28.10.20051. Mose

Abraham

(Bild stammt von: http://breadsite.org)

Vorwort

Es ist kaum möglich, die Bedeutung der Kenntnis von Gottes Handeln mit Abraham und seinem Samen für das richtige Verstehen der Bibel zu überschätzen. Ihm sagte der HERR: „Ich will die segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde“ (1. Mo 12,3). Aus Galater 3 lernen wir, dass dieser Same „Christus“ war. Nur in Ihm werden die Segnungen des Bundes mit Abraham Wirklichkeit.

Abraham ist zudem einer der interessantesten Charaktere der biblischen Geschichte. Es gibt nur wenige Personen, die so oft in der Bibel erwähnt werden. Wenn man einmal in eine Bibelkonkordanz schaut, wird man feststellen, dass Abraham neben der vielfältigen Erwähnung im Alten Testament über 70 Mal im Neuen Testament genannt wird. Er besitzt die besondere Auszeichnung, „Freund Gottes“ genannt zu werden (Jak 2,23).

Damit Abraham für den Platz, den Gott für ihn vorgesehen hat, zubereitet wurde, erschien ihm der Gott der Herrlichkeit (Apg 7,2) und schenkte ihm großartige Visionen – Visionen des Herrn Jesus (Joh 8,56) und der himmlischen Stadt, „die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist“ (Heb 11,10).

Die praktischen Lektionen, die wir aus seinem Leben ziehen können, werden in diesem Buch betont.

Auf der anderen Seite des Flusses (1. Mo 11,27–30)

Um die Geschichte Abrahams zu verstehen und einen wirklichen Nutzen daraus ziehen zu können, ist es notwendig, den Charakter der Welt zu bedenken, in der er damals lebte, und aus der er herausgerufen worden ist.

Der Hintergrund seines Lebens

Der Apostel Petrus bezieht sich auf die Zeit vor der Flut und nennt sie „die damalige Welt“ (2. Pet 3,6). Der Apostel Paulus spricht von der „gegenwärtigen bösen Welt“ (Gal 1,4) und schließlich von „dem zukünftigen Erdkreis“ (Heb 2,5) und meint die Welt im 1000-jährigen Reich. Das ist also die vergangene, die jetzige und die künftige Welt.

Die Welt vor der Flut wurde durch den Sündenfall ruiniert und im weiteren Verlauf vollkommen gesetzlos. Ungefähr 1650 Jahr ertrug Gott die zunehmende Verdorbenheit der Menschen, bis die ganze Welt vor Gott verdorben und voller Gewalttat war (1. Mo 6,11). Da antwortete Gott durch Gericht, durch welches „die damalige Welt, von Wasser überschwemmt, unterging“ (2. Pet 3,6).

Nach der Flut nahm die Welt, wie wir sie heute kennen, ihren Anfang. Dieser war durch vollkommen neue Elemente gekennzeichnet. Eine Regierung wurde eingeführt, so dass durch die Barmherzigkeit Gottes die Bosheit nicht mehr ungestraft ausgeübt werden sollte. Der Mensch wurde dafür verantwortlich gemacht, das Böse zu zügeln, indem er Gericht über die bösen Menschen ausüben sollte. Noah wurde gesagt: „Wer Menschenblut vergießt, durch den Menschen soll sein Blut vergossen werden“ (1. Mo 9,6).

Aber so, wie der Mensch in der Zeit der Unschuld versagt und die Welt vor der Flut zerstört hatte, so versagte der Mensch auch in der Ausübung der Regierung und zerstörte die gegenwärtige Welt. Wie immer, wenn dem Menschen Verantwortung übertragen wurde, hat er versagt, und zwar von Anfang an. Noah hatte den Auftrag zu regieren. Aber er versagte schon darin, sich selbst zu „regieren“. Er betrank sich, und sein Sohn machte sich lustig über ihn.

Im Großen und Ganzen haben diese Dinge leider immer die Regierungen dieser Welt gekennzeichnet. Diejenigen, die die Verantwortung übertragen bekommen haben, versagten in der Ausübung der Regierung. Und diejenigen, die sich auf der anderen Seite befanden, haben sich über dieses Versagen lustig gemacht. Zudem kann man feststellen, dass die Menschen im Verlauf der Zeit die Regierungsmacht dazu missbraucht haben, sich selbst zu erhöhen. Dann haben sie in Unabhängigkeit von Gott gehandelt. Sie sagen: „Wohlan, bauen wir uns eine Stadt ... und machen wir uns einen Namen“ (1. Mo 11,4). Schließlich fiel die Welt vollständig von Gott ab und praktizierte statt dessen Götzendienst, denn wir lesen: „So spricht der HERR, der Gott Israels: Eure Väter wohnten vor alters jenseits des Stromes, Tarah, der Vater Abrahams und der Vater Nahors, und sie dienten anderen Göttern“ (Jos 24,2).

Um das Böse des Menschen zurückzuhalten, wurde die Welt in verschiedene Familien aufgeteilt: So entstanden verschiedene Nationalitäten und verschiedene Sprachen.

Das also war der Anfang der gegenwärtigen Welt, und das ist der Charakter der gegenwärtigen, bösen Welt, die dem Gericht immer schneller entgegeneilt. Es ist eine Welt, in der die Regierung von Gott gegeben wird. Aber sie wird in den Händen der Menschen zerstört, da diese in Unabhängigkeit von Gott handeln, sich selbst erhöhen und schließlich ganz von Gott abfallen und zu Götzendienern werden.

Der Wendepunkt im Leben Abrahams

Gott ertrug diese Welt über 400 Jahre lang. Dann erscheint der Gott der Herrlichkeit einem Menschen auf dieser Erde und beginnt, auf einer ganz neuen Grundlage zu handeln: auf der einer souveränen Berufung Gottes. Dieses neue Handeln setzt nicht die Regierung dieser Welt beiseite. Es gibt auch keinen Vorschlag, diese Welt zu verbessern oder zu reformieren bzw. das Böse in der Welt zu korrigieren. Gottes Handeln lässt die Welt genau so, wie sie ist, macht aber Gottes vorrangigen Anspruch an eine Einzelperson geltend, die in souveräner Gnade ausgewählt und aus der Welt herausgerufen wird.

Wir können die Bedeutung dieser großen Wahrheit gar nicht übersehen, wenn wir aus der Lehre des Neuen Testaments erkennen, dass Gott auch heute noch nach demselben Prinzip handelt. Die Versammlung (Kirche, Gemeinde) besteht vollständig aus Individuen, die durch Gnade berufen worden sind. Der Apostel Paulus sagt deutlich, dass Gott uns nicht nur errettet, sondern auch berufen hat, und dass diese Berufung „mit heiligem Ruf .. nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade“ geschehen ist (2. Tim 1,9). Auch in seinem Brief an die Römer werden wir daran erinnert, dass Gläubige „nach Vorsatz berufen sind“ (Röm 8,28). So spricht der Apostel die gläubigen Hebräer als „Genossen der himmlischen Berufung“ (Heb 3,1) an. Der Apostel Petrus sagt uns, dass wir „aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen“ worden sind (1. Pet 2,9), und er fügt hinzu, dass „der Gott aller Gnade ... euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit“ (1. Pet 5,10).

Es ist also klar, dass die Gläubigen nicht nur „errettet“ worden sind, sondern auch „berufen“ wurden. Es ist natürlich das erste Anliegen einer ängstlichen Seele wie das des Gefängniswärters in Philippi (Apg 16,30): „Was muss ich tun, um errettet zu werden?“ Aber nachdem wir die Errettung durch den Glauben an Christus und sein vollbrachtes Werk gefunden haben, sind wir zu oft damit zufrieden, in dem Bewusstsein zu leben, dass unsere Sünden vergeben worden sind, so dass wir vor dem Gericht geschützt und von der Hölle gerettet worden sind. Wir sind träge darin zu erkennen, dass dasselbe Evangelium, das uns die gute Botschaft der Errettung von dem Gericht bringt, zugleich die Berufung Gottes zur Herrlichkeit Christi verkündigt. Der Apostel kann daher zu den Gläubigen in Thessalonich nicht nur sagen, „dass Gott euch von Anfang erwählt hat zur Errettung“, sondern er fügt sofort hinzu, dass „er euch berufen hat durch unser Evangelium zur Erlangung der Herrlichkeit unsers Herrn Jesus Christus“ (2. Thes 2,13.14).

Diese verschiedenen Bibelstellen machen deutlich, dass Gott uns berufen hat, weil Er ein Ziel in seinem Herzen hat, das Er befriedigen möchte. Darüber hinaus lernen wir, dass die „Berufung“ einschließt, dass wir aus einer Welt, die in Finsternis liegt und unwissend über Gott ist, herausgerufen wurden um in das wunderbare Licht dessen zu kommen, was Gott für Christus in einer anderen Welt vorgesehen hat. Und wenn wir zudem für den Himmel berufen worden sind, so deshalb, damit wir die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangen. Das Ziel der himmlischen Berufung liegt darin, mit Christus und wie Christus zu sein.

Unser Interesse am Leben Abrahams

Das sind also einige der gesegneten Wahrheiten, die mit der Berufung Gottes verbunden sind, und die wir im Leben Abrahams illustriert finden. Die praktische Bedeutung der Erzählung des Lebens Abrahams liegt in der Tatsache, dass diese große Wahrheit der Berufung Gottes vor uns gebracht wird, und zwar nicht durch eine lehrmäßige Aussage, sondern sie wird durch das Leben eines Mannes gezeigt, der die gleichen Empfindungen hatte wie wir. So belehrt uns Gott in einer Weise, die auch der einfachste Gläubige verstehen kann.

Die Berufung Gottes (1. Mo 11,31–12,3)

Im ersten Teil des Lebens Abrahams sehen wir

* den Weg des Glaubens, der auf den Ruf Gottes antwortet,
* die Hindernisse, die es für diesen Weg gibt,
* den Glauben, der diesen Weg geht, und
* die Segnungen, die es auf diesem Weg gibt, genauso wie das Versagen, die Versuchungen sowie die Kämpfe auf diesem Weg.

Der Charakter der Berufung

Ein göttlicher Ruf

Die erste große Wahrheit, die wir aus dem einleitenden Teil der Geschichte Abrahams lernen, ist der gesegnete Charakter der Berufung Gottes. Aus der Rede von Stephanus, die uns in Apostelgeschichte 7 wiedergegeben wird, lernen wir, dass „der Gott der Herrlichkeit unserem Vater Abraham erschien, als er in Mesopotamien war“ (Vers 2). Hier entdecken wir, was diesen Ruf von jedem anderen unterscheidet: Er kommt von Gott – dem Gott der Herrlichkeit. In dieser Welt mit ihren Städten und Türmen, die bis zum Himmel reichen sollen, gibt es nichts, das von Gott spricht, sondern alles soll nur die Herrlichkeit des Menschen erhöhen und darstellen. „Der Gott der Herrlichkeit“ spricht von einer ganz anderen Szene, in der es nichts vom Menschen zu sehen gibt. Nur Gottes Herrlichkeit offenbart sich hier. Es ist der Gott, der dem Menschen, der in einer Gott entfremdeten Welt lebte und sogar in Götzendienst gefallen war, in wundervoller Gnade erscheint. Das ist also die Herrlichkeit des Einen, der Abraham erscheint, der dieser Berufung ihre Bedeutung verleiht. Diese Person gibt dem Glauben seine Autorität und Kraft, um dem Ruf in der rechten Weise zu folgen.

Ein trennender Ruf

Zweitens lernen wir, dass es sich bei der Berufung um einen trennenden Ruf handelt. Das Wort an Abraham lautete: „Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters“ (1. Mo 12,1). Abraham wird nicht gesagt, in Ur zu bleiben und sich mit der Bosheit des Menschen auseinander zu setzen. Er bekommt auch nicht den Auftrag, die sozialen Bedingungen zu verbessern oder die dort herrschende politische Situation zu reformieren, noch soll er die Welt verbessern oder strahlender machen. Er bekommt den Ruf, in jeder Hinsicht aus ihr herauszukommen. Er soll verlassen

* die politische Welt – „dein Land“,
* die soziale Welt – „deine Verwandtschaft“, und
* die familiäre Welt – „das Haus deines Vaters“.

Auch der heutige Ruf ist nicht weniger bestimmt. Die Welt um uns herum hat die Form von Gottseligkeit, ohne die entsprechende Kraft zu besitzen (2. Tim 3,5): Das ist die Welt der verdorbenen Christenheit. Und der Brief, der uns mitteilt, dass wir Teilhaber der himmlischen Berufung sind, ermahnt uns zugleich, uns von dem Verderben der Welt zu trennen. Wir sollen „zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend“ (Heb 13,13). Nicht, dass wir die Regierung über uns verachten sollten – sie ist noch immer von Gott eingesetzt (Röm 13,1). Auch können wir die Familienbande nicht vernachlässigen – sie sind von Gott gegeben. Schließlich sollen wir auch nicht aufhören, höflich und nett zu sein und allen Menschen gegenüber Gutes zu tun, wie wir die entsprechende Gelegenheit haben (Gal 6,10). Aber als Gläubige sind wir dazu aufgerufen, keine Rolle zu spielen in den politischen Aktivitäten dieser Welt, in den sozialen Zirkeln und allen Bereichen, in denen unsere unbekehrten Verwandten ihre Freuden ohne Gott genießen. Wir sind nicht dazu aufgerufen, die Welt zu reformieren oder zu versuchen, ihren Zustand zu verbessern. Nein, wir sollen aus ihrer Mitte herausgehen. Auch uns gilt noch immer das Wort: „Geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen; und ich werde euch zum Vater sein, und ihr werdet mir zu Söhnen und Töchtern sein, spricht der Herr, der Allmächtige“ (2. Kor 6,17.18).

Ein zusichernder Ruf

Drittens ist dieser Ruf Gottes, der Abraham von dieser gegenwärtigen Welt trennte, eine Berufung im Blick auf das Einführen in eine andere Welt, „das Land, das ich dir zeigen werde“ (1. Mo 12,1), wie Gott es nennt. Wenn der Gott der Herrlichkeit Abraham erschienen war, dann deshalb, um ihn in die Herrlichkeit Gottes zu bringen. So endet die beeindruckende Rede von Stephanus, die mit dem Gott der Herrlichkeit beginnt, der einem Mann auf der Erde erscheint, mit einem Menschen, der in der Herrlichkeit Gottes im Himmel erscheint. Am Schluss seiner Worte schaut Stephanus unverwandt zum Himmel und sieht „die Herrlichkeit Gottes, und Jesus zur Rechten Gottes stehen“ (Apg 7,55). Er sagt darauf: „Siehe, ich sehe die Himmel geöffnet und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen!“ (Vers 56). Wenn wir auf Christus in der Herrlichkeit schauen, erkennen wir die wunderbare Absicht, die Gott in seinem Herzen hatte, als Er uns aus dieser gegenwärtigen Welt herausrief. Er hat uns zur Herrlichkeit berufen, um Christus gleich zu sein und mit Christus in einem Bereich zu leben, in dem alles von Gott spricht und davon, was Er in der unfassbaren Liebe seines Herzens ist.

Gott sagt nicht zu Abraham: „Wenn du meinen Ruf beantwortest, werde ich dir sofort den Besitz des Landes geben!“ Aber Er sagt zu ihm: „Ich werde dir das Land zeigen.“ So schenkt uns Gott – sozusagen zusammen mit Stephanus –, wenn wir auf seinen Ruf hören, dass wir den König in seiner Schönheit sehen und auch das Land, das weit entfernt ist. Wir schauen auf und sehen Christus in der Herrlichkeit.

Ein vorteilhafter Ruf

Viertens gibt es einen großen Segen für denjenigen, der auf den Ruf hört. Gott sagt zu Abraham als solchem, der von der bösen, gegenwärtigen Welt getrennt war: „Und ich will dich zu einer großen Nation machen und dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen“ (1. Mo 12,2). Die Menschen dieser Welt suchen sich selbst einen großen Namen zu machen. Sie sagen: „Machen wir uns einen Namen“ (1. Mo 11,4). Aber Gott sagt zu dem abgesonderten Mann: „Ich will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen.“

Die Neigung unserer natürlichen Herzen ist immer, uns selbst einen Namen zu machen. Und das Fleisch wird alles zum Anlass nehmen, sogar die Dinge Gottes, um sich selbst zu erhöhen. Diese Neigung konnte man sogar unter den Jüngern des Herrn sehen, als sie sich stritten, wer von ihnen für den Größten zu halten sei.

Die Zerstreuung der Menschen in Babel und die Spaltungen in der Christenheit sowie jeder Streit innerhalb des Volkes Gottes kann auf diese eine Wurzel zurückgeführt werden: Die Eitelkeit des Fleisches will sich selbst groß machen.

Die demütige Gesinnung des Herrn Jesus war von einer Art, sich keinen Ruf zu erarbeiten. „Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist“ (Phil 2,9). Gott hat seinen Namen groß gemacht. Und demjenigen, der die demütige Gesinnung Christi hat und Ihm außerhalb des Lagers folgt, indem er auf Gottes Ruf hört, sagt Er: „Ich will deinen Namen groß machen.“ Gott kann einem Gläubigen in seiner Welt der Herrlichkeit einen viel größeren Namen machen, als wir ihn uns selbst in dieser gegenwärtigen, bösen Welt zu machen imstande sind.

Ein ehrliches Bekenntnis vorausgesetzt, würden manche zugeben, dass der wahre Beweggrund für sie, in einer falschen Stellung zu bleiben, der verborgene Wunsch ist, groß zu sein. Daher schrecken sie vor einem Weg in der Unbekanntheit außerhalb der religiösen Welt dieser Tage zurück. Können wir in der Schrift nicht erkennen, wie wir es auch aus unserer tagtäglichen Erfahrung heraus wissen, dass diejenigen, die geistlicherweise groß inmitten des Volkes Gottes waren, immer abgesonderte Menschen waren – Menschen, die auf den Ruf Gottes hörten. Jedes Abweichen von dem Weg der Absonderung dagegen hat zu einem verminderten Einfluss und einem Verlust an geistlicher Größe inmitten des Volkes Gottes geführt.

Ein Ruf mit segensreichen Auswirkungen

Fünftens sagt Gott zu Abraham: „Du sollst ein Segen sein!“ (1. Mo 12,2). Was seinen äußerlichen, sichtbaren Weg betrifft, würde Abraham nicht nur selbst gesegnet werden, sondern zugleich ein Segen für andere sein. Wir sollten die Bedeutung dieser Wort gut bedenken. Wie oft bleibt ein Gläubiger in einer Verbindung, von der er zugibt, dass sie nicht in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes ist. Er versucht dann geltend zu machen, dass er anderen nützlicher sei, als wenn er sich nach außen hin an einen Platz der Absonderung begibt. Wir müssen aber bedenken, dass Gott nicht zu Abraham sagt. „Wenn du in Ur in Chaldäa bleibst oder auf halber Strecke in Haran stoppst, wirst du ein Segen sein.“ Abraham wird vielmehr als jemandem gesagt, der auf Gottes Ruf gehorcht: „Du wirst ein Segen sein.“

Ein bewahrender Ruf

Sechstens wird Abraham gesagt, dass er an diesem Platz, außerhalb der von ihm gekannten Welt, die bewahrende Fürsorge Gottes erleben würde. Er würde zwar Widerstand und Prüfungen erleben, denn es bleibt immer wahr, dass derjenige, der „das Böse meidet, sich der Beraubung aussetzt“ (Jes 59,15). Aber Gott sagt zu diesem abgesonderten Mann: „Ich will die segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen“ (1. Mo 12,3). Der abgesonderte Mann wird vor manchen Prüfungen bewahrt, die einen Gläubigen treffen, der in der Gemeinschaft mit dieser Welt bleiben möchte. Die Barmherzigkeit des HERRN rettete Lot vor dem Schicksal Sodoms. Aber durch diese falsche Verbindung verlor er alles – Frau, Kinder, Wohlstand und auch seinen Namen.

