08.10.2007 Menschliches Zusammenleben

Vergeben können

Anlass ...

Kürzlich las ich, dass ein Liedermacher darauf hinwies, dass viele Christen nicht verzeihen könnten. „Wer seinen Zorn und seine Wut mit sich herumträgt und nicht verzeihen kann, schadet vor allem sich selbst.“

Aus unserem Leben wissen wir, wie schwer es uns fällt, einem Mitmenschen, einem Mitbruder, dem eigenen Ehepartner, den eigenen Kindern, den eigenen Eltern, den Nachbarn eine Sünde zu bekennen. Dabei kennen wir alle mehr oder weniger auswendig diesen Vers: „Bekennt nun einenander die Sünden und betet füreinander“ (Jak 5,16).

Bekennen – vergeben

Das Bekennen ist die eine Sache. Das vergeben oder verzeihen ist noch eine andere Sache. Und hier ist Vergebungsbereitschaft gefragt. Das berühmte „Vater unser“, das sich an Jünger des Herrn Jesus richtet, beschäftigt sich auch mit der Vergebungsbereitschaft: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben“ (Mt 6,14). Es ist klar, dass es nicht um die Vergebung vonseiten des Vaters geht, die wir die ewige Sündenvergebung nennen und die uns „den Himmel sicherstellt“. Es geht um die Vergebung im täglichen miteinander – unter Menschen, aber auch in meinem Verhältnis zu Gott, unserem Vater.

Es ist auffallend, dass Jesus die Vergebung des Vaters im Himmel davon abhängig macht, ob ich bereit bin, auch meinem Mitbruder und meinen Mitmenschen zu vergeben. Wie leicht erwarten wir, dass die anderen auf den Knien angerobbt kommen, für viele andere sichtbar, bevor ich bereit bin, ihnen zu vergeben. So hat Gott nie mit uns gehandelt und so handelt Er bis heute nicht mit uns! Gott erwartet, dass wir einem anderen vergeben, wenn er mit einer gewissen Bekenntnisgesinnung zu uns kommt.

Wer nicht vergibt

Auch die Gegenkonsequenz nennt Jesus! „Wenn ihr aber den Menschen ihre Vergehungen nicht vergebt, wird euer Vater auch eure Vergehungen nicht vergeben“ (Mt 6,15). Wie gesagt, es geht nicht um die Vergebung für die Ewigkeit. Aber die hier genannte Konsequenz ist weitreichend und sehr ernst. Wenn ich nicht bereit bin, meinem Nächsten zu vergeben, hat das enorme Konsequenzen auch für mich. Wollen wir die wirklich auf uns ziehen?

Wann vergeben?

Es wird oft gefragt, ob es eines Bekenntnisses bedarf, bevor man vergeben kann. Natürlich kann eine Vergebung erst vollzogen werden, wenn der andere auch wirklich ein Bekenntnis abgelegt hat – wie umfassend es auch sein mag. Lasst uns aber den Maßstab nicht vergessen: „Seid aber zueinander gütig, mitleidig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat“ (Eph 4,32).
Der Maßstab unseres Vergebens ist Gott. Wann hat Er die Grundlage für unsere Vergebung gelegt? Da war noch keiner von uns geboren. Und schon da hat Er Jesus Christus auf diese Erde gesandt, damit Er durch sein Werk auf Golgatha die Grundlage für unsere Vergebung legen konnte. Das ist Motiv, Maßstab und Antrieb für unsere Vergebung. Kann man da noch eine Wurzel der Bitterkeit gegen jemanden bestehen lassen, der mir weh getan hat?

Heute schon vergeben?