01.04.2007Lebensbilder

Kaupp, Franz Kaupp (1866 - 1945)

Seine Jugend und Bekehrung

Schon mit fünf Jahren kam er zur Schule, und da er immer der beste Schüler und sehr lernbegierig war, durfte er die „Mittelschule" besuchen. Mit vierzehn Jahren kam er zu einem Bäckermeister in die Lehre, der jedoch nach einem Jahr starb. So zog er - kaum fünfzehnjährig - in die Fremde und fand zunächst in Straßburg, danach in Mülhausen Arbeit. Dort arbeitete ein älterer Vetter, der eine christliche Gemeinschaft besuchte und den jungen Franz Kaupp öfter zu den Versammlungen abholte. Hier traf er mit Charles Vodoz zusammen, der ihm mit dem Zeigefinger aufs Herz deutete und zu ihm sagte: „Franz, du bist ein verlorener Sünder!" Diese offenen Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Er anerkannte das göttliche Urteil, und im Blute des geschlachteten Lammes fand er bald darauf Vergebung der Sünden und Frieden mit Gott. Fortan kannte er nichts anderes als Jesus zu loben und Seinen Namen zu bekennen.
Mit großem Eifer besuchte er nun die Zusammenkünfte der Gläubigen. Trotz durchgearbeiteter Nächte ließ er sich nicht abhalten, mehr von Gott und Seinem Wort zu hören.
Als Zwanzigjähriger kam Franz Kaupp wieder nach Freudenstadt zurück. In Gottlob Stufft, der durch ihn zum Glauben kam, fand er einen treuen Freund, durch den wieder andere zu Jesus geführt wurden, und so entstand in Freudenstadt eine kleine Versammlung. Seine Mutter, die im Verborgenen die Schriften und Traktate ihres Sohnes gelesen hatte, kam ebenfalls zum Glauben und in die Gemeinschaft mit den Brüdern.

Seine berufliche Laufbahn

In dieser Zeit fing Franz Kaupp an, Französisch zu lernen, um dann als Wanderbursche in die französische Schweiz zu ziehen. Im Selbststudium lernte der Bäckergeselle in seiner kargen Freizeit außerdem Griechisch, Lateinisch, Englisch und später noch Hebräisch.

Nach zwölf Jahren Wanderschaft in der Schweiz und im Elsass machte er sich in Gebweiler selbständig. Im September 1893 heiratete er Sophie Schweizer. In jeder freien Minute widmete er sich weiterhin seinen Studien. Seine Bücher lagen stets offen auf seinem Schreibtisch; niemand durfte sie berühren. Aus Liebe zum Studium des Wortes vermietete er 1906 die Bäckerei und wurde Büroangestellter in einer Mehlhandlung. Er hatte nur die Ein- und Ausgänge im Magazin zu überwachen und deshalb viel Zeit für seine persönliche Lektüre. Im April 1911 verlor er seine geliebte Gattin, so dass er seine einzige Tochter schweren Herzens für zwei Jahre in Pension geben musste. In dieser Zeit fand er großen Trost im Worte Gottes, dem er sich noch mehr als früher widmete. Für seinen eigenen Gebrauch schrieb er Betrachtungen und Studien bis in die späte Nacht.
Nach dem ersten Weltkrieg (1914 - 1918) wurde Franz Kaupp am 1. April 1919 als Deutscher aus dem Elsass ausgewiesen, obwohl er sich, getreu dem göttlichen Wort, jeder Politik ferngehalten hatte. Nur was er mit seinen beiden Händen tragen konnte, durfte er mitnehmen. Sein Haus und all sein übriges Hab und Gut musste er zurücklassen. Aber er nahm dies alles aus Gottes Hand. Er kam wieder nach Freudenstadt im Schwarzwald und fand dort bis zum Jahre 1944 eine Anstellung im Verkehrsbüro der Kurverwaltung. Im April 1925 verheiratete er sich mit der Handarbeitslehrerin Fanny Wirth.

Sein schriftlicher Dienst

Jeden freien Augenblick benutzte er zu schriftstellerischen Arbeiten. Viele Fragenbeantwortungen (1968 teilweise in Buchform bei E. Paulus, Neustadt, erschienen) und manche Kalenderblätter sind aus seiner Feder hervorgegangen. Er übersetzte John Nelson Darbys „Wegzehrung für den Pilger" sowie die Betrachtung über den Kolosserbrief von William Kelly. Als in den zwanziger Jahren die sogenannte „Stündchenbewegung" mit ihren zum Teil völlig un-schriftgemäßen Lehren unter Leitung von Dr. Hans Becker an Boden gewann, mehrten sich die Anfragen beunruhigter Geschwister an Franz Kaupp. In vielen ausführlichen und gründlichen Briefen bezeugte er kräftig und deutlich die Wahrheit und wies auch die Leiter der neuen Bewegung immer wieder auf die „alten Pfade" hin. Besonders hervorzuheben ist dabei seine Schrift „Die Ekklesia Gottes" vom November 1937 (also bereits nach dem Versammlungsverbot), in der er die Grundsätze des BfC (Bund freikirchlicher Christen) anhand des Wortes Gottes untersucht und verwirft.