Ein wirksamer Ruf

Nachdem Abraham im Glauben an Gottes Wort handelt, wird ihm siebtens gesagt: „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!“ Wir kennen die Anwendung, die der Geist Gottes von dieser Verheißung macht. Er sagt. „Die Schrift aber, voraussehend, dass Gott die Nationen aus Glauben rechtfertigen würde, verkündigte dem Abraham, die gute Botschaft zuvor: ‚In dir werden gesegnet werden alle Nationen‘“ (Gal 3,8). Abraham sah nicht voraus, und er konnte auch nicht wissen, welch weitreichende Folgen sein Handeln im Glauben als Antwort auf Gottes Berufung haben würde. Aber Gott sah voraus, dass dieses Handeln der einzige Weg des Segens für alle Familien der Erde war. So kann auch in dem kleinen Maß, das wir verwirklichen können, nur Gott den weitreichenden Segen für andere voraussehen, der von einer Seele ausgehet, die in einfachem und tiefem Glauben auf den Ruf Gottes hört.

Das Hindernis für das Hören auf Gottes Ruf

Wir haben die gesegneten Verheißungen gesehen, die mit dem Ruf Gottes verbunden sind, und wir werden lernen, wie Glaube auf den Ruf hört. Zuerst wird uns jedoch in dieser so lehrreichen Geschichte erlaubt zu sehen, wie oft der Mann des Glaubens für eine Zeit daran gehindert werden kann, dem Ruf Gottes Folge zu leisen.

Aus der Rede von Stephanus, die uns in Apostelgeschichte 7 wiedergegeben wird, lernen wir, dass dieser Ruf Abraham ereilte, „als er in Mesopotamien war, ehe er in Haran wohnte“ (Vers 2). Das Hören auf diesen Ruf wird bei Abraham durch die natürlichen Bindungen behindert. Abraham wurde gerufen, aber der natürliche Mensch kann offensichtlich eine Zeitlang einen großen Eifer zeigen als Antwort auf einen solchen Ruf. Ja, er kann sogar die Führung übernehmen, denn wir lesen: „Und Tarah nahm seinen Sohn Abram ...; und sie zogen miteinander aus Ur in Chaldäa, um in das Land Kanaan zu gehen“ (1. Mo 11,31). Der natürliche Mensch mag versuchen, den Weg des Glaubens zu betreten. Und zunächst kann er sogar die richtigen Dinge mit den besten Absichten tun. Aber der natürliche Mensch wird in seinem Selbstvertrauen immer mehr tun wollen, als das, wozu er die Kraft besitzt. So kommt es, dass Tarah Ur zwar verlässt, „um in das Land Kanaan zu gehen“, dieses Land jedoch nie erreicht. Die menschliche Natur hält auf halbem Weg in Haran an, und dort wohnt Tarah bis zu seinem Tod.

Und was passiert mit Abraham, dem Mann Gottes? Er lässt eine Zeitlang zu, daran gehindert zu werden, dem Ruf Gottes vollständig Folge zu leisten. Es war ja nicht einfach so, dass sein Vater mit ihm ging, sondern Abraham gestattete seinem Vater, die Führung zu übernehmen, denn wir lesen: „Tarah nahm seinen Sohn Abraham.“ So ist das Ergebnis, dass er das Land zunächst nicht erreicht, für das er berufen wird. Wir lesen in dem Bericht über die Rede von Stephanus: „Da ging er aus dem Land der Chaldäer und wohnte in Haran; und von dort siedelte er ihn um, nachdem sein Vater gestorben war, in dieses Land“ (Apg 7,4).

Wie viele von uns sind eine Zeitlang durch geliebte Verwandte daran gehindert worden, den Weg der Absonderung zu wählen, der in Übereinstimmung mit der Berufung Gottes ist. Der Ruf erreicht den Gläubigen, er erkennt dessen Wahrheit an; und doch verschiebt er das Befolgen, weil ein naher Angehöriger nicht bereit ist, diesen Schritt der äußerlichen, sichtbaren Trennung zu vollziehen. Die Seele hängt der Hoffnung nach, dass durch ein wenig Warten auch der nahe Verwandte dazu gebracht wird, diesen Ruf zu erkennen, damit beide zusammen handeln können. Der Glaube dagegen kann das Natürliche nicht zu der Höhe des Glaubens erheben, auch wenn das Natürliche den Mann des Glaubens nach unten ziehen und behindern kann. Viele Gründe könnten angeführt werden, diesen halbherzigen Schritt zu entschuldigen. Aber letztlich bedeutet das nichts anderes, als die Ansprüche der Natur über den Ruf Gottes zu stellen. Dann mag Gott – wie in der Geschichte Abrahams – einen Todesfall in den Familienbereich hineinbringen müssen, um denjenigen, der uns daran hinderte, dem Ruf Gottes Folge zu leisten, zu entfernen. Abraham jedenfalls folgte dem Ruf Gottes erst dann vollständig, als sein Vater gestorben war.

Glaube und Unglaube (1. Mo 12,4-20)

Abraham war nun von den natürlichen Bindungen befreit worden, auch wenn dies schmerzhaft auf Kosten des Todes war, der in seine Familie hineinkam. Nachdem sein Vater gestorben war, gehorcht Abraham dem Ruf, denn wir lesen: „Und Abram ging hin, wie der HERR zu ihm geredet hatte“ (1. Mo 12,4).

Er nimmt Lot, seinen Neffen, mit. Aber Lot wird sich mit seiner weltlichen Gesinnung als eine Last erweisen. Im Fall seines Vaters Tarah war es so: Abraham wurde von Gott berufen, aber er erlaubte der menschlichen Natur, die Führung zu übernehmen, denn wir lesen: „Und Tarah nahm seinen Sohn Abram.“ Das wurde zu einem Hindernis mit dem Tod als Folge. Im Fall seines Neffen übernimmt dagegen Abram die Führung, denn wir lesen hier: „Und Abram nahm ... Lot“ (1. Mo 12,5). Wenn diese Begleitung auch eine Last für ihn werden würde, konnte sie seinen Glaubensschritt als Antwort auf den Ruf Gottes nicht hindern.

Als der natürliche Mensch die Führung übernommen hatte, hieß es: „Und sie zogen miteinander aus Ur in Chaldäa, um in das Land Kanaan zu gehen“ (1. Mo 11,31). Nun, nachdem der Glaube die Führung übernommen hat, lesen wir erneut: „Und sie zogen aus, um in das Land Kanaan zu gehen; und sie kamen in das Land Kanaan“ (1. Mo 12,5).

Ein Gegensatz

Als sie in Kanaan angekommen waren, stellten sie fest: „Die Kanaaniter waren damals im Land“ (1. Mo 12,6). Das ist sehr bedeutsam. Von Abraham hatte Gott gesagt: „Ich will dich segnen.“ Von dem Mann Kanaan hatte Gott gesagt: „Verflucht sei Kanaan!“ (1. Mo 9,25). Wenn Gott Abraham, den Mann des Segens, in das Land der Verheißung bringt, muss dieser sofort entdecken, dass der Teufel den Mann des Fluches bereits in genau dieses Land hineingeführt hat. Auf diese Weise sucht der Teufel den Plan Gottes zu vereiteln und den Mann des Glaubens daran zu hindern, in den Besitz dieses Landes zu kommen.

Ein Vergleich

Dasselbe gilt für den Christen. Er ist aus der gegenwärtigen Welt herausgerufen worden. Er ist Teilhaber der himmlischen Berufung. Er ist mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern gesegnet worden. Aber wenn er auf die Berufung Gottes hört und die Welt hinter sich lässt, stellt er fest, dass er Widerstand erfährt durch „die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern“ (Eph 6,12). Der Gläubige, der die geistlichen Segnungen genießen möchte, wird feststellen, dass sich gegen ihn die geistlichen Mächte der Bosheit aufstellen, um ihn daran zu hindern, den himmlischen Boden in Besitz zu nehmen, der das einzig wahre und richtige Teil der Versammlung (Kirche, Gemeinde) Gottes ist.

Für Abraham stellt Ur in Chaldäa die Vergangenheit dar. Der Besitz des Landes war aber noch Zukunft. In der Zwischenzeit besaß er weder die Welt, die er hinter sich gelassen hatte, noch die bessere „Welt“, die für ihn vorgesehen war. Auch das ist die Stellung des Christen, der auf den Ruf Gottes hört. Er hat die gegenwärtige Welt hinter sich gelassen, aber noch nicht die künftige Welt erreicht.

Wir mögen daher fragen: Was ist dann das Teil dessen, der auf den Ruf Gottes hört, und was wird ihn in dieser Stellung außerhalb der Welt erhalten? Die Geschichte Abrahams gibt hierzu reichhaltige Belehrung und Ermutigung.

Der Gehorsam des Glaubens

Zuerst müssen wir erkennen, dass der großartige Grundsatz, auf dessen Grundlage Abraham handelte, der Grundsatz des Glaubens ist. Es ist offensichtlich, dass er, nachdem er die eine Welt verlassen und die andere noch nicht in Besitz genommen hat, nichts für das natürliche Auge besaß. Nicht, dass er diese Welt nicht gesehen hätte. Aber das, was er sah, sah er im Glauben. Daher lesen wir: „Durch Glauben war Abram, als er gerufen wurde, gehorsam, auszuziehen an den Ort, den er zum Erbteil empfangen sollte“, und: „Durch Glauben hielt er sich auf in dem Land der Verheißung“, und: „Diese alle sind im Glauben gestorben“ (Heb 11,8.9.13).

Der Weg des Glaubens

Zweitens wurden Abraham und diejenigen, die mit ihm gingen, nachdem sie auf den Ruf Gottes auf dem Grundsatz des Glaubens gehört hatten, „Fremdlinge und Beisassen“. Der Heilige Geist sagt von ihnen im Neuen Testament: „Sie bekannten, dass sie Fremdlinge und ohne Bürgerrecht auf der Erde seien“ (Heb 11,13). Das sehen wir sehr deutlich in dem Bericht über Abraham. In Haran wurde Abraham, wie wir gesehen haben, für eine Zeit aufgehalten. Dort lesen wir, dass er dort wohnte (1. Mo 11,31). Nachdem er dann in das Land Kanaan gekommen ist, lesen wir: „Und er schlug sein Zelt auf“ (1. Mo 12,8). Das tat er als jemand, der keinen sicheren Wohnplatz dort besaß. Wir lesen sogar weiter, dass Abraham das Land durchzog (Vers 6). Als ein Ausländer besaß er in dieser Welt nichts als ein Zelt. Als ein Pilger (Beisasse) durchlief er das Land hin zu einer anderen Welt.

Das Teil des Glaubens

Drittens lernen wir, was Abraham auf diesem Weg des Wanderers aufrecht erhielt. Uns wird gesagt: „Und der HERR erschien Abram und sprach: Deiner Nachkommenschaft will ich dieses Land geben“ (1. Mo 12,7). Bedenke diese beiden Dinge gut:

1. Zweimal lesen wir: „Der HERR erschien“ ihm.

2. Das Land wird ihm als ein künftiger Besitz vorgestellt.

Abraham sieht den König in seiner Schönheit und das Land, das weit entfernt ist. Er führt seine Reise als ein Ausländer und als ein Wanderer im Licht der Herrlichkeit des Gottes durch, der ihn berufen hat, und im Licht des Landes, dem er entgegen ging. So lesen wir im Neuen Testament: „Denn er erwartete die Stadt, die Grundlagen hat“, und: Er trachtete „nach einem besseren, das ist himmlischen“ Land (Heb 11,10.16).

Auch bei uns ist das nicht anders. Nur, wenn wir Christus selbst in seiner Herrlichkeit vor uns haben und den Segen der himmlischen Heimat, der wir entgegen gehen, werden wir wenigstens in kleinem Maß den Charakter von Fremdlingen und Wanderern tragen. Es ist nicht genug, die Lehre des Christus und den Himmel, der vor uns am Ende der Reise liegt zu kennen. Wir müssen wie der Apostel in unserem Herzen den Wunsch haben: „Um ihn zu erkennen“, und: „Ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möge, indem ich auch von Christus Jesus ergriffen bin“ (Phil 3,10.13).

Einen Platz außerhalb der Welt als Antwort auf unsere Berufung einzunehmen, macht es uns möglich, in der persönlichen Gemeinschaft mit unserem Herrn selbst zu wachsen. Denn Er hat gesagt: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren“ (Joh 14,21).

Die Antwort des Glaubens

Nachdem der HERR Abraham erschienen ist, lesen wir sofort: „Und er baute dort dem HERRN, der ihm erschienen war, einen Altar“ (1. Mo 12,7). Das spricht zweifellos von Anbetung. Im Brief an die Hebräer tragen die, die zu Christus außerhalb des Lagers gehen, nicht nur den Charakter von Wanderern als solche, die keine bleibende Stadt haben, sondern sie werden Anbeter, die „Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen“ (Heb 13,13– 5).

Abraham wurde sich somit nicht nur der Herrlichkeit des Landes in einer fernen Zukunft bewusst, sondern begriff etwas von der Herrlichkeit dessen, der ihm erschienen war. Das Geschenk des Landes mag wirklich Dank hervorbringen. Aber die Größe des Gebers machte ihn zu einem Anbeter. So ist es immer. Denn Anbetung ist der Ausfluss eines Herzens, das mit der Herrlichkeit der Person erfüllt ist, die wir bewundern.

Quelle des Glaubens

Fünftens rief Abraham „den Namen des HERRN an“ (1. Mo 12,8). Das spricht von seiner Abhängigkeit von dem HERRN. Was auch immer seine Bedürfnisse gewesen sein mögen, die Entbehrungen seiner Wanderschaft und die Versuchungen, die seinen Weg kreuzten, welcherart auch immer der Widerstand gewesen sein mag, auf den er traf: Er besaß eine unerschöpfliche Quelle, denn er konnte den Namen des HERRN anrufen.

Gottesfürchtige finden ihre Hilfsquellen immer im Herrn Jesus, wie schwierig die Tage auch sein mögen. In den Tagen des Ruins vor der Flut gab es solche, die wie Kain „weg vom Angesicht des Herrn“ gingen. Aber es gab auch gottesfürchtige Menschen, die anfingen, „den Namen des HERRN anzurufen“ (1. Mo 4,16.26). So gab es auch in den dunklen Tagen des Propheten Maleachi gottesfürchtige Menschen, die ihre Hilfsquelle in dem HERRN fanden, denn wir lesen: „Da unterredeten sich miteinander, die den HERRN fürchteten“ (Mal 3,16).

In den frühen Tagen der Versammlung (Kirche, Gemeinde) waren die Gläubigen als solche bekannt, „die diesen Namen anrufen“ (Apg 9,21). Inmitten der Verfolgungen wandten sie sich zu ihrem Herrn. Und inmitten des Ruins der letzten Tage der Christenheit wird uns versichert, dass es immer noch solche geben wird, „die den Herrn anrufen aus reinem Herzen“ (2. Tim 2,22).

Wie beeindruckend allerdings der Glaube von Abraham auch war, sollen wir dennoch erkennen, dass er ein Mensch mit gleichen Empfindungen war wie wir. Keiner kann den Weg des Glaubens gehen, ohne geprüft zu werden. Diese Prüfung wird zugelassen, damit wir auf der einen Seite unsere Schwachheit erkennen, aber auch auf der anderen Seite die Gnade und Treue Gottes.

Die Untreue Abrahams

In Abrahams Leben kam der Test in der Form einer Hungersnot. Es war ein harter Test, „denn die Hungersnot war schwer im Land“ (1. Mo 12,10). Wenn der HERR eine Hungersnot erlaubte, konnte Er zweifellos auch alle Bedürfnisse der Seinen inmitten einer solchen Hungersnot stillen. Leider ließ es Abraham unter dem Druck seiner Bedürfnisse zu, dass die Umstände zwischen seine Seele und den HERRN traten. Anstatt den HERRN erneut anzurufen, folgte er dem Diktat einfacher Überlegungen oder dem sogenannten gesunden Menschenverstand. Dadurch geriet er für eine Zeit von dem Weg des Glaubens ab und „zog nach Ägypten hinab“ (1. Mo 12,10). Anstatt auf Gott zu vertrauen, damit dieser ihn aufrecht erhielt, ging Abraham „hinab“ zur Welt, um dort Hilfe zu suchen.

Und nachdem er diesen falschen Schritt unternommen hat, stellt er fest, dass zwar seine unmittelbaren Bedürfnisse gestillt werden, er aber zugleich mit neuen Schwierigkeiten konfrontiert wird, die durch diese falsche Stellung, in die er sich gebracht hat, hervorgerufen werden. Er hat Angst, durch die Begierden der Ägypter, die seine Frau Sarai begehren könnten, getötet zu werden.

Nachdem er sich in eine Position gebracht hat, in der er nicht länger darauf bauen kann, dass Gott ihn bewahrt, bleiben ihm nur noch seine Anstrengungen, um dieser neuen Schwierigkeit zu begegnen. Sich selbst überlassen sinkt er sogar noch unter das Niveau der Welt und handelt als ein Lügner. Mit seiner doppeldeutigen Aussage – also einer ganzen Lüge – versucht er, sich selbst auf Kosten seiner Ehefrau zu schützen.

Der Unglaube trägt die Beurteilung der eigenen Tat gleich in sich und führt in der Regel zu jeder Art des Bösen, die man eigentlich vermeiden will, wie jemand gesagt hat: „Sie Söhne der Menschen wollten einen Turm bilden, damit sie nicht über die ganze Erde zerstreut würden. Aber der HERR zerstreute sie, weil sie ihn bildeten (1. Mo 11,4–9). Abraham fürchtete, dass der Pharao seine Frau nehmen könnte und sagt, sie sei seine Schwester (als ob Gott ihn nicht bewahren könnte), und deshalb nimmt der Pharao sie in sein Haus auf“ (John Nelson Darby). So ist es nochmals später in ähnlichen Umständen. Elimelech verlässt das Land Gottes, um der Furcht des Todes durch eine Hungersnot zu entgehen, wird aber von dem Tod im Land Moab ereilt (Rt 1,1–3).

Abraham bekommt tatsächlich durch diesen falschen Schritt Hilfe in Bezug auf sein unmittelbares Bedürfnis. Ja, er kann sogar Reichtümer erwerben. Aber auf welche Kosten! Denn in Ägypten kann er weder ein Zelt aufschlagen noch einen Alter bauen. Und auch den Namen des HERRN kann er dort nicht anrufen.

Die Treue des Gottes Abrahams

Aber trotz des Versagens ist Gott den Seinen gegenüber treu. „Die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar“ (Röm 11,29). Gott gibt sein Volk nicht auf, wenn es gescheitert ist. Er handelt zu unseren Gunsten, wenn wir auch in seinen Regierungswegen aufgrund unserer Torheit leiden müssen. So handelte Gott auch hier zugunsten seines versagenden Knechtes. Wir lesen: „Und der HERR schlug den Pharao und sein Haus mit großen Plagen um Sarais willen, der Frau Abrams“ (1. Mo 12,17).

Nachdem der Betrug Abrahams entdeckt worden ist, wird er als Folge von der Welt weggeschickt. Der Pharao sagt: „Und nun siehe, da ist deine Frau, nimm sie und geh hin“ (1. Mo 12,19). Und der Pharao sorgt auch dafür, dass Abraham tatsächlich geht, denn er „entbot seinetwegen Männer, und sie geleiteten ihn und seine Frau und alles, was er hatte“ (1. Mo 12,20). Es ist traurig, wenn die Welt Gläubige wegschickt, nicht weil sie treue Zeugen für Gott gewesen sind, sondern weil sie ein beschämendes Verhalten gezeigt haben.

