24.10.2006 Versammlung / Gemeinde

Ein Leib und ein Geist (Teil 1)

Inzwischen, obliegt es aber allen Gläubigen, diese heilige und geoffenbarte Vereinigung zu suchen, und alles aus dem Wege zu. räumen, was sie Verhindert. Wir mögen freilich, um unserer gemeinschaftlichen Verantwortlichkeit zu entsprechen, ebenso schwach sein, wie wir es "auch im Entsprechen unserer persönlichen Berufung zur Heiligkeit sind; aber dennoch bleibt in Bezug auf beides, und trotz aller Schwierigkeiten, unsere Pflicht klar, höchst wichtig und unausweichlich.

Doch ist bei der Masse der Christen dieser heilige, unwiderrufliche Punkt der Lehre und der Ausübung sehr vernachlässigt und vergessen worden. Ein großer Teil der Christenheit erkennt zwar den Grundsatz der kirchlichen Einheit an; aber nach einer ganz fleischlichen Weise. Ein anderer Teil maßt sich das Recht an Seine Verfassungsformen, seinen Ritus und Seine Zeremonien dem Willen seiner Kirchen-Regenten anzupassen, die dann in den verschiedenen Zeiten und Gegenden verschieden sind. Außerdem: gibt es noch eine Menge kleinerer Parteien, die sich von der großen Masse getrennt haben, und gewöhnlich gebildet worden sind, entweder nach einem selbsterdachten Plane irgend einer bestimmten Person, ohne dass solchen Stiftern gerade diesmal der Gedanke, eine Kirche sein zu wollen, vor Augen schwebte, oder in Folge der zu einseitigen Ansichten von Schriftwahrheiten, welche die Gläubigen zerstreuen, anstatt sie zu vereinigen: Der Hauptirrtum auf der einen Seite ist die uneingeschränkte Öffnung der Tür, um grundsätzlich die ganze Bevölkerung, ohne nach einem lebendigen Glauben zu tragen, zu den feierlichsten Handlungen des Gottesdienstes und der christlichen Gemeinschaft zuzulassen. Jeher auf der anderen Seite ist im Gegenteil das sektirische Zuschließender Tür vor wahren Christen, welche nicht das Schibboleth der Partei auszusprechen vermögen; wodurch dann viele Brüder ausgeschlossen sind.

Das charakteristische Übel der ersten ist, dass sie viele als Christen behandeln, welche durchaus nicht als solche anerkannt sind. ahingegen ist das gleichfalls charakteristische Übel der letzteren, dass sie viele nicht als Christen behandeln, die als solche anerkannt sind. Das eine System macht die Grenzen weiter, das andere enger als die Grenzen Gottes.

In beiden Fällen aber sind die wahren Gedanken der Schrift über die Kirche tatsächlich zerstört. Während die einen den wahren Charakter der Kirche als Leib Christi ganz aus dem Auge verloren haben, befestigen die anderen kräftiglich, dass sie nicht ein Leib ist. Gott aber will, dass Seine Kinder nicht getrennt seien, sondern sich im Namen Jesu versammeln. Dies ist aber augenscheinlich beiseite gesetzt, wenn man solche als Brüder in Christus vereinigt, die getrennt sein sollen, — nämlich jene, welche offenbar von dieser Welt sind , öder welche, wenn sie Christus bekennen. Ihn durch böse Lehren oder Werke verleugnen; oder wenn man solche trennt, die vereinigt sein sollen, nämlich alle, die aus richtigen Gründen für wahre Christen gehalten werden.

Es mag vielleicht erwidert werden, dass, obschon ohne allen Zweifel, dies die Anordnungen des Heiligen Geistes in den ersten Tagen der Kirche, war, jetzt aber die Zeiten und Umstände verändert sind. Die Gaben der Heilung, die Wirkungen der Wunderwerke, die verschiedenen, Arten von Sprachen bestehen nicht mehr, wie sie es früher waren. Dies alles Ist freilich wahr; aber ich frage: Ist solch ein Körper, wie die Kirche, jetzt nicht mehr auf der Erde? Ist er noch da, so ist auch der Geist Gottes Selbst noch persönlich auf der Erde, ebenso gewiss, wenn auch nicht augenscheinlich, wie im Anfange; denn Er ist die bildende Kraft und der Leiter der Kirche. Er war es, der die Juden und Heiden zu Einem Leibe taufte. Er war es, welcher immerdar bleibt.

