08.10.2006Dienst

Jugend und Dienst (FMN)

„Von 25 Jahren an und darüber soll er eintreten, um die Arbeit zu tun im Dienst des Zeltes der Zusammenkunft. Aber von 50 Jahren an soll er aus der Arbeit des Dienstes austreten und nicht mehr dienen; er mag seinen Brüdern helfen“ (4. Mo 8,24). Schon junge Geschwister begehren, dem Herrn zu dienen. Das findet die Anerkennung des Herrn und wird von den Geschwistern dankbar aufgenommen, wenn es zu ihrer Erbauung ist. Wie steht es nun, wenn junge Brüder einen öffentlichen, zumindest für viele öffentlich sichtbaren Dienst ausüben bzw. ausüben wollen?

„War der Herr Jesus nicht dreißig Jahre alt, als Er in den öffentlichen Dienst trat?“ Diese oder ähnliche Worte könnten einen jungen Menschen schnell verunsichern, besonders, wenn sie in Verbindung mit 4. Mose 4,3 gesagt werden. Dort wird ja der Beginn des Levitendienstes, ein Hinweis auf unseren Dienst für den Herrn heute, bei 30 Jahren festgesetzt.

Warum Esra für uns ein Vorbild ist

Wir stehen nicht unter Gesetz, so dass diese Anweisungen für uns keine wörtliche Bedeutung haben. Aber vielleicht können wir hier einen Hinweis auf eine gewisse geistliche Reife - die nicht mit Lebensjahren identisch ist - sehen, die eine Vorraussetzung für einen öffentlichen Dienst ist. Es ist nicht eine Absicht dieses Artikels, ausführlich die Vorausetzungen zum Dienst zu behandeln, aber ein kurzer Hinweis auf den „Herzensentschluss“ Esras ist sicher nützlich: „Denn Esra hatte sein Herz darauf gerichtet

(1) das Gesetz des HERRN zu erforschen

(2) und zu tun

(3) und in Israel Satzung und Recht zu lehren“ (Es 7,10).

„Alte“ wie „junge“ Diener sind ihrem Herrn verantwortlich. Man sollte in diesem Zusammenhang allerdings zwischen der Tätigkeit als Diener und der Eigenschaft als Bruder unterscheiden. Ein jüngerer Bruder wird, wenn er dem Wort Gottes folgen will, den älteren unterwürfig sein (1. Pet 5,5). Das ist Gottes ausdrücklicher Wille. Wenn ihm also ältere Brüder in Bezug auf seinen Lebenswandel oder sein Verhalten in den Zusammenkünften geistliche Ratschläge geben, dann wird er sie nicht nur anhören, sondern auch befolgen. Sonst wäre er dem Wort Gottes ungehorsam.

Wenn es aber um seinen Dienst geht, dann ist er seinem Herrn verantwortlich. Der Herr Jesus sagt in Johannes 12,26: „Wenn mir jemand dient, so folge er mir nach.“ Auch der Apostel Paulus weist in Apostelgeschichte 20 zweimal auf seinen Dienst für den Herrn hin. Zwar können und müssen wir den Dienst beurteilen, sofern er an uns gerichtet ist (1. Kor 14,29), aber letztlich ist jeder Diener - ob jung oder alt - seinem Herrn verantwortlich. Wenn ein älterer Bruder mit längerer Erfahrung im Dienst einem jüngeren Diener des Herrn nun Hinweise gibt, so ist dieser gut beraten, sie ernsthaft zu erwägen. Doch das mindert nicht seine persönliche Verantwortung gegenüber seinem Herrn.

Die Leviten wurden zunehmend früher gefordert.

Es ist eigentlich gar nicht ungewöhnlich, wenn bereits junge Brüder, die möglicherweise schon einige Jahre gläubig sind, dem Herrn mehr und mehr öffentlich dienen. Es fällt zumindest auf, dass selbst im Alten Testament das Alter der Leviten von anfänglich 30 Jahren auf schließlich 20 Jahre (Esra 3,8) heruntergesetzt wird. Und leben nicht auch wir heute in solchen Zeiten, in denen wie bei Esra ein Mangel an wahren Dienern für den Herrn besteht? Wir dürfen uns über junge Menschen freuen, die ihren Weg an dem Herrn ausrichten!