So bewirkt die Güte Gottes, dass sein armer Knecht wieder aus dieser falschen Stellung herauskommt, aber nicht ohne Vorwürfe und Schande.

Abgeben und Wählen (1. Mo 13)

Die Wirklichkeit der Wiederherstellung Abrahams auf dem Weg des Glaubens wird sehr schnell einem Test unterzogen. Umstände kommen auf, die offenbar machen, dass er wieder in dem Licht des himmlischen Landes seinen Lebenswandel führt. So kann er es sich leisten, die gut bewässerte Ebene, die von seinem weltlich gesonnenen Neffen gewählt wird, an diesen abzugeben.

Wiederherstellung nach Versagen

Abraham ist aus Ägypten weggeschickt worden. Wohin er geht, interessiert diese Welt nicht. Abraham dagegen ist ein echter Mann des Glaubens, wenn er auch – wie wir – zuweilen auf dem Weg des Glaubens versagt. Nachdem er den Segen dieses Platzes außerhalb der Welt geschmeckt hatte, konnte seine Seele durch nichts anderes zufrieden gestellt werden als dadurch, wieder zu diesem Platz des Segens zu kommen, von dem aus er sich verirrt hatte. So lesen wir: „Und Abram zog herauf aus Ägypten ... in den Süden ... Und er ging auf seinen Zügen vom Süden bis Bethel, bis zu dem Ort, wo im Anfang sein Zelt gewesen war ... zu der Stätte des Altars“ (1. Mo 13,3.4).

Wie es bei jeder wahrhaft wiederhergestellten Seele ist, geht er denselben Weg Schritt für Schritt zurück, bis er wieder seinen Charakter als Fremdling und Wanderer mit seinem Zelt und als Anbeter mit seinem Altar gefunden hat. Und bis er der von Gott abhängige Mann ist, der den Namen des HERRN anruft.

Folgen des Versagens

Die Wiederherstellung Abrahams ist vollständig, aber die Ergebnisse seines Versagens werden in anderen gesehen. Ein Gläubiger versagt nie, ohne andere zum Negativen zu beeinflussen, auch wenn er selbst wiederhergestellt sein mag. Die Folge des Versagens Abrahams kommt bei Lot sofort zum Vorschein. In Tarah haben wir den natürlichen Menschen gesehen, der ein gutes Bekenntnis ablegen kann, aber nicht in der Lage ist, den Weg des Glaubens außerhalb der Welt zu gehen. In Abraham haben wir den Glaubensmenschen gesehen, der in Übereinstimmung mit dem Wort des HERRN handelt und seinen Platz außerhalb der Welt einnimmt, wenn er auch von Zeit zu Zeit auf diesem Weg versagen mag.

In Lot sehen wir einen wahren Gläubigen, der seinen Platz außerhalb der Welt einnimmt, aber nicht im Glauben zu Gott, sondern durch menschlichen Einfluss. Wir habe schon gelesen, dass, als Abraham von Haran wegzog, „Lot mit ihm ging“ (1. Mo 12,4). Auch als Abraham jetzt von Ägypten wegzog, ging „Lot mit ihm“ (1. Mo 13,1). Und nun (in Vers 5) lesen wir zum dritten Mal von Lot, dass er „mit Abram zog“.

Lot ist ein Vertreter der großen Gruppe von Christen, die die richtige Stellung außerhalb der Welt einnehmen, es aber unter dem Einfluss eines Freundes oder Verwandten tun, anstatt durch persönliche Glaubensübung vor Gott diesen Platz zu wählen. Von Anfang seines Weges an, wie wir ihn in der Schrift finden, war Lot durch einen Lebenswandel im Licht einer anderen Person gekennzeichnet. Leider gleichen auch wir oft, in unterschiedlichem Maß und in unterschiedlicher Weise, diesem Lot. Dann handeln wir wie solche, die Glauben besitzen, ohne dass wir selbst diesen Glauben verwirklichen. Und dann müssen wir feststellen, dass wir nicht standhalten können, wenn wir durch eine Versuchung geprüft werden.

Wenn eine solche Prüfung kommt, werden Gläubige, die in dem Licht eines anderen ihren Lebenswandel führen, zusammenbrechen und den Weg aufgeben, der für das Fleisch nicht attraktiv ist und dessentwegen sie keine persönliche Glaubensübung hatten. Sie hatten ihn eben nicht im persönlichen Glauben gewählt.

Der Fallstrick durch Reichtümer

Wie oft gleicht die Prüfung in unseren Tagen der, von der wir in der Geschichte Abrahams und Lots lesen. Wir lesen: „Und es gab Zank“ (1. Mo 13,7). Wir lesen auch, dass der unmittelbare Grund für den Streit in ihrem jeweiligen Besitz lag. Wir tun gut daran, die zweimal wiederholte Aussage zur Kenntnis zu nehmen, dass sie nicht in der Lage waren, zusammen zu wohnen (Vers 6). Und die so bedeutsame Ursache der Trennung war: „Denn ihre Habe war groß“ (Vers 6). Wie oft haben sich Gläubige seit jenen Tagen aufgrund von Neid wegen geistlicher Gaben oder zeitlicher Reichtümer eines anderen getrennt. Der Missbrauch von geistlichen Gaben war die Ursache der Spaltung in der Versammlung in Korinth. Der Apostel kann dieser Versammlung sagen: „Ihr seid in ihm in allem reich gemacht worden, in allem Wort und aller Erkenntnis“. Aber gerade diese Reichtümer wurden die Ursache für Streit und Spaltung, denn der Apostel sagt: „Denn da Neid und Streit unter euch ist“ Und er fügt hinzu, dass sie „aufgebläht [waren] für den einen, gegen den anderen“ (1. Kor 1,5; 3,3; 4,6). Armut hätte sie dazu gebracht, sich einer an den anderen zu klammern. Ihr Reichtum dagegen wurde zu einem Anlass, sich zu spalten.

Im Fall von Abraham und Lot wurde der zeitliche Reichtum zum Anlass für eine Trennung. Wir mögen wohl fragen: „Wo hatten sie diesen zeitlichen Reichtum her?“ Als Abraham am Anfang auf den Weg des Glaubens gekommen war und Lot mit ihm ging, lesen wir: Sie nahmen „all ihre Habe“ mit sich. Aber das war kein Anlass für einen Streit (1. Mo 12,5). In Ägypten dagegen hatte Abraham großes Vermögen erworben, so dass wir nach seiner Wiederherstellung lesen: „Abraham war sehr reich an Vieh, an Silber und an Gold“ (1. Mo 13,2).

So wurde der Reichtum, den Abraham dadurch erwarb, dass er von dem Weg des Glaubens abkam, zu einem Anlass des Streits und der Trennung zwischen Brüdern. Indem sie miteinander stritten, hörten die beiden Brüder auf, Zeugen Gottes vor den Kanaanitern und Perisitern zu sein, die im Land wohnten (Vers 7).

Die Haltung des Glaubens

Wir dürfen bei alledem nicht vergessen, dass Abraham ein wiederhergestellter Mann in der richtigen Stellung und mit den richtigen Beweggründen war, während sich Lot zwar in der richtigen äußeren Stellung befand, aber nur als Nachläufer von anderen. So wird der Streit nicht nur der traurige Anlass dafür, die weltliche Gesinnung Lots zu offenbaren. Er bringt auch die himmlische Gesinnung von Abraham ans Licht, der bereit ist, auf die sichtbaren Dinge zu verzichten. Abraham ist es, der sagt: „Lass doch kein Gezänk sein zwischen mir und dir ...; denn wir sind Brüder!“ (Vers 8). Derjenige, der sich in einer Stellung befindet, für die er eigentlich gar keinen Glauben besitzt, wird letzten Endes zum Anlass von Streitigkeiten unter Brüdern. Er hätte sich besser von dem Mann getrennt, dessen Glauben er nicht nachahmen kann.

Abraham sah ein himmlisches Land vor sich. So kann er es sich leisten, auf die Dinge der gegenwärtigen Welt mit ihren Aussichten auf Bequemlichkeit und Reichtum zu verzichten. Lot darf die Wahl treffen. Und wenn er das Beste wählt, was das Natürliche und Sichtbare betrifft, ist Abraham damit zufrieden, den Weg zu wählen, den Gott für ihn wählt, sei es ein rauer oder ein glatter Weg. Er weiß, dass dieser im Land der Verheißung mit all seinem Segen enden wird.

Die Wahl des Fleisches

Durch den Einfluss anderer ist Lot den Weg äußerlicher Absonderung mitgegangen. Als er dann auf die eigene Wahl angewiesen ist, zeigt er, dass sich die Welt in seinem Herzen befand (Verse 10–13). Ohne die Führung Gottes zu suchen, wählt er seinen Wohnort gemäß dem, was er sieht. „Und Lot erhob seine Augen und sah die ganze Ebene des Jordan“ (Vers 10). Es war ein attraktiver, ja verführerischer Blick, der Bequemlichkeit und Reichtum versprach. Überall war Wasser für seine Herden, ohne dass er die Arbeit des Grabens von Brunnen hätte auf sich nehmen müssen. Die Ebene war sogar so fruchtbar, dass es heißt, „gleich dem Garten des HERRN“ (Vers 10). Aber sehr bedeutsam ist der Zusatz: „wie das Land Ägypten“ (Vers 10). Leider war Lot dadurch, dass er Abraham nach Ägypten folgte, auf den Geschmack des Vergnügens von Ägypten gekommen. So war in ihm das Verlangen nach weltlicher Bequemlichkeit und nach Reichtum verstärkt worden.

So wählte Lot die ganze Ebene des Jordan und gab den Weg der Absonderung auf, für den er nie persönlichen Glauben besessen hatte. Für immer verlässt er das Land Kanaan. Eine bewässerte Ebene zu wählen, war an sich nicht schlimm oder verkehrt. Aber es bewies, dass das Herz nicht auf das nicht sichtbare Land der Verheißung Gottes gerichtet war. Zudem bestand die konkrete Gefahr der gut bewässerten Ebenen darin, dass Satan Sodom in deren Mitte aufgebaut hatte.

Abraham bleibt im Land Kanaan, während Lot in den Städten der Ebene wohnt. Nachdem er den Weg des Glaubens verlassen und den der natürlichen Augen gewählt hat, wird er immer weiter nach unten gehen. Denn als nächstes lesen wir, dass er „Zelte aufschlug bis nach Sodom“ (Vers 12). Wir lesen von der Stadt, dass „die Leute von Sodom sehr böse und große Sünder vor dem HERRN waren“ (Vers 13). Und wir werden noch zu lernen haben, dass es für Lot keine Wiederherstellung gab. Tiefer und tiefer sinkt er herab, bis er zuletzt aus unseren Augen in einer Wolke von Schande und Unehre verschwindet.

Das Bekenntnis des Glaubens

Nachdem Abraham von der Last seines weltlich gesinnten Neffen befreit ist, spricht der HERR erneut zu ihm. Lot hatte sich durch den Blick seiner Augen leiten lassen und keinen Wert auf die Führung des HERRN gelegt. Das Ergebnis war, dass der Blick seiner Augen die Begierden seines Herzens anstachelte, so dass seine Füße der Wahl seines Herzens folgten.

Nun benutzt Abraham seine Augen, aber unter der Führung des HERRN. Denn nachdem sich Lot von ihm getrennt hatte, sagte der HERR: „Erhebe doch deine Augen und schaue von dem Ort, wo du bist“ (Vers 14). Er soll in jede Richtung auf das Land schauen, das der HERR ihm gegeben hat. Und auch für uns ist es gut, wenn wir von der Last derer befreit sind, die keinen Glauben für den Platz äußerer Trennung haben, unser Herz auf die Dinge zu richten, die droben sind, „indem wir nicht das anschauen, was man sieht, sondern das, was man nicht sieht“ (2. Kor 4,18). Wir sollten uns an jedem Teil der Offenbarung erfreuen, die Gott uns aus der künftigen Welt geschenkt hat, aus dem himmlischen Land mit seiner Stadt, die Grundlagen hat (Heb 11,10).

In diesem Sinn können wir noch immer der Anweisung des HERRN an Abraham Folge leisten, als Er zu ihm sagte: „Mache dich auf und durchzieh das Land nach seiner Länge und nach seiner Breite; denn dir will ich es geben“ (1. Mo 13,17). Nachdem Abraham von dem, der nur ein Nachahmer war, befreit worden war, und sich über jede Eifersucht erheben konnte, erlaubte er dem HERRN, seinen Weg zu bestimmen. Und so erfreute er sich der reichhaltigen Entfaltung der künftigen Welt, auf die er in Geduld wartete. In der Zwischenzeit bewegte er sich durch das Land hindurch – mit seinem Zelt und seinem Altar.

Sieg und Niederlage (1. Mo 14)

In 1. Mose 12 haben wir den Segen auf dem Weg des Glaubens, der die Antwort Abrams auf den Ruf Gottes war, verfolgt. Wir haben auch feststellen müssen, wie man hinfallen kann, wenn uns nicht die Kraft des Herrn aufrecht erhält.

In 1. Mose 13 haben wir gesehen, dass der Gläubige auf die Vorzüge dieser Welt verzichtet, wenn er den Weg des Glaubens gehen möchte. Im Gegensatz dazu steht die traurige Wahl der Welt durch den Gläubigen, der sich durch seine natürlichen Augen regieren lässt.

1. Mose 14 stellt uns die Konflikte der Welt vor: Nationen kämpfen gegen Nationen. In diesen Auseinandersetzungen erringt der Gläubige, der die Angebote der Welt zurückgewiesen hat, den Sieg. Der Gläubige dagegen, der allein mit seinen natürlichen Augen sein Leben führt, gerät unter die Macht dieser Welt. Darüber hinaus lernen wir, dass die Kämpfe in dieser Welt am Ende unter den Gerichten Gottes in die Befreiung des Volkes Gottes münden, aber auch in die Aufrichtung der Herrschaft Christi als Priester und König. Das wird vorbildlich in Melchisedek vorgestellt, dem König von Salem.

Konflikt (Verse 1–11)

Das Kapitel beginnt mit dem ernsten Bild dieser gegenwärtigen, bösen Welt. Es handelt sich um eine Szene, in der die Nationen sich selbst in Gruppen aufteilen und Allianzen bilden, um ihre Ausdehnungspläne ausführen zu können. Zugleich wollen sie sich so vor Angriffen schützen.

Zudem handelt es sich um eine gesetzlose Welt, in der die Menschen gezwungen werden, Regierungen gegen ihren Willen zu dienen, oder gegen diese Regierungen zu rebellieren, um ihre Freiheit wieder zu erhalten (Vers 4).

So wird die gesamte Welt, ob es sich um die höheren oder die niedrigeren Sphären handelt – der Berg oder die Wüste (Vers 6) – zu einem Platz von kriegerischen Interessen und selbstsüchtigen Konflikten.

Gefangennahme (Vers 12)

Der Bericht dieser Auseinandersetzungen in der Welt führt zu dem, was so tiefgreifend lehrreich ist – dem Kontrast zwischen dem Gläubigen, der durch seine Augen geleitet wird, und dem, der durch Glauben sein Leben führt. Im Verlauf dieser Kämpfe wird der Mann der Augen, Lot, von der Welt gefangen genommen. Abraham dagegen, der Mann des Glaubens, erringt Siege über die Welt.

So lesen wir, dass die siegreichen Könige „Lot nahmen, den Sohn von Abrams Bruder, und seine Habe, und zogen davon; denn er wohnte in Sodom“ (Vers 12). Es ist sehr lehrreich zu erkennen, dass Lot, von dem wir in Kapitel 13,12 gelesen haben, dass er die Ebene des Jordan wählte „und Zelte aufschlug bis nach Sodom“, inzwischen einen weiteren Schritt nach unten gegangen ist, denn wir lesen hier: „Er wohnte in Sodom“. Wir können sicher sein, dass es nicht die Absicht von Lot war, in Sodom zu wohnen, als er seine Zelte in Richtung dieser Stadt aufstellte. Aber ein falscher Schritt führt zum nächsten. Sich der Welt anzunähern führt schnell dazu, in der Welt zu wohnen. Und dadurch, dass Lot in der Welt wohnt, wird er auch in ihre Konflikte involviert und durch ihre Herrschaft gefangen genommen.



Es ist noch immer wahr, dass der Gläubige, der sich in dieser Welt niederlässt, keine Kraft gegen die Welt besitzt. Wo der Glaube fehlt, der die kommende Herrlichkeit im Blick hat, gibt es auch keinen Glauben, die gegenwärtige, böse Welt zu überwinden. Genau das ist der Fall bei Lot. Er hat die Welt nie überwunden, sondern wird immer wieder von einem bösen Einfluss nach dem anderen überwunden. Er akzeptierte den Platz äußerer Absonderungen durch die Führung von Abraham, nicht so sehr durch Glauben an Gott. Und als die Prüfung kam, fällt er unter dem Einfluss von den scheinbar guten Aussichten, die er vor Augen hatte. Nachdem er der Welt näher gekommen ist, kommt er immer mehr unter ihren Einfluss und lässt sich in Sodom nieder. Schließlich wohnt er in Sodom und muss feststellen, dass er am Tag des Kampfes ein sehr einsamer Mann geworden ist, der keine Kraft hat und auch keinen Menschen, der ihm hilft. Zudem ist er nicht in der Lage, mit der Hilfe Gottes zu rechnen. Kraftlos am Tag des Kampfes wird er von seinen Feinden gefangen genommen.

Der Gegensatz (Verse 13-16)

Im Gegensatz zu Lot, der die Welt für sich gewählt hat und damit ihr Gefangener geworden ist, wird uns jetzt der Mann vorgestellt, der auf die Vorzüge der Welt verzichtet hat und die Welt dadurch überwand. Lot war, wie wir gesehen haben, für den Tag des Kampfes unvorbereitet. Abraham dagegen, der abgesondert von der Welt lebte, war auf den Konflikt vorbereitet. Er hat in seinem Haushalt solche, die für den Kampf geübt haben. Und so ist auch er selbst in der Lage, den guten Kampf zu kämpfen – aber in der Tat nicht mit dem Ziel, sich selbst zu vergrößern, oder die Reichtümer dieser Welt zu erwerben, sondern um einen Bruder zu befreien, der in der Macht der Welt gefangen ist.

Die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich. Und wir kämpfen auch nicht gegen Fleisch und Blut (Eph 6,12). Nichtsdestoweniger ist der christliche Kampf sehr real. Wir verteidigen die Wahrheit und versuchen solche zu befreien, die in Gefahr stehen, in die religiöse Welt hineinzufallen, oder die bereits von ihr gefangen genommen wurden.

Paulus lebte in dem Licht einer anderen Welt und rühmte sich des Kreuzes unsers Herrn Jesus Christus, durch den ihm die Welt gekreuzigt war und er der Welt. Er kämpfte den guten Kampf und entkam so den Fallstricken derer, die reich werden wollten und sich dadurch selbst mit vielen Leiden durchstochen (vgl. 1. Tim 6,10). Er kämpfte einen großen Kampf für diejenigen, die in Gefahr standen, unter die Macht der religiösen Welt zu fallen (Kol 2,1).

Belohnung (Verse 17–24)

Abraham ist jedoch nicht nur siegreich über die Feindschaft der Welt, sondern er bewährt sich auch gegenüber ihren Schrecken und ihren Geschenken. Wir mögen erhaben sein über die Feindschaft der Welt und doch ihrer Liebenswürdigkeit zum Opfer fallen. Und wir stehen nie mehr in Gefahr zu fallen als gerade in dem Moment eines Sieges. Das weiß der Feind sehr gut. Und so kommt er mit Versuchungen gerade zu dem Zeitpunkt, wenn wir nicht auf der Hut sind. So war es bei Abraham: „Der König von Sodom zog aus, ihm entgegen, .... als er zurückgekehrt war“ (Vers 17) von dem Triumph über die feindlichen Könige.

