16.06.2007 Matthäus | Jesus Christus / Gott

Mt Matthäusevangelium (34)

Verse 9–11: Die Magier finden den wahren Stern und huldigen diesem

„Sie aber, als sie den König gehört hatten, zogen hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und oben über dem Ort stehen blieb, wo das Kind war. Als sie aber den Stern sahen, freuten sie sich mit sehr großer Freude. Und als sie in das Haus gekommen waren, sahen sie das Kind mit Maria, seiner Mutter, und sie fielen nieder und huldigten ihm; und sie taten ihre Schätze auf und brachten ihm Gaben dar: Gold und Weihrauch und Myrrhe“ (Verse 9–11).

Gott war diesen Magiern durch einen Stern erschienen, den sie im Morgenland gesehen hatten. Wir können kaum annehmen, dass es sich um einen Meteor gehandelt hat –auch Sternschnuppe genannt. Denn deren Leuchten ist nur sehr kurz zu sehen, sie verglühen in kürzester Zeit. Wir dürfen also davon ausgehen, dass Gott hier ein Wunder gewirkt hat und tatsächlich einen Stern leuchten ließ, den wir nicht kennen und den man auch astronomisch nicht weiter zuordnen kann. Ich erinnere noch einmal an die Worte Bileams: „Ein Stern tritt hervor aus Jakob“ (4. Mo 24,17). Gott hat nicht nur Christus in einer wunderbaren Weise gezeugt – Er hat auch diesen Stern auf wunderbare Weise leuchten lassen – einen Stern, der direkt von Christus spricht.

Gott benutzte also einen Stern, um diese Menschen zu leiten. Sie waren vermutlich nicht mit dem damals zur Verfügung stehenden Wort Gottes – also dem Alten Testament – vertraut. Aber Gott weist ihnen auf eine andere, einzigartige Weise den Weg bis zum Haus des Christus. Diese Magier verstehen: Der König ist in Israel geboren – in dieser Richtung leuchtete der Stern. Also gehen sie nach Jerusalem, nicht, weil der Stern genau auf Jerusalem leuchtet, sondern weil sie davon ausgehen mussten, dass der König Israels in Jerusalem, der Hauptstadt Israels, geboren werden würde.

Als sie in Israel angekommen waren, gab Gott ihnen zunächst kein weiteres Sternwunder. Denn die heiligen Schriften standen ihnen in Israel ja zur Verfügung. So sollten diese auch dazu führen, den Magiern den weiteren Weg zu weisen.

Das Wort und der Geist Gottes

Hier lernen wir einen Grundsatz, der auch heute noch Gültigkeit hat: Gott gibt uns sein Wort nicht unabhängig von der Leitung durch den Geist Gottes. Und der Geist Gottes leitet uns nicht unabhängig von seinem Wort! Beides gehört untrennbar zusammen. Viele Dinge können wir durch das Wort Gottes verstehen – da schenkt uns Gott kein Wunderzeichen. Aber viele unserer Fragen werden auch nicht endgültig durch das Wort Gottes direkt beantwortet, das einfach kein Lexikon von A bis Z ist. Gott möchte uns durch seinen Heiligen Geist leiten.

Wenn wir das Wort Gottes als einzigen Führer unseres Lebens akzeptieren, die persönliche Leitung des Geistes Gottes dagegen vernachlässigen, wird unser Bekenntnis zu einem toten Christentum – wie bei den Pharisäern. Wenn wir die Leitung des Geistes Gottes als alleinigen Führer für unser Leben für uns beanspruchen, aber das Wort Gottes vernachlässigen, werden wir ein äußerst subjektives, emotionales und abgehobenes Christentum führen, das letztlich charismatisch wird.

Die Magier hatten beides erfahren: Der Geist Gottes leitete sie mittelst des Sternes nach Israel; das Wort Gottes richtete ihren Weg konkret nach Bethlehem. Wir lernen also, dass der Geist Gottes nie unabhängig von dem Wort Gottes führt und nie entgegen der biblischen Wahrheit handelt! Nein, Wort und Geist haben ein perfektes Zusammenwirken: Der Heilige Geist macht die Wahrheit des Wortes Gottes lebendig und wendet sie auf die Alltagssituation an. Zugleich führt Er uns in eine ganz konkrete Abhängigkeit von dem Herrn, die wir nur durch das intensive und vertraute Gebet erleben können. So wird unser Christenleben lebendig, wirklichkeitsnah und immer wieder herausfordernd.

