05.03.2008Versammlung / Gemeinde | Dienst

Es geht nicht um mich ...

Immer wieder ist das in diesen Tagen von Spitzenpolitikern zu hören, zuletzt mal wieder von der hessischen Ministerpräsidenten-Anwärterin Andrea Ypsilanti. Es geht ja nicht um mich, sondern um das Land. Oder die Partei. Oder die Menschen. Keiner nimmt es diesen Spitzenleuten in Politik und Wirtschaft ab, dass es nicht um sie selbst geht. Sondern um die Sache. Es ist zu durchsichtig, dass der eigene Machtanspruch hinter einer solch ehrenwerten Weste getragen wird.

„Es geht nicht um mich und meine Meinung“ – hört man aber auch zuweilen unter Christen. Wenn es am Ort Schwierigkeiten gibt: Es geht nicht um mich, sondern um die Sache des Herrn. Wirklich? Wir wollen es hoffen, mag man zuweilen antworten. Aber leider ist das nicht immer auch für alle Zuhörer und Zuseher so offensichtlich.

Auch die Freunde Hiobs sagten gewissermaßen: „Es geht nicht um uns, es geht um Dich – Hiob – und die Sache Gottes mit Dir.“ Und doch erkennen wir aus ihren Wortbeiträgen, dass es auch – zumindest auch – um ihr Ansehen, um ihre Traditionen, um ihre Träume, um ihre Lehrfähigkeit, usw. ging. Es ist ja bei uns Christen nie so ganz leicht zu differenzieren zwischen den verschiedenen Motiven, die uns antreiben. Immer nur die Sache des Herrn und die Liebe zu Ihm?

Gott muss über diese Menschen sagen, die in Namen Gottes auftraten: „Mein Zorn ist entbrannt gegen dich [Eliphas] und gegen deine beiden Freunde; denn nicht geziemend habt ihr von mir geredet wie mein Knecht Hiob“ (Hiob 42,7). Gott hatte auch mit Hiob zu reden – das hatte Er schon hinter sich. Aber die im Namen Gottes redenden Freunde hatten in eigenem Namen geredet. Das Berufen auf den Namen des Herrn reicht nicht aus!

Manchmal können wir uns auf den Namen des Herrn in Fragen des äußeren Lebenswandels, in Fragen moralischer Lebensführung, in Punkten vermeintlicher Ordnung in der örtlichen Versammlung können wir uns auf die Ehre des Herrn und seinen Namen berufen. Das mag sogar mit Recht sein. Das mag aber zuweilen auch einfach sein, um die eigene Stellung und Ehre und Macht zu stärken. Das werden wir vermutlich nie zugeben. Aber wie heißt die Warnung des Apostels Petrus? „Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist ... nicht als solche, die über ihre Besitztümer herrschen, sondern die Vorbilder der Herde sind“ (1. Pet 5,2.3).