04.05.2007Jesus Christus / Gott | Persönlicher Glaube | Matthäus

Fürchtet euch nicht

1. Der Herr Jesus unser Vorbild

Soeben hat der Herr Jesus seine Jünger darauf vorbereitet, dass sie in dieser Welt keine bessere Behandlung zu erwarten haben als Er, ihr Meister. Auf seinem Weg über diese Erde offenbarte Er die Gnade und Wahrheit Gottes. Aber viele nahmen Ihn nicht an. War dies ein Zeichen dafür, dass Er auf dem falschen Weg war? Keineswegs! Der Weg, den Er in Demut zurücklegte, war der Ihm von Gott vorgeschriebene Pfad. Ihn sollen auch seine Jünger gehen, und Er ermutigt sie dazu mit den tröstlichen Worten: "Fürchtet euch nun nicht vor ihnen" (V 26). So begegnet Er der möglicherweise in ihnen aufsteigenden Angst und Sorge. In schwierigen Lagen dürfen sie sich daran erinnern, dass auch ihr Herr auf seinem Weg Unverständnis, Widerstand und Anfeindungen zu ertragen hatte.

"Denn es ist nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und verborgen, was nicht kundwerden wird." Die Gründe für den Unglauben und den Widerstand der Menschen werden - wenn nicht sofort - später einmal offenbar werden. „Was ich euch sage in der Finsternis, redet in dem Lichte, und was ihr höret ins Ohr, rufet aus auf den Dächern" (V 27). Mit diesen Worten ermuntert Er die Jünger, freimütig von Ihm vor der Welt zu zeugen.

2. Keine Menschenfurcht!

Dann folgt die zweite Aufforderung des Herrn: "Fürchtet euch nicht" (V 28). Die Macht der Feinde mag so weit reichen, dass sie die Jünger des Herrn töten, doch weiter geht sie nicht. Wer durch den Glauben an das Erlösungswerk Christi errettet ist, braucht deshalb die Verfolger nicht zu fürchten. Aber, mag mancher seiner Jünger gedacht haben und auch heute mancher Leser einwenden, ist das nicht schon schrecklich genug? Müssen wir denn damit rechnen, für den Herrn zu sterben? Viele Kinder Gottes haben für Ihn ihr Leben gelassen, und zwar bis in die allerjüngste Zeit hinein. Doch auch wenn es nicht bis zum Äußersten kommt, werden wir als Gläubige mit der Frage konfrontiert: Dürfen wir uns wegen unseres Herrn und unseres Glaubens vor Menschen fürchten? Menschenfurcht kann eine große Gefahr für unser Glaubensleben sein. Hat sich nicht jeder Jünger des Herrn schon einmal gefürchtet oder auch nur geschämt, ein Zeugnis von seinem Glauben an seinen Heiland abzulegen? Das ist Menschenfurcht.

Davor warnt der Herr Jesus seine Jünger hier mit den Worten: "Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen." Feindliche Menschen mögen Hab und Gut, ja auch das Leben nehmen; aber seine lebendige Seele vermögen sie nicht zu töten, und das ewig sichere Heil vermögen sie ihm nicht zu rauben. Der Gläubige soll vielmehr den fürchten, "der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle". Hier wird nicht die Heilsgewissheit in Frage gestellt, denn die Seinen sollen sich nicht vor Gott fürchten, sondern Ihn fürchten, d. h. Ihm in Gottesfurcht begegnen. Doch jeder, der den von Ihm gesandten Erlöser nicht annimmt, muss wissen, dass er nach Leib und Seele in der Hölle das ewige Verderben (2. Thessalonicher 1,9) erleiden wird.

Viele ungläubige Menschen versuchen, den Ernst einer Glaubensentscheidung mit den Worten von sich zu schieben: Mit dem Tod ist alles aus! Aber der Herr Jesus sagt hier klar und deutlich, dass die Seele des Menschen nicht getötet werden kann und somit auch nicht stirbt, sondern nach dem leiblichen Tod weiter existiert. Das gilt sowohl für Gläubige als auch für Ungläubige. Doch während diejenigen, die in ihrem Leben den Herrn Jesus als ihren Heiland angenommen haben, bei Christus im himmlischen Paradies sind, wenn sie entschlafen sind (Lukas 23,43; Philipper 1,23), müssen die Unbekehrten unmittelbar nach ihrem Tod die Qualen und die Pein des Hades erleiden (Lukas 16,23 f). Nein, der Tod ist nicht das Ende! Die Entscheidung für die Ewigkeit muss jedoch während unseres Erdenlebens getroffen werden. "Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohne Gottes nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm" (Johannes 3,36).

3. Die Fürsorge unseres Vaters

"Werden nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig verkauft? Und nicht einer von ihnen fällt auf die Erde ohne euren Vater; an euch aber sind selbst die Haare des Hauptes alle gezählt" (V 29.30). Sperlinge gelten heute noch in manchen südlichen Ländern als Leckerbissen, obwohl diese weitverbreiteten kleinen Vögel keinen großen Wert haben. Nur einen Pfennig (Assarion, der 16. Teil des römischen Denars und der griechischen Drachme) kosteten damals zwei Sperlinge, und nach der Parallelstelle Lukas 12,6 gab es für zwei Pfennige nicht nur vier, sondern noch einen obendrein! Doch auch diese unscheinbaren Tiere stehen unter der Obhut desselben Gottes, den die Jünger des Herrn schon damals als ihren Vater kennen lernen durften! Er, der die Sterne gezählt hat und sie alle mit Namen nennt (Psalm 147,4), hat auch die Haare des Hauptes der Seinen gezählt! Könnte die Sorgfalt, Fürsorge und Liebe unseres Gottes noch einfacher oder deutlicher ausgedrückt werden?

Schon in Kapitel 6,26 finden wir, wie der Herr die Vögel als Beispiel der Fürsorge des himmlischen Vaters erwähnt und seine Jünger zugleich daran erinnert hatte, dass sie doch viel vorzüglicher waren. Mit demselben Hinweis ermuntert Er sie nun in diesem Abschnitt zum dritten Mal: "Fürchtet euch nun nicht; ihr seid vorzüglicher als viele Sperlinge" (V 31). Welch einen Wert haben doch die Erlösten in den Augen des Vaters! Ach, an und für sich sind sie nicht besser als ihre Mitmenschen. Wert und Würde haben sie nur in Christus, seinem geliebten Sohn, empfangen. Das allein macht sie kostbar in den Augen ihres Gottes und Vaters. Nicht die Beschäftigung mit uns selbst, sondern das vertrauensvolle Aufschauen zu dem, der der Erhalter aller Menschen, besonders aber der Gläubigen ist (1. Timotheus 4,10), darf uns Vertrauen, Ruhe und Freiheit von Furcht in dieser Welt schenken.

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Erschienen in: Ermunterung und Ermahnung, 1995, S.6