Zu jener Zelt trat die Kirche als eine erfüllte Tatsache in Erscheinung (siehe Apg.; l,,5; und 1. Kor. 12, 13); denn ich spreche nicht von dem verborgenen Ratschluß Gottes. Zu Pfingsten sah man sie zuerst mit der Verheißung des Vaters ausgestattet. Natürlich gab es, wie wir wissen, auch vorher Gläubige, von Abel abwärts; aber obschon belebt vom Geist, so waren sie doch nicht durch Ihn getauft; sie hatten Ihn nicht in sich wohnend, wie die Heiligen nach Pfingsten. Dies war das köstliche Vorrecht, welches den Heimgang Christi zum Vater notwendig machte: „Denn wenn ich nicht hingehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen. Wenn ich aber hingehe, werde ich Ihn zu euch senden" (Joh. 16, 7). Es konnte nicht eher geschehen, als bis Christus verherrlicht war (Joh. 7, 39). Aber vom Himmel hernieder gesandt, war der Geist der Wahrheit in ihnen, und bleibt immerdar bei ihnen. „Und ich werde den Vater bitten, und Er wird euch einen anderen Sachwalter geben, dass Er bei euch bleibe in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit.“

Diese Hauptwahrheit von der Gegenwart des Heiligen Geistes in und mit der Kirche, hat diese zwei unendlich wichtigen Folgerungen:

1. Es ist nicht durch die Kindertaufe, oder durch die Taufe der Erwachsenen, es ist nicht durch die Annahme dieses oder jenes Artikels des Glaubensbekenntnisses, sondern es ist „durch einen Geist", den Heiligen Geist, durch welchen wir alle — d. h. alle Gläubigen — zu einem Leibe getauft sind (1. Kor. 12, 13). Die Taufe des mit Blut gewaschenen Heiligen durch den Heiligen Geist Selbst ist, wenn man so mit Ehrfurcht sagen darf, die höchste Befähigung, welche Gott uns mitteilen kann, um ein Glied des einen Leibes, des Leibes Christi zu werden. Aber dieses ist das Vorrecht aller wahren Christen. Nur eine Grenze, die grundsätzlich alle Christen, und nur Christen, einschließt, kann den Glauben befriedigen, weil diese allein den Geist Gottes befriedigt. Wenn gesagt wird: „nur Christen", so ist damit gemeint, insoweit der Mensch, geleitet durch das Wort und den Geist Gottes, unterscheiden kann. Wenn sie Heuchler sind, so werden sie zu seiner Zeit offenbart werden.

2. Nachdem der Apostel über die Anerkennung der Oberherrschaft Jesu durch den Heiligen Geist (1. Kor. 12, 3). welche hier die Grundlage von allem ist, gesprochen hat, zeigt er, dass da Verschiedenheiten von Gaben sind, aber derselbe Geist; Verschiedenheiten von Diensten, aber derselbe Herr; und Verschiedenheiten von Wirkungen, aber derselbe Gott, wirkend alles in allem. Alsdann, in V. 7—11, geht er auf die Einzelheiten dieser Offenbarung des Geistes ein. Sie ist einem jeden zum gemeinsamen Nutzen gegeben; sei es die Rede der Weisheit, die Rede der Erkenntnis etc. Es sind verschiedene Offenbarungen; „aber alle diese Dinge wirket ein und derselbe Geist, jeglichem insbesondere austeilend, wie Er will". Während es nun völlig anerkannt ist, dass einige oder viele der äußeren Gaben nicht mehr gefunden werden, so muß jedoch auf das bestimmteste behauptet werden, dass dieses nicht im Geringsten die Wahrheit verneint, dass der Geist Selbst bleibt. Wenn Er. aber bleibt, hat Er dann etwa Seine Funktionen niedergelegt? Wenn sogar in diesen Tagen, wo der Hochmut den geistigen Verfall, den er so gern zu leugnen sucht, nicht bemänteln kann, — wenn jetzt ein Christ „die Rede der Weisheit" und ein anderer „die Rede der Erkenntnis" hat, ist es durch den Geist Gottes, oder durch einen anderen Geist? „Denn wer von den Menschen weiß die Dinge des Menschen, als der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also weiß auch niemand die Dinge Gottes als der Geist Gottes" (1. Kor. 2, 11).

