20.09.2006Jesus Christus / Gott | Matthäus

Besonderheiten im Leben Jesu (19) - Führer

Micha 5

Genau genommen handelt es sich bei diesem Vers um ein Zitat aus dem Alten Testament. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes der Juden nennen dem bestürzten König Herodes diesen Vers aus Micha 5. Dort liest man: „Und du, Bethlehem-Ephrata, zu klein, um unter den Tausenden von Juda zu sein, aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her. Darum wird er sie hingeben bis zur Zeit, da eine Gebärende geboren hat; und der Rest seiner Brüder wird zurückkehren zu den Kindern Israel. Und er wird dastehen und seine Herde weiden in der Kraft des HERRN, in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden wohnen; denn nun wird er groß sein bis an die Enden der Erde“ (Verse 1–3).

Durch die Belehrungen des Neuen Testamentes wissen wir, dass diese drei Verse erst im 1000-jährigen Friedensreich vollständig erfüllt sein werden. Dann wird der Name des Herrn Jesus Christus bis an die Enden der Erde groß sein. Aber es ist interessant, dass die Elite im Volk Israel zur Zeit des Herodes klar verstand, dass sich diese Verse auf „Christus“ bezogen (Mt 2,4). Auch wenn sie den Zusatz über die ewige Herrlichkeit Jesu weglassen, dass seine Ursprünge von der Urzeit sind – dass Er also der HERR ist, Gott selbst – so lassen sie selbst keinen Zweifel daran, dass der in Bethlehem Geborene der Christus ist, der HERR.

Das kann nur der Messias sein!

Heute zweifeln viele die Echtheit der Herkunft, die Würde und die Herrlichkeit dieser einzigartigen Person an. Wir aber dürfen diesen Herrscher in unseren Herzen und durch unsere Worte bewundern! Damals, kurze Zeit nach der Geburt Jesu, waren sich diejenigen, die sich später als Feinde des Christus offenbaren würden, im klaren: Es geht um den Messias, den König und Herrscher Israels. Aber sie wollten Ihn nicht.

Jesus wird in Matthäus 2 Führer genannt. Er sollte kommen, um sein Volk zu führen und zu leiten. Im Gegensatz zu historischen Herrschern, die den Ausdruck „Führer“ in schlimmer Weise nahezu nicht mehr anwendbar gemacht haben, lesen wir hier, was Gott als herausragende Aufgabe eines Führers ansieht: das Weiden des anvertrauten Volkes.

Weiden – Fürsorge, Nahrung, Pflege

An dieser Stelle finden wir nicht einmal etwas von der Aufgabe, die Petrus als Hirte bekam – die Schafe zu hüten (Joh 21,16). Hüten hat mit Zucht zu tun. Weiden hat mit Nahrung, mit Pflege, mit Fürsorge zu tun. Genau das wollte der Herr Jesus für sein Volk sein: Nahrung. Er wollte als das „Brot vom Himmel“ (Joh 6,51) die tiefen Bedürfnisse seines Volkes stillen. Er wollte diesem Volk dienen, um es zu Gott zurückzubringen. Und in seiner Fürsorge war Er sogar bereit, für sein Volk zu sterben, damit es den Segen, den Gott seinem Volk zugedacht hatte, genießen könnte.

Wenn wir von Führung, von Führern und Herrschern hören, denken wir vielleicht zuerst an Ordnung, an Strenge und Gehorsam. Und auch das hat mit der Führung des Herrn zu tun. Aber wenn der Geist Gottes – hier durch die Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes Israel – von dem Führer reden lässt, dann erinnert Er daran, dass Gott sich seinem Volk in göttlicher Liebe zuwendet, um ihm alles das zu schenken, was es nötig hat an Fürsorge.

Das ist für uns nicht nur ein Beispiel. Es zeigt uns das Herz Gottes, wie es in Christus offenbart wurde. Wie dankbar dürfen wir sein, dass dieser Christus auch für uns Führer ist. Er weidet uns auf grünen Auen und führt uns zu stillen Wassern (Ps 23,2).