01.02.2007Persönlicher Glaube | Dienst | Versammlung / Gemeinde

Ausgewogen

„Und er [Josia] wandelte auf den Wegen seines Vaters David und wich nicht zur Rechten noch zur Linken" (2. Chronika 4,2). Dieses Urteil Gottes über Josia wird uns sogar zweimal mitgeteilt. Er zeichnete sich durch Hingabe, Geradlinigkeit und Ausgewogenheit aus, denn er wich weder zur einen noch zur anderen Seite ab. Im Neuen Testament gibt es zwar keinen entsprechenden wörtlichen Vers, aber wir finden den Hinweis von Paulus: „indem wir in keiner Sache irgendeinen Anstoß geben..., sondern uns selbst in allem als Gottes Diener erweisen,... durch die Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken..., als Traurige, aber allezeit uns freuend;... als nichts habend und alles besitzend" (2. Korinther 6,4-10). Wir sollen Gerechtigkeit in ausgewogener Weise praktisch darstellen, eben nicht nur rechts, sondern auch links, ohne daß diese beiden Seiten eine direkte Meinungsrichtung andeuten sollen, wie wir sie heute darin sehen.

Lehre und Praxis gehören zusammen

Ausgewogenheit ist ein Kennzeichen der ganzen Schrift. Wir finden nicht nur Lehre, sondern Lehre und Praxis - übrigens auch nicht nur Praxis, sondern diese immer in Übereinstimmung mit der Lehre. Wenn uns der Apostel Paulus im Epheserbrief äußerst hochstehende Belehrungen über die Stellung des Gläubigen (Kapitel 1) und der Versammlung (Kapitel 2 und 3) mitteilt, zeigt er uns zugleich, daß wir diese großartigen Beziehungen hier auf der Erde als Geschwister gemeinsam (Kapitel 4), als Christen persönlich (Kapitel 5), in unseren Ehen (Kapitel 5,22-33), Familien (Kapitel 6,1-4) und in unseren Arbeitsverhältnissen (Kapitel 6,5-9) praktizieren können und sollen.

Wenn Paulus in 2. Timotheus 2 jeden Christen auffordert, von der Ungerechtigkeit abzustehen (Vers 19) und sich von Gefäßen zur Unehre abzusondern (Vers 21), dann weist er zugleich auf die positive Seite hin, daß ein Gläubiger zusammen mit anderen den Herrn anrufen darf und soll aus reinem Herzen (Vers 22).

Auch bei dem Apostel Johannes finden wir diese Ausgewogenheit. Wenn er auffordert, zurückzukehren zu dem, was von Anfang war (1. Johannes 1,1) und damit jeden Fortschritt und jedes Wachstum der Wahrheit ausschließt, dann macht er doch deutlich, daß jeder einzelne Christ ein Wachstum vom Kindlein über den Jüngling zum Vater in Christus erleben sollte (Kapitel 2,13-14). Wenn Johannes im 2. Brief ermahnt, Liebe nicht auf Kosten der Wahrheit zu üben, dann warnt er im 3. Brief, Wahrheit nicht auf Kosten der Liebe zu praktizieren. Das sind nur wenige Beispiele, die uns zeigen, daß das Wort Gottes immer vollkommen ausgewogen ist.

Belehrung von Gläubigen und Evangeliumsverkündigung

Diese zwei Seiten einer Sache sind auch noch in einem anderen Zusammenhang von Wichtigkeit, nämlich dann, wenn es darum geht, die biblische Belehrung von Gläubigen und die Evangeliumsverkündigung an Ungläubige in einem ausgewogenen Verhältnis zu praktizieren. In Epheser 4,11 lesen wir, daß der verherrlichte Herr sowohl Evangelisten als auch Hirten und Lehrer gegeben hat, und daß beide Gruppen zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes und für die Auferbauung des Leibes des Christus beitragen dürfen.

Es gibt eben nicht nur Evangeliumsverkündigung, und es gibt auch nicht nur die Belehrung der Gläubigen. Beides darf und muß in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Das erkennen wir auch aus dem 4. Kapitel des 2. Timotheusbriefes. Timotheus sollte das Wort Gottes predigen (Vers 2) und mit aller Langmut und Lehre ermahnen (Vers 2). Er sollte sich dabei durch den Verfall der Christenheit nicht entmutigen lassen, sondern fortfahren in diesem Dienst an den Christen. Bei all diesen Schwierigkeiten „innen" sollte er aber keineswegs das Evangelium aus den Augen verlieren. „Tu das Werk eines Evangelisten" (Vers 5) lautet der ergänzende Auftrag der Ausgewogenheit. Obwohl Timotheus wahrscheinlich kein Evangelist war, sollte er doch angesichts des traurigen Zustandes der Gläubigen und der Christenheit im allgemeinen dieses evangelistische Werk nicht vergessen und vernachlässigen - übrigens auch nicht seinen eigentlichen Dienst des Lehrers und Hirten (Vers 5).

J. N. Darby schrieb

In diesem Zusammenhang gibt es in einem Brief J.N. Darbys eine Aussage, die interessant erscheint: „Ich bin überzeugt, daß zu allen Zeiten der Segen innerhalb [des christlichen Zeugnisses des Gläubigen] in dem Maß vorhanden sein wird, wie ein Geist des Evangelisierens existiert. Der Grund dafür ist sehr einfach. Es ist die Gegenwart Gottes, die segnet, und Gott ist Liebe. Es ist Liebe, die jemanden dazu bringt, Seelen nachzugehen. Es geht überhaupt nicht darum, die Sorge um Seelen von Gläubigen zu verachten oder zu vernachlässigen. Nichts ist wichtiger als das - an seinem Platz. Aber es scheint mir, daß diese beiden Dinge zusammen gehen, wo die Liebe Gottes gefunden wird." Im Anschluß an diese Gedanken betont Darby noch einmal die Wichtigkeit der lehrmäßigen biblischen Grundsätze und schließt dann mit folgenden Worten: „Aber Gott liebt Seelen, und wenn wir sie nicht [zu gewinnen] suchen, dann wird Er Sein Zeugnis irgendwo anders hinsetzen. Er liebt uns, davon bin ich überzeugt. Aber Er hat uns nicht nötig."

Zweifellos lehrt die Versammlung als solche genauso wenig wie sie evangelisiert. Aber so, wie sie eine Atmosphäre zuläßt, in der sie sich belehren lassen kann, wird sie - das heißt werden die Geschwister - besorgt sein, daß sich an „ihrem" Ort Geschwister des Evangeliums annehmen. Wenn die Versammlung geistliches Wachstum im „Innern" wünscht, dann wird es Geschwister geben, die sich darum bemühen, auch an einem solchen Ort das Evangelium an Ungläubige weiterzugeben. Die Liebe, die zu diesen Sündern ausgeht, wird erfinderisch sein und Wege suchen, die in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes sind. Diese Arbeit bedarf unser aller Unterstützung - und sei es durch Gebet - weil heute viel Mut dazu gehört.

Inneres geistliches Wachstum wird es auch bei uns heute nur dann geben, wenn es zugleich ein Herz für das Evangelium gibt, das sich in Taten zeigt. Daher sucht der Herr noch Evangelisten, die den Mut haben, an Ort und Stelle aktiv zu werden. Und wir brauchen Beter, Hirten und Lehrer, die ebenso ihre Aufgaben mit Freuden tun.
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