizen, um der anderen willen. Dann hat die Freiheit ihr Ziel in unserem Leben erreicht.

Gestrauchelt – was dann?

Und dann kommt es leider so oft vor, dass wir straucheln. Sind wir uns bewusst, dass wir dadurch andere mitziehen? Das war nicht nur bei Satan so. Er fiel – und riss eine Menge an Engeln mit sich in den Abgrund. Das war bei Adam so, der die gesamte Menschheit mit sich mitriss.

Wie war es bei Petrus? „Er zog sich zurück und sonderte sich ab, da er sich vor denen aus der Beschneidung fürchtete. Und mit ihm heuchelten auch die übrigen Juden, so dass selbst Barnabas durch ihre Heuchelei mit fortgerissen wurde“ (Gal 2,12.13). Petrus hat nicht bedacht, dass er durch sein Verhalten auch andere zum Negativen beeinflusste. Das gilt auch bei uns. Wenn wir straucheln, färbt das auf andere ab. Dann können wir die Folgen oft nicht mehr rückgängig machen.

Korah zum Beispiel riss seine gesamte Rotte, seine Familie und Dathan und Abiram mit sich in den Abgrund (4. Mo 16), weil er Autorität besaß. Er hatte Einfluss, und durch sein Handeln waren auch andere in die falsche Richtung geleitet worden.

Heute gibt es Brüder, die Jugendarbeit machen und vielleicht eine beeindruckende Persönlichkeit besitzen. Machen sie einen Fehler, leiten sie auch andere in die Irre. Natürlich ist jeder für sein eigenes Leben verantwortlich. Aber es ist doch tragisch, wenn ich durch mein Verhalten dazu beitrage, dass jemand in seinem persönlichen Glaubensleben oder sogar, was den gemeinsamen, kirchlichen Weg auf einen Irrweg geht. Wenn ich ihn gehe, ist das traurig genug. Andere auch noch in die falsche Richtung mitzunehmen, ist wirklich tragisch.

Der Weg zurück?

Es gibt manche, die – Gott sei Dank – noch zurechtgekommen sind. Von Salomo nimmt man das an. Von Manasse wissen wir das aus 2. Chronika 33. War es zu spät, um auch seinen Sohn Amon für den Herrn zu gewinnen? Das noch einmal Tragische ist, dass wir manche mitnehmen auf einen falschen Weg. Einen Weg der Umkehr, einen Weg zurück dagegen gehen viele nicht mehr mit. Vielleicht, weil wir an Glaubwürdigkeit eingebüßt haben.

Daher wollen wir uns gegenseitig warnen vor einem solchen Weg in eine Sackgasse. Gebet, Abhängigkeit und Aufrichtigkeit sind nötig, um vor einem solchen, falschen Weg bewahrt zu werden.