24.06.2007Matthäus | Jesus Christus / Gott

Mt Matthäusevangelium (35)

Vers 12: Gott bekennt sich zu den Magiern und weist ihnen den Weg

„Und als sie im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatten, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg hin in ihr Land“ (Vers 12).

Die ersten beiden Kapitel sprechen mehrmals davon, dass Gott im Traum eingreift. Einerseits ist dies ein Hinweis auf die Distanz zwischen Gott und seinem Volk. Andererseits zeigen uns diese Interventionen, dass Gott über den Dingen steht und alles lenkt. So auch hier.

Gott lässt es nicht zu, dass die Magier Herodes dadurch ehren, dass sie ihm von ihrem Besuch beim angekündigten König Bericht erstatten dürfen. Außerdem soll auch die ganze Bosheit des Herodes im weiteren Verlauf der Geschichte um so klarer zum Vorschein kommen. So erhalten die Magier eine göttliche Weisung – Gott selbst greift ein! – auf einem anderen Weg nach Hause zu gehen. Sie sind gehorsam – und gehen zurück in ihr Land.

Nie wieder hören wir von ihnen. Wir dürfen sicher sein, dass sie von dem, was sie erlebt hatten, erfüllt waren. Es ist zu vermuten, dass wir sie einmal aufgrund ihrer Gottesfurcht in der Herrlichkeit wiedersehen werden – im Gegensatz zu Herodes und den religiösen Führern der damaligen Zeit. Gott bekennt sich immer zu denen, die auf seine Stimme hören und in Hingabe seinem Sohn gegenüber ihr Leben führen. Das haben diese Männer bewiesen.

Verse 13–23: Was macht Israel mit seinem König?

Wir haben jetzt gesehen, wie Menschen dem Herrn Jesus gehuldigt haben, die von weither kamen. Sie scheuten keine Kosten, um Ihm, dem man äußerlich sicherlich nicht ansehen konnte, dass Er der Herr der Herren und der König der Könige ist, jede Ehre zu erweisen.

Nun stellt sich die Frage, ob diese Haltung und diese Tat irgendwie auf sein irdisches Volk Israel abfärben würde, auf die Menschen, in deren Mitte er geboren war. Zu ihnen war der Messias gekommen. Wie würden sie jetzt reagieren?

Verse 13-15: Christus beginnt die Geschichte Israels von Neuem

„Als sie aber hingezogen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter zu dir und flieh nach Ägypten, und bleibe dort, bis ich es dir sage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es umzubringen. Er aber stand auf, nahm das Kind und seine Mutter bei Nacht zu sich und zog hin nach Ägypten. Und er blieb dort bis zum Tod Herodes, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten, der spricht: ‚Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen‘“ (Verse 13–15).

Zum zweiten Mal in diesem Kapitel und auch in der Geschichte Josephs erscheint ein Engel im Traum. Wir werden weiter sehen, dass auch in diesem Abschnitt Joseph (und nicht Maria, wie bei Lukas) im Vordergrund steht. Er ist der Nachkomme Davids, der Sorge trägt, dass der wahre Sohn Davids vor den Angriffen bewahrt bleibt, soweit dies in seinen Händen liegt.

Es ist schon eine besondere Situation: Er, der den wahren Anspruch auf den Königsthron besaß, muss jetzt fliehen. Manche Herrscher mussten einmal ins Exil fliehen. Hier aber handelt es sich um ein kleines Kind von nicht einmal zwei Jahren! Welch eine Gefahr sollte von diesem eigentlich ausgehen?

Wir sehen in diesen Versen, wie Gott in seiner Gnade zugunsten von Joseph und Maria Vorsorge trifft, bevor Herodes seinen Angriff starten kann. Es ist auffallend, dass zuerst der Traum und die Flucht nach Ägypten kommt, bevor Herodes aktiv werden kann. Gott weiß längst, was Herodes in seinem Herzen beschlossen hat. So warnt Er Joseph und trägt ihm auf, zusammen mit Maria und Jesus nach Ägypten zu fliehen.

Später finden wir, dass die Versammlung in Jerusalem auf diese Gelegenheiten zurückkommt und betet, sich auf Psalm 2 beziehend: „Die Könige der Erde traten auf, und die Obersten versammelten sich miteinander gegen den Herrn und gegen seinen Christus. Denn in dieser Stadt versammelten sich in Wahrheit gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, sowohl Herodes als auch Pontius Pilatus mit den Nationen und den Völkern Israels“ (Apg 4,26.27). Natürlich ist der in der Apostelgeschichte genannte Herodes ein Sohn von Herodes dem Großen. Aber der erste Vers zeigt doch, wie sich (von Anfang an) alle gegen den Herrn Jesus verschworen. Das taten sie, bis sie Ihn am Ende auch ans Kreuz genagelt hatten.

Vorbild und Erfüllung

Abraham hatte damals keinen Auftrag nach Ägypten vor der Hungersnot zu fliehen (1. Mo 12,10). Er ging dennoch –zu seinem Schaden. In den Tagen Jeremias war es die starrköpfige Auflehnung gegen das Wort Gottes, welche die Übriggebliebenen Judas dazu brachte, in dieses Land zu fliehen (Jer 43,1–7). Jakob allerdings erhielt in 1. Mose 46,2–4 den Auftrag Gottes, nach Ägypten zu gehen. So auch hier: Joseph bekommt den Auftrag, genau an den Ort zu fliehen, wo das Volk Israel viele Jahrhunderte vor diesem Zeitpunkt bedrückt worden war. Er ist gehorsam und geht dorthin.

Joseph flieht bei Nacht – ein deutlicher Beweis, dass es sich wirklich um eine Flucht handelt. [Fußnote 26] Aber es zeigt uns auch etwas seinen Charakter der Ängstlichkeit. Auch in Vers 22 kommt dieser wieder zum Vorschein. Aber Gott bekennt sich zu jedem, der sich seiner eigenen Schwachheit bewusst ist.

[Fußnote 26: Eine interessante Anlehnung an diese Flucht findet sich auch in der Offenbarung. In Offenbarung 12,5.6 wird von der Flucht der Frau (ein Bild von Israel) und der Entrückung des Kindes (das ist Christus) gesprochen – alles Hinweis auf die Verfolgung des vorhergesagten Nachkommen. Ende der Fußnote]

Bemerkenswert ist dann die Anführung von Hosea 11. Zunächst einmal ist Jesus zu diesem Zeitpunkt gerade einmal in Ägypten angekommen. Von einem „Rückruf“ ist hier zunächst noch keine Rede. Aber dieses Zitat zeigt, dass von Anfang an klar war, dass der Herr nicht in Ägypten bleiben konnte. Das Zitat ist aber auch noch in anderer Hinsicht interessant. Hosea tat diesen Ausspruch rund 700 Jahre nach dem Auszug Israels aus Ägypten (2. Mo 14.15) und rund 700 Jahre vor der Geburt des Herrn. Man wird die erste Bedeutung zu Recht auf das aus Ägypten gerufene Volk Israel beziehen. Das allerdings war bei Hosea bereits eine vergangene Tatsache und keine Prophezeiung. Gottes Wort zeigt hier jedoch in Matthäus 2, dass dieser Ausspruch auch eine prophetische Ankündigung war, deren Erfüllung gerade in Christus – wie Er uns hier in Matthäus 2 geschildert wird – stattgefunden hat. [Fußnote 27]

[Fußnote 27: Zu der Frage, was für eine Art von Erfüllung hier gemeint ist, verweise ich auf die Erklärung zu Matthäus 1,23. Ende der Fußnote]