03.03.2003Persönlicher Glaube | Dienst | Versammlung / Gemeinde

Vertrauen in die Kirchen schwindet – haben wir noch „Vertrauen"?

Natürlich ist eine solche Befragung für Gläubige an sich sinnlos. Denn die Bibel spricht, wenn sie den Begriff Kirche (oder besser Versammlung, Gemeinde, ekklesia) benutzt, nicht von einem System, einer Organisation, sondern von einem Organismus. Es sind alle gläubigen Menschen auf der Erde, die zusammen die wahre Kirche bilden - seien sie katholisch, evangelisch, freikirchlich oder einfach „Christen". Und dann braucht man kein Vertrauen zur „Kirche" zu haben, denn sie ist kein System, mit dem man nichts zu tun hat - nein, man kann und muss von „wir", „uns" sprechen - ohne hier abgrenzende Gedanken von anderen Gläubigen hineinzubringen. Aber eines ist schon wichtig: Wir müssen von „der Versammlung Gottes" und von dem christlichen Weg, den wir gehen, überzeugt sein! „Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast" (2. Timotheus 3,14).

Nicht Mitgliedschaft, aber Mitarbeit ist gefragt

In den so genannten großen Kirchen gibt es viele Mitglieder, die sich letztlich gar nicht mit-engagieren. Natürlich gibt es in der Versammlung Gottes, so wie die Bibel sie offenbart, keine Mitgliedschaft im Organisationssinn. Und doch müssen wir uns die Frage gefallen lassen, ob wir an den Zusammenkünfte mehr oder weniger teilnahmslos dabei sind - „sitzen". Und ob wir am Versammlungsleben Anteil nehmen - oder wenn es nicht in echter praktischer Weise ein Versammlungsleben gibt, ob wir solche sind, die damit beginnen, praktische Gemeinschaft neu zu beleben. Nur wenn wir so „mit-machen", werden wir auch positiv über die Versammlung (und wieder: Hier geht es um den umfassenden Sinn!) denken und reden.

Wie viele Gläubige auch heute leben wie Lot, der einfach hinter Abraham herlief, ohne eigene positive Überzeugungen zu haben. Ging es einen guten Weg, ging er mit. Ging es einen schlechten Weg, trottete er auch hinterher (siehe Ägypten). So wird es auch uns gehen, wenn wir nicht innerlich engagiert sind.

Ist noch geistliches Leben da?

Auch heute erlebt man in den Zusammenkünften der Gläubigen manche Brüder, die nie den Mund aufmachen. Nun mag es an Orten, wo sich sehr viele Geschwister versammeln, unmöglich sein, dass sich jedes Mal alle beteiligen. Aber wenn einer nie den Mund aufmacht, muss man sich schon die Frage stellen, was in seinem Glaubensleben eigentlich „los" ist. Leider kann diese Lethargie in den Zusammenkünften mit einer Bewegungslosigkeit im tagtäglichen geistlichen Leben parallel gehen.

Bei Schwestern ist das natürlich nicht so einfach zu erkennen. Sie schweigen in den Zusammenkünften (1. Korinther 14,34) - aber ihr Leben sollte nie dahin kommen, dass es einfach schweigt. Es sollte - wie bei allen Gläubigen - sehr beredt sein! Und wir alle sollten ein Zeugnis der Herrlichkeit des Herrn Jesus, aber auch ein Zeugnis der Herrlichkeit der Versammlung sein.

Sind wir von dem christlichen Weg überzeugt?

Wie überzeugt sind wir aber auch - und jetzt wird der Blickwinkel deutlich enger - in Bezug auf den christlichen Weg, den wir gehen? Wenn wir nicht „völlig überzeugt" sind, wundern wir uns, dass wir schlecht über die Geschwister, vielleicht über bestimmte Brüder, über Verhaltensweisen und sogar den Weg reden? Natürlich - kein Bruder und keine Schwester ist fehlerlos - das heißt sündlos! Und Fehler, das heißt Sünden, sollten wir niemals entschuldigen - bestimmt nicht als Schwachheit! Und wir sollten auch nicht in den Fehler verfallen, der praktischen Verwirklichung biblischer Lehre einen untergeordneten Platz einzuräumen. Damit würden wir dem Verfall das Wort reden und zugleich den biblischen Maßstab aufgeben.

Aber wir sollten eine Überzeugung haben über den christlichen Weg! Sonst werden wir - wie Lot - bei der nächsten Prüfungsgelegenheit umfallen. Denn nach welchen Kriterien werden wir dann urteilen, wenn wir keine innere Überzeugung haben? Zur Heranbildung einer biblischen Überzeugung - und das geht nicht von heute auf morgen - ist es unabdingbar, dass wir uns mit dem Wort Gottes beschäftigen, und zwar intensiv. Es gibt dort viele Themen, denen wir nachgehen können. Das der Versammlung Gottes ist dabei sicherlich kein untergeordnetes.

Wir wollen uns dazu gegenseitig anreizen, dieses Thema nicht zu vernachlässigen - weder in der persönlichen Beschäftigung, noch in der persönlichen Überzeugung, noch in unserem praktischen Engagement.