Der Geist erwählt, wen er will

Wenn dies aber der Fall ist, woher kommt sie? Der natürliche Mensch kennt nichts als nur die natürlichen Dinge, und kann weder die Dinge des Geistes Gottes empfangen, noch mitteilen. Die wahre geistliche Macht ist von Ihm Selbst. Wer von uns Gläubigen ist nicht ein Zeugnis, dass diese Macht noch fortbesteht? — Geschwächt und abgestumpft ist sie leider; denn Er, welcher wirkt, ist durch all die Verwirrung und Verwüstung um Ihn her betrübt. Jedoch bleibt Er, und Seine Macht bleibt; und die Art und Weise, in welcher Er handelt, ist gemäß der oben angeführten Stelle: „Jeglichem insbesondere austeilend, wie Er will". Das ist klar; und selbstredend gebraucht Er den, welchen Er für passend findet. Es ist keine menschlich abgesonderte Kaste, die Er dazu verwendet, um der enge und ausschließliche Kanal Seiner Segnungen zu sein. Nein, Er tritt Seine Oberherrschaft nicht ab. Es ist daher nicht das Gutdünken eines Predigers, noch einer Synode von Predigern, noch einer Versammlung, noch einer Sekte, ja sogar nicht der wahren Kirche, viel weniger der weltlichen Macht; — es ist der Geist Gottes. Und Er teilt aus, wie Er will. Wiederum: Er teilt einem jeden, oder jedermann aus — d. h. innerhalb der Kirche oder Versammlung — nicht nur diese oder jene besondere Gabe, sondern teilt etwas für das gemeinsame Wohl aus: — „Jeglichem insbesondere, wie Er will". Daher hängt die Ordnung und Handlungsweise der Kirche, wie sie in der Schrift mitgeteilt ist, allein von der Gegenwart und der Wirkung des Heiligen Geistes ab. Und wenn Ihm freier Raum gelassen wird, um zu wirken, so geschieht es, wenn wir in Wahrheit dem Worte Gottes folgen, nach jenem Muster: „Der Glieder viele, der Leib aber einer". Er handelt in der Einheit des ganzen Leibes. Auf diese Weise werden wir Sein Zeugnis angeordnet finden, wie es deutlich aus der Apostelgeschichte und den Episteln hervorgeht, sei es nun innerhalb der Kirche, d. i. in der Mitte der Gläubigen, oder außerhalb derselben.

Das Zeugnis des Geistes nach außen

Was das Zeugnis gegen die, welche draußen sind, betrifft, vergl. Apg. 8, 1. 4; 11, 20; 18, 24—28 und Phil. 1. 14. Der größte Teil der Kirche, die bei der Verfolgung nach der Steinigung des Stephanus zerstreut wurde, ging überall hin und predigte das Evangelium. Unter ihnen war Philippus besonders hervorragend, sowohl in Samaria als auch anderswo. Wenn gesagt wird, dass er öffentlich angestellt war, so ist die Antwort:

Er war es, aber nur um den Tischen zu dienen, und nicht, um das Wort Gottes zu predigen. Jener Dienst war angeordnet, damit die zwölf Apostel, der Sorge dieses Geschäftes überhoben, ungehindert im Gebet und im Dienste des Wortes verharren konnten. Wenn Philippus mit Macht predigte, wenn Stephanus mit unwiderstehlicher Weisheit redete, und wenn beide Wunder wirkten, so war dies alles nicht vermöge einer Einsetzung, da diese sich nur einfach und ausschließlich auf den täglichen Dienst bezog (vergl. Apg. 6, 6. mit 4, 35).

