01.10.2006Dienst | Versammlung / Gemeinde

Deutsche Evangelische Allianz

Jürgen Werth ist neuer Vorsitzender der Allianz

Ab 1. Januar 2007 hat die Deutsche Evangelische Allianz einen neuen Vorsitzenden: Jürgen Werth, der bislang unter anderem als Liederdichter, Direktor des Evangeliums-Rundfunks und Moderator von ProChrist bekannt geworden ist. Jetzt hat er ein Interview gegeben und Gedanken zur Allianz mitgeteilt.

Es geht an dieser Stelle nicht um eine allgemeine Bewertung der Evangelischen Allianz. Ein paar Antworten oder Aussagen von Werth zeigen allerdings die Richtung auf ...

Mission und Ökumene

Es soll mit zwei positiven Aussagen begonnen werden. Soziale Verantwortung zu tragen, sei nichts Neues, so Werth. Gleichzeitig behalte Mission unbedingten Vorrang. „Nur, wenn ich das Wort Gottes bringe, bringe ich auch die Liebe Christi. Und die Liebe Christi hat immer Hand und Fuß.“ Dieser Satz gefällt mir sehr gut. Denn auch in unserem Leben muss das Weitergeben des Wortes Gottes Priorität besitzen. Dabei aber sollten wir die Bedürfnisse materieller und sozialer Art um uns herum nicht ignorieren.

Petrus hat den lahmen Mann, der am Tempel saß, auch nicht einfach sitzen lassen und ihm nur das Evangelium verkündigt. Er hat ihm auch in seiner Lahmheit geholfen! Natürlich – am Anfang des Christentums hat Gott durch Wunder diese gewaltige Veränderung – vom Judentum zum Christentum – bestätigt. Aber auch wir haben hier unsere Verantwortung. Aber an erster Stelle kommt und bleibt das Evangelium! Wer das aus den Augen verliert, gibt das Entscheidende auf!

Die Meinung Werths zur Ökumene und zur Römisch-Katholischen Kirche scheint auch nüchtern zu sein: „Ökumene sieht aus römischer Warte wohl eher so aus, dass die Evangelischen zurückkommen ins alte Boot dieser Kirche.“ Das ist wohl auch so. Und es fällt auf, dass in Offenbarung 17 und 18 überhaupt nur die Einheitskirche unter der Prostituierten Babylons gesehen werden kann. Das ist das Sammelbecken aller Kirchen – aber unter den Fittichen Roms! Das Ende wird schrecklich sein – zertrampelt von dem Römischen Kaiser (Off 17,16).

Missionsauftrag

Dann äußert sich Jürgen Werth angetan davon, dass Mission kein Unwort mehr in weiten Teilen der evangelischen Kirche sei, sondern ins Zentrum gerückt sei. Ob er sich damit besonders auch auf freikirchliche Kreise bezieht, wird nicht erörtert. Jedenfalls müssen wir uns immer wieder sagen, dass Mission und die Verkündigung des Evangeliums nicht zweitrangig und ein notwendiges Übel sind, sondern wirklich im Herzen unseres Auftrages stehen, warum wir hier auf der Erde zurückgelassen worden sind und nicht sofort in den Himmel entrückt wurden.

Bis heute gilt auch für uns der Auftrag: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehr sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe“ (Mathäusevangelium, Kapitel 28, Verse 19 und 20).

Allianz als Sammelbecken?

Was ist nun der Grundkonsens aus Sicht von Werth, unter dem sich alle Teile der Allianz zusammenfinden können sollten? Die Allianz sei eine Sammelbewegung für alle Menschen, denen „Jesus konkurrenzlos wichtig ist“. Nun sollte jedem Christen der Herr Jesus Christus wirklich konkurrenzlos wichtig sein. Aber ist genau dies das Merkmal der wahren Kirche (Gemeinde, Versammlung)?

Die Kirche ist nach der Bibel keine mehr oder weniger lose oder feste Sammelbewegung von Gläubigen und Gemeinden [mal abgesehen davon, dass die Bibel nur die eine Kirche kennt, die aus allen wahren Gläubigen auf der Erde besteht], sondern eine Einheit (Epheser, Kapitel 4, Verse 3 und 4). Sie ist tatsächlich mit dem verherrlichten, zur Rechten Gottes thronenden Christus verbunden – Er ist das Haupt des Leibes der Versammlung (Gemeinde, Kirche). Aber das weitere, wesentliche Kennzeichen ist der Geist Gottes, der in der Gemeinde wohnt (1. Korintherbrief, Kapitel 3, Vers 16)! Und die Kirche misst alles an dem objektiven Maßstab, den sie hat: an dem Wort Gottes. Jedenfalls sollte sie es tun.

Grundlage einer biblischen Einheit

Daher ist es nicht so sehr eine Frage, ob Gruppen am konservativen Rand bereit sind, „auch auf das zu achten, was der andere denkt, was er glaubt und wie er geprägt ist“. Natürlich sollen wir ertragen, Geduld und Ausharren haben. Das tun wir alle viel zu wenig! Und das darf ruhig mehrfach unterstrichen werden.

Aber ich kann doch keine Einheit auf Kosten der Wahrheit, des Glaubensinhaltes und der biblischen Lehre haben – unter dem Deckmantel, „auf das zu achten, was der andere denkt ...“. Diese Aussage ist vielleicht unmodern und intolerant. Das mag sein. Aber die biblische Wahrheit ist in der Tat im höchsten Maß intolerant, wenn es um die Fundamente des Glaubens geht – sei es die persönliche oder die kollektive Seite.

„Denn es ist in keinem anderen das Heil, denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, indem wir errettet werden müssen“ (Apostelgeschichte, Kapitel 4, Vers 12).

„Da ist ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung“ (Epheserbrief, Kapitel 4, Vers 4).