Aber wenn der König von Sodom kommt, um Abraham zu versuchen, ist der König von Salem schon da, um Abraham zu stützen. Der Heilige Geist hat uns in dem Brief an die Hebräer die geistliche Bedeutung dieser schönen Szene gegeben. Dort wird Melchisedek eingeführt als ein Vorbild der Herrlichkeiten des Herrn Jesus. Sein Name und der seines Landes bedeutet, dass er König der Gerechtigkeit und König des Friedens war. Zudem war er „Priester Gottes, des Höchsten“ (Heb 7,1–3). Als ein König bringt er Gerechtigkeit und Frieden zu seinen Untertanen. Als Priester führt Er den Lobgesang seines Volkes zu Gott. Als der Vertreter Gottes vor den Menschen segnet Melchisedek Abraham im Namen Gottes. Als der Stellvertreter des Menschen vor Gott segnet, das heißt preist er Gott, den Höchsten, im Namen Abrahams.

So wird Gott in den kommenden Tagen des 1000-jährigen Reiches bekannt sein als der Höchste, der sein irdisches Volk von den Feinden befreien wird und im Gericht mit jeder feindlichen Macht handeln wird. Dann wird Christus in der Tat als König und Priester hervorleuchten. Das wird uns in direkter Weise durch Prophetie mitgeteilt: „Und er wird Herrlichkeit tragen; und er wird auf seinem Thron sitzen und herrschen, und er wird Priester sein auf seinem Thron; und der Rat des Friedens wird zwischen ihnen beiden sein“ (Sach 6,13). Er wird der wahre König der Gerechtigkeit, der König des Friedens und der Priester Gottes, des Höchsten, sein.

Nachdem Melchisedek Brot und Wein herausgebracht hatte, sind die Bedürfnisse Abrahams gestillt, und seine Freude ist sichergestellt. So kann er auf die Geschenke dieser Welt verzichten. Abraham hat seine Hand zum Herrn, Gott, dem Höchsten, gehoben. Das ist der Eine, der alle Fülle im Himmel und auf Erden besitzt. Nachdem er von Gott gesegnet worden ist, will er von dieser Welt nichts annehmen, damit die Welt nicht sagen kann: „Ich habe Abram reich gemacht“ (1. Mo 14,23).

Mit allen geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern gesegnet und reicht gemacht mit den unergründlichen Reichtümern des Christus kann sich der Gläubige über die Verführungen dieser Welt erheben und ihre Geschenke und Ehren zurückweisen. Er verfolgt das Leben des Glaubens auf einem Weg der Absonderung – und genießt dabei den Frieden in seinem Herzen. Der Glaube geht diesen Weg in dem Licht der künftigen Welt. Der Glaube weiß, dass alle Kämpfe dieser Welt zu einem Ende kommen werden in der herrlichen Herrschaft Christi, wenn Er sein armes, verirrtes Volk von seinen Feinden befreien wird und Gerechtigkeit sowie Friede auf dieser Erde eingeführt werden. So lesen wir: „Er wird dein Volk richten in Gerechtigkeit, und deine Elenden nach Recht. Die Berge und die Hügel werden dem Volk durch Gerechtigkeit Frieden tragen“ (Ps 72,2.3).

Sohnschaft und Erbe (1. Mo 15)

In 1. Mose 11 bis 14 haben wir das öffentliche Zeugnis von Abraham vor Menschen gesehen. Im zweiten Teil seiner Geschichte, die wir in den Kapiteln 15 bis 21 finden, haben wir die persönlichen Übungen seiner Seele vor Gott vor uns. Es ist klar, dass Abrahams Weggang von Haran, sein Zelt, sein Altar, sein Verzicht auf die Dinge dieser Gesellschaft und sein Sieg über die Könige alles Dinge waren, die öffentlich bekannt waren. Sie zeigen sein Leben des Glaubens und das herrliche Ziel, zu dem dieser führt. Nun müssen wir lernen, dass seine inneren Empfindungen hinter diesem öffentlichen Zeugnis zurückfielen.

Es ist sehr wichtig zu erkennen, dass wir nicht nur dazu berufen worden sind, Zeugen von wahren Tatsachen zu sein, sondern auch Wahrheiten zu bezeugen, die unsere eigenen Seelen beeinflusst haben.

In diesen wunderbaren Begebenheiten finden wir den persönlichen Umgang zwischen Gott und einem Mann, der dieselben Empfindungen hat wie wir (vgl. Jak 5,17). Gott erscheint Abraham in Visionen und durch persönliche Besuche, in denen Er mit Abraham spricht und sogar dessen Gastfreundschaft annimmt. In diesen Gesprächen offenbart Gott das Ziel seines Herzens, soweit es Abraham und seine Nachkommen betrifft. Er behandelt Abraham als einen Freund und zeigt ihm seine Gedanken über diese Welt.

Eine Offenbarung Gottes (Vers 1)

Abraham kann, was ihn betrifft, vor Gott in vollem Vertrauen seine Nöte ausbreiten, auch seine Schwierigkeiten sowie seine Bitten für andere. Solch eine herablassende Gnade vonseiten Gottes und das bedingungslose Vertrauen vonseiten Abrahams sind für uns sehr lehrreich. Im Licht der vollen Offenbarung Gottes als unser Vater ist es für Gläubige möglich, noch größere Vertrautheit mit Gott zu genießen, wenn auch in einer weniger bekannten Weise. Wir mögen unsere Herzen wirklich einmal untersuchen: Bringen wir jede Schwierigkeit zu Gott? Breiten wir Ihm unsere Nöte aus? Und bitten wir in vertrauensvoller Liebe für andere? Wir werden durch diese lieblichen Szenen zumindest ermutigt, diese Vertrautheit mit Gott neu zu pflegen.

Der Anlass für diese neuen Mitteilungen Gottes ist ebenfalls sehr lehrreich. Abraham hatte soeben die Geschenke und Ehren dieser Welt zurückgewiesen. „Nach diesen Dingen erging das Wort des HERRN an Abram in einem Gesicht, und er sprach: Fürchte dich nicht, Abram; ich bin dir ein Schild, dein sehr großer Lohn“ (1. Mo 15,1). Nachdem Abram sich über die Feindschaft der Welt erhebt, über die er einen Sieg errungen hatte, hat er einen Schild nötig. Nachdem er die Geschenke dieser Welt zurückgewiesen hat, bekommt er eine Belohnung von Gott. Und Gottes Schutz, Gottes Belohnungen übertreffen alles, was diese Welt uns anbieten könnte. Wenn Gott unser Schild ist, brauchen wir Vergeltungsschläge besiegter Feinde nicht zu fürchten. Mit Gott als unserer Belohnung können wir auf die Geschenke dieser Welt verzichten.

Die Antwort des Glaubens (Verse 2.3)

Die Antwort auf diese Mitteilung Gottes ist schön, da sie uns das schlichte Vertrauen Abrahams zeigt. Gott hatte gesagt: „Ich bin ... dein sehr großer Lohn.“ Abraham nimmt Gott mit dem größten Vertrauen beim Wort und fragt: Wenn das so ist, was willst du mir geben? Zudem breitet er seine Bedürfnisse vor Gott aus. Er sagt die Dinge so, wie sie sind: „Du hast von meinen Nachkommen gesprochen. Du hast mir das Land verheißen. Aber ich bin kinderlos und mein ganzer Besitz geht auf meinen Knecht Elieser über. Du hast mir das Land gegeben und von meiner Nachkommenschaft gesprochen. Aber siehe, du hast mir keine Nachkommen geschenkt, so dass ein Knecht mein Erbe sein wird.“

Der Lohn der Gnade (Vers 4)

Der HERR antwortet Abraham und – wie es immer bei Gott ist – übertreffen seine Geschenke unsere Bitten. Abraham hatte um einen Sohn gebeten. Gottes Antwort ist, dass Er ihm nicht nur einen Sohn, sondern ein Erbteil für seine Nachkommen verheißt. Sohnschaft und Erbteil sind die beiden großen Themen von Gottes Antwort. Das Wort an Abraham ist: „Der aus deinem Leib hervorgehen wird, der wird dich beerben“ (Vers 4). Und: „Ich bin der HERR, der dich herausgeführt hat aus Ur in Chaldäa, um dir dieses Land zum Besitz zu geben“ (Vers 7). Diese ganze Szene illustriert die Wahrheit von Römer 8,17: „Wenn aber Kinder, so auch Erben“. Sohnschaft und Erbteil, seien sie für das irdische Volk Gottes oder für das himmlische, sind untrennbar miteinander verbunden. Unsere Zukunftsaussichten sind damit verbunden, dass wir Söhne sind. Wenn wir Söhne sind, müssen wir auch Erben sein. Gott hat keine Söhne, ohne für sie auch ein Erbteil zuzubereiten.

Die Zurechnung von Gerechtigkeit (Verse 5 bis 7)

Dieses schöne Bild zeigt uns aber auch noch eine weitere Wahrheit, nämlich dass Gläubige „alle Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus“ sind (Gal 3,26). Den Glauben an und für sich gab es schon vorher. Aber hier lesen wir zum ersten Mal, dass ein Mann „dem HERRN glaubte“ (1. Mo 15,6). So sehen wir auch, dass der Glaube in seiner Schlichtheit gezeigt wird. Abraham wird aus seinen eigenen Umständen herausgeholt, und alles, was er tun soll, ist zuschauen, zuhören und glauben. Er soll von Sara und sich selbst wegschauen, auch von der Erde und von allem, was mit dem Natürlichen in Verbindung steht. Stattdessen, so sagt ihm der HERR: „Blicke doch zum Himmel“ (Vers 5). Er soll sich die Sterne anschauen und zuhören, was Gott ihm zu sagen hat: „So wird deine Nachkommenschaft sein!“ (Vers 5). Dann lesen wir: „Und er glaubte dem HERRN; und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit“.

Wir wissen, wie der Geist Gottes diese Szene in Römer 4 benutzt hat, um uns den Weg zu zeigen, auf dem ein Gläubiger in Christus vor Gott gerecht erklärt wird. Uns Sündern wird Christus vorgestellt, und Gott sagt, sozusagen wie damals: „Schau“ und „hör zu“! Schau zum Himmel und betrachte Christus in der Herrlichkeit! Hör auf das, was Gott über Christus zu sagen hat. Er ist für alle gestorben, damit Gott zufriedengestellt ist durch Christus und sein Werk. Wenn ein Mensch auf Jesus schaut und zuhört, was Gott sagt, so glaubt seine bedürftige Seele an Jesus als den Einen, der für sie gestorben ist. Und Gott sagt von demjenigen, der glaubt, dass er vor Gott von allen seinen Sünden frei gesprochen wird und in eine gerechte Stellung vor Gott gebracht worden ist. Zudem ist er ein Kind Gottes, und wenn ein Kind, dann auch ein Erbe.

Vergebung von Sünden (Verse 8 bis 10)

Zudem lernt Abraham, dass das Opfer die Grundlage jedes Segens ist. So müssen wir uns immer bewusst sein, dass die immerwährende Grundlage unseres Segens das große Opfer Christi ist. „Ohne Blutvergießung gibt es keine Vergebung“ (Heb 9,22). Es wird immer eine verschiedenartige Wertschätzung des Opfers Christi geben. Das wird vielleicht durch die unterschiedlichen Tiere gezeigt, die Abraham opfern sollte. Aber nur das Opfer kann den Segen bewirken.

Wenn wir erkennen, dass aller Segen für uns auf dem großen Opfer Christi beruht, werden wir vor den Angriffen des Feindes bewahrt, der das große Werk Christi herabsetzen möchte. Es ist an uns, für die Wahrheit zu kämpfen und jeden unreinen Vogel zu verjagen, der das Opfer Jesus leugnen und das Blut Christi mit Füßen treten möchte.

Wenn zudem das Opfer die Grundlage jedes Segens ist, müssen wir den Tod Christi ganz persönlich im Glauben auf uns beziehen. Der „Untergang der Sonne“, der „tiefe Schlaf“ und „der Schrecken, dichte Finsternis“ sprechen alle von den Seelenübungen, die damit verbunden sind, sich in die tiefe Bedeutung des Kreuzes hineinzudenken. Kannte nicht auch Paulus etwas von diesen Erfahrungen? Denn wir lesen, dass er, nachdem er Christus in der Herrlichkeit gesehen hatte, „drei Tage nicht sehen konnte und nicht aß und nicht trank“ (Apg 9,9).

Schließlich hat Abraham zu lernen, dass der Weg zur Herrlichkeit ein Weg der Leiden ist. Ihm wird zugesichert, dass seine Nachkommen in das verheißene Land kommen werden. Aber zunächst müssten sie Leiden durchleben. So werden die vier Wahrheiten von Römer 8,17, dass wir Söhne Gottes sind, Erben Christi, mit Christus leidend und zur Herrlichkeit gehend, in der Geschichte Abrahams verdeutlicht. Er lernt, dass es jenseits des „Ofens der Leiden“ das Licht der Herrlichkeit gibt.

Das Fleisch und das Gesetz (1. Mo 16)

In 1. Mose 15 haben wir gelernt, dass Abraham der Segen in souveräner Gnade und mit Bestimmtheit verheißen wurde. Die Grundlage dafür war ein Opfer. Dadurch wurde die große Wahrheit gezeigt, dass jeder Segen, sei er für Gottes irdisches oder himmlisches Volk, in souveräner Gnade geschenkt wird und zugleich in vollkommener Gerechtigkeit, auf der Grundlage des Todes Christi.

In diesem Kapitel finden wir Abrahams Versuch, die Verheißung des Erben auf fleischliche Weise und auf der Grundlage von Werken bzw. seinen eigenen Anstrengungen sicherzustellen.


Der Test

Gott hatte Abraham einen Sohn verheißen, und Abraham hatte Gott geglaubt (1. Mo 15, 4–6). Nun wird sein Glaube geprüft, denn wir lesen: „Und Sarai, Abrams Frau, gebar ihm nicht“ (Vers 1). Wie also würde Abraham einen Erben bekommen können? In dieser Prüfung bricht seine Geduld zusammen. Statt auf die Zeit Gottes zu warten, versucht Abraham den verheißenen Segen durch eigene Anstrengungen zu erlangen. Im Brief an die Hebräer wird uns Abraham als das große Beispiel dessen vorgestellt, der „durch Glauben und Ausharren die Verheißung“ erbte (Heb 6, 12–15). In seiner Lebensgeschichte stellen wir fest – wie auch so oft in unserem eigenen Leben – dass er Situationen kannte, in denen er genau in den Punkten, in denen er eigentlich ein bemerkenswertes Beispiel ist, versagte. In 1. Mose 12 haben wir gesehen, dass er versagte, als sein Glaube von Gott geprüft wurde. Hier in 1. Mose 16 versagt seine Geduld bei einer neuen Prüfung.

Die Versuchung

Wie in 1. Mose 12 war wieder Ägypten die Versuchung. Im ersten Fall bestand die Versuchung Ägyptens darin, dass Abraham scheinbar von den Übungen befreit wurde, die der Weg des Glaubens mit sich bringt. Jetzt ist es die Magd aus Ägypten, die die Befreiung von weiterem Ausharren zu versprechen scheint. Auch wenn Abraham persönlich wiederhergestellt ist, sind die Folgen seines Fehltritts nach Ägypten noch immer vorhanden. Etwas aus dieser Welt war in seinen Haushalt eingeführt worden, das – wenn er fleischlich handeln würde – sich benutzen lassen würde. Wie wahr ist der biblische Grundsatz: Was ein Mensch sät, wird er auch ernten (Gal 6,7). Durch einen unaufmerksamen Lebenswandel können wir leicht Dinge dieser Welt in unsere Häuser eindringen lassen, die zu ihrer Zeit dem Fleisch in uns die Gelegenheit geben werden, sich bemerkbar zu machen.

In Galater 4, 21–26 bezieht sich der Apostel Paulus auf dieses Ereignis und gibt uns dessen geistliche Bedeutung an. Er erinnert die Versammlungen in Galatien daran, dass Abraham zwei Söhne hatte: einen von der Magd und einen von der Freien. Der Sohn der Magd war nach dem Fleisch geboren, der Sohn der Freien dagegen durch Verheißung.

Die Belehrung

Danach belehrt uns der Apostel, dass diese Dinge eine bildliche Darstellung von zwei Bündnissen sind – dem Bund des Gesetzes, der mit dem Berg Sinai verbunden ist und der zur Knechtschaft führt: Dieser Bund wird durch Hagar und ihren Sohn Ismael vorgestellt. Der zweite Bund ist der der Gnade, der mit Jerusalem verbunden wird, das sich droben befindet und zur Freiheit führt: Dieser Bund wird durch Sara und ihren Sohn Isaak vorgestellt.

Die Neigung

Die Gläubigen in Galatien hatten sich wahrhaft bekehrt. Der Geist Gottes wohnte in ihnen. Aber dann hatten sie sich wieder dem Gesetz als Lebensregel unterworfen. So machten sie in der Praxis ihren Segen abhängig von ihren eigenen Anstrengungen. Um das Bild aus 1. Mose 16 zu verwenden: Sie wurden Kinder des Berges Sinai und entwickelten Charakterzüge, die die Eigenschaften des Fleisches waren.

Wenn die Galater sich mit der Freiheit des Jerusalem, das droben ist, verbunden hätten, hätten sie den Charakter Christi offenbart. Stattdessen stellten sie sich unter das Gesetz und offenbarten einen stolzen Geist eitler Ruhmsucht, der zu Neid und Streit führte, so dass sie einander bissen und fraßen und in die Welt gezogen wurden (Gal 4,21; 5,15.26). Den Apostel verlangte danach, dass Christus in ihnen Gestalt gewinnen möchte, damit der herrliche Charakter Christi durch sie hervorscheinen könnte (Gal 4,19).

Wenn wir uns wieder der Geschichte Abrahams zuwenden, sehen wir als einziges Ergebnis des Versuches, den Erben durch die eigenen, fleischlichen Anstrengungen zu erhalten, dass das, was den Charakter des Fleisches trägt, in sein Haus eingeführt wird. „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch“ (Joh 3,6). Das Natürliche kann nur Natürliches hervorbringen. So bringen die Anstrengungen der Natur Abrahams nur einen natürlichen Menschen hervor, der zu gegebener Zeit den – bildlich gesprochen – geistlichen Samen verfolgen würde.

Die Tragödie

In der Zwischenzeit hat Abraham ein unerfreuliches Element in seine Familie hineingebracht. Diejenige, die die Anstrengungen des Fleisches repräsentiert, verachtet diejenige, durch die der Segen kommen würde (Vers 4). Hagar und Sara stellen das dar, was von dem Fleisch beziehungsweise was von dem Geist ist. Und die beiden können nicht übereinstimmen. „Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt“ (Gal 5,17).

Zudem wird der Mann, der in den Haushalt Abrahams eingeführt wird, von der Welt angezogen, denn er wird in der Wüste Sur an der Grenze Ägyptens gefunden (Vers 7). Darüber hinaus trägt er einen harten Charakter, der sich gegen jeden anderen Menschen richtet und jeden gegen sich selbst aufbringt (Vers 12).