Ferner reisten einige jener Zerstreuten bis Phönizien, Zypern und Antiochia, indem sie zu niemanden das Wort verkündigten als allein zu den Juden. Es waren aber unter ihnen einige Männer von Zypern und Zyrene, als sie nach Antiochia kamen, zu den Griechen redeten und ihnen die gute Botschaft von dem Herrn Jesu brachten. Maßten sich diese Brüder etwas an, was ungerechtfertigt war? Wurden sie durch die Kirche zu Jerusalem getadelt, wo doch so viele stets bereit waren, um das zu verurteilen, was unregelmäßig erschien? „ES kam aber die Rede von Ihnen bis zu den Ohren der Versammlung, die zu Jerusalem war; und sie entsandten Barabas, um bis nach Antiochia zu gehen. Als dieser hinkam, und die Gnade Gottes sah, freute er sich und ermahnte Alle, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren. Denn er war ein guter Mann und voll Heiligen Geistes und Glaubens, und eine zahlreiche Menge ward dem Herrn zugetan" (Apg. 11. 22—24).

Und später lesen wir: „Apollos redete und lehrte sorgfältig die Sache des Herrn"; und dies sogar, als er nur von der Taufe Johannes wußte. Und genauer unterrichtet durch einen Gläubigen und sein Weib, die ebensowenig bevollmächtigt waren, wie er selbst, finden wir ihn bald nachher wirksamer und angesehener als je, „indem er den Glaubenden durch die Gnade so behilflich war; — denn kräftig widerlegte er öffentlich die Juden, indem er durch die Schritten bewies, dass Jesus der Christus ist". — Ebenso zu Rom, wo mehrere Brüder im Herrn, indem sie durch Pauli Banden Vertrauen gewonnen hatten, viel kühner waren, furchtlos das Wort zu reden. Es ist wahr, die Beweggründe waren nicht bei allen gut; aber dies ist eine Gefahr, welche keine menschliche Einschränkung abwehren kann. Ach! sogar niedrigere Beweggründe als diese, wurden unfehlbar eingeführt, als der sogenannte Dienst Christi zu einem geregelten, ansehnlichen und in einigen Fällen einträglichen Beruf hinabsank.

Die Lehre ist der göttliche Prüfstein für die Annahme der Diener Gottes

Es war nicht also in den apostolischen Tagen. Damals gab es sowohl solche, die Christus aus Neid und Streit predigten, als auch andere, die Ihn aus gutem Willen predigten. — „Was dann?" sagt der weitherzige Apostel. Schlägt er etwa vor, jene gesegnete Freiheit zu fesseln, weil sie durch diese unheiligen Gefühle verkehrt angewandt wurde? Nichts der Art. „Wird doch auf alle Weise" — sagt er — „sei es aus Vorwand, sei es in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich" (Phil. 1. 18).

