12.09.2006Persönlicher Glaube | Dienst | Versammlung / Gemeinde

Vor 100.000-en

Der Papst spricht immer vor Massen

Wo immer Päpste im Ausland auftauchen, scharen sich mehrere 100.000 Menschen - sogenannten Gläubige - um sie, um den entsprechenden Gottesdienst mitzuerleben. Und via Bewegtbild wird noch vielen mehr deren Botschaft mitgeteilt. Das gilt jetzt auch für die zweite Deutschlandreise des sogenannten Papstes, Benedikt XVI., Joseph Ratzinger. Dafür wird es manche Gründe geben. Es ist der Event-Charakter, der heute zählt. Es ist die Tradition, an der sich viele - gerade Römisch-Katholische Christen, aber nicht nur sie (!) - festhalten wollen. Es ist das Gefühl, mit vielen dieselbe Religion zu teilen.

Soweit, so gut. Und natürlich ist es so, dass Ratzinger inzwischen eine Person weltpolitischer Bedeutung ist, die viele gerne einfach mal von der Nähe angesehen haben wollen. Aber es sind doch viele dabei, die wirklich aus Religiosität zu solchen Veranstaltungen kommen.

Und wir kommen zu vielleicht schlichten Diensten tröpfchenweise?

Die interessante Frage, die ich mir in diesem Zusammenhang jedoch stelle, ist die Folgende: Wenn ein Diener des Herrn - vielleicht nicht aus Rom, vielleicht (oder mit Sicherheit) auch nicht ein Weltpolitiker - zu uns kommt: Warum bleiben dann die Vortragsräume eigentlich immer so leer? Ist kein Interesse mehr an Gottes Wort vorhanden?

Das Wort von Paulus an Timotheus meint sicher nicht diese Situation und ist überspitzt, aber doch bemerkenswert: „Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, indem es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren, sich aber zu den Fabeln hinwenden“ (2. Timotheusbrief, Kapitel 4, Verse 3 und 4). Zweifellos ist das, was in Altötting und in München gelehrt wurde, „falsche Lehre“. Aber auch Ratzinger ist niemand, der das redet, was die Mengen wünschen. Das haben die Reaktionen ja gezeigt.

Nicht Massen suchen!

Es darf uns nicht um Massen gehen. Darum ging es dem Herrn nicht, und uns schon gar nicht! Ein Diener ganz besonders darf nicht die Größe suchen, schon gar nicht seiner Gabe oder seines Einflusses. Für einen Diener ist es daher zuweilen heilsam und nützlich, keine Massen vor sich zu sehen!

Die Herzen erwärmen für Christus

Aber ist es nicht auch unsere Erfahrung, dass wir nicht selten nicht einmal „vom Ort“ vollzählig sind? Das kann man natürlich nicht verallgemeinern. Und es gibt auch viele Gegenbeispiele. Aber waren früher die Säle nicht voller - und zwar nicht deshalb, weil es noch nicht so viele Trennungen gab? Könnte es sein, dass wir Matthäus 24, ,Vers 12 anwenden müssen: „Die Liebe der Vielen wird erkalten“?

Man bekommt Jung und Alt nicht dadurch wieder zurück, dass man ihnen Vorschriften macht. Dass man sie „zwingt“ zu kommen. Dass man ihnen ihr Desinteresse vorhält. Vielleicht haben wir in den letzten Jahren versäumt, durch Wort und Tat, durch Blick und Leben schlicht Christus vorzustellen. Vielleicht würde das die Herzen mehr erwärmen und erreichen.