20.05.2007 Matthäus

Mt Matthäusevangelium (31)

Verse 3–6: Die Führer erkennen die Sprache Gottes – aber lehnen diese ab

„Als aber der König Herodes es hörte, wurde er bestürzt, und ganz Jerusalem mit ihm; und er versammelte alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. Sie aber sagten ihm: in Bethlehem in Judäa; denn so steht durch den Propheten geschrieben: Und du, Bethlehem, Land Juda, bist keineswegs die Geringste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird ein Führer hervorkommen, der mein Volk Israel weiden wird‘“ (Verse 3–6).

Wenn ein unrechtmäßiger König auf dem Königsthron sitzt und davon hört, dass Menschen kommen, um dem König des Landes zu huldigen, ist es nachvollziehbar, dass er einen Schrecken bekommt, wenn nicht er damit gemeint ist. Genau das geschah mit Herodes. Wir können davon ausgehen, dass hier ein größerer Zug angekommen ist. Wie viele Magier auch immer kamen, sie hatten zweifellos ihre Diener und ihren Hof dabei. So erweckten sie natürlich Aufsehen, als sie in Jerusalem eintrafen.

Aber nicht nur Aufsehen! Der König Herodes bekam es mit der Angst zu tun, als er die ungeheure „Neuigkeit“ seines Landes von Ausländern hörte. Er hatte Sorge, dass ihm ein Nebenbuhler erwachsen würde, der das Volk auf seine Seite bringen und ihn selbst abzusetzen könnte. Gerade, wenn die Geburt dieses neuen Königs sogar Menschen aus großer Entfernung dazu brachte, nach Jerusalem zu kommen, musste diese Person etwas Besonderes sein.

Dass Herodes sich fürchtete, können wir gut verstehen. Aber dass auch „ganz Jerusalem mit ihm“ bestürzt war, ruft Erstaunen hervor. Hatten sie sich so sehr an Herodes gewöhnt, dass sie keine Veränderung wollten? Wir wissen, dass die Herrschaft von Herodes wirtschaftlich und kulturell durchaus angenehm war. Wo aber blieb der Glaube an Gott? Sah man hier eigene Privilegien auf dem Spiel? Schon unmittelbar nach der Geburt, als die Hirten anderen mitteilten, was sie in Bethlehem gesehen hatten, lesen wir: „Und alle, die es hörten, verwunderten sich über das, was von den Hirten zu ihnen gesagt wurde“ (Lk 2,18). In Jerusalem ist jetzt – einige Monate danach – nicht nur Verwunderung, sondern Bestürzung entstanden. Außerdem wundern wir uns über diese Bestürzung, weil doch eigentlich das Volk Gottes auf seinen Messias wartete, der – wie sie meinten – sie endlich von der Herrschaft der Römer befreien sollte! Doch ihre Reaktion zeigt ihren Zustand: Finsternis. Das Licht kam in diese Welt und stand im Begriff, jeden Menschen ins Licht Gottes zu stellen (vgl. Joh 1,9). So bloßgestellt zu werden ist dem Menschen unangenehm.

Wir wollen nicht vergessen: Auch diese Bestürzung seines Volkes hat der Herr Jesus empfunden und darunter gelitten. „Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an“ (Joh 1,11). Der falsche König wurde hofiert – der wahre wurde von Beginn an abgelehnt.

Der Ungehorsam der Priester

Der politische Führer tut das aus seiner strategischen Position heraus einzig richtige: Er zieht Erkundungen ein. Dazu bedient er sich der religiösen Elite des Volkes Israel – die Hohenpriester und Schriftgelehrten. Von ihnen erhofft er sich Klarheit, wo der Messias, von dem die Magier gesprochen hatten, geboren werden sollte.

Es ist auffällig, dass Herodes die Tatsache der Geburt des Christus überhaupt nicht in Zweifel zieht. Vielleicht hatte auch er schon gehört, auch wenn es ihm bislang nicht wichtig war, dass nach den „Schriften der Juden“ einmal ein vorhergesagter König kommen würde, welcher der Gesalbte des Volkes Israel sein sollte. Aber wo er geboren werden sollte, wusste er nicht. So genau also war er nicht in den Schriften (des Alten Testaments) bzw. in den Traditionen verwurzelt. Daher die Frage an die „Fachleute“. Mit der richtigen Antwort könnte er seinen Konkurrenten sofort töten lassen.

An dieser Stelle wird sofort deutlich, dass der Zustand der religiösen Führung des Volkes nicht in Ordnung sein konnte. Denn nie finden wir im Alten Testament einen Hinweis auf „die Hohenpriester“ – also eine Mehrzahl von Hohenpriestern. In Zeiten des Übergangs (bei David), als die beiden Linien von Eleasar und Ithamar parallel die Priesterschaft ausmachten, gab es eine gewisse Koexistenz. Aber danach war es immer nur ein Hoherpriester, der vor dem HERRN stand. Hier – und durchgehend in den Evangelien – lesen wir von Hohenpriestern bzw. von einem Hohenpriester, der in diesem oder jenem Jahr im Amt war. Das war schlicht Ungehorsam gegenüber Gottes Wort, wo immer nur von dem Hohenpriester die Rede war.

Die religiösen Führer Israels wussten – aber wollten nicht!

Die Antwort der Hohenpriester und Schriftgelehrten erstaunt sehr. Sie wissen genau, dass der Christus in „Bethlehem in Judäa“ geboren werden sollte. Wenn sie die Schriften so genau kennen, dann sollte ihnen auch nicht entgangen sein, dass Daniel den Zeitpunkt seines Kommens vorhergesagt hatte. Warum waren sie dann nicht längst auf dem Weg, um den König – ihren eigenen Messias – in würdiger Weise in Empfang zu nehmen?

Spätestens jetzt waren sie aufgefordert, Ihn zu suchen, um Ihm zu huldigen. Zwar standen sie der Geburt des Königs nicht gleichgültig gegenüber, sonst wären sie nicht bestürzt gewesen. Aber dass sie sich aufraffen würden, zu dem Christus zu gehen, das war sozusagen zu viel verlangt. Aber wie hätten sie das tun können, wo sie doch – wie wir oben mehrfach gesehen haben – in absoluter moralischer Finsternis lagen? Vor diesem Hintergrund sind wir über Untätigbleiben gar nicht erstaunt, nein, leider war dies die normale, logische Folge ihres Zustandes.

Wie schlimm ist es, wenn Menschen mit ihrem Verstand alles wissen – und diese religiösen Führer waren offensichtlich genau im Gesetz unterrichtet – und dennoch nicht bereit sind, den Christus in ihre Herzen aufzunehmen, sich vor Ihm zu demütigen und vor Ihm niederzufallen. Auch heute gibt es Menschen, die alles wissen, und dennoch nicht bereit sind, sich vor dem Herrn Jesus Christus zu beugen und Ihn als Retter anzunehmen.

Selbst bei Gläubigen ist es möglich, dass man vieles mit dem Verstand weiß, das Herz aber weit entfernt ist, sich in Liebe dem Wort des Herrn unterzuordnen. Diesen gilt das Wort aus Epheser 5,14: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf aus den Toten, und der Christus wird dir leuchten! Das Wissen allein nützt nichts – es erhöht nur die Verantwortung. Das Verwirklichen des Wissens in einem reinen, aufrichtigen und gehorsamen Herzen ist dem Herrn Jesus dagegen wohlgefällig und ehrt Ihn.