Es wird nicht nötig sein, noch andere, weniger direkte Schriftstellen anzuführen, die aber gleichfalls zeigen, dass die Lehre, und nicht die Ordination, der göttliche Prüfstein für die Verwerfung oder Annahme derer ist, welche bekennen, Diener Christi zu sein. Es ist klar, dass jene angeführten Stellen beweisen, dass solche Christen, welche befähigt sind, nicht nur die Freiheit, sondern sogar die Verantwortlichkeit haben, das Evangelium zu predigen. Nicht eine Schriftstelle kann vorgebracht werden, die diesem Grundsatze widerspricht, ihn begrenzt oder einschränkt. Die Schrift spricht niemals von einer menschlichen Vollmacht, als einer notwendigen Einführung zu diesem Werke. Im Gegenteil, das Gleichnis von den Talenten in Matth. 25 zeigt uns durch sein ernstes Gericht die Gefahr, auf eine andere Ermächtigung zu warten, als auf die Tatsache, dass der Herr den Dienern Seine Güter übergeben hat, womit zu handeln sie verantwortlich sind. An der Gnade des Herrn zweifeln — sich fürchten, weil man nicht die Vollmacht derer hat, die sich anmaßen, dazu berechtigt zu sein, mit Seinem Rechte scherzen oder das Talent in die Erde vergraben, heißt nach der Weise des bösen und faulen Knechtes handeln. Denn der Herr der Ernte, um ein anderes Gleichnis zu gebrauchen, hat allein das Recht, Seine Arbeiter auszusenden (vergl. Matth. 10 u. Röm. 10). Mit einem Worte, die Frage ist nicht, ob alle Christen von Gott befähigt sind, das Evangelium zu predigen, sondern jene, die dazu befähigt sind, nicht predigen dürfen, bevor sie irgend einen menschlich autorisierten Ruf empfangen haben. Die heilige Schrift, wie wir gesehen haben, entscheidet, dass sie es nicht nur dürfen, sondern sogar müssen.

„Laßt alles zur Erbauung geschehen"

Was nun das Zeugnis gegen die sich innerhalb der Kirche oder Versammlung Befindenden betrifft, so zeigt uns 1. Kor. 14. ganz klar, dass die einzige Beschränkung zur Ausübung der Gaben der Gläubigen diese war: „Laßt alles zur Erbauung geschehen". Den Weibern war auf das Bestimmteste verboten, in den Versammlungen zu reden. Anderswo waren sie verantwortlich, die ihnen vom Herrn zugeteilte Gabe, in der Unterwürfigkeit unter Sein Wort, zu benutzen. Also nahm Priscilla, nicht weniger als Aquila, den Apollos zu sich, und sie legten ihm noch genauer den Weg Gottes aus (Apg. 18, 26). und die vier Töchter des Philippus prophezeiten (Apg. 21, 9); aber nicht in den Versammlungen. Der Heilige Geist verbot dieses in 1. Kor. 14, 34. 35. Einem Weibe war nicht erlaubt zu lehren, auch nicht den Mann zu beherrschen (1. Tim. 2, 12).

Aber alle die Brüder, als ein Ganzes, wurden auf diese Weise ermahnt: „Strebet nach der Liebe; eifert aber um die geistlichen Gaben, am meisten aber, dass ihr weissaget". Und natürlich sollten sie ihre Gaben ausnützen, wie Gott sie bevollmächtigte, sodass alles anständig und in Ordnung geschah. Deswegen sagt Jakobus in Kap. 3, l: „Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder" — eine Ermahnung, die im allgemeinen in den gegenwärtigen kirchlichen Einrichtungen ebensowenig Anwendung findet, als sie in den Umständen derer, an welche sie gerichtet, angemessen und notwendig war — eine Ermahnung, die offenbar voraussetzt, dass dort eine offene Dienstleistung war, welche sehr leicht durch das Fleisch auf eine falsche Weise benutzt werden konnte, die aber der Apostel, anstatt sie zu beseitigen oder einzuschränken, für das Beste ihrer Seelen anwandte, indem er ihnen ihre direkte Verantwortlichkeit vor Gott darstellte.

“Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind“

Auf der anderen Seite ist das ganze Haus Gottes ermahnt, nicht jeglichem Geist zu glauben, sondern die Geister zu prüfen, ob sie aus Gott sind; „denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen" (1. Joh. 4). Sogar wird zu jener „auserwählten Frau" in 2. Joh. V. 10 gesagt, dass, wenn jemand komme, und nicht die Lehre von Christus bringe, diesen nicht in ihr Haus aufzunehmen. Sowohl jene, welche hören, als auch jene, die da lehren, haben nötig, auf ihrer Hut zu sein. Die Verantwortlichkeit ist nach allen Seiten hin geblieben, und keiner kann ihr, entgehen.