Das Vorbild

Die Anwendung dieser Wahrheiten auf uns liegt auf der Hand. Wir mögen, wie Abraham, wahre Gläubige sein und wie die Galater den Geist Gottes besitzen. Und dennoch können wir in unserem täglichen Leben das Gesetz zur Lebensregel machen. So mögen wir dem Gedanken Platz machen, dass die Gunst und Gnade Gottes, unseres Vaters, die wir genießen dürfen, das Ergebnis unseres guten Lebenswandels und unserer gesetzlichen Anstrengungen ist. Das Ergebnis dieser Haltung besteht aus zwei Dingen:

a) Wir entwickeln einen harten und selbstgerechten Charakter, der stolz auf sich selbst ist und eifersüchtig in Bezug auf andere.

b) Wir werden darin versagen, die Freiheit zu genießen, für die Christus uns freigemacht hat. So leiden wir Mangel an der Gnade und Liebe und werden vollständig darin versagen, die Frucht des Geistes hervorzubringen, die den Charakter Christi trägt (Gal 5,1–6,22).

Die Auslegung

Die Auslegung der Geschichte von 1. Mose 16 im Galaterbrief zeigt, dass wir in dem Bild keinen Sünder vor uns haben, der durch seine Werke vor Gott gerechtfertigt werden möchte. Es handelt sich vielmehr um einen Gläubigen, der bereits gerechtfertigt ist und der durch seine eigenen gesetzlichen Anstrengungen und in eigener Kraft ein Leben in Heiligkeit führen möchte.

Es ist offensichtlich, dass die Christenheit genau in diese Gesetzlichkeit der Galater gefallen ist. Es ist nicht so, dass die christlichen Wahrheiten vollständig aufgegeben worden wären. Aber das gesetzliche System, das durch Hagar vorgebildet wird, wurde in das christliche Bekenntnis eingeführt, so dass es nun viele wahre Christen gibt, deren Seelen in Knechtschaft gehalten werden, indem sie ihr Leben durch das Gesetz regulieren wollen, um einen richtigen Lebenswandel zu führen und um Gott zu gefallen. Sie verstehen nicht, dass der richtige Lebenswandel das Ergebnis der gesegneten Tatsache ist, dass sie durch den Tod Christi bereits das immerwährende Wohlgefallen Gottes besitzen. Auch erkennen sie nicht, dass wir nur in der Kraft Christi unser Leben in rechter Weise führen können.

Vorbildlich stellt uns diese Begebenheit auch die Geschichte Israels unter dem Gesetz vor, wie es versuchte, die Verheißungen auf der Grundlage eigener Werke zu erhalten. Das Ergebnis war, dass sie – wie Hagar – aus ihrem Land verstoßen wurden in die Wüste, sozusagen die Wüsten-Welt. Dort stehen sie gegen alle Menschen auf – und alle sind gegen Israel. Nichtsdestoweniger ist das Volk um seines Vaters Abraham willen geliebt. Daher wurde die vorhersehende Vorsorge Gottes nie von ihnen abgezogen, so wie auch Hagar selbst in der Wüste feststellen konnte, dass es einen Brunnen und den Engel des HERRN gab, ja dass Gott all ihr Leid sah.

Der allmächtige Gott und der ewige Bund (1. Mo 17)

Abraham hört auf Gottes Offenbarung (Verse 1.2)

Im Brief an die Hebräer lesen wir, dass Abraham, „nachdem er so ausgeharrt hatte, die Verheißung erlangte“ (Heb 6,12–15). Die Geschichte Hagars und Ismaels hat gezeigt, dass Abraham, als er unter Druck stand, hinsichtlich der Geduld versagte Dieser Bericht schließt mit der Aussage: „Und Abram war 86 Jahre alt, als Hagar dem Abram Ismael gebar“ (1. Mo 16,16). Nun lesen wir: „Und Abram war 99 Jahre alt, da erschien der HERR Abram“ (1. Mo 17,1). 13 Jahre lang hat Abraham in Geduld ausgeharrt. Während dieser Jahre lesen wir von keiner Offenbarung an Abraham. Gott wartete, bis jede Hoffnung zu Ende war, den Segen durch die Anstrengungen des Fleisches zu erlangen.

Abraham musste die Sinnlosigkeit seiner eigenen Anstrengungen erleben, den versprochenen Erben zu erhalten. Er musste auch warten, bis er 99 Jahre alt geworden war. So erkannte er seine vollständige Kraftlosigkeit. Erst danach erschien der HERR Abraham noch einmal und offenbarte sich als „Gott, der Allmächtige“ (Vers 1). Schreiber haben darauf hingewiesen, dass diese Offenbarung deutlich weiter ging als frühere Mitteilungen. In 1. Mose 15 haben wir gelesen, dass sich Gott Abraham gegenüber als Schild und sehr großer Lohn offenbarte. Dort war es eine Offenbarung dessen, was Gott für Abraham war. Hier geht es nun um eine Offenbarung, was Gott in sich selbst ist.

Der HERR verbindet diese Offenbarung mit den Worten, die Er an Abraham richtet: „Wandle vor meinem Angesicht und sei vollkommen“ (Vers 1). Auch wenn Abraham ein Mann wahren Glaubens und Ausharrens war, hatte er, was seinen Glauben betrifft, versagt, als er sich nach Ägypten wandte. Und in der Angelegenheit mit Hagar hatte er in seinem Ausharren versagt. Nachdem er seine Schwachheit gelernt hatte, darf er erkennen, dass Gott der Allmächtige ist. Wenn Gott nun dieser Allmächtige ist, werden Gottes Absichten und Verheißungen ohne jeden Zweifel verwirklicht werden, wie unmöglich ihre Erfüllung auch der menschlichen Natur, unseren Augen und dem Fleisch erscheinen mag. Abraham hat sich nur daran zu erinnern, dass Gott der Allmächtige ist. Dann verschwindet sofort jede Schwierigkeit. Jedes Hindernis wird überwunden. Und in ruhigem Glauben und Ausharren wird Abraham in die Lage versetzt, auf Gott zu warten, der zu seiner eigenen Zeit handeln würde. Nicht länger erwartet Abraham irgendetwas von seiner eigenen Natur. Alles hängt von Gott ab – vorm ersten bis zum letzten. So kann Gott sagen: „Ich will meinen Bund setzen zwischen mir und dir, und ich will dich sehr, sehr mehren“ (Vers 2). Wir können sagen: „Wenn Gott will“. Wer, außer dem allmächtigen Gott, kann wirklich sagen: „Ich will!“?

Auf das Angesicht fallen vor Gott (Vers 3)

Das Auswirkung dieser neuen Offenbarung auf Abraham ist eindrucksvoll. Als das Wort des HERRN zu Abraham in einer Vision kam, in der Gott offenbarte, was Er für Abraham war, dachte Abraham sofort an sich. Und in glücklichem Vertrauen spricht er mit Gott und breitet Ihm seine Bedürfnisse aus. Auch nennt er Gott seine Schwierigkeiten. Hier nun, als Gott Abraham persönlich besuchte und offenbart, wer Er in sich selbst ist, fällt Abraham auf sein Angesicht als ein Zuhörer. Und Gott spricht zu ihm. Abraham realisiert seine eigene Unwürdigkeit in der Gegenwart der Größe Gottes. Und sofort nimmt er den niedrigen Platz auf seinem Angesicht ein. Die früheren Mitteilungen führten Abraham dazu, an sich selbst und seine Bedürfnisse zu denken. Diese Offenbarung nun führt ihn dazu, an Gott zu denken. Zugleich wird Abraham auf eine Weise geformt, die in Übereinstimmung mit demjenigen ist, der seinen Bedürfnissen zu begegnen weiß: Er führt einen Lebenswandel vor Gott und ist vollkommen.

Wie schön sind diese praktischen Beispiele der gesegneten Intimität zwischen Gott und dem Gläubigen! Gott bringt Abraham zunächst zu der Überzeugung, dass Gott für ihn ist, so dass Abraham mit Gott sprechen kann. Dann wird Abraham auf den niedrigen Platz vor Gott gebracht, so dass Gott mit ihm sprechen kann.

In unserer heutigen Zeit benötigen und haben wir diese verschiedenen Offenbarungen Gottes. Wir haben nötig zu wissen, was Gott für uns in seiner Gnade und Liebe ist. Und ein solches Wissen führt zu der schönen Intimität und Gemeinschaft mit Gott, durch die wir unsere Nöte vor Ihm ausbreiten können, und zwar in Bezug auf alle unsere Schwierigkeiten und Übungen.

Aber wir haben auch die Offenbarung davon, was Gott in sich selbst als Vater ist. Diese Offenbarung führt uns zu dem echten Bewusstsein unserer Nichtigkeit vor Ihm. Zugleich erfreut sich unser Herz an dem, den es anschaut. Und wir werden dem Einen, auf den wir schauen, immer ähnlicher. Wir „werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ (2. Kor 3,18).

Sei es also in den Tagen Abrahams, oder in den unsrigen: Die richtige Wertschätzung der Offenbarung alles dessen, was der Herr ist, führt dazu, dass wir Ihm ähnlicher werden. In diesem Sinn sollten wir unseren Lebenswandel vor dem Herrn führen und vollkommen sein.

Mitteilungen von Gott erhalten (Verse 4–8)

Dann wird uns gestattet, den Segen dieser Mitteilungen Gottes zu hören. Denn Gott spricht mit Abraham.

1. Abraham wird gesagt, dass die Gnade Gottes sich auch zu den Nationen wenden würde. Wenn Gott der Allmächtige ist, kann Er jedes Hindernis überwinden und die Menschen aus den Nationen segnen.

2. In Verbindung mit der Offenbarung Gottes als Allmächtiger, wird der Name Abrams verändert: Er heißt nicht mehr Abram („Erhabener Vater), sondern Abraham, das bedeutet „Vater einer Menge“. So ehrt Gott seinen Diener.

3. Abraham wird gesagt, dass er sehr, sehr fruchtbar sein würde. Nationen würden nicht nur durch Abraham gesegnet werden, sondern durch ihn würde Frucht für Gott auf der Erde hervorkommen.

4. Während die Nationen gesegnet würden, würden Abraham und seine Nachkommen in der engsten Verbindung mit Gott sein. „Ich werde meinen Bund errichten zwischen mir und dir und deinen Nachkommen“, sagt Gott. Und dieser Bund wird ein ewiger Bund sein, durch den Gott sich daran bindet, der Gott Abrahams und seiner Nachkommen nach ihm zu sein.

5. Gott macht nicht nur einen ewigen Bund, sondern sichert Abraham und seinen Nachkommen „ein ewiges Besitztum“ zu.

Verantwortung Gott gegenüber (Verse 9–17)

Das also sind einige der Segnungen des ewigen Bundes, den Gott mit Abraham macht. Der Bund stellt uns Gottes feste Absicht zu segnen vor, denn siebenmal sagt Gott im Verlauf dieser Mitteilungen: „Ich werde ...“ Nun lernt Abraham auch noch, dass Gott nach einer Antwort zu seiner eigenen Gnadenerweisung im Leben des Gläubigen sucht. Abraham soll vor Gottes Angesicht seinen Lebenswandel führen und vollkommen sein.

Von uns Christen wird nicht verlangt, wie es auch Abraham nicht gesagt wird, einen guten Lebenswandel zu führen, um den Segen zu erhalten. Aber wir sollen in einer Weise unser Leben führen, die passend ist für Gott, weil wir gesegnet worden sind. So unseren Lebenswandel zu führen und vollkommen vor Gott zu sein bedarf der Abhängigkeit von Gott und seiner allmächtigen Kraft. Aber das bedeutet, dass wir das Fleisch vollständig zurückweisen müssen. Daher wurde die Beschneidung eingeführt, als ein Zeichen, dass die Handlungen des Fleisches getötet werden müssen, wenn unser Lebenswandel vollkommen vor Gott sein soll. In 1. Mose 15 wurde der Tod als Grundlage der Rechtfertigung eingeführt. Hier finden wir das Zurückweisen des Fleisches durch das, was von dem Tod des Fleisches spricht, damit wir einen Lebenswandel in Heiligkeit führen können.

Wenn sich Gott verpflichtet, durch seine allmächtige Kraft zu segnen, darf auf der anderen Seite kein Vertrauen auf das Fleisch bei uns vorhanden sein, auch nicht das Akzeptieren von dessen Aktivität. Für den Gläubigen heute handelt es sich bei der Beschneidung, um die des „Herzens, im Geist, nicht im Buchstaben; dessen Lob nicht von Menschen, sondern von Gott ist“ (Röm 2,29). Mit dem Zurückweisen des Fleisches ist nicht ein äußerliches Vernachlässigen des Körpers gemeint, was auch die Ungläubigen tun könnten, sondern das Zurückweisen des Fleisches in allen seinen inneren Tätigkeiten im Herzen – seinem Selbstvertrauen, seiner Selbstgerechtigkeit, seiner Eitelkeit und seinen Begierden – als das, was in dem Kreuz verurteilt worden ist (Kol 2,11).

In diesem Zusammenhang (1. Mo 17,14) werden wir in ernster Weise daran erinnert, dass ein Gläubiger, der es seinem Fleisch erlaubt zu wirken, die zeitliche Zucht im Regierungshandeln Gottes auf sich zieht, ja sogar, dass er, was diese Erde betrifft, von dem Volk Gottes ausgeschlossen wird.

Sara wird zusammen mit Abraham gesegnet und wird ebenfalls durch eine Namensänderung geadelt. Angesichts dieser Mitteilungen wird das Herz Abrahams mit Freude erfüllt. Denn zweifellos spricht das Lachen in diesem Abschnitt von Freude, nicht von Unglauben.

Das Bitten vor Gott (Verse 18–21)

Abraham bittet nun für Ismael, und Gott erhört dieses Gebet. Dennoch wird Abraham von Gott zweimal daran erinnert, dass Er seinen Bund mit dem verheißenen Samen Abrahams schließt. Und dieser soll Isaak heißen (Verse 19.21).

Aus Römer 9, 6–9 können wir folgern, dass Ismael uns das Bild des großen ungläubigen Teils des Volkes Israel vorstellt. Dort lesen wir: „Nicht alle, die aus Israel sind, diese sind Israel, auch nicht, weil sie Abrahams Same sind, sind alle Kinder, sondern ‚in Isaak wird dir ein Same genannt werden.‘“ Die ungläubige Masse der Nation sind Kinder Abrahams gemäß dem Fleisch. Und nur die gläubigen Übriggebliebenen sind die wahren Nachkommen gemäß der Verheißung. Trotzdem würden auch die Kinder nach dem Fleisch sehr zahlreich auf der Erde sein.

Das Halten des Bundes Gottes (Verse 22–27)

Nach Beendigung dieser großen Mitteilung verlässt Gott Abraham und fährt auf in den Himmel. Abraham achtet darauf, noch am selben Tag den Bund einzuhalten und den Ritus der Beschneidung auszuführen. Er verwirklicht das Wort, das er gehört hat, in der Praxis und handelt in Übereinstimmung mit der Offenbarung, die ihm Gott von sich selbst gemacht hat.

Segnungen und Verheißungen (1. Mo 18)

In 1. Mose 17 haben wir gelernt, wie Gott sich Abraham gegenüber als der Allmächtige offenbart hat – der Eine, der seine Verheißungen des Segens trotz jeder Schwierigkeit erfüllen kann und wird. Im Licht dieser Offenbarung sollte Abraham vor Gottes Angesicht seinen Lebenswandel führen und vollkommen sein. Das war nur möglich, wenn er kein Vertrauen auf das Fleisch setzte.

In 1. Mose 18 wird uns gestattet, die Segnungen und Vorrechte eines Menschen zu sehen, dessen Lebenswandel in Übereinstimmung mit der Offenbarung Gottes als Allmächtiger ist. Das Kapitel entfaltet vier große Vorrechte, die ein solcher genießen kann.

1. Er erlebt die persönliche Offenbarung des HERRN (Verse 1–8).

2. Er erhält die Zusicherung des kommenden Segens durch den verheißenen Nachkommen (Verse 9–15).

3. Er wird als ein Freund behandelt, dem Gott anvertraut, was Er tun möchte (Verse 16–21).

4. Voller Vertrauen und durch seine Nähe zu Gott kann er zugunsten anderer Fürbitte tun (Verse 22–33).

Der göttliche Besuch (Verse 1–5)

Das erste große Vorrecht, das derjenige Gläubige genießen darf, der vor Gottes Angesicht in dem Licht der Offenbarung Gottes seinen Lebenswandel führt, die Gott von sich selbst gegeben hat, und der kein Vertrauen auf sein Fleisch setzt, ist: die persönliche Offenbarung des HERRN.

Das Kapitel beginnt mit Abraham, der am Eingang seines Zeltes sitzt. Als ein Fremdling – durch sein Zelt gekennzeichnet – bleibt er außerhalb der Streitigkeiten dieser Welt. Besteht nicht in unseren Tagen die Gefahr, dass Gläubige sich von den Ereignissen, die in dieser Welt stattfinden, im Übermaß begeistern oder Sorge machen lassen? Wie gut wäre es, wenn wir mehr von der Ruhe des Geistes kennten! Wir verwirklichen sie, wenn wir dem Ruf Gottes folgen, in dieser Welt unseren Platz im Vertrauen zu Gott einzunehmen und kein Vertrauen auf das Fleisch zu setzen. Zu einem solchen kommt Gott – wie im Fall Abrahams – um mit ihm Gemeinschaft in der intimsten Weise zu pflegen.

Auch die Art und Weise seines Kommens ist auffallend. Abraham erhebt seine Augen und sieht, dass „drei Männer vor ihm standen“ (Vers 2). Im Verlauf der Schilderung lernen wir, dass zwei von ihnen Engel sind, die kurz danach auch im Tor Sodoms stehen würden (1. Mo 19,1). Der andere ist, wie wir wissen, niemand anderes als der HERR selbst. Er erscheint hier in einer menschlichen Form. Das ist eine Vorschattung der Zeit, in der der Sohn Gottes Mensch werden würde und unter den Kindern dieser Menschheit leben würde.

Der göttliche Dienst (Verse 6–8)

Offensichtlich gab es kein äußeres Zeichen, durch das Abraham oder andere die Gegenwart Jahwes hätten erkennen können. Alles, was die Welt gesehen hätte, wären drei Männer, die am Eingang des Zeltes Abrahams erschienen. Abraham dagegen hatte das geistliche Unterscheidungsvermögen eines Glaubensmannes, der in der Nähe Gottes seinen Lebenswandel führt. Er unterscheidet den HERRN von den zwei Engeln. Ehrfurchtsvoll beugt er sich zur Erde nieder und spricht Ihn persönlich an, indem er sagt: „Herr, wenn ich denn Gnade gefunden habe in deinen Augen, so geht doch nicht an deinem Knecht vorüber!“ (Vers 3). Er bitte um Erlaubnis, Wasser für die Fußwaschung zu holen und lädt sie ein, im Schatten eines Baumes auszuruhen, währen er ihnen eine Erfrischung zubereitet.

Abraham wird gestattet, das zu tun, worum er gebeten hat. Er bereitet eine Mahlzeit zu und setzt sie ihnen vor. „Und er stand vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen“ (Vers 8). Ist es für uns als Gläubige heute nicht möglich, wo wir eine tiefere Kenntnis Gottes haben, den wir als Vater kennen, diese schöne und intime Gemeinschaft mit göttlichen Personen zu genießen? Natürlich nicht in der besonderen Weise, in der der HERR Abraham erschienen ist. Aber durch den Geist, der von dem Vater gekommen ist, können wir in die gesegnete Gemeinschaft eingeführt werden. Wie wenig kennen wir davon! Und dennoch könnten wir mehr davon genießen.

In dieser letzten Nacht im Obersaal deutet der Herr an, dass wenn Er seine Jünger auf der Erde zurücklassen würde, es ihnen dennoch möglich sein würde, die Kraft des Geistes zu genießen, eine Vertrautheit, die viel tiefer ist als alles, was die Jünger kennen konnten, während der Herr bei ihnen war. Nachdem Er von dem Geist gesprochen hat, den der Vater senden würde, sagt Er: „An jenem Tag“ – dem Tag, an dem wir leben – ist es der, „wer meine Gebote hat und sie hält, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren.“ Der Herr fügt dann noch hinzu: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen“ (Joh 14,16–25).