Der Stern begleitet die Magier

Aus Vers 10 lernen wir, dass der Stern die Magier nicht die ganze Strecke vom Orient an begleitet hatte. Nein, er hatte ihnen nur deutlich gemacht, dass sie nach Israel gehen sollten. Sie hatten ihn als eine Erscheinung gesehen – daraufhin hatten sie ihre Vorbereitungen für die lange Reise getroffen und waren nach Jerusalem losmarschiert. In Jerusalem angekommen erhielten sie den Hinweis, dass das Kind in Bethlehem zu finden sei. Und da liefen sie wieder los. In diesem Augenblick erschien ihnen der Stern wieder – welche Freude für sie, welche Ermunterung und Bestätigung ihrer langen Reise! Offenbar gingen sie – nach orientalischer Sitte – des nachts los, so dass sie den Stern deutlich leuchten sahen. So sehen sie, dass der Stern in Bethlehem stehen bleibt, gerade an dem Ort, wo Christus mit Maria, seiner Mutter, und Joseph wohnte. Es ist ein weiteres Wunder Gottes, dass der Stern diesen Wohnort des Messias so deutlich kennzeichnet, dass für die Magier keine Frage über den Zielort offen blieb. Er bezeichnete nicht nur die Stadt Bethlehem, sondern sogar den genauen Ort, wo sich der König Israels befand! Um so verständlicher ist ihre Reaktion.

Wir können diese Freude gut verstehen, denn diese Männer hatten keine kleine Reise gemacht und nicht geringe Anstrengungen unternommen, um den König der Juden zu finden. Auch uns wird der Herr Jesus solche Ermunterungen immer wieder schenken, wenn wir auf dem Weg sind, Ihm zu huldigen und zu dienen. Manche Steine mögen uns in den Weg gelegt werden – mancher Spott mag vorhanden sein. Wenn aber dann wieder der „Stern leuchtet“, dann wissen wir, dass sich jede Entsagung und jede Anstrengung gelohnt hat. Es ist für unseren Retter!

Die Huldigung der Magier gilt Jesus allein

Als die Magier in das Haus gegangen waren, sahen sie Jesus und Maria, seine Mutter. Es fällt auf, dass von Joseph keine Rede ist. Ob er bei dieser Gelegenheit nicht zu Hause war, ob er einfach deswegen nicht erwähnt wird, weil er nicht der leibliche Vater Jesu war oder weil das Augenmerk ganz auf das kleine Kind gerichtet werden soll, wissen wir nicht.

In dem, was die Magier jetzt tun, fällt die geistliche Sensibilität, ja, das erstaunliche geistliche Verständnis dieser Männer auf. Sie fallen nicht vor der Mutter nieder – nein, vor dem Kind fallen sie auf den Boden und huldigen Ihm! Wir erinnern uns, dass der alte, gottesfürchtige Simeon zwar das Baby Jesus auf die Arme nimmt. Aber er lobt Gott und segnet die Eltern (Lk 2,28.34). Simeon segnet nicht das Kind – das würde man erwartet haben. Aber offenbar ist er sich bewusst, wen er vor sich hat. Nach Hebräer 7,7 wird der Geringere von dem Höheren gesegnet – und auch wenn Jesus hier noch ein Baby war, so war Er zugleich der Ewige, der Sohn Gottes. Dessen war sich der alte Simeon bewusst.

So auch die Magier. Sie fallen nicht vor Maria nieder, im Unterschied zu einer großen Kirche heute, die nicht so einsichtsvoll ist; die Magier huldigen dem kleinen Kind, und nur diesem. Sie hätten allen Grund gehabt, auf den Vater des Kindes zu warten – normalerweise galt ihm die Ehre. Aber sie warten nicht, sie wollen nicht den Eltern huldigen. Sie fallen vor dem kleinen Knaben nieder. Sie tun dies ganz offensichtlich mit einer äußerlichen, angemessenen Verbeugung vor dem Kind. Wie lange sie in dieser Haltung verharrt haben, wissen wir nicht; das ist auch nicht so wichtig. Gott teilt uns mit, dass sie es getan haben.

Die Gaben der Magier: Gold, Weihrauch, Myrrhe
Das Niederfallen vor dem Kind blieb nicht ihre einzige Huldigung. Die Magier hatten auch Schätze mitgebracht, was der damaligen, orientalischen Sitte entsprach, vor Fürsten nicht ohne Geschenke zu kommen (vgl. 1. Mo 43,11; 1. Sam 10,27). Was sie darbringen, zeigt zunächst einmal die hohe Wertschätzung, die sie dem König der Juden entgegenbringen. Gold, Weihrauch und Myrre. Gold ist ein Zeichen des Reichtums, Weihrauch und Myrre sind besondere Wohlgerüche, die im Orient verwendet werden. So zeigen diese Männer ihre Hingabe und Verehrung für den Herrn Jesus und ihre Freude an der Geburt des Messias.