Beispiele aus dem Alten Testament

In der Bibel finden wir schöne Beispiele junger Männer, die einen gesegneten Dienst erfüllen durften. Wir wissen von Joseph, dass er 17 Jahre alt war, als sein Vater ihn mit seinen Brüdern die Herde weiden ließ. Als er später zum zweiten Mann im Land Ägypten aufstieg, war er 30. Möglicherweise dürfen wir darin und in dem Alter Davids, der mit 30 Jahren König wurde, ein Vorbild auf den Herrn Jesus sehen, der gerade in diesem Alter von seinem Volk Israel abgelehnt wurde (Joh 1,11).

Joseph jedoch durfte in den 13 Jahren vor der Erhöhung einen mehr oder weniger öffentlichen Dienst für den Herrn tun. Es begann im eigenen Haus, in welchem er das Wohlgefallen seines Vaters hatte und setzte sich im Haus Potiphars fort, wo ihm alles gelang. Nachdem er die Erprobung durch dessen Frau siegreich bestanden hatte und dafür im Gefängnis landete, durfte er auch dort wieder segensreich wirken, sogar prophetische Ereignisse verkünden. Schließlich konnte er - vor seiner Erhöhung - dem Herrscher der damaligen Welt Begebenheiten der dann folgenden 14 Jahre kundtun. Der Herr hat Freude daran, wenn Er auch in unserem Leben eine solche Treue findet, auch wenn wir noch jung sind, damit Er uns auf eine solche oder andere Weise benutzen kann!

Von Samuel lesen wir, dass er schon in seinen Jugendjahren von dem Herrn im Dienst benutzt wurde, und das für ganz Israel, insbesondere aber für Eli, den geistlichen Führer. Hiskia wurde mit 25 Jahren König über „ganz“ Juda und stellte im ersten Jahr seiner Regierung unter Beweis, dass der Herr ihn in seinem Werk und Dienst segensreich benutzen konnte. Auch Josia, der sogar mit acht Jahren König wurde, war gerade 20 Jahre alt, als er Juda von Götzenbildern reinigte, zweifellos ein öffentlicher Dienst. Nicht zuletzt David wurde schon lange vor seiner Zeit als König vom Herrn im Dienst öffentlich benutzt. Denken wir nur an seinen Kampf gegen Goliath! Sicher mögen diese Männer außergewöhnliche Werkzeuge in der Hand des HERRN gewesen sein. Das jedoch heißt nicht, dass der Herr nicht auch heute noch “außergewöhnlich” beruft.

Ermunterung zum Dienst für den Herrn Jesus

So dürfen auch wir junge Menschen ermuntern, sich früh in den Dienst des Herrn zu stellen. Sicher sucht der Herr zunächst unsere Treue im Herzen und im Kleinen, und Er wird uns in der Stille zubereiten. Wenn Er den Zeitpunkt für gekommen hält, wird der Herr auch einen öffentlichen Dienst anvertrauen. Gerade wenn wir an Missionare denken, können wir uns gut vorstellen, dass der Herr sie in einem Alter beruft, wenn sie jung und mobil genug sind, sich auch den physischen Strapazen längerfristig aussetzen zu können. Der Herr wird zuvor zeigen, dass sein Segen auf ihrer Arbeit ruht.

Es wird jedem aufrichtigen jungen Diener des Herrn daran liegen, in Gemeinschaft mit den Geschwistern (Apg 13,3) den Dienst zu tun. Es mag manchmal auch Situationen geben, wo er allein steht. Denken wir nur an Paulus und manche - auch zum Teil sehr junge - Propheten des Alten Testamentes. Aber die Regel ist das sicher nicht. Vielleicht gibt es noch junge Diener, die bereit sind, ihr Leben in allen Bereichen Ihm zur Verfügung zu stellen, unabhängig davon, ob dies z.B. mit der Aufgabe einer beruflichen Laufbahn verbunden ist oder nicht , zum Wohl seiner Versammlung und mit der Unterstützung geistlicher Geschwister. „Wenn aber Timotheus kommt, so seht zu, dass er ohne Furcht bei euch sei; denn er arbeitet am Werk des Herrn, wie auch ich. Es verachte ihn nun niemand“ (1. Kor 16,10.11).

Linie um andere Fragestellungen?

aus:
Folge mir nach - Heft 7/2006