Zur Zeit des "Versammlungsverbots"

Am 28. April 1937 wurde das Verbot der sogenannten „Christlichen Versammlung" in Deutschland veröffentlicht. Es wirkte wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Versammlungsräume wurden geschlossen, Bibeln und Liederbücher beschlagnahmt. Aber Franz Kaupp versammelte sich mit den Geschwistern nach wie vor nach Gottes Wort, so dass er von der Geheimen Staatspolizei verhaftet und am 8. Februar 1938 vor Gericht gestellt wurde. Der Präsident des gefürchteten Sondergerichts versuchte durch heftige Ausfälle den Angeklagten einzuschüchtern. Franz Kaupp stellte in schlichten Worten den Tatbestand fest, dass es sich bei den Zusammenkünften um ein klares Bekenntnis zu der Person des Sohnes Gottes, Jesus Christus, handle; einen weiteren Zweck hätten die Versammlungen nie verfolgt. Politische Dinge seien in ihrer Mitte nicht erörtert worden, so dass die gegen ihn erhobene Anklage nicht zutreffe. Daraufhin wurde ihm jede religiöse Tätigkeit — sowohl mündlich als auch schriftlich — verboten. Auch die öffentlichen Zusammenkünfte wurden im Urteil erneut verboten. Franz Kaupp besuchte daraufhin weiter Freunde und Bekannte, um zu trösten und zum Ausharren in Christo zu ermuntern.

Im Jahre 1942 regte sich die Gestapo erneut, nachdem sie sich längere Zeit ziemlich passiv verhalten hatte. An vielen Orten kam es wieder zu Hausdurchsuchungen und Verhaftungen. Auch Franz Kaupp wurde im November 1942 nochmals verhaftet. Er kam in das Gefängnis von Freudenstadt, wurde aber vom Amtsrichter nach fünf Tagen auf freien Fuß gesetzt. Als die Gestapo dies erfuhr, wurde er wiederum in Haft genommen, und es fand eine Hausdurchsuchung bei ihm statt. Dabei wurden viele seiner Bücher und vor allem auch seine wertvollen Manuskripte, die Frucht seiner Arbeit von über dreißig Jahren, beschlagnahmt. Bei der Gerichtsverhandlung wurde ihm zur Last gelegt, die verbotenen christlichen Versammlungen auf schriftlichem Wege weitergeführt zu haben. Ihm wurde angedroht, dass man in Zukunft keine Rücksicht auf sein hohes Alter nehmen würde, wenn er wieder biblische Fragen beantworte und mit der Bibel in der Tasche Besuche mache; er komme dann nicht mehr ins Gefängnis, sondern ins Konzentrationslager. Er wurde zu einer Geldbuße von tausend Mark verurteilt und am 31. Dezember aus der Haft entlassen. Auf eine schriftliche Anfrage bei der Gestapo mit der Bitte um Rückgabe seiner Manuskripte wurde ihm mitgeteilt, dass es sich hierbei um „unerwünschtes Schrifttum" handle, das beschlagnahmt bleibe.

Sein Heimgang

Franz Kaupp war einer der Zeugen, die mannhaft, treu und furchtlos in den Zeiten des Versammlungsverbotes nach dem Grundsatz gehandelt haben: „Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen" (Apostelgeschichte 5,29). Im November 1944 war er zu einer Beerdigung in Pforzheim. Merkwürdigerweise hatten die Behörden den Brüdern nicht verboten, bei Beerdigungen das Wort Gottes zu verkünden. Auf der Heimreise griffen Kampfflugzeuge die Eisenbahn an, und alle Reisenden stürzten aus den Waggons. Vom kalten und feuchten Novemberwetter durchnässt und steifgefroren kam er nachts in Freudenstadt an. Er hatte sich eine schwere Grippe zugezogen, von der er sich nicht mehr erholte. Eine Schwester, die ihn besuchte, fragte ihn: „Nicht wahr, Bruder Kaupp, es ist doch schön, wenn man gerüstet ist, wenn der Herr uns ruft?" - „Gerüstet? Was, bloß gerüstet? Nein, in Spannung bin ich, wie es sein wird, wenn ich den Herrn sehe!" antwortete Franz Kaupp. Am 8. Februar 1945 entschlief er ruhig in seinem Herrn. Obwohl in diesen Wochen Bombenangriffe an der Tagesordnung waren, war am Tage seiner Beerdigung kein Flugzeug zu sehen. Drei Tage später jedoch zerstörte eine Bombe das Kurhaus vollständig. Seine Arbeitskollegen bemerkten zu seiner Gattin: „Wenn Herr Kaupp noch in unserer Mitte gearbeitet hätte, wäre keine Bombe auf den Kursaal gefallen". Solch ein Vertrauen hatten sie zu ihrem Kollegen!

Er war in Wahrheit überall und auf seinem ganzen Lebenswege ein Zeugnis für Jesus, seinen Heiland und Herrn.
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