In Röm. 12 haben wir dieselbe Sache, obschon von einem anderen Gesichtspunkt betrachtet. „Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, einem jeden unter euch, nicht höher von sich zu halten, als es sich zu halten gebührt, sondern (von sich) also zu denken, dass er mäßig gesinnt sei, wie Gott einem jeglichen das Maß des Glaubens zugeteilt hat. Denn gleich wie wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht dasselbe Geschäft haben, also sind wir viele ein Leib in Christus, aber je einer des anderen Glieder, aber Gnadengaben habend, verschieden nach der Gnade, die uns gegeben ist: Es sei Weissagung (so laßt uns weissagen), nach dem Maß des Glaubens; es sei Dienst, (so laßt uns bleiben) in dem Dienst, es sei der Lehrer, — in der Lehre; es sei der Ermahner, — in der Ermahnung; der da mitteilt, — in Einfalt; der Vorstehende, — in Fleiß; der Barmherzigkeit Übende, — in Freudigkeit".

Viele Glieder und Gnadengaben, doch nur ein Leib

Man hatte auf die Handlungsweise Gottes mit jedem zu sehen, und nicht auf eine rein menschliche Vollmacht oder Übertragung an einen oder an einige. Daher kam der Glaube hinein, und ein jeder ist ermahnt, mäßig von sich zu denken, und das, was Gott ihm gegeben hat, zu benutzen, anstatt sich mehr anzumaßen. Es ist nicht ein Glied, das alle Gaben in sich vereinigt oder andere hindert, sondern es sind viele Glieder und doch nur ein Leib, der verschiedene Gaben hat; und jene sind ermahnt, diese Gaben anzuwenden, nicht nur in Liebe, weil ein jeder, einer des anderen Glieder sind, sondern auch um der Gnade willen, die uns von Seiten Gottes gegeben ist. So in Eph. 4, 4—16. „Ein Leib, und ein Geist. . . . Einem jeglichen von uns aber ist die Gnade nach dem Maß der Gabe des Christus gegeben, . . . aus welchem der ganze Leib, wohl zusammengefügt und zusammen befestigt, durch jedes Gelenk der Darreichung, nach der Wirksamkeit in dem Maße eines jeglichen Teiles, das Wachstum des Leibes zu seiner Selbstauferbauung in Liebe schafft".

In Kol. 2, 19. finden wir dieselbe Sache: — „Das Haupt, von welchem der ganze Leib, durch die Gelenke und Bande Darreichung empfangend, und zusammengefügt, das Wachstum Gottes wächst". Ebenso macht es 1. Petri 4, 10. 11. zu einem Gegenstand bestimmter Verpflichtung, dass, „je nachdem jeder eine Gnadengabe empfangen hat", sie damit einander dienen sollen. So, und nicht anders, würden sie gute Verwalter der mannigfaltigen Gnade Gottes sein. „Wenn jemand redet, (so rede er) als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, (so sei es) als aus der Kraft, welche Gott durch Jesum Christus darreicht, auf dass in allem Gott durch Jesus Christus verherrlicht werde, welchem ist die Herrlichkeit und die Stärke in die Zeitalter der Zeitalter! Amen"!

Kann irgendetwas deutlicher zeigen, dass die durch Menschen erlangte Befähigung von keinem Werte ist, und dass ebensosehr die Idee einer menschlichen Einschränkung völlig ausgeschlossen ist? Das, was von Gott kommt, und nichts anderes, ist ohne weitere Bestätigung zu benutzen und anzunehmen, auf dass in allem Gott durch Jesum Christus verherrlicht werde.


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1 Die evangelische Allianz, — welche, wie ich glaube, ein, wenn auch unvollkommenes Zeugnis des gegenwärtigen Verfalls der Kirche ist — ist in der Tat ein Geständnis, dass es keine solche anerkannte und verwirklichte Vereinigung in der gegenwärtigen Christenheit gibt; denn anders würde kein Bedürfnis für eine evangelische Allianz dagewesen sein.

