17.02.2003Versammlung / Gemeinde

Die Versammlung Gottes - ist sie exklusiv oder inklusiv?

In Epheser 5,25 heißt es: „Christus hat die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben.“ Das macht im allgemeinen Sinn schon deutlich, dass die Versammlung exklusiv ist. Sie schließt nämlich alle aus, für die Jesus Christus nicht stellvertretend am Kreuz von Golgatha gestorben ist. Sie schließt die aus, die nicht an Jesus Christus als an ihren persönlichen Retter glauben. Aber zugleich wird deutlich, dass die Versammlung inklusiv ist. Sie schließt nämlich alle die mit ein, die an Jesus Christus glauben, die Ihm ihre Sünden bekannt haben. Also - im allgemeinen Sinn treffen beide Beurteilungen zu.

Es gibt aber noch eine andere Seite - nämlich die des praktischen Zusammenkommens heute. Und da stellt sich die Frage, ob die Versammlung exklusiv oder inklusiv ist.

Die Versammlung - eindeutig exklusiv

In 1. Korinther 5,13 heißt es: „Tut den Bösen von euch selbst hinaus.“ Das ist ein Beispiel, das uns das Neue Testament nennt, dass durchaus nicht alle Menschen am Gedächtnismahl (Abendmahl) teilnehmen können und dürfen. Der Mann, um den es in 1. Korinther 5 geht, war zweifellos gläubig. Das wir im zweiten Brief noch einmal bestätigt. Aber er lebte in moralischer, das heißt in diesem Fall sexueller Sünde. Daher konnte und durfte er nicht am Gedächtnismahl teilnehmen. Aus 2. Johannes Vers 10 macht sehr deutlich, dass auch jemand, der nicht die (biblische) Lehre über Jesus Christus bringt, nicht am Brotbrechen teilnehmen darf. Das gleiche gilt für solche Menschen, die dem Wort von 1. Korinther 5 und 2. Johannes nicht gehorsam sein wollen.

Diese Gedanken zeigen klar: Am Brotbrechen kann nicht einfach jeder teilnehmen. Es gibt im Neuen Testament nachvollziehbare Bedingungen, die wir zu erfüllen haben. Und wenn wir sie nicht erfüllen, kann eine Versammlung uns auch nicht in die Gemeinschaft zum Brotbrechen aufnehmen. Das dazu wirkliche Aufrichtigkeit dessen gehört, der teilnehmen möchte, ist selbstverständlich. Denn Gemeinschaft baut immer auf Vertrauen auf. Und wenn dieses Vertrauen nicht gegeben ist, ist Gemeinschaft unmöglich. Das alles zeigt: Die Versammlung ist wirklich exklusiv, wenn sie der Heiligkeit und den Ansprüchen Gottes folgen will. Denn Gott kann sich nicht mit Bösem verbinden.

Die Versammlung - eindeutig inklusiv

Aber geht es in erster Linie darum, wer nicht am Brotbrechen teilnehmen kann? Gott bewahre uns immer vor einem solchen Gedanken. Es geht um den Tisch des Herrn (1. Korinther 10,21). Und an diesem Tisch geht es um die „Gemeinschaft des Leibes des Christus“ (1. Korinther 10,16). Wer gehört zu diesem Leib des Christus? Alle Erlösten, alle, die an den Herrn Jesus glauben. Damit sind zunächst einmal auch alle Gläubigen am Tisch des Herrn, das heißt zum Gedächtnismahl des Herrn herzlich willkommen. Wenn ein Gläubiger zu uns kommt, so nehmen wir ihn mit Freuden auf. Das ist immer der erste Gedanke. Er muss es sein! Denn wir nehmen die auf, die der Herr aufnimmt. Natürlich dürfen wir die Heiligkeit des Herrn und damit des Tisches des Herrn nicht übersehen. Aber traurig, ja schlimm wäre es, wenn wir auf der anderen Seite die Liebe und Aufnahme des Herrn übersehen. Denn auch in diesem Punkt müssen wir ausgewogen sein.

Es besteht die Gefahr, dass man in einer Zeit, die offensichtlich durch Verfall gekennzeichnet ist, bei dem Kommen einer Person in erster Linie eine ablehnende, reservierte und abweisenden Haltung und Gesinnung einnimmt. Das ist nicht die Art des Herrn gewesen. Natürlich hat Er nie Böses akzeptiert. Aber Er ist sogar auf die Menschen zugegangen und hat sie aufgenommen. Auch wir haben nicht nur die Pflicht, das Böse auszufegen (1. Korinther 5,7). Wir haben genau so die Pflicht - nicht das Recht! - alle diejenigen aufzunehmen, die gläubig sind und auch so leben. Wir müssen sie aufnehmen, denn sonst würden wir zu einer Sekte. Es geht nicht einfach darum, solche aufzunehmen, mit denen man sowieso Woche für Woche das Brot bricht. Es geht darum, dass wir alle Gläubigen aufnehmen, es sei denn, dass Böses bzw. Toleranz gegenüber Bösem eine solche Aufnahme unmöglich macht.

Die Versammlung Gottes ist sicherlich exklusiv - aber sie ist in erster Linie inklusiv, weil sie mit Freuden aufnimmt, wo und wann immer das möglich ist. Diesen Gedanken wollen wir nicht aus den Augen verlieren - auch in einer bösen Zeit, in der auch wir als Gläubige leicht irdisch, weltlich oder sogar böse gesonnen sein können.