14.10.2006Versammlung / Gemeinde

Nebensächlichkeiten?

Abendmahl ist Nebensächlichkeit?

Immer wieder liest man, dass sich Christen nicht mit Nebensächlichkeiten beschäftigen sollten, sondern die Gemeinsamkeiten der Gemeinden (Kirchen, Versammlungen) stärker in den Mittelpunkt der Unterhaltungen stellen sollten. Jetzt meinte zum Beispiel der Koordinator der charismatisch-evangelikalen Vineyard (Weinberg)-Gemeinden für den deutschsprachigen Raum, Martin Bühlmann (Bern), dass „Christen gemeinsam Gott als Herrn der Welt bezeugen sollten, anstatt sich über Nebensächlichkeiten, etwas im Tauf- oder Abendmahlsverständnis, auseinander zu setzen“. Solange Gemeinden miteinander wetteiferten, bleibe Christus geteilt und deshalb für die Welt unsichtbar.

Diese Diskussionslinie wird nicht richtiger, je häufiger sie wiederholt wird. Natürlich ist es wahr, dass es viele Gemeinsamkeiten zwischen christlichen Gruppen gibt. Aber allein die Tatsache, dass es viele Gemeinden, Versammlungen, Kirchen nebeneinander gibt, ist schon schlichter Ungehorsam gegen Gottes Wort. Und Ungehorsam ist nie eine Nebensächlichkeit in den Augen Gottes.

Ist Christus zerteilt?

Gott spricht in seinem Wort immer von der Gemeinde (Versammlung, Kirche), zum Beispiel: „Christus hat die Versammlung [Gemeinde, Kirche] geliebt und sich selbst für sie hingegeben“ (Epheser, Kapitel 5, Vers 25).

Wenn Paulus den Korinthern, wo die Gläubigen noch zusammen, aber gespalten waren, schreiben muss: „Ich sage aber diese, dass jeder von euch sagt: Ich bin des Paulus, ich aber des Apollos, ich aber des Kephas, ich aber des Christus. Ist der Christus zerteilt?“ (1. Korintherbrief, Kapitel 1, Vers 13) - müssen wir dann nicht heute konstatieren, dass wir den Christus zerteilt haben durch das Nebeneinanderexistieren von vielen christlichen Gemeinden?

Hauptsache zusammen?

Das jedenfalls ist keine Nebensächlichkeit. Aber ist es dann richtig zu sagen: Lass uns alle in einer Gemeinde aufgehen? Das mag sehr attraktiv klingen, übergeht aber das Wort Gottes. Nehmen wir das Beispiel des Abendmahls. Die einen sagen: Hauptsache (gläubiger) Christ - dann kann man am Abendmahl teilnehmen. Die nächsten sagen: Jeder muss sich selbst prüfen, ob er im Glauben steht, dann kann er vom Brot essen. Und wieder andere sagen: Nein, die Bibel gibt mehr Voraussetzungen für das Brotbrechen an: Man muss nicht nur persönlich gläubig sein und in moralischer und lehrmäßiger Sauberkeit leben, sondern darf auch keine Gemeinschaft haben mit solchen, die moralisch oder lehrmäßig in der Sünde leben. Und wieder andere sagen: Nein, wenn eine Frau keine langen Haare und Röcke trägt, darf sie nicht am Brotbrechen teilnehmen.

Wäre es wirklich ehrlich, wenn man diese Prinzipien einfach über Bord wirft und gemeinsame Sache macht? Wir dürfen nicht vergessen, dass sich das Neue Testament nicht nur in ein paar Versen mit diesem Thema beschäftigt. 1. Korinther 10 und 11, Epheser 4, in der Konsequenz der Galaterbrief und der 2. Johannesbrief, 1. Korinther 5 und auch der 2. Thessalonicherbrief äußern sich zu diesem Thema. Und wir sagen: Alles nebensächlich?

Versagen zugeben

Wir müssen an dieser Stelle einfach einmal zugeben, dass wir versagt haben, die biblische Lehre der Einheit des Geistes wahrhaft zu verwirklichen, und dazu gehört auch die Frage, in welcher Art und Weise wir verwirklichen.

Und dann müssen wir zugeben, dass wir alle dazu neigen (und es auch tun), die Dinge entweder zu eng oder zu weit zu sehen. Es kommt eben nicht nur auf die Grundsätze an; aber ohne jeden Zweifel kommt es auf diese an. Und es kommt nicht nur auf meine eigenes Verständnis an; aber dieses einfach übergehen, das wäre auch unbiblisch.

Mit einem weiten Herzen

Hier nüchtern zu urteilen, auch mit Gnade (wobei das nicht heißt, ich weiß es, der arme andere aber eben (noch) nicht), und mit Ertragen, mit einem weiten Herzen und in echter Hingabe, das könnte für jeden ein Neuanfang sein. Auf einer solchen Haltung der Demut und des Gehorsams könnte es vielleicht doch möglich sein, dass mehr Geschwister zusammenkommen und zusammengeführt werden, als man das gewohnt ist.

Aber nebensächlich ist das, wofür Christus sogar gestorben ist, niemals.