30.01.2008Menschliches Zusammenleben | Dienst

Glaubwürdigkeit

Die Lage

Im Moment wird das Thema Glaubwürdigkeit sehr stark diskutiert. Nachdem eine Reihe von Parteien vor der Hessischen Landtagswahl verkündigt haben, mit dieser oder jener Partei nach der Wahl kein Bündnis einzugehen, bestehen diese Parteien darauf, sich auch nach der Wahl daran zu halten. Dies sei schon allein eine Frage der Glaubwürdigkeit, nicht als Umfaller bezeichnet werden zu können.

Glaubwürdigkeit ist ein hohes Gut im Zusammenleben von Menschen – keine Frage. Aber ist es glaubwürdig, in dem genannten Sinn glaubwürdig sein zu wollen, andererseits aber dem Bürger zu sagen, alles mögliche (finanziell) für ihn wie aus einem Füllhorn zu tun, obwohl man dies gar nicht bezahlen kann? Passt es zu diesem Kleid der Glaubwürdigkeit, so zu tun, als stünde die Bekämpfung von Gewalt auf der obersten Prioritätsstufe, während zugleich Richterstellen gekürzt wurden?

Beispiel 1: die Pharisäer


Wir brauchen uns nicht mit der hohen Politik zu beschäftigen, wenn wir etwas über Glaubwürdigkeit lernen wollen. Der Herr Jesus hat einmal über die Pharisäer gesagt: „Alles nun, was irgend sie euch sagen, tut und haltet. Aber tut nicht nach ihren Werken, denn sie sagen es und tun es nicht“ (Mt 23,3). Glaubwürdigkeit auch im christlichen Bereich bedeutet: Man hält das, was man tut. Und man tut das, was man sagt. Beides gehört zusammen.

Das ist einfacher geschrieben als getan. Denn wenn man einmal kritisch über die eigenen Worte geht, sagen wir über das, was man von seinen eigenen Kindern fordert, dann kann man vielleicht sehr schnell feststellen, dass man von anderen etwas erwartet, was man selbst gar nicht einhält.

Beispiel 2: der Prediger

Paulus schreibt einmal den Korinthern, wie er sich als Prediger zu verhalten habe: „Ich zerschlage meinen Leib und führe ihn in Knechtschaft, damit ich nicht etwa, nachdem ich anderen gepredigt habe, selbst verwerflich werde“ (1. Kor 9,27).

Es ist nicht so schwer, eine fromme Predigt abzuliefern. Fromm erscheinen können wir recht leicht. Schwerer ist schon, dass wir das, was wir predigen, auch wirklich tun. Paulus stellt hier natürlich eine sehr extreme Position vor. Jemand, der „verwerflich wird“, geht verloren. Paulus spricht von dieser Konsequenz, wohl wissen, dass sie auf ihn selbst gar nicht zutraf, um einfach das Verwerfliche an einem Predigen, hinter dem das eigene Leben nicht steht, zu unterstreichen. Mein eigenes Leben sehen nur wenige. Aber es gibt einen, der es nie übersieht: mein Herr. Und dessen Urteil ist viel wichtiger als das von anderen.

Glaubwürdig ist wirklich nur der, der nicht nur in einem Fall und nicht nur in einer Richtung das hält, was er sagt. Wir müssen auch das tun, was wir sagen. Eine echte Herausforderung!