Hier haben wir übrigens das erste Mal in der Schrift die Erwähnung der Fußwaschung. Hier, wie auch an den übrigen Stellen, ist der Gedanke der Fußwaschung denjenigen zu erfrischen, dessen Füße gewaschen werden. Abraham hat das hohe Vorrecht, die Füße dessen zu waschen, der in späterer Zeit Fleisch werden würde und – in der Größe seiner Liebe, die sich daran erfreut, anderen zu dienen – in seiner herablassenden Gnade die Füße seiner armen Jünger waschen würde.

Göttliche Mitteilung (Verse 9–15)

Der Herr benutzt diese Gelegenheit heiliger Vertrautheit, um Abraham in seinem Glauben zu bestärken, indem er die angekündigte Geburt seines Sohnes bestätigt. Diese Mitteilung betrifft Sara. Daher fragt der HERR: „Wo ist Sara, deine Frau?“ (Vers 9). Der HERR fährt fort: „Gewiss werde ich nächstes Jahr um diese Zeit wieder zu dir kommen, und siehe, Sara, deine Frau, wird einen Sohn haben“ (Vers 10). Für jeden, der nicht eine göttliche Person ist, wären diese Worte nichts anderes als Vermessenheit gewesen. Wir könnten einen solchen Tag nicht vorhersagen. Aber Gott kann sagen: „Ich werde zurückkommen.“ So wird der Glaube Abrahams durch die Zusicherung gestärkt, die der HERR selbst gibt. Und auch heute freut sich der Herr, unsere zitternden Herzen durch das sichere Wort des einen, der sagen kann „Ich werde“ zu ermutigen: „Ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen.“ „Ich werde euch nicht verwaist zurücklassen, ich komme zu euch“ (Joh 14,3.18).

Abraham hört diese großartige Verheißung und ist sich der Herrlichkeit desjenigen, der spricht, vollständig bewusst. Daher drückt er kein Erstaunen aus und sieht darin keine Schwierigkeiten. Er drückt keinen Zweifel aus. In deutlichem Unterschied dazu befindet sich der Glaube und das Unterscheidungsvermögen von Sara nicht auf der Höhe ihres Ehemanns. Sie hört, was gesagt wird, ist sich aber der Herrlichkeit des Sprechenden nur wenig bewusst. Sie zweifelt daran, was gesagt wird, weil sie auf sich selbst sieht. Sie ist alt und ihr Körper „verwelkt“ (Vers 12). Daher argumentiert sie, dass das, was der Herr gesagt hat, nicht wahr werden kann. Und in ihrem Herzen lacht sie im Unglauben allein schon über den Gedanken, einen Sohn zu bekommen.

Sara wird für ihren Unglauben zurechtgewiesen. Abraham wird daran erinnert, dass die Erfüllung der Verheißung zwar auf der Grundlage menschlichter Natur unmöglich ist. Aber es gibt nichts, was für den Herrn zu schwer ist.

Als Sara ihres Unglaubens wegen bezichtigt wird, schämt sie sich, die Wahrheit zuzugeben. Wie so oft führt die Furcht vor den Folgen zur Lüge und Täuschung. „Und Sara leugnete und sprach: Ich habe nicht gelacht!“ (Vers 15). Es mag sein, dass es sogar stimmt, dass sie nicht laut gelacht hat. Aber sie lachte in ihrem Herzen und muss lernen, dass sie sich in der Gegenwart dessen befindet, der auch die Gedanken des Herzens lesen und hinter verschlossene Türen sehen kann.

Göttliche Prophetie (Verse 16–20)

In gesegneter Weise spricht Gott in späteren Jahren durch den Propheten Jesaja von Abraham, meinem Freund (Jes 41,8). Und in dieser Szene in 1. Mose 18 erkennen wir, dass Gott Abraham als einen Freund behandelt. Es ist wahr, was oft gesagt worden ist: Zu einem Knecht sprechen wir von den Dingen, die seine Arbeit betreffen. Zu einem Freund sprechen wir von dem, was wir vielleicht tun wollen, auch wenn es unseren Freund nicht direkt betreffen mag.

Hier also wird Abraham als Freund behandelt, denn Gott sagt: „Sollte ich vor Abraham verbergen, was ich tun will?“ (Vers 18). Die Gründe dafür, dass Gott ihn als einen Freund behandelt, sind sehr gesegnet. Denn der Herr sagt: „Denn ich habe ihn erkannt, dass er seinen Kindern und seinem Haus nach ihm befehle, damit sie den Weg des HERRN bewahren, Gerechtigkeit und Recht auszuüben“ (Vers 19). Derjenige, den der Herr als Freund behandelt, ist nicht nur jemand, der an den Herrn glaubt, sondern er ist auch jemand, der seine Familie in der Furcht des Herrn aufzieht.

Uns gelten diese Wort des Herrn: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört habe, euch kundgetan habe“ (Joh 15,15).

Indem Er Abraham als einen Freund behandelt, teilt ihm der Herr von dem Gericht mit, das Er über die Städte der Ebene bringen würde. Aber lasst uns bedenken, dass diese Mitteilungen dem Mann gemacht werden, von dem wir gesehen haben, dass er getrennt von der Welt lebt, dass er die Vorzüge dieser Welt aufgegeben hat und dadurch einen Sieg über diese Welt errungen hat. Bevor wir nicht der Verderbtheit der Welt entkommen sind, werden wir mit dem reinen Bekenner sagen: „Wo ist die Verheißung seiner Ankunft?“ (2. Pet 3,4). Der Apostel Petrus warnt uns, nicht unwissend über die ernste Tatsache zu sein, dass der Tag des Herrn wie ein Dieb in der Nacht kommen und Gericht über eine ungöttliche Welt bringen wird.

Wir hatten schon gelernt, dass „die Leute von Sodom sehr böse und große Sünder vor dem HERRN waren“ (1. Mo 13,13). Nun lernen wir, dass ihre Sünde zu einem Geschrei vor dem Herrn geworden ist, dass Gericht herbeiruft. Denn ihre Sünder „ist sehr schwer“ (1. Mo 18,20). Gott wartet und erträgt die Bosheit der Menschen lange. Aber er ist der Sünde gegenüber nicht gleichgültig. Sie schreit zu ihm, bis sie am Ende reif ist für das Ausüben des Gerichtes. Aber genauso ist Gott langsam zum Gericht. Zuerst lesen wir von den zwei Engeln, dass sie „sich erhoben von dort und nach Sodom blickten“ (Vers 16). Dann „gingen sie nach Sodom“ (Vers 22). Schließlich lesen wir: „Und die beiden Engel kamen am Abend nach Sodom“ (1. Mo 19,1).

Fürbitte (Verse 22–33)

Zwei Engel sind weggegangen, um das Gericht des Herrn über diese unheilvollen Städte auszuführen. Abraham bleibt allein vor dem HERRN stehen. Sofort nimmt er den Platz eines Fürbittenden ein. Er spricht diese Fürbitte auf der Grundlage aus, dass es unmöglich ist, den Gerechten mit dem Gottlosen wegzuraffen. Daher bittet er Gott flehendlich, die Stadt zu verschonen, wenn sich darin 50 Gerechte befinden sollten. Dann bitte er um Verschonung, wenn 45 gerechte Menschen dort wären. Dann geht er herunter auf 40, auf 30, auf 20 und schließlich fleht er für die Rettung, falls nur 10 Gerechte dort wären. Jedes Mal gewährt ihm Gott in seiner Gnade die Bitte. Bis, am Ende, der Glaube Abrahams darin versagt, sich auf die Gnade Gottes zu beziehen, damit – wenn die Sünde überströmend geworden ist – die Gnade noch überreichlicher würde (Röm 5,20).

Zu einem späteren Zeitpunkt konnte Gott zu Jeremia über die unheilvolle Stadt Jerusalem sagen: „Durchstreift die Gassen Jerusalems, und seht doch ..., ob ihr jemanden findet, ob einer da ist, der Recht übt, der Treu sucht – so will ich ihr vergeben“ (Jer 5,1). Wir wissen: Dieser Mann ist gefunden worden. Christus ist es: „Und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gab als Lösegeld für alle“ (1. Tim 2,5.6). Durch diesen Menschen werden wir aufgefordert, für alle Menschen Fürbitte zu tun (1. Tim 2,1-6).

Freundschaft mit der Welt (1. Mo 19)

In 1. Mose 18 haben wir die Segnungen für einen Gläubigen gesehen, dessen Lebenswandel in Übereinstimmung mit der Offenbarung Gottes, des Allmächtigen ist.

In 1. Mose 19 kommen die Leiden eines Gläubigen vor uns, der den Lebensweg der Absonderung aufgegeben hat und in enger Verbindung mit einer Gesellschaft seinen Lebenswandel führt, die dem baldigen Gericht entgegensieht. Wir werden zwar sehen, dass dieser Gläubige gerettet wird, aber so wie durchs Feuer (vgl. 1. Kor 3,15). Und er verlässt die Szene hier auf der Erde gewissermaßen unter einer Rauchwolke hinter ihm, die die Erinnerung an ein Leben der Schande zurücklässt.

Ein auffallender Gegensatz

Die Eingangsverse der Kapitel 18 und 19 stellen Abraham und Lot in einen auffallenden Gegensatz. In 1. Mose 18,1 sehen wir Abraham als jemanden, der am Eingang seines Zeltes sitzt. In 1. Mose 19,1 sehen wir Lot „im Tor Sodoms“ sitzen. Der eine hält sich als Gläubiger außerhalb dieser Gesellschaft in seinem wahren Fremdlingscharakter auf. Er hat sein Zelt. Der andere hält sich nicht nur mitten in der Gesellschaft dieser Welt auf, er nimmt sogar teil an deren Verwaltung. Er sitzt im Stadttor, dem Platz des Gerichtsurteils.

Das Ende eines Weges nach unten

Es gab eine Zeit, in der sich auch Lot an dem Platz außerhalb aufhielt, der der Berufung Gottes entsprach. Aber er war dort nur ein Imitator und Nachfolger anderer. Als kleinere Schwierigkeiten aufkamen, gibt er sofort den Weg des Glaubens und der Absonderung auf. Er wählt statt dessen die gut bewässerte Ebene und schlägt seine „Zelte auf bis nach Sodom“ (1. Mo 13,12). Danach erfahren wir, dass er „in Sodom wohnte“ (1. Mo 14,12). Und schließlich lesen wir hier: „Lot saß im Tor Sodoms“ (1. Mo 19,1).

Die Stadt aber, in der Lot einen geehrten Platz als ein Stadtverordneter besaß, war eine Stadt, die dem Vollzug des Gerichts Gottes entgegensah. Und nun war der Zeitpunkt gekommen, wo diese Stadt reif war für das Gericht. Von den Worten des Herrn in Lukas 17 wissen wir, dass diese ernste Szene eine Vorschattung des Gerichtes ist, das die gegenwärtige, böse Welt erwartet. Wir lesen dort: „Ebenso wie in den Tagen Lots ...wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird“ (Lk 17,28–30).

Wir leben in den Tagen kurz vor der Offenbarung des Sohnes des Menschen. Und wir werden durch den Herrn selbst gewarnt, dass wir in diesen, unseren Tagen einen schrecklichen geistlichen und moralischen Zustand erleben würden, ähnlich dem in den Tagen Lots. Dies gibt 1. Mose 19 einen sehr großen praktischen Wert für uns. Denn es stellt uns den wahren Charakter der Gesellschaft vor, die uns umgibt. Und darüber hinaus zeigt dies den Zustand, den Gott so sehr verabscheut, dass Er schließlich mit seinem Gericht antworten muss.

Das Zusammenbrechen des Zeugnisses

Was waren denn die Kennzeichen Sodoms, die das Gericht Gottes hervorriefen? Zwei Dinge charakterisierten diese Stadt:

1. „Die Leute von Sodom waren sehr böse und große Sünder vor dem HERRN“ (1. Mo 13,13).

2. Ein wahrer Gläubige nahm – verbunden mit Sündern – einen Ehrenplatz in dieser Stadt ein und wollte in dieser Welt Recht sprechen und die Ordnung aufrechterhalten.

Es handelt sich also um eine Stadt, die geprägt war durch die Verbindung von Sündern „vor dem Herrn“ mit Gläubigen „in dem Herrn“. Es ist gerade diese Zustand, den Gott so sehr verabscheut, und der auch die Welt von heute charakterisiert. Und dies wird sehr bald die gegenwärtige Periode der Gnade zu ihrem Abschluss bringen.

Es ist also nicht einfach die Bosheit der Welt, die den Tag der Gnade beenden wird. Die Bosheit der Welt mag sich in unterschiedlichen Formen und zu verschiedenen Zeiten erweisen. Aber sie kann nicht größer sein als da, wo sie die unerreicht ruchlose Sünde beging, den Herrn der Herrlichkeit zu kreuzigen.

Es ist eigentlich mehr der Zusammenbruch des christlichen Zeugnisses, der dazu führt, dass selbst wahre Gläubige in der Welt gefunden werden, nicht als Zeugen der Gnade Gottes, sondern in engster Verbindung mit der Welt. Das wird Gott keineswegs tolerieren! Und es macht deutlich, dass der Vollzug des Gerichtsurteils so nahe bevorsteht. Wenn die, die hier zurückgelassen worden sind, um ein Zeugnis der Gnade Gottes zu sein, sich in dieser Welt niederlassen und damit aufhören, überhaupt ein Zeugnis für Gott zu sein, ist das Ende nicht mehr weit entfernt.

Die warnende Botschaft

Für uns gilt die warnende Herausforderung des Apostels in klaren und unmissverständlichen Worten: „Seid nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen. Denn welche Genossenschaft hat Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?“ (2. Kor 6,14.15).

Aber was sehen wir trotz dieser Worte heute überall? Nicht nur eine Welt, die voller Gewalttat und Verderbtheit ist (1. Mo 6,11) – das war schon immer so – sondern wir sehen überall wahre Gläubige, die sich in offenkundiger Missachtung des Wortes Gottes mit Ungläubigen verbinden und mit solchen, die göttliche Dinge verspotten. Es ist zu Recht gesagt worden: „Selbst evangelikale Führer können nunmehr ihren Platz sichtbar und auf öffentlichen Podien zusammen mit Unitariern [Fußnote 1] und Bibelkritikern jeglichen Ausmaßes einnehmen; und Gemeinden und Gruppen können sich, insgeheim oder öffentlich, mit jeder Form des Unglaubens in herzlichster Gemeinschaft verbinden. Dies zeigt, dass die Zeit göttlicher Langmut bald zu Ende gehen wird: Diejenigen, die so strenggläubig sind, was die Person Christi betrifft, lassen Ihn doch so leicht beiseite, wenn es einen utilitaristischen [Fußnote 2] (nützlich erscheinenden) Vorwand gibt, wodurch sie Gemeinschaft mit solchen haben können, die Christus verwerfen.“

[Fußnote 1: Der Unitarismus (von Lateinisch „unitas“, Einheit) ist in seiner Hauptströmung eine panentheistische [Universum ist Teil Gottes] humanistische Religion, die historisch aus der Kritik an der Trinitätslehre entstanden ist. Unter „Unitas“ verstehen Unitarier die Einheit von Gott, Natur, und Mensch. Die Dreieinheit Gottes wird abgelehnt. Ende der Fußnote]

[Fußnote 2: Der Utilitarismus (lat. Utilitas, Nutzen) ist eine Ethik, die eine Handlung dann als sittlich gut beurteilt, wenn sie nützlich ist. Der Wert einer Tat wird somit nach seinem Nutzen für das Individuum bzw. die Gemeinschaft bewertet. Ende der Fußnote]


Wenn solche, die bekennen, Diener des Christentums zu sein, aufhören, Zeugen für Christus zu sein, auf das Niveau der Welt herabsinken und ihrerseits Anführer zu aller Gleichförmigkeit der Welt werden, dann hat das Salz wirklich seinen Geschmack verloren. Das christliche Bekenntnis, das für Christus ekelhaft geworden ist, wird aus seinem Mund ausgespuckt werden; und das Gericht wird auf die Welt fallen.

So sollte die Zerstörung der Stadt Sodom zu jedem Gewissen sprechen! Sie sollte uns dazu bringen, die Worte zu beachten, die Gott spricht: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden mitteilhaftig werdet und damit ihr nicht empfangt von ihren Plagen“ (Off 18,4).

Der Dienst von Engeln

Aber es gibt noch weitere Lektionen, die wir aus dieser ernsten Geschichte lernen können. Im vorherigen Kapitel haben wir gelesen, dass der HERR Abraham erschienen ist, begleitet von zwei Engeln. Nur die Engel gehen nun nach Sodom. Abraham, mit seinem Zelt und in der abgesonderten Stellung für Gott, erfreut sich der schönen Gemeinschaft mit dem HERRN. Lot, der im Tor Sodoms sitzt, wird nicht von dem HERRN besucht. Seine Seele mag durch die schmutzigen Unterhaltungen und die gesetzlosen Taten der bösen Menschen gequält werden. Aber Gemeinschaft mit dem HERRN kann er nicht genießen.

Darüber hinaus kann der HERR zu Abraham am helllichten Tag kommen. Die beiden Engel dagegen kommen nach Sodom „am Abend“. Sie kommen nicht, um ein öffentliches Zeugnis an Sodom zu geben, sondern, wie es scheint, in der Verborgenheit der Abenddämmerung, um einen Mann, der als Gläubiger versagt hat, aus dem Feuer des Gerichts herauszuziehen (1. Mo 18,1; 19,1).

Wir können aus der Schrift lernen, dass der Dienst von Engeln einen zweifachen Charakter trägt.

1. Einerseits werden sie das Gericht ausüben.

2. Andererseits sind sie „dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die die Errettung ererben sollen“ (Ps 104,4; Heb 1,14).

In diesem zweifachen Dienst sehen wir sie auch in Sodom. Zum Gericht sind sie gekommen, um die Stadt zu zerstören. Zuvor aber sollten sie einen wahren Gläubigen aus einer falschen Stellung befreien!

Es ist gut, dass wir wissen dürfen, dass auch in unseren Tagen, obwohl das Gericht bald über die Christenheit fallen wird, jeder Gläubige vor dem Gericht gerettet wird, auch wenn es mit manchen wie mit Lot gehen mag, dass ihre Werke zerstört werden, sie selbst aber gerettet werden, „doch so wie durchs Feuer“ (1. Kor 3,15).

Lot erweist sich völlig inkonsequent

Wir sehen nun, dass Lot als ein wahrer Gläubiger die himmlischen Besucher erkennt und sie mit gebührendem Respekt behandelt. Er möchte sie ehren und vor den Beleidigungen der Menschen dieser Welt schützen, muss aber ach! erkennen, dass er gar keine Kraft hat, ihre Bosheit zurückzuhalten. In dieser extremen Situation ist er dann sogar bereit, zu dem abscheulichen Mittel zu greifen, seine beiden Töchter den Begierden dieser Männer zu auszuliefern, um die Belästigungen zu bändigen.

Aber seine Anstrengungen steigern nur die Wut der Männer von Sodom. Sie fordern ihn brutal auf: Zurück da! Dabei stellen sie polemisch fest, dass dieser Mann, der als ein Fremder zu ihnen kam, nun als ihr Richter handeln wolle. Mit diesen drohenden Worten dringen sie hart auf Lot ein, der nur durch die vorsorgliche Handlung der Engel vor den Gewalttaten dieses Mobs gerettet wird.