Doch darüber hinaus haben die dargebrachten Gaben eine geistliche Bedeutung. Die Magier haben diese damals wohl nicht erfasst, was diese Sichtweise jedoch nicht ausschließt. Dasselbe gilt für die Materialien der Stiftshütte. Auch dort verstanden die Israeliten die einzelnen, symbolischen Bedeutungen nicht. Aber Gott sah darin einen Wert – und wir dürfen Gemeinschaft mit Ihm darin haben.

Gold ist immer wieder ein Hinweis auf die göttliche, die höchste Herrlichkeit. Man denke an die Bundeslade, die aus Holz war, ganz mit reinem Gold überzogen – ein Bild von der vollkommenen Menschheit (Holz) und zugleich der vollkommenen Göttlichkeit des Herrn Jesus (vgl. auch Hiob 37,22).

Weihrauch wurde besonders in Verbindung mit dem Speisopfer verwendet (vgl. u.a. 3. Mo 2,1.2.15.16), aber auch als Teil des Räucherwerks (2. Mo 30,34), das auf dem goldenen Räucheraltar Gott geopfert wurde. Es scheint ein Hinweis auf den Wohlgeruch zu sein, den der Herr Jesus als Mensch in sich selbst für Gott darstellte, der sich aber besonders auf dem „Altar“ entfaltete – also unter dem Feuer der Leiden des Kreuzes des Herrn. Wenn Gott auch über das göttlich vollkommene Leben seines Sohnes mehrfach bezeugte, dass Er „sein geliebter Sohn“ sei, der sein ganzes Wohlgefallen gefunden hatte – so wird der Wohlgeruch des Herrn für seinen Gott doch in besonderer Weise am Kreuz in der Hingabe des Sohnes deutlich (vgl. Eph 5,2).

Das wird auch durch die Art und Weise, wie der Weihrauch gewonnen wird, unterstrichen. Den Weihrauchbäumen werden in der Erntezeit an Stamm und Ästen Schnitte zugefügt, aus denen der Weihrauchharz austritt. Der besondere Wohlgeruch wird dann beim Räuchern erzielt, wenn also das Harz der Hitze ausgesetzt wird.

Die Myrrhe wird ebenfalls aus einer Pflanze gewonnen, einem Balsambaumgewächs. Ähnlich wie beim Weihrauch wird sie durch das Verletzen des Baumes geerntet. Auch sie erzielt ihren besonderen Duft durch das Räuchern.

In der Bibel wird sie das erste Mal als Teil der Salbenmischung erwähnt, mit der die Stiftshüttenteile zu reinigen waren (2. Mo 30,23). Nikodemus brachte Myrrhe als ein Teil der Begräbnissalbe für den Herrn (Joh 19,39). Myrrhe bedeutet übersetzt „bitter“ und ist ein Hinweis auf die Leiden des Herrn. Durch seine Leiden kam ein Wohlgeruch für den Herrn hervor, der für Ihn von besonderem Wert war.

So dürfen wir in den drei Geschenken drei Seiten der (moralischen) Herrlichkeit unseres Herrn sehen – und in unseren Herzen vor Ihm niederfallen. Wir dürfen ihn nicht nur – wie die Magier - als den kennen, der als König geboren worden ist. Nein, unsere Beziehung zu Ihm geht weit darüber hinaus. Wir kennen Ihn als den Sieger von Golgatha, den Retter der Welt, als unseren Herrn und Retter, der sich für uns hingegeben hat – Gott zu einem duftenden Wohlgeruch (vgl. Eph 5,2).

Abschließend sei noch kurz erwähnt, wie passend diese Begebenheit der Magier für den Evangelisten Matthäus ist. Wem wird auf diese Weise gehuldigt? Diese Weisen waren nicht gekommen, um einem – wenn auch besonderen – Menschen ihre Huldigung zu geben (Lukas). Sie waren auch nicht zu Ehren eines Dieners gekommen (Markus). Nein, sie hatten von dem König gehört – Ihn wollten sie durch ihre Gegenwart beehren. Letztlich ehrte sie der König selbst durch seine Gegenwart. Wenn es um den Sohn Gottes geht (Johannes), dann brauchte dieser keine solche Ehre. Er besitzt jede Herrlichkeit in sich selbst!