30.05.2007Persönlicher Glaube

Seltene Ehrlichkeit

In der Viertelfinalbegegnung der Tischtennis-Weltmeisterschaften zwischen dem weißrussischen Weltranglistensechsten Wladimir Samsonow und dem chinesischen Weltranglistenersten Ma Lin gab es am Ende eines spektakulären Ballwechsels eine Besonderheit. Samsonow hatte den Ballwechsel gewonnen. Der Ball prallte gegen die Tischkante. Die Fans jubelten, der Schiedsrichter drehte an seiner Zählmaschine zum 5:4 für den Bulgaren. Da bedeutete Ma Lin seinem Gegner: Der Ball berührte meiner Meinung nach den Tisch an der Außenseite und nicht an der Oberkante. Der Punkt stünde also ihm zu. Samsonow schüttelte den Kopf.

Daraufhin wies der Chinese mit dem Zeigefinger nach oben – Richtung Videotafel, wo der Ballwechsel in Zeitlupe noch einmal zu sehen war. Samsonow schaute hoch und kam zum Schluss, dass der Chinese recht hatte. Also ging er zum Schiedsrichter und forderte ihn auf, den Punkt seinem Gegner gutzuschreiben. Der Referee lies das jedoch nicht zu. Also griff Samsonow zu einem anderen Mittel. Das Spiel wurde mit einem Aufschlag Ma Lins fortgesetzt, und Samsonow schlug den Ball absichtlich ins Netz. Am Ende verlor er die Partie.

Hat sich die Ehrlichkeit nicht gelohnt? Wir würden wir in einem solchen Fall entscheiden? Wenn uns die Kassiererin weniger berechnet oder mehr zurückgibt? Wenn der Arbeitskollege für meinen Fehler gerügt wird, oder ich für seine Arbeit gelobt werde? Wenn jemand etwas bei mir lobt, obwohl dafür überhaupt kein Anlass besteh? Usw. ...

„Der in Lauterkeit wandelt und Gerechtigkeit wirkt und Wahrheit redet von Herzen, nicht verleumdet mit seiner Zunge ... Wer dies tut, wird nicht wanken in Ewigkeit“ (Psalm 15, Verse 2.3.5).