Das Versagen von Lot

Der Auftrag der Engel an Lot, seine Verwandten zu warnen, dass der HERR im Begriff steht, die Stadt zu zerstören, bringt die ernste Tatsache zum Vorschein, dass ein Gläubiger, der sich in einer falschen Stellung befindet, keine Kraft hat, ein echter Zeuge für Gott zu sein. „Lot ging hinaus und redete zu seinen Schwiegersöhnen“, um sie vor dem kommenden Gericht zu warnen. „Aber er war in den Augen seiner Schwiegersöhne wie einer, der Scherz treibt“ (1. Mo 19,14). Es handelte sich tatsächlich um ein Zeugnis der Wahrheit. Aber dieses verurteilte ihn selbst.

Hatte Lot nicht gemeint, ein gerechter Mann zu sein? Und doch: Hatte er sich nicht von Sodom so sehr anziehen lassen, dass er wählte, hier zu wohnen, ja sogar eine führende Rolle in den Angelegenheiten dieser Stadt zu spielen? Glaubte er dann selbst wirklich daran, dass der HERR im Begriff stand, die Stadt zu zerstören? Sein ganzes Leben war ein direkter Widerspruch zu seinem Zeugnis. So war es auch kein Wunder, dass er als jemand galt, der mit Worten Scherz treibt.

Auch heute ist es nicht anders! Können wir uns wundern, dass die uns umgebende Welt so wenig auf Warnungen hört, die von religiösen Dienern einer Religion ausgesprochen werden, die selbst Anführer zu weltlicher Gesinnung sind?

Lots Zaudern

Auch wenn Lot andere vor dem Gericht warnte, folgt er selbst dieser Warnung nur widerwillig. Denn als er gedrängt wird, aus der dem Verderben geweihten Stadt zu fliehen, lesen wir: „Er zögerte“. Dennoch „erbarmte sich der HERR seiner, und sie führten ihn hinaus und ließen ihn außerhalb der Stadt“ (1. Mo 19,16). Seine Frau und seine beiden Töchtern werden zusammen mit ihm aus der Stadt herausgeführt. Aber seinen gesamten Besitz muss er zurücklassen. Er wird gerettet, doch so wie durchs Feuer.

Nachdem Lot durch die Barmherzigkeit Gottes erlöst worden war, wird ihm gesagt: „Rette dich auf das Gebirge“ (Vers 17). Lot erkennt die Barmherzigkeit, die ihn gerettet hat aber er besitzt nur wenig Vertrauen auf die bewahrende Sorge dessen, der ihn anweist, auf das Gebirge zu steigen. Durch Furcht und Unglauben getrieben bittet er darum, dass die kleine Stadt Zoar verschont und ihm als Zufluchtsort gegeben werde. Seiner Bitte wird entsprochen. Und als die Sonne aufgeht, kommt Lot in Zoar an.

Wie ernst sind diese Worte: „Die Sonne ging auf über der Erde“ (1. Mo 19,23). Sie sprechen von einem wolkenlosen Tag, der kein Zeichen des kommenden Gerichts erkennen lässt. Es ist genau so, wie der Herr es uns von den Menschen in Sodom sagt: „Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten.“ Alles war so wie immer. „An dem Tag aber, als Lot aus Sodom herausging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte alle um.“ Der Herr fügt die ernsten Worte hinzu: „Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird“ (Lk 17,28–30).

So kann der Apostel auch später schreiben: „Der Tag des Herrn kommt so wie eine Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit!, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, wie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen“ (1. Thes 5,1.2).

Die Frau Lots

Die Frau Lots sah hinter sich. Lot war persönlich ein gerechter Mann, auch wenn er sich in der Mühsal der Welt verfangen hatte. Seine Frau war eine bloße Bekennerin, die zwar die Stadt verlassen hatte, aber deren Herz noch immer an Sodom hing. Sie schaut zurück zu dem Platz ihrer Zuneigungen und wird so zu einer immerwährenden Warnung für Bekenner, die in einem Augenblick der Furcht sich zwar von der Welt trennen mögen, die aber nie wirklich den Ruf des HERRN gehört und ihm Folge geleistet haben. Wie ernst sind die Worte des Herrn: „Erinnert euch an Lots Frau!“ (Lk 17,32).

In Gegenüberstellung zu Lot, der wie durchs Feuer gerettet wurde, und zu seiner Frau, die zurückschaute, wird uns ein kurzer Blick auf den Mann gewährt, der wirklich abgesondert lebte und „die Stadt erwartete, die Grundlagen hat“ (Heb 11,10). Abraham stand an dem „Ort, wo er vor dem HERRN gestanden hatte“ (1. Mo 19,27). Er sieht von Ferne die Zerstörung der Städte der Ebene.

Und dann erfahren wir etwas, was ausgesprochen lehrreich ist: Wenn Lot vor der Zerstörung der Städte gerettet wird, dann deshalb, weil „Gott an Abraham gedachte“. Lot mag, als er im Tor Sodoms gesessen hat, gesagt haben: „Was kann Abraham der Welt schon nützen, wenn er dort abseits in seinem Zelt wohnt?“ Gott aber hatte von Abraham gesagt, der als ein Abgesonderter für Gott lebte: „Du sollst ein Segen sein“ (1. Mo 12,2). Und genauso kam es dann auch. Denn wenn Lot gerettet wurde, dann gerade, weil Gott des Abraham gedachte.

Die Furcht Lots

Auch wenn Lot vor dem Gericht Sodoms gerettet wurde, bleibt er ein Opfer seiner Angst. Er fürchtet sich, in der Stadt zu wohnen, die er selbst gewählt hatte. So greift er auf die Möglichkeit des Gebirges zurück, in das er eigentlich hätte fliehen sollen. Aber er geht in das Gebirge aus Furcht vor den Menschen und nicht aus Gottvertrauen. Dort wird er in die Niederträchtigkeit seiner Töchter einbezogen, so dass er aus dem biblischen Bericht scheidet, ohne dass von seinem Lebensende berichtet wird. Er lässt eine Nachkommenschaft zurück, die zu einem beständigen Feind des Volkes Gottes wird.

Wie ernst und herzerforschend für unser aller Herzen ist die Geschichte eines Gläubigen, der zwar einmal auf einem Weg der Absonderung von der Welt war, diesen jedoch aufgab und dazu herabsank, gemeinsame Sache mit der Welt zu machen. Dort musste er feststellen, dass er keine Gemeinschaft mit Gott haben konnte. So hatte er auch keine Kraft, das Böse dieser Welt zurückzuhalten, keine Kraft, die Wahrheit zu bezeugen. Er besaß kein Vertrauen mehr in die vorsorgende Fürsorge Gottes und musste schließlich die Szene unter einer dunklen Wolke großer Schande verlassen.

Wenn diese Geschichte uns dazu bringt, unsere eigene Schwachheit zu erkennen und uns allein auf den Einen zu werfen, der in der Lage ist, uns „ohne Straucheln zu bewahren und vor seiner Herrlichkeit untadelig darzustellen vermag mit Frohlocken“ (Judas 24), dann hat sie ihr Ziel bei uns erreicht.

Die Werke des Fleisches (1. Mo 20)

In 1. Mose 19 haben wir Abraham auf einer moralischen Höhe gesehen, „wo er vor dem HERRN gestanden hatte“, außerhalb dieser Welt und bewahrt vor der Stunde der Versuchung, die über diejenigen kam, die auf der Erde wohnten.

Eine alte, wiederholte Sünde (Verse 1.2)

In 1. Mose 20 reist Abraham wieder in das südliche Land und wohnt im Grenzland Ägyptens. In dieser zweifelhaften Stellung handelt er noch einmal in einer Weise, die ihm die Zurechtweisung von den Menschen dieser Welt einbringt.

Abraham versagt in derselben Weise, wie er es ungefähr 20 Jahre zuvor schon einmal getan hatte, wenn auch die Umstände etwas anders waren. Denn angesichts der Not einer Hungersnot war er damals aus dem verheißenen Land weggegangen und sozusagen „ausgerutscht“ nach Ägypten. Jetzt jedoch finden wir diese schwierigen Umstände nicht. Einfach aus Menschenfurcht verleugnet er die eine, durch die Gott ihm den kommenden, verheißenen Erben zugesagt hatte (1. Mo 18,10).

Im ersten Fall gab Abraham das Zeugnis des Erbes auf. Im zweiten Fall verdunkelt er das Zeugnis des Erben. Wie beim ersten Mal, so lernen wir auch jetzt, dass hinter jedem Versagen des Volkes Gottes ein Angriff des Feindes auf eine große Wahrheit steht, die mit der Berufung der Gläubigen in Verbindung steht. Heute attackiert Satan die Wahrheit der wahren Beziehung der Versammlung (Gemeinde, Kirche) zu ihrem Haupt im Himmel.

Die Tatsache, dass Abraham nach so vielen Jahren denselben Fehler noch einmal begeht, verschlimmert das Vergehen nur noch. Jetzt ist er kein Neuling mehr auf dem Weg des Glaubens, sondern jemand, der schon lange Zeit an einem Platz äußerer Absonderung von der Welt gelebt hat. Und als solcher versagt er jetzt.

Eine weitere Lektion können wir von diesem traurigen Vorfall lernen. Das Fleisch in dem Volk Gottes ändert sich nicht. Das ist eine ernste Wahrheit, der wir uns nur langsam bewusst werden. Aber wir alle müssen das lernen – manchmal durch leidvolle Erfahrung. Es gibt allerdings immer die Gnade, die uns aus der Macht des Fleisches errettet und davor bewahrt, das Böse des Fleisches zu tun. Aber das böse Fleisch, vor dem uns Gott praktisch bewahren möchte, ändert sich nicht. Das Fleisch mag dazu neigen, sich in unterschiedlichen Formen und unterschiedlichen Einzelpersonen zu zeigen. Welche Form aber das Böse des Fleisches auch annehmen mag – es wird das Böse behalten, vom Anfang unseres Lebens bis zum Ende!

Dieser zweimal wiederholte Fehler des Mannes Gottes ist sicherlich nicht deshalb in der Bibel wiedergegeben, um uns zu entmutigen oder uns unsere Schwachheit zu verdeutlichen, sondern, um uns auf die einzig wahre Quelle alles Vertrauens und aller Stärke hinzuweisen. Jemand hat zu Recht gesagt, dass erst, wenn wir gelernt haben, dass wir „unfähig sind, ohne Gott auch nur einen Moment zu leben, wir erkennen: Er ist jeden Augenblick in unserem Leben für uns da“. Aber es ist einfach zu sagen, dass wir nicht ohne Gott leben können. Es ist schwieriger, durch Erfahrungen zu lernen, vielleicht auch durch wiederholtes Versagen, dass wir jeden Moment unseres Lebens von Gott abhängig sind.

Aufgrund von Menschenfurcht verliert Abraham seinen Glauben an Gott. Sein Glaubensversagen führt dazu, dass er sich auf seine eigenen Überlegungen stützt und in der Doppelzüngigkeit des Fleisches handelt. Er sagt von Sara, seiner Frau: „Sie ist meine Schwester.“ Er sagt die Wahrheit, um die Wahrheit zu verbergen. Und erneut verschmäht er seine Beziehung zu seiner Frau, um das eigene Leben zu retten.

Ein immerwährend treuer Gott (Verse 3–7)

Wie groß das Versagen der Gläubigen sein mag: Gott gibt sein Volk nie auf. Er wird seine Perlen nicht wegwerfen, weil Sand an diese gekommen ist. Er wird mit allem, was sich im Widerspruch zu Ihm in uns befindet, handeln. Das mag für uns selbst schmerzhaft sein. Aber Er möchte uns zu Teilhabern seiner Heiligkeit machen. Aber Gott handelt nicht nur mit uns, sondern auch zugunsten seines versagenden Volkes. So schreitet Gott bei Abraham in einer bemerkenswerten Weise ein, um Sara von der Schande zu bewahren, in die Abrahams Doppelzüngigkeit sie gebracht hat.

Abimelech wird davor bewahrt, Abraham Unrecht zu tun. Er wird sogar gewarnt, dass Abraham ein Prophet ist, und dass Tod auf sein Haus und seine Familie zukommt, wenn er Sara nicht sofort ihrem Mann zurückgibt. Darüber hinaus wird Abimelech mitgeteilt, dass genau der Mann, der ihm Unrecht getan hat, sich in einer solchen Stellung der Nähe zu Gott befindet, dass er für Abimelech beten kann. Trotz seines Fehlers bleibt Abraham ein Prophet und jemand, der bei Gott Fürsprache einlegen kann. Gott verleugnet diese hohen Vorrechte Abrahams nicht, auch wenn dieser versagt hat.

Ein gerechtfertigter Tadel (Verse 8–11)

Allerdings erhöhen Abrahams Vorrechte als Prophet und Fürsprecher das Böse seiner Doppelzüngigkeit nur. Und im Erkennen dieses Tatbestandes ist die Welt nicht langsam. Denn sofort ruft Abimelech Abraham zu sich und stellt ihn zur Rede. In einer klaren Sprache sagt Abimelech zu Recht: „Dinge, die nicht getan werden sollten, hast du mir angetan“ (Vers 9). Abraham hatte nicht nur hinsichtlich seines Glaubens gegenüber Gott versagt; er hatte nicht nur seiner Ehefrau Unrecht angetan, sondern er hatte sich einem Menschen dieser Welt gegenüber falsch verhalten. Abraham war nicht nur unter die Höhe seiner Berufung gesunken, sondern auch unter den Maßstab für den Lebenswandel eines anständigen Menschen in dieser Welt!

Dann stellt Abimelech Abraham auch noch hinsichtlich seiner Motive für diese Handlungsweise zur Rede. Abraham antwortet: „Weil ich mir sagte: Gewiss ist keine Gottesfurcht an diesem Ort, und sie werden mich töten um meiner Frau willen“ (Vers 11). Wie tief ist dieser Mann Gottes gesunken. Durch seine eigenen Gedanken mit fort gerissen dachte er nur an sich selbst und seine eigene Sicherheit. So handelt er mit einer Doppelzüngigkeit, die auf klare Weise zeigt, dass er selbst in diesem Augenblick gar nicht in Gottesfurcht handelte, in welchem Ausmaß auch immer er andere beschuldigte, keine Gottesfurcht zu besitzen.

Eine schwache Entschuldigung (Vers 12)

Zudem finden wir auch bei Abraham die Anstrengung, den Fehler zu beschönigen, wie es so oft bei einem Gläubigen ist, der versagt hat. So hören wir kein ehrliches Bekenntnis: „Ich habe gesündigt!“ Keine drei Wörter in der menschlichen Sprache sind so schwer für einen Sünder oder für einen Gläubigen auszusprechen wie: „Ich habe gesündigt.“ So versucht Abraham, seine Doppelzüngigkeit zu entschuldigen, indem er erklärt, dass es wirklich wahr sei, dass Sara seine Schwester sei, auch wenn er die Wahrheit verschwiegen habe, dass sie zudem seine Ehefrau sei.

Eine ungerichtete Wurzel des Unglaubens (Vers 13)

Darüber hinaus stellen wir fest, dass dieses Versagen eine ungerichtete Wurzel des Unglaubens besitzt, die weit in der Vergangenheit zurücklag. In einer falschen Stellung zieht er das Zeugnis Gottes herunter auf das Verständnis der Welt, indem er sagt: „Als Gott mich aus dem Haus meines Vaters wandeln ließ“ (Vers 13). Er sagt nicht: „Als Gott mich in ein himmlisches Land und eine Stadt mit Grundlagen gerufen hat“. Vielmehr will Abraham den Eindruck vermitteln, dass – wie bei jedem „verlorenen Sohn“ – Gott ihn veranlasst hat, aus seinem Vaterhaus auszuziehen. Unter diesen Umständen waren er und seine Ehefrau einen Pakt doppelzüngigen Unglaubens eingegangen.

Ein unpassendes Verhalten (Verse 14–18)

Im Gegensatz zum Versagen Abrahams handelt Abimelech, auch wenn er ein Mann dieser Welt ist, in gerechter und sogar freigebiger Weise. Das steht in einem auffallenden Gegensatz zum Verhalten Abrahams. An einem Tag der Kraft und des Sieges über die Feinde hatte Abraham abgelehnt, „vom Faden bis zum Schuhriemen“ etwas vom König Sodoms anzunehmen. Am Tag der Schwachheit und des Unglaubens nimmt er Schafe, Rinder, Knechte, Mägde und 1.000 Silberstücke vom König Gerars an.

Auch wenn Abimelech Abraham Geschenke gibt, zögert er nicht, dessen Frau zurechtzuweisen, indem er sie selbst mit Geringschätzung behandelt. Denn er sagt: „Siehe, ich habe deinem Bruder tausend Silberstücke gegeben; siehe, das sei eine Augendecke für dich vor allen, die bei dir sind“ (Vers 16). Wenn sie sich in rechter Weise verschleiert hätte als Abrahams Frau, hätte Abimelech sie nie in sein Haus mitgenommen. Der Schleier spricht bei Frauen davon, dass sie nur für den da sind, dem sie gehören.

Wenn von uns Gläubigen gesehen würde, dass wir ausschließlich für Christus da sind, würde die Welt nicht wünschen, uns in ihre Gesellschaft aufzunehmen. Paulus konnte sagen: „Das Leben ist für mich Christus“ (Phil 1,21). Als Ergebnis dieser Gesinnung war die Welt für ihn gekreuzigt und er war für die Welt gekreuzigt. Wenn wir darin versagen, eine einfältige Hingabe für Christus zu bewahren, werden wir wie Sara den Respekt der Welt verlieren und von dieser zu Recht getadelt werden.

Nachdem die Wurzel seines Versagens offengelegt worden ist, nimmt Abraham erneut seinen eigentlichen Platz im Blick auf die Welt ein, nämlich als ein Fürsprecher (Verse 17.18).

Die Geburt des Erben (1. Mo 21)

In 1. Mose 17.18 hat sich Gott als der Allmächtige offenbart. Er ist der Eine, der seine Verheißungen trotz der Schwachheit seines Volkes und der Bosheit dieser Welt ausführt.

In 1. Mose 19 wird die Bosheit dieser Welt vollständig gezeigt, während in 1. Mose 20 das Böse des Fleisches und die Schwachheit des Volkes Gottes offenbart wird.

Nachdem die Welt und das Fleisch sich bloß gestellt haben, lernen wir in 1. Mose 21, dass Gottes bestimmte Zeit gekommen ist und dass der lange verheißene Erbe geboren wird (Verse 1–7). Dann werden die Magd und ihr Kind vertrieben (Verse 8–21). Schließlich muss die Welt anerkennen, dass Gott mit dem Mann des Glaubens ist (Verse 22–34).

Die Geburt Isaaks (Verse 1–5)

Nachdem der Mensch vollkommen versagt hat, lernen wir, dass „zur bestimmten Zeit, von der Gott geredet hatte“, der verheißene Erbe geboren wird. Er wird Isaak genannt – das bedeutet „Lacher“. Als dieser acht Tage alt war, wird er in Übereinstimmung mit den Anordnungen des HERRN beschnitten. Alles findet „zu der bestimmten Zeit“ Gottes statt, in Übereinstimmung mit seinem Wort.

In der Geburt Isaaks haben wir ein bemerkenswertes Vorbild auf Christus, von dem wir lesen: „Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn“ (Gal 4,4). Christus ist der Eine, durch den alle Segnungen sicher sind, die Abraham verheißen wurden – seien sie für Israel, die direkten Nachkommen Abrahams, oder für die heidnischen Nationen.

Die Wirkung dieser Geburt (Verse 6–9)

In den beiden Vorfällen, von denen nun berichtet wird, sehen wir die Wirkung der Geburt des Erben. In der einen Szene finden wir solche, die sich freuen. In der anderen dagegen diejenigen, die spotten. Und bringen nicht beide Vorfälle in bemerkenswerter Weise die beiden Auswirkungen der Geburt Christi zum Vorschein?

