05.02.2007 Versammlung / Gemeinde

Die Alten Pfade

"Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast" (2 Timotheus 3, 14).

Wir leben in den letzten Tagen und die schweren Zeiten sind für jeden offenbar, der mit Gott lebt. Unwissenheit und Ungehorsam, wenn sie auch nicht immer mit Absicht vorhanden sind, berauben viele des großen Segens der Vorrechte, die wir als Versammlung haben. Wo Gläubige das tun, was in ihren eigenen Augen richtig ist, gibt es unvermeidlich eine Vernachlässigung des Zeugnisses, das der Versammlung auf Erden anvertraut ist. Damit einher geht der Verlust der segnenden und auferbauenden Hand des Herrn (Richter 21,25; 1 Tim. 3,15).

Diese Zeilen sollen uns an einige Dinge erinnern, die wir gelernt haben. Sie wurden mit dem Wunsch geschrieben, uns gemeinsam in die alten Pfade zur Ruhe unserer Seelen und Freude Christi zu führen.

1. Die Autorität des Wortes Gottes

Das inspirierte Wort ist der vollständige Ausdruck der Gedanken Gottes. Es hat absolute Autorität. Es ist die Richtschnur sowohl des persönlichen christlichen Lebens als auch des gemeinsamen Lebens der Versammlung (Gemeinde/Kirche). Es ist das Wort der Gnade Gottes, durch das Gott uns auferbaut (Apostelgeschichte 20, 32).

Gehorsam dem Wort gegenüber ist der einzige Weg, um Segen zu erhalten. Während es für bestimmte Umstände keine spezielle Antwort durch eine besondere Schriftstelle geben mag, wird die Gesinnung des Herrn immer in Herz und Gewissen gelernt, in der Unterordnung unter sein Wort (Sprüche 2, 10).

2. Der Gläubige und die zwei Naturen

Jedes menschliche Geschöpf, das in diese Welt geboren wird, ist ein verlorener Sünder (Römer 5,12; Psalm 51,5). Das Böse ist weder im "menschlichen Material" selbst noch in dem menschlichen Organismus (und ihren Fähigkeiten) als solcher. Der Mensch wurde, als er aus der Hand des Schöpfers hervorkam, als "sehr gut" bezeichnet (1. Mose 1,31). In dem Menschen jedoch, wie er als Nachkomme des gefallenen Adam existiert, ist alles Elend und Schmutz (Jesaja 1,6; Römer 3,10-18). Gott bezeichnet diesen Zustand als hoffnungslos (Jesaja 2,22; Epheser 2,12).

Durch Glauben an Christus und sein Werk erhält der Gläubige von Gott das Geschenk des ewigen Lebens, Christus selbst (1 Johannes 5,11,20). Indem der Gläubige den alten Menschen abgelegt hat, zieht er den neuen Menschen an (Epheser 4,22-24). Er wird ein Kind Gottes und als solches in die Familie des Vaters geführt (Johannes 1,12). Von diesem Moment an wird der Gläubige (Geist, Seele und Körper), mit allen seinen Fähigkeiten, der Wohnort von zwei Naturen: eine ist der "Geist " und die andere das "Fleisch" (Johannes 3, 6).

Die Koexistenz dieser zwei Naturen in dem Gläubigen führt zu einem inneren Konflikt zwischen Fleisch und Geist . Ein nachlässiger Gläubiger wird die "Werke des Fleisches" anstatt die "Frucht des Geistes" hervorbringen (Galater 5, 19, 23).

3. Das Haus Gottes auf der Erde und der Leib Christi

Jeder Gläubige (wiedergeboren und durch den Heiligen Geist versiegelt) ist ein lebendiger Stein im Haus Gottes auf der Erde und auch ein Glied des Leibes Christi (1 Petrus 2,5; Römer 12, 5). Der Leib Christi ist nicht Fehlern oder einem Zusammenbruch unterworfen. Im Gegensatz dazu gerieten die ursprünglichen Gedanken Gottes hinsichtlich seines Hauses auf Erden durch die Untreue des Menschen in Vergessenheit. Das Christentum ist ein großes Haus geworden, wo nur der Herr diejenigen kennt, die sein sind (2. Timotheus 2,19).