2 Wenn wir von dem Verfall der Kirche sprechen, so ist damit nicht gemeint, dass die Kirche nicht mehr auf der Erde existiere. Im Gegenteil, wenn sie nicht mehr auf der Erde bestände, so könnte sie nicht in solchem Zustande sein. Der Ausdruck ist dem ähnlich, den man auf einen Mann anwendet, der sein Vermögen verloren hat. Man sagt: „Er ist ein ruinierter Mann". Natürlich ist damit verstanden, dass der Mann selbst noch e.cistiert. Ebenso ist es mit dem gegenwärtigen Zustand der Kirche. Jener Zustand gibt ohne Zweifel Veranlassung zu Schwierigkeiten; denn inele Dinge sind nicht; wie sie sein sollten, noch wie sie einst waren. Aber das Wort und der Geist sind für einen immerwährenden Dienst, und genügen für alle vorkommenden Fälle. „Wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib Licht sein; wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein". Dem demütigen und gehorsamen Herzen wird niemals die göttliche Leitung fehlen. Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie Ihn nicht stehet, noch kennt. Ihr aber kennet Ihn; denn Er bleibet bei euch und wird in euch sein" (Joh. 14, 16. 17). Die Anerkennung des Heiligen Geistes, als der wirklich gegenwärtige, alleinige und genügende Regierende in der Kirche, während der Abwesenheit unseres Herrn, ist ein besonderer Teil unserer Verantwortlichkeit, und sollte stets ein leitender Zug in unserem Zeugnis sein.

3 Es ist nicht zu leugnen, dass die Taufe das äußere Zeichen, oder das Offenbarwerden eines Bekenners Christi war. Nur ist es wichtig, zu bemerken, dass ein Gläubiger nicht als ein Glied einer besonderen Kirche oder Versammlung getauft wurde. Anerkannt durch die Taufe als ein Bekenner Christi, suchte er natürlich da Gemeinschaft, wo er sich befand, vorausgesetzt, dass dort eine Versammlung war; und das Abendmahl des Herrn war das beständig wiederkehrende Symbol der Vereinigung oder Gemeinschaft. „Denn ein Brot — ein Leib sind wir, die Vielen; denn wir alle sind des einen Brotes teilhaftig" (1. Kor. 10, 17). Es mag hier hinzugefügt werden, dass jene, welche predigten, in keinerlei Weise die Taufe oder des Herrn Abendmahl als eine gottesdienstliche Handlung betrachteten, die notwendigerweise durch sie verwaltet werden mußte. So befahl Petrus, den Cornelius und seine Freunde im Namen des Herrn zu taufen (Apg. 10, 48); und Paulus schreibt, dass Christus ihn nicht gesandt habe. zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen (1. Kor. 1. 17). Er sagt dies vornehmlich in Bezug auf die Korinther. Da wir nun wissen, dass viele von ihnen glaubten und getauft wurden (Apg. 18, S), so werden jedenfalls andere Brüder diesen Dienst vollzogen haben. In Betreff des Abendmahls des Herrn ist diese Sache ebenso klar, wenn nicht noch klarer. In der Tat kommt die Idee von einer bevollmächtigten Person zum Austeilen oder Brechen des Brotes nirgends vor, ja, nicht irgend etwas im Neuen Testament, soviel ich weiß, das auch nur einen Schatten davon gäbe. Siehe Apg. 20, 7, sowie 1. Kor. 11, woselbst, wenn je unter welchen Umständen, eine etwaige Einschränkung notwendig erscheinen möchte, weil die Korinther den Tisch zu einer fleischlichen Freiheit gebrauchten. Während aber der Geist das Übel rügt und den heiligen und feierlichen Charakter des Festes einschärft, läßt Er die Weise seiner Feier uneingeschränkt, wie immer. Bei ihm sind es die Heiligen als ein Leib, und nicht eine bevorzugte Klasse, welche die Verwaltung, als ihr Recht, in Anspruch nimmt.