04.01.2007Fragen und Antworten | Jesus Christus / Gott

Das Geschlechtsregister Jesu, Serubbabel und Zitat-Zuordnungen (FMN)


1. Warum entstammt Serubbabel zwei unterschiedlichen Linien?

a) nach Matthäus 1, 12 aus dem Geschlecht Salomos;
b) nach Lukas 3,27 aus dem Geschlecht Nathans.

Tatsächlich wirft das Vorkommen von Serubbabel und Schealtiel in beiden Geschlechtsregistern Fragen auf. Falls es sich um jeweils dieselben Personen im Matthäus- und Lukasevangelium handeln sollte, sind folgende zwei Fragen zu beantworten:

a) Wie kommt die Kreuzung der Geschlechtsregister von Salomo und Nathan zustande?

b) Wie kommt die dann folgende Trennung der Linien wieder zustande?

Im Lukasevangelium wird offenbar das Geschlechtsregister Marias (Joseph ist als Ehemann Marias der [Schwieger-]Sohn Elis, Vers 23) aufgeführt, während es im Matthäusevangelium dasjenige Josephs ist. Weil die beiden Fragen aus meiner Sicht nicht gut zu beantworten sind - denn wieso kommen zwei verschiedene Geschlechtsregisterlinien auf einmal zusammen, um sich danach wieder zu trennen, obwohl es immer um die direkten Nachkommen geht -, erscheint mir nur folgende Lösung möglich, der zum Beispiel auch F. W. Grant folgt (The Numerical Bible, Fußnote zu Mt 1,1-17): Es ist eine „zufällige“ Gleichnamigkeit, aber es handelt sich um unterschiedliche Personen. Serubbabel heißt ja „gezeugt in Babel“ - das traf wohl auf viele Juden damals zu. „Schealtiel“ heißt übersetzt: Den ich von Gott erbeten habe. Auch das ist sicher kein ungewöhnlicher Name.

2. Warum fehlen im Geschlechtsregister von Matthäus 1 verschiedene Könige, die in 1. Chronika 3 aufgeführt werden?


Grundsätzlich ist es in (jüdischen) Geschlechtsregistern möglich, dass man nicht alle einzelne Generationen vollständig benennt. Das ist übrigens nicht nur bei diesem Geschlechtsregister der Fall. Beispielsweise werden im Geschlechtsregister in Esra 7,3 sechs Glieder übersprungen (vgl. 1. Chron 6,33-35). Wenn eine solche Auslassung im inspirierten Text vorliegt, muss es eine göttliche Intention geben. In Matthäus 1 ist die genannte Absicht, 3x14 Geschlechter aufzuzählen, wobei Jekonja zweimal genannt und gezählt wird. Daher fallen einige Namen heraus, vielleicht aber auch, weil es sich teilweise um besonders gottlose Männer (Joahas: 2. Chr 36,1-4; Jojakim: Jer 36,23) gehandelt hat, oder wegen der Bosheit Athaljas (vgl. 2. Mo 20,5; 34,7: 3 Generationen fehlen!). Andere gottlose Menschen wie Amon und Jekonja aber blieben erhalten.

3. Warum wird das Zitat aus Sacharja 11,12-13 in Matthäus 27,9 Jeremia zugesprochen?


Zu dieser Frage gibt es, wenn man sich verschiedene Auslegungen über Matthäus 27 anschaut, eine große Anzahl von Überlegungen und Theorien. Das ist ein Hinweis darauf, dass man diese Frage nicht eindeutig beantworten kann. Ich nenne an dieser Stelle drei Überlegungen:

a) Jeremia spricht in den Kapitel 18 und 19 vom Töpfer, von Blut und von einer Brandstätte (Tophet), und in Kapitel 32,6 ff. von dem Kauf eines Ackers. Darum geht es in Matthäus 27,4-8. Das Zitat aus Sacharja 11 stellt dazu eine Ergänzung dar. Da Jeremia der bekanntere Prophet und der mit dem längeren Bibelbuch war, wird er stellvertretend für sich selbst und Sacharja genannt.

b) Aus Matthäus 16,14 wissen wir, dass Jeremia eine Vorrangstellung vor allen anderen Propheten eingenommen hat. Wahrscheinlich war das nach ihm benannte Bibelbuch damals auch das erste in der Reihe der Propheten. Dann stünde er auch in Matthäus 27 stellvertretend für die Propheten überhaupt, die von diesen Dingen geweissagt haben. Auch in Markus 1,2 f. wird von zwei Propheten nur der bekanntere genannt.

c) Es handelt sich um einen Abschreibefehler, der aus dem Bezug der Verse 4-8 resultiert, wo es Bezüge zu Jeremia gibt. J. N. Darby nennt diesen und den vorherigen Punkt in seiner Betrachtung über das Matthäusevangelium als mögliche Erklärungen (in seiner sogenannten Synopsis).

Was auch immer der tatsächliche Grund für die Nennung von Jeremia sein mag, eines ist klar: Es handelt sich nicht, wie man auch lesen kann, um einen Fehler von Matthäus, der den direkten Bezug nicht im Kopf gehabt hätte. Eine solche Aussage ist eine Lästerung gegen Gott, der der Autor der ganzen Bibel und damit auch dieses Evangeliums ist.

Nebenbei bemerkt ist es interessant, dass im Laufe des Matthäusevangeliums zwölfmal die Ausdruckweise auftaucht: Es „würde erfüllt“, was im Alten Testament geschrieben war. Dabei werden drei unterschiedliche Wendungen benutzt:

a) „Damit erfüllt würde, was durch ... geredet ist“ (1,22; 2,15; 4,14; 12,17; 21,4; 26,54.56): Hier handelt es sich um eine direkte Erfüllung dessen, was im Alten Testament geredet worden war.

b) „Damit [andere Konjunktion im Grundtext als bei Fall a)] erfüllt würde, was durch ... geredet ist“ (2,23; 8,17; 13,35): Hier handelt es sich um eine Erfüllung des Vorhergesagten, die sich aber nicht auf den genannten, konkreten Zeitpunkt beschränkt.

c) „Da wurde erfüllt, was durch ... geredet ist“ (2,17; 27,9): Die Begebenheit erinnert an die genannte Weissagung im Alten Testament in einer erweiterten Sichtweise.

Es ist schön zu sehen, dass der Herr Jesus die Erfüllung der Vorhersagen des Alten Testaments ist. Auf Ihn zielte schon das Alte Testament hin.

(aus: Folge mir nach - Heft 1/2007)
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