08.11.2006 Dienst

Wenn ein Prediger heuchelt ...

Der aktuelle Fall

In der Presse wurde intensiv über einen Mann diskutiert, der angabegemäß in ständigem Kontakt mit dem Präsidenten George W. Bush stand und als ein sehr bekannter Prediger sehr konservative Werte vertrat. Zum Beispiel sprach öffentlich gegen Homosexualität und spezielle Ehe-Rechte dieser Menschen. Damit befand er sich auf biblischem Boden: „Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch ... Ehebrecher, noch Weichlinge, noch Knabenschänder ... werden das Reicht Gottes erben“ (1. Korintherbrief, Kapitel 6, Verse 9 und 10). Die Bibel verurteilt Homosexualität – dafür stehen die beiden Ausdrücke Weichlinge und Knabenschänder – sehr scharf.

Heuchelei ...

Was aber – wie bei diesem amerikanischen Prediger – wenn die eigene Lebensrealität genau dem entspricht, was man verurteilt? Denn auf einmal stellte sich heraus, dass dieser Mann selbst Kontakte zu einem Callboy hatte, dass er sich homosexuell „behandeln“ ließ, usw.!

Selbst verwerflich werden

Paulus schreibt einmal sehr ernst: „Ich zerschlage meinen Leib und führe ihn in Knechtschaft, damit ich nicht etwa, nachdem ich anderen gepredigt habe, selbst verwerflich werde“ (1. Korintherbrief, Kapitel 9, Vers 27). Paulus sagt: Es nützt mir überhaupt nichts, wenn ich wahre Dinge, große Dinge predige, selbst aber „verwerflich werde“. Das heißt letztlich, dass ich die Wahrheit Gottes bringen kann, aber durch mein Leben zeige (irgendwann), dass ich selbst überhaupt kein Leben aus Gott habe!

Unser Leben muss hinter dem stehen, was wir sagen, was wir predigen. Sonst wäre es besser, wir hätten den Mund nie aufgetan. Denn durch das, was wir sagen, erhöhen wir unsere Verantwortung vor Gott.

Sich selbst unter das Urteil stellen

Dieser Tage las ich in einem Buch: „Als Autor dieser Gedanken möchte ich mich in keinem Augenblick über meine Leser stellen. Der Verfasser ist natürlich ein Mensch, der genauso versucht wird wie der Leser. Es kann und muss unser gemeinsames Gebet sein, dass der Herr Jesus uns alle nah bei sich hält.“

Es ist außerordentlich wichtig, dass sich jeder Diener des Herrn bewusst macht und bleibt, dass er in jeder Hinsicht genauso oder noch schlimmer fallen kann in Bezug auf das, was er anderen vorstellt. Wer zu stehen sich dünkt, sehe zu, dass er nicht falle!

Bekenntnis, umkehren

Wie gut, dass es immer die Möglichkeit einer Umkehr, eines echten Bekenntnisses und eines Neuanfangs gibt. Wir wissen nicht, wie echt und wahr das Bekenntnis des angesprochenen amerikanischen Predigers ist. Zuerst hat er gesagt (und gelogen): „Ich hatte nie eine schwule Beziehung.“ Inzwischen soll er in einem Brief an seine Gemeinde geschrieben haben: „Ich bin ein Betrüger und ein Lügner. Es gibt einen Teil meines Lebens, der so widerwärtig und dunkel ist, dass ich mein gesamtes Erwachsenen-Leben gegen ihn gekämpft habe.“

Wir wollen für uns selbst „mitnehmen“: Wir sind selbst zu allem fähig! Wenn wir einen öffentlichen Dienst tun, muss umso mehr unser Leben hinter den Aussagen stehen, die wir tun. Sonst ist alles wertlos. Und wenn wir sündigen, dann lasst uns aufrichtig bekennen, was wir getan haben. Nur so gibt es einen Weg zurück ...