Sara sagt: „Gott hat mir ein Lachen bereitet; jeder, der es hört, wird mit mir lachen“ (Vers 6). Es gab eine Zeit, als ihr Lachen der Ausdruck ihres Unglaubens war. Nun zeugt es vom Überfließen ihres Herzens vor Freude. Zudem erkennt ihr Glaube an und nimmt sogar für sich in Anspruch, dass die Geburt des Sohnes vollkommen von Gott abhängig war. Diese Geburt liegt so vollständig außerhalb der Möglichkeiten des Menschen, dass sie fragt: „Wer hätte Abraham gesagt: Sara wird Söhne stillen?“ (Vers 7). Das war für die menschliche Natur so unmöglich, dass kein Mensch so etwas hätte vorhersagen können. Nur Gott konnte das tun; und nur jemand, der der Allmächtige ist, konnte auch noch das ausführen, was Er angekündigt hatte.

So gab es auch zu der Zeit, als der Christus Gottes schließlich Mensch wurde, solche, die in Übereinstimmung mit dem Himmel das Eingreifen Gottes anerkannten und sich über die Geburt des lange verheißenen Nachkommens freuten. Mit Freude erkennt Maria an: „Denn große Dinge hat der Mächtige an mir getan.“ Zacharias erkennt, dass Gott sein Volk besucht hat, „um Barmherzigkeit an unseren Vätern zu erweisen und seines heiligen Bundes zu gedenken, des Eides, den er Abraham, unserem Vater, geschworen hat“ – das waren alle die, „die auf Erlösung warteten in Jerusalem“ (Lk 1,49; 68-73; 2,38).

Wenn es aber solche gab, die sich über die Geburt Isaaks freuten, gab es ebenfalls solche, die darüber spotteten. Und wir erkennen in diesen Versen, was ihre Feindschaft hervorrief. Es kam der Tag, an dem „ein großes Festmahl“ gemacht wurde zu Ehren des Erben. Diese Ehre, die dem Erben zuteil wird, ruft die Eifersucht und Feindschaft derer hervor, die sich schon länger in der Familie Abrahams aufhielten.

So war es auch in der Geschichte unseres Herrn. Es war das Erkennen seines höchsten und unübertrefflichen Platzes, das die Eifersucht und Feindschaft des religiösen Fleisches hervorrief. Die weisen Männer aus dem Osten beteten Ihn als den König der Juden an. Und sofort ist ganz Jerusalem beunruhigt, so dass der falsche König sogar versucht, das heilige Kind zu töten.

Eine Lektion für uns (Vers 10)

Es gibt für uns auch noch weitere Lektionen in dieser sehr lehrreichen Szene. Im Brief an die Galater zitiert der Apostel Paulus die Worte, die hier von Sara an Abraham gerichtet werden: „Treibe diese Magd und ihren Sohn hinaus; denn der Sohn dieser Magd soll nicht erben mit meinem Sohn, mit Isaak“ (Vers 10). In diesem Abschnitt benutzt der Apostel Paulus Isaak nicht als ein Vorbild auf Christus, sondern von uns Gläubigen, die wir die Gegenstände der souveränen Gnade sind. Paulus sagt: „Brüder, wir sind nicht Kinder der Magd, sondern der Freien“ (Gal 4,31).

Zudem benutzt er nicht nur Isaak, um alles das zu zeigen, was wir als aus dem Geist Geborene sind, sondern er spricht auch von Ismael um durch ihn unsren alten Menschen zu zeigen; alles das, was wir sind als solche, die nach dem Fleisch Geborene sind. Paulus zeigt auch, dass der Mensch, der nach dem Fleisch ist, in vollkommenem Gegensatz zu dem Menschen steht, der nach dem Geist ist. „So wie damals der nach dem Fleisch Geborene den nach dem Geist Geborenen verfolgte, so auch jetzt“ (Gal 4,29).

Der wahre Charakter des Fleisches (Verse 11.12)

So, wie das Kommen Christi in diese Welt alles das entblößte, was der Mensch nach dem Fleisch ist, und wie es die Feindschaft des Fleisches erweckte, so ist es auch in der Geschichte unserer eigenen Seelen: Je mehr Christus den richtigen Platz in unseren Zuneigungen einnimmt, desto mehr werden wir den wahren Charakter des Fleisches entdecken, das immer noch in uns ist. Wenn wir Christus „ein großes Festmahl“ machen – wenn wir Ihm also seinen wahren Platz in unseren Herzen geben – werden wir entdecken, dass es in uns noch das alte Fleisch gibt, das sich in alles einmischen und selbst erhöhen will. Das lässt die große Frage aufkommen: Werde ich das Fleisch verschonen, indem ich es befriedige, ihm nachgebe und es erhöhe? Oder werde ich das Fleisch gänzlich ablehnen, damit Christus den höchsten Platz in meinem Leben einnehmen kann?

Die Gläubigen in Korinth gaben dem Fleisch in weltlicher Weise nach. Die Gläubigen in Kolossä standen in Gefahr, dem Fleisch, das religiösen Formen anhing, zu dienen. Die Versammlungen in Galatien gaben dem Fleisch nach, indem sie gesetzlich wurden. Sie stellten sich unter das Gesetz, das für sie zur Lebensregel wurde. Aber anstatt ein christliches Leben hervorzubringen, entwickelten sie nur ein fleischliches Leben in eitler Ehrsucht, Neid und Streit. So muss der Apostel sagen: „Stoße die Magd und ihren Sohn hinaus“ (Gal 4,30).

Wir müssen das Gesetz als Lebensregel und auch das Fleisch, das dazu anstachelt, ablehnen. Nicht, dass der Gläubige das Gesetz gering achten würde oder gegenüber seinen moralischen Anforderungen gleichgültig wäre. Weit entfernt! Aber der Gläubige lehnt es ab, sich unter den Grundsatz des Gesetzes zu stellen. Christus hat uns frei gemacht von dem Gesetz als ein Mittel, Segen zu erlangen. Und wir sollen fest in der Freiheit stehen, mit der uns Christus frei gemacht hat. Wir schauen auf Ihn, der uns Augenblick für Augenblick bewahrt.

Genau das war die Erfahrung von Paulus. Christus besaß den höchsten Platz in seinen Zuneigungen, denn er konnte sagen: „Das Leben ist für mich Christus“ (Phil 1,21). Die Folge davon war, dass er seine eigene Gerechtigkeit ablehnte, die nach dem Gesetz war. Er hatte kein Vertrauen auf das Fleisch (Phil 3,3), da er sozusagen die Magd und ihren Sohn weggetrieben hatte.

Das Fleisch abzulehnen verlangt Selbstverleugnung – und das schließt Leiden mit ein. Die Magd wegzutreiben „war sehr übel in den Augen Abrahams“ (1. Mo 21,11). Er wird jedoch daran erinnert, dass der Segen mit Isaak verbunden ist. Sich selbst zu verleugnen und Christus nachzufolgen wird das Tragen des Kreuzes mit sich bringen – oder Leiden. Aber es wird uns zu großem Segen in Verbindung mit Christus führen.

Das Bild von Israel (Verse 13–21)

Hagar und Ismael stellen als Wanderer in der Wüste und mit dem Wasser, das ihnen gegeben wird, vorbildlich die aktuelle Stellung Israels dar. Sie ist das Ergebnis davon, dass das Volk Israel versucht hat, den Segen unter dem Gesetz zu erlangen. So haben sie Christus, den verheißenen Nachkommen, abgelehnt. Das irdische Volk Gottes ist aus seinem Land weggetrieben worden und zu einem umherziehenden Volk geworden. Und dennoch ist Israel auch als aus dem Land getrieben noch immer der Gegenstand der vorhersehenden Versorgung Gottes, so wie Gott auch für Hagar und ihren Sohn sorgte.

[Fußnote 3: Anmerkung des Übersetzers: Diese Worte wurden vor Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 geschrieben. Ende der Fußnote[

Das Zeugnis der Welt (Verse 22–24)

In der Schlussszene dieses Kapitel erkennen die Menschen dieser Welt an, dass Gott auf der Seite des Mannes des Glaubens steht, der in Absonderung von der Welt sein Leben führt. Es gab eine Zeit, in welcher der Mann des Glaubens hingefallen war und im Unglauben handelte. Da musste er sich Vorwürfe vonseiten Abimelechs anhören. Nun ist der verheißene Nachkomme geboren worden. Er hat seinen rechtmäßigen Platz bei Abraham erhalten, und die Magd und ihr Sohn sind weggetrieben worden.

Geistlicherweise bedeutet das: Was von Gott geschenkt worden ist – Christus – wird als Höchstes anerkannt. Alles, was vom Fleisch ist, wird abgelehnt. Und das Ergebnis ist, dass Abimelech anerkennen muss: „Gott ist mit dir in allem, was du tust“ (1. Mo 21,23). Anstatt Abraham wie in früheren Tagen Vorwürfe zu machen, wird er jetzt selbst von Abraham getadelt. Auch heute ist das nicht anders.

Wenn Christus seinen rechtmäßigen Platz in unserem Leben besitzt, wenn wir das Fleisch zurückweisen und unser Leben durch Glauben führen in echter Absonderung von der Welt, wird das Ergebnis sein, dass sogar die Welt sehen und zugeben wird, dass Gott mit uns ist.

Der wahre Charakter der Welt (Verse 25–34)

Wenn allerdings die Welt auch zugeben muss, dass Gott mit seinem Volk ist, wenn dieses in Absonderung von der Welt lebt, so wird sie doch versuchen, das Volk Gottes der Mittel zu berauben, sich geistlich erfrischen zu können. Die Welt wird suchen, unsere Brunnen wegzunehmen. Wie Abraham sollten wir den Anstrengungen der Welt widerstehen und die Menschen dieser Welt zurechtweisen. Aber wie Abraham sollten wir diesen Tadel in einem Geist der Gnade aussprechen, der sich dadurch zeigt, dass wir versuchen, der Welt etwas von unserem Segen weiterzugeben, der durch die sieben jungen Schafe dargestellt wird.

Die Schlussverse scheinen uns den Höhepunkt des geistlichen Lebens Abrahams zu zeigen. Wir haben gesehen, dass die Welt anerkennen muss, dass Gott mit ihm ist. Nun sehen wir, dass Abraham mit Gott ist. Er ruft den Namen des HERRN, des ewigen Gottes an. Und er lebt als ein Pilger in dem Land der Verheißung.

Die Opferung Isaaks (1. Mo 22)

Wir haben gesehen, dass der erste Teil des Lebens Abrahams sein öffentliches Zeugnis als Mann des Glaubens zeigt, der sein Leben getrennt von der Welt führt und so der Berufung Gottes entspricht (1. Mo 12–14). Im zweiten Teil seiner Geschichte, die mit den Worten beginnt: „Nach diesen Dingen“ (1. Mo 15,1), lernen wir etwas über die inneren Übungen seiner Seele, was seine persönliche Beziehung mit Gott betrifft (1. Mo 15–21).

Die letzte Phase des Lebens Abrahams

Mit dem 22. Kapitel von 1. Mose kommen wir nun zur letzten Phase des Lebens Abrahams. Auch sie beginnt mit den Worten: „Und es geschah nach diesen Dingen“ (1. Mo 22,1). In diesem und den folgenden Kapiteln kommen wir zu Ereignissen, die in einer besonderen Weise vorbildlich die Wege Gottes darstellen, durch die Er seinen Ratschluss zur Verherrlichung Christi und zum Segen des Menschen ausführt.

In 1. Mose 21 haben wir in der Geburt Isaaks „zu der bestimmten Zeit“ (Vers 2) eine Vorschattung des großen Augenblicks gesehen, von dem wir in Galater 4,4 lesen: „Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau.“ In 1. Mose 22 werden wir ein Vorbild des Todes und der Auferstehung Christi sehen – des zuvor erkannten Lammes Gottes (1. Pet 1,19.20). In 1. Mose 23 stellt uns der Tod und das Begräbnis Saras vorbildlich das Beiseitesetzen Israels vor, der irdischen Braut, und zwar als Folge der Verwerfung Christi. In 1. Mose 24 lernen wir, dass während Israel zur Seite gestellt wird, Gott seine Versammlung (Kirche, Gemeinde) beruft – die himmlische Braut, die in Rebekka vorgebildet wird.

Wenn wir auch durch die vorbildlichen Aspekte dieser beeindruckenden Ereignisse profitieren wollen, dürfen wir die moralischen Konsequenzen nicht übersehen. Wenn dieses 22. Kapitel eine herrliche Entfaltung der Liebe Gottes im Geben seines Sohnes ist, so zeigt uns diese Begebenheit in moralischer Weise in ebenfalls beeindruckender Weise den Glauben Abrahams.

Die höchste Prüfung

Diese moralische Belehrung erkennen wir in den Eingangsworten: „Und es geschah nach diesen Dingen, dass Gott Abraham prüfte.“ In dem großen, elften Kapitel des Hebräerbriefes, das uns diejenigen zeigt, die den Weg des Glaubens gegangen sind, nimmt Abraham einen herausragenden Platz ein. Wir finden ihn dort nicht nur als jemanden, der durch seinen Glauben dem Ruf Gottes entsprach. Er hat sogar das große Vorrecht, dass sein Glaube mehr geprüft wird als der Glaube der Menschen, die vor oder nach ihm gelebt haben.

Hier lesen wir, dass Gott zu ihm sagt: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und zieh hin in das Land Morija und opfere ihn dort als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir sagen werde“ (Vers 2). Der inspirierte Kommentar im Hebräerbrief lautet: „Durch Glauben hat Abraham, als er geprüft wurde, Isaak geopfert“ (Heb 11,17), genau denjenigen, auf den sich alle Verheißungen konzentrierten und von dem gesagt worden war: „In Isaak wird dein Same genannt werden“ (1. Mo 21,12). Abraham wurde also gesagt, etwas zu tun, was für das Auge und natürliche Überlegungen die Erfüllung der Verheißungen Gottes unmöglich machen würde. Aber wir lernen, dass Abraham gehorsam war, nicht indem er menschliche Überlegungen anstellte, sondern durch Glauben, „wobei er urteilte, dass Gott auch aus den Toten aufzuerwecken vermag, von woher er ihn auch im Gleichnis empfing“ (Heb 11,19).

Der Akt des Gehorsams

Als Hiob seine Kinder genommen worden waren, unterwarf er sich auf gesegnete Weise dem, was Gott erlaubt hatte und sagte: „Der HERR hat gegeben, und der HERR hat genommen, der Name des HERRN sei gepriesen!“ (Hiob 1,21). Abrahams Glaube wird jedoch mit einer noch viel stärkeren Prüfung getestet – und er erhebt sich zu einem viel höheren Niveau. Er wird nicht nur gebeten, sich auf passive Weise dem Willen Gottes unterzuordnen, sondern er bekommt den Auftrag, eine aktive Rolle in dem einzunehmen, was im Gegensatz zu seiner Natur steht und zugleich eine Qual für das Herz eines Vaters sein musste. Diese Prüfung war getrennt von Gottes Führung, ja sie war geradezu eine Auflehnung gegen die Gesetze Gottes und des Menschen. Aber Abraham besteht diesen Test mit dem von Gott gegebenen Glauben. Mir ruhigem Bedacht steht er früh am morgen auf, sattelt seinen Esel und nimmt zwei junge Männer und seinen Sohn Isaak mit. Er „machte sich auf und zog hin an den Ort, den Gott ihm gesagt hatte.

Drei Tage lang ist er für diese Reise unterwegs. Zeit und Gelegenheit war somit gegeben, sorgfältig über das nachzudenken, was von ihm verlangt wurde. Drei lange Tage hatte er schreckliche Übungen in seiner Seele. Während dieser Tage musste er sich mit der Qual auseinandersetzen, seinen Sohn zu opfern. Es handelte sich nicht um eine hektische Aktion, die er aufgrund eines momentanen Impulses getan hätte. Nein, sie wurde mit Bedacht getan, nachdem er über alles das nachgedacht hatte, was ihn diese Handlung kosten würde. Seine Liebe zu seinem Sohn, die Gefühle Isaaks und dessen Leibe zum Vater, auch die Verheißung Gottes, dass „in Isaak dir ein Same genannt werden soll“ – alles wurde gründlich überdacht. Aber der Glaube triumphierte.


Wäre Unglaube am Werk gewesen, hätte die Zeit bestanden, umzukehren. Aber der Glaube hatte Bestand, und am dritten Tag kam der Ort in das Blickfeld. „Und Abraham sprach zu seinen Knaben: Bleibt ihr hier mit dem Esel; ich aber und der Knabe wollen bis dorthin gehen und anbeten und dann zu euch zurückkehren“ (1. Mo 22,5). Der Glaube rechnete damit, dass Gott Isaak aus den Toten auferwecken konnte. So konnte Abraham mit vollem Vertrauen sagen: Wir werden „zurückkehren“.

Wir werden nicht in derselben Weise versucht wie Abraham. Aber es ist gut für uns, wenn wir sagen können, nachdem geliebte Anverwandte genommen wurden: „Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird auch Gott die durch Jesus Entschlafenen mit ihm bringen“ (1. Thes 4,14). Der Glaube weiß, dass diese Lieben, auch wenn sie für eine Zeit von uns genommen wurden – und zur Anbetung auf der anderen Seite sind – zurückkehren werden.

Vater und Sohn

Isaak fragt: „Wo ist das Schaf zum Brandopfer?“ (Vers 7). Im Glauben antwortet Abraham: „Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn“. Und ohne eine weitere Hinzufügung lesen wir: „Und sie gingen beide miteinander“ (Vers 8). Ohne Widerstand oder Klage unterwirft sich Isaak dem Befehl, auf den Altar gebunden zu werden. „Und Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten“ (Vers 10).

In diesem Augenblick schreitet der HERR ein. Abrahams Hand wird davor zurückgehalten, seinen Sohn mit dem Messer zu stechen. Abrahams Glaube hat die Prüfung bestanden und Gott sagt: „Nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast“ (Vers 12). Weil Abraham in der Furcht Gottes tätig war, konnte er die Furcht des Menschen überwinden und das tun, was der Mensch vollständig verurteilt hätte.

Ein anderer Vater – ein anderer Sohn

Wenn wir diese bemerkenswerte Szene in ihrer vorbildhaften Bedeutung anschauen, steigt vor uns die Größe der Liebe Gottes auf in der Gabe seines Sohnes, der für uns sterben sollte. Die Wort an Abraham: „Nimm deinen Sohn“ zeigen uns, dass Gott „seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat“ (Röm 8,32). Dann wird Abraham gesagt, dass er seinen „einzigen“ Sohn nehmen solle. Dreimal wird in diesem Kapitel betont, dass es sich um seinen „einzigen“ Sohn handelt (Verse 2, 12, 16). Auch das spricht von der Liebe Gottes, durch die Er „seinen eingeborenen Sohn gab“ (Joh 3,16). Weiter wird Abraham daran erinnert, dass es sich um den Sohn handelt, den er opfern sollte, „den du lieb hast“. Das spricht zu uns von der Tatsache, dass Christus derjenige ist, von dem es heißt: „Der Vater liebt den Sohn“ (Joh 3,35). Es ist bedeutsam, dass dies die erste Erwähnung von Liebe in der Bibel ist. Sie steht in Verbindung mit einer Szene, die von der Liebe Gottes, des Vaters, zu seinem Sohn spricht.

Vollkommener Gehorsam

Wenn uns diese Szene die Liebe Gottes im Geben seines Sohnes zeigt, so stellt sie uns auch die vollkommene Unterordnung und den klaglosen Gehorsam des Sohnes in Bezug auf den