12.02.2008 Ehe & Familie

Anregungen für Verlobte (53) – Abtreibung I

Das Thema Abtreibung wollen wir unter den folgenden Gesichtspunkten betrachten:

1. Was ist Abtreibung in den Augen Gottes? Was ist von dem Begriff zu halten?
2. Was kann einen dazu führen abzutreiben?
3. Alternativen zur Abtreibung
4. Was kann man machen, wenn man abgetrieben hat?
5. Was können wir als Hilfe solchen gegenüber tun, die abgetrieben haben?

Was die Bibel sagt

Den Begriff „Abtreibung“ oder „abtreiben“ sucht man in der Bibel vergeblich. Heißt das, wie ich es einmal hörte, dass Gott sich deshalb dazu nicht geäußert hat, weil es in biblischen Zeit gang und gäbe war abzutreiben? Tatsächlich lassen geschichtliche Dokumente wie das Corpus Hippocraticum darauf schließen, dass Abtreibung ein in der Geschichte bekanntes Phänomen ist.

Natürlich können wir uns als Christen damit nicht zufrieden geben. Wir müssen uns fragen, was in Gottes Augen Abtreibung eigentlich bedeutet. Dazu wollen wir kurz darüber nachdenken, wann Gott eigentlich von einem Menschen spricht.

David sagt einmal: „Du [Gott] wobst mich im Leib meiner Mutter“ (Ps 139,13). Also ist der Mensch schon im Mutterleib das Werk Gottes – nicht erst, wenn er geboren wird. Das wird unterstrichen durch die etwas geheimnisvollen Worte Davids: „Mein Gebein war nicht vor dir verborgen, als ich gemacht wurde im Geheimen, gewirkt wie ein Stickwerk in den untersten Örtern der Erde. Meinen Keim sahen deine Augen, und in dein Buch waren sie alle eingeschrieben, die Tage, die entworfen wurden, als nicht einer von ihnen war“ (Ps 139,15.16).

Das Embryo – ein Meisterwerk Gottes


David sagt damit nichts anderes als: Mein Körper – er spricht schon in diesem Zusammenhang von seiner Persönlichkeit – war nicht vor Gott verborgen, als er, David, für Menschen im Geheimen, wo kein Mensch mit dem Auge dabei ist, gemacht wurde. Dieses Wirken ist kein Zufallsprodukt, sondern ein meisterhaftes Kunstwerk – ein Stickwerk – in den untersten Örtern der Erde. Das ist sehr interessant ausgedrückt. Denn tatsächlich handelt es sich zunächst um eine Art Knäuel, ungeformte Masse, wie die Fußnote der Elberfelder Edition CSV erklärt. Damit ist vermutlich nichts anderes als der Embryo gemeint, der daraus entsteht, dass eine Samenzelle und eine Eizelle ihre Selbstständigkeit „aufgibt“, also stirbt. Das sind die untersten Örter der Erde.

Gott hat das alle schon im Keim gesehen – für Ihn ist das nicht nichts, sondern der Keim für ein Meisterwerk, das Er geschaffen hat. Schon bei diesem Zeitpunkt ist der neue Mensch in sein Buch eingeschrieben. Dazu muss er nicht warten, bis er geboren wird – schon zu diesem Zeitpunkt ist die Ewigkeit in einen Menschen hineingelegt (vgl. Pred 3,11). Und diese Tage wurden entworfen, als diese Tage noch nicht bestanden. Denn Gott hat längst im vorhinein sein Wunderwerk beschlossen – auch die Erschaffung jedes einzelnen Menschen. So groß ist Gott!

Die Begrifflichkeit und die Bibel


Wenn nun ein solcher Mensch, der ja schon alle Anlagen besitzt, um später als Baby auf die Welt zu kommen, „abgetrieben“ wird, dann ist das in der Sprache der Bibel nichts anderes als Töten bzw. Morden eines Menschen. Es gibt hier einen interessanten Vergleichsvers in 2. Mose 21,22.23: „Und wenn Männer sich zanken und stoßen eine schwangere Frau so, dass sie gebiert, und es geschieht kein Schaden, so soll er gewiss mit Geld gestraft werden ... Wenn aber Schaden geschieht, so sollst du geben Leben um Leben.“

Das bedeutet nichts anderes, als dass Gott Blutschuld auf demjenigen sah, der durch eine brutale Handlung die Geburt bei einer schwangeren Frau auslöste, wodurch (zum Beispiel aufgrund des frühen Stadiums) das Kind starb. Hier ist noch nicht einmal davon auszugehen, dass die Frau extra gestoßen wurde. Wahrscheinlich war dies eine Nebenfolge des Kampfes der beiden Männer.

Bei der Abtreibung dagegen wird ja bewusst die Schwangerschaft „abgebrochen“, das Kind wird vertrieben, weggetrieben. Es ist also bewusster Totschlag (in den Augen Gottes) und damit Mord. Erinnern wir uns, was mit dem Herrn Jesus gemacht werden sollte, als Er Kind war (Mt 2,16).

In diesem Sinn ist das Wort Abtreibung nichts anderes als ein Euphemismus (eine Beschönigung) dessen, was hier passiert. Es ist wahr: Man darf dies nach deutschem Recht so allgemein und pauschal nicht öffentlich vertreten. Immerhin ist der Schwangerschaftsabbruch bis auf Ausnahmen im Allgemeinen rechtswidrig.

Es war mir wichtig, vor einer weiteren Behandlung dieses Themas zu versuchen, die Sichtweise Gottes vorzustellen. Selbst wenn eine Frau, wie wir sehen werden, in sehr harter Weise betroffen sein kann, ist es immer gut, zunächst den Blick von oben einzunehmen. Auch als Seelsorger ist man erst dann wirklich frei, auf die konkrete Situation einzugehen.