Die erste Eigenschaft des Hauses Gottes, des Tempels des Heiligen Geistes, ist Heiligkeit (1. Kor. 3,16; Psalm 93,5; 1. Petrus 1,15-16). Nun nimmt das, was heilig ist, nicht die Unreinheit hinweg, sondern Unreinheit wird immer das verunreinigen, was heilig ist (Haggai 2,12-13). Sauerteig (ein Bild des moralischen oder lehrmäßigen Bösen) verdirbt die ganze Masse (1. Kor. 5,6; Galater 5,9).

Daher werden Christen, die wünschen, ihrem Herrn treu zu sein, aufgerufen, nicht nur zu Ihm außerhalb des Lagers zu gehen, sondern sich von den Gefäßen zur Unehre abzuwenden (Hebräer 13,13; 2. Timotheus 2,19-22). Dies schließt neben der Trennung von bösen Lehrern auch die Trennung von denen mit ein, die durch Verbindung mit ihnen verunreinigt sind. Diejenigen, die den Herrn aus einem reinen Herzen anrufen, finden sich dann zusammen, und das mit seiner Verheißung, in ihrer Mitte zu sein (Matthäus 18,20).

4. Die örtliche Versammlung; ihre Natur und ihre Verantwortlichkeiten

An einem Ort sind diejenigen Christen (zwei oder drei), die sich von Ungerechtigkeit getrennt und zum Namen des Herrn hin versammeln, (wenn sie die Gedanken Gottes in Bezug auf seine Versammlung verwirklichen), der örtliche Ausdruck der Versammlung, des Leibes Christi (1. Korinther 12,12,27). Solche örtlichen Zusammenkommen von Gläubigen sind nicht voneinander unabhängig: Ihre Einheit ist die des Leibes Christi, örtlich dargestellt durch jede einzelne dieser Versammlungen.

Christus ist die Quelle alles Lebens und jeder Aktivität der Gläubigen durch das Wirken des Heiligen Geistes, zur Auferbauung des Leibes, der Versammlung. Alle Gläubigen sind Glieder voneinander und werden ermahnt, "die Einheit des Geistes im Band des Friedens zu bewahren" (Epheser 4,3).

Die örtliche Versammlung ist der Bereich des gemeinsamen Lebens der Gläubigen. Dort wird der Vater angebetet, und dort wird das Gebet der Versammlung vor Ihm gebracht. Dort wird auch die geistliche Nahrung von Christus für seinen Leib empfangen (durch die Gaben). Keine Aktivität, die in einem Geist der Unabhängigkeit, was die Versammlung betrifft, stattfindet, wird zu dauerhaftem Segen führen, obgleich sie für eine gewisse Zeit nützlich scheinen mag.

Die Versammlung wird auch mit dem Vorrecht des Bindens und des Lösens auf Erden betraut (Matthäus 18,18). Eine Versammlungsentscheidung, die in dem Namen des Herrn an einem Ort durch solche getroffen wird, die zu seinem Namen versammelt sind, wird im Himmel bestätigt. Alle Versammlungen, die den Leib Christi darstellen, erkennen diese prima facie (grundsätzlich) an. Diese praktische Übereinstimmung der Versammlungen ist eine wesentliche Wahrheit. Sie ist Grundlage der eigentlichen Existenz von Versammlungen.

5. Die zwei Dienste des Evangeliums und der Versammlung

Während der gegenwärtigen Gnadenzeit nimmt Gott ein Volk für seinen Namen aus der Welt heraus (Apostelgeschichte 15,14). Der Zweck, mit dem Christus dies tut, ist, seinen Leib zu bauen. Zu diesem Zweck hat jedes Glied empfangen entsprechend dem Maß der Gabe des Christus (Epheser 4,7). Insbesondere gibt es die Evangelisten, die Seelen in die Versammlung hinein holen, und Hirten und Lehrer, die für die Vervollkommnung der Gläubigen (Epheser 4,11-12) tätig sind. Und schließlich gibt es die Selbstauferbauung des Leibes in Liebe (Epheser 4,16).

Der Apostel Paulus war ein Diener des Evangeliums und ein Diener der Versammlung (Kolosser 1,23.25). Seine zwei Dienste wurden in vollkommener Übereinstimmung durchgeführt, um Gottes Ratschlüsse zu erfüllen. Heute werden wir dazu eingeladen, in dem zweifachen Aspekt dieser Arbeit mitzuwirken, entsprechend der "Wirksamkeit in dem Maß jedes einzelnen Teiles" (Epheser 4,16).

6. Zucht in der Versammlung

Die Verantwortung in der Versammlung wird in dem Bereich ausgeübt, der in dem Wort als "drinnen" bezeichnet wird, wo die Rechte des Herrn wirksam anerkannt werden (1. Korinther 5,12). Die ernste Autorität, die vom der Versammlung auf Erden vom Herrn anvertraut wird, muss in Furcht ausgeübt werden, indem die Gedanken des Herrn gesucht und mit der tiefen Überzeugung seiner Zustimmung verwirklicht werden.

Die Versammlung ist nicht unfehlbar und eine Entscheidung, selbst wenn sie "von den Vielen" ist (2. Korinther 2,6), kann falsch sein. Derjenige, der glaubt, dass er falsch behandelt wird, sollte seine Sache im Vertrauen dem Herrn übergeben (Psalm 37,5-6). Demut, Geduld und ein Geist der Sanftmut sind in allem notwendig. Der Herr kann nicht anders als zu antworten, wenn unser Gehorsam "erfüllt" ist (2. Korinther 10,6).

Eine Versammlung, die es ablehnt, Böses zu richten (durch Zucht), würde ihren Charakter als Versammlung Gottes verlieren. Andererseits kann nur Gnade Seelen gewinnen und von einem Fall wieder nach oben ziehen; und Zucht (die immer das Heilen von Wunden als Ziel hat), ist ganz genau das Vorrecht der Liebe.

Das Wort führt uns dazu, in unseren Urteilen vorsichtig zu sein. Insoweit ein Gläubiger betroffen ist, wird die Bezeichnung "ein Böser" nur für jemanden verwendet, der in einem schlimmen moralisch oder lehrmäßig bösen Zustand verharrt. Der Tisch der Dämonen kennzeichnet Götzendienst und kann keineswegs auf irgendeine christliche Versammlung bezogen werden (1. Korinther 10,21). Der Ausdruck wird durch den Apostel benutzt (in Bezug auf Fleisch, das Götzen geopfert wurde), um einen wichtigen allgemeinen Grundsatz zu veranschaulichen: Wenn man an einem Tisch teilhat, hat man Gemeinschaft mit allem, was mit diesem Tisch in Verbindung ist. So werden viele gottesfürchtige Gläubige kirchlich mit Irrtümern identifiziert, ohne dass sie selbst den Charakter von Bösen tragen, und noch viel weniger nehmen sie damit teil an einem Tisch der Dämonen. Dennoch können wir mit diesen Gläubigen keine Gemeinschaft am Tisch des Herrn pflegen.

7. Das Mahl des Herrn und der Tisch des Herrn

Das Mahl des Herrn ist die kostbare Erinnerung seines Todes während der Zeit seiner Abwesenheit (1. Korinther 11,26). Das Herz jedes Gläubigen sollte auf die bewegende Einladung seines Retters antworten. Gleichzeitig ist das Teilnehmen an dem einen Brot (ein Bild des Todes Christi, der als Mensch seinen Körper für uns gegeben hat) der Ausdruck der Einheit des (geistlichen) Leibes Christi hier auf Erden (1. Korinther 10,17).

Das Mahl des Herrn (das Gedächtnis) und der Tisch des Herrn (die Gemeinschaft) werden in der Schrift unterschieden, obgleich sie untrennbar miteinander verbunden sind. Die Antwort auf den Wunsch des Herrn (durch die Teilnahme an seinem Mahl) schließt das Anerkennen seiner Rechte in Bezug auf das persönliche Leben des Gläubigen (1. Korinther 11,27-32) mit ein, aber auch in der Versammlung (am Tisch des Herrn). Dort sind die Gläubigen der Zucht der Versammlung in ihren verschiedenen Formen unterworfen, "einander unterwürfig in der Furcht Christi" (Epheser 5,21).

8. Der Tisch des Herrn und die Einheit des Geistes

Am Mahl des Herrn teilzunehmen, während man an seinem Tisch versammelt ist, ist ein kollektiver Akt, der durch Gläubige durchgeführt wird, die als Versammlung zusammenkommen. Sie sind sich bewusst, dass sie ein örtlicher Ausdruck des ganzen Leibes Christi sind.

Der Herr lädt uns folglich ein, an seinem Tisch jeden Gläubigen aufzunehmen, der in seinem Wandel und in der Lehre des Christus gesund ist. Derjenige, der wünscht, Brot zu brechen, sollte sich allerdings dieses Weges und des Charakters dieses gemeinsamen Zeugnisses bewusst sein. Durch das Brechen des Brotes betritt er den Bereich der Versammlungszucht.

Diese gleiche Wahrheit der Einheit des Leibes hat andere praktische Konsequenzen:

Kein Gläubiger kann am Mahl des Herrn allein auf der Grundlage seiner persönlichen Verantwortlichkeit teilnehmen, als ob er der alleinige Beurteiler seines Zustandes wäre. Er ist nicht frei, das Brot mit irgendeiner christlichen Gemeinschaft seiner Wahl auf unabhängige Weise zu brechen. Ein Bruder hat nicht für sich allein das Recht zu entscheiden, wer am Mahl des Herrn teilnehmen kann.

Eine örtliche Versammlung muss mit großer Vorsicht entscheiden, ob ein Gläubiger gastweise zum Tisch des Herrn zugelassen werden kann oder nicht, und zwar in tiefer Überzeugung, das Gewissen der ganzen Versammlung mit einzubeziehen. Es darf niemals eine bewusste Billigung eines unabhängigen Zustandes von einer Person sein, die die Freiheit haben will, überall hinzugehen, wo es ihr gefällt.

Schließlich kann eine Versammlung, die im Namen des Herrn versammelt ist, keine Person zum Brechen des Brotes empfangen, die auf ihr eigenes Zeugnis hin teilnehmen möchte. Das Empfehlungsschreiben ist das schriftgemäße Mittel, auf praktische Weise die Gemeinschaft zwischen Versammlungen aufrechtzuerhalten (2. Korinther 3,1).

9. Das Wohl der Herde des Herrn

Zu Zeiten geistlichen Niedergangs bleibt die Trennung vom Bösen die göttliche Grundregel der Einheit, die um Christus herum verwirklicht wird. Es gab in der Zeit Nehemias die Notwendigkeit sowohl Tore als auch Mauern um die Stadt Jerusalem herum zu bauen. Die Wächter standen auf den Toren (Jesaja 62,6). Während wir uns jedoch bemühen, diese Absonderung unter Trauer und Demütigung zu verwirklichen, lasst uns auch an das Wohl der Herde des Herrn denken. Mögen wir Gnade predigen, die unsere Herzen zu Christus führt und den Wunsch unserer Seelen auf Ihn lenkt, in der Erwartung seiner Rückkehr.

10. Ein Aufruf an unsere Herzen

Geliebte Geschwister, der Herr hat uns seine Gedanken offenbart, nicht nur hinsichtlich der himmlischen Stellung seiner Versammlung (Gemeinde/Kirche), sondern auch hinsichtlich des Weges und des Zeugnisses der Versammlung auf Erden. Wir haben zusammen die Verantwortung, diese Wahrheiten zu bewahren (2. Timotheus 1,14). Trotz der Worte des Propheten Maleachi ist es nicht vergeblich, wenn wir Gott dienen, indem wir in Furcht und Trauer unser Leben vor Ihm führen (Maleachi 3,14).

Haben wir unsere "erste Liebe" für Christus verlassen (Offenbarung 2,4)? Er ruft uns zu, Buße zu tun, um das Übrige zu stärken, indem wir sein Wort bewahren und seinen Namen nicht verleugnen (Offenbarung 3,2.8).

Lasst uns zusammen auf seine Stimme hören, mit einem zarten Herzen, mit einem zerbrochenen und zerschlagenen Herzen (2 Chronika 34,27; Psalm 51,17). Lasst uns Vertrauen auf die Quellen der Gnade des Herrn und auf die Allgenügsamkeit seines Namens haben.

"Verrücke nicht die alte Grenze, welche deine Väter gemacht haben" (Sprüche 22,28).

"Wenn die Grundpfeiler umgerissen werden, was tut dann der Gerechte?" (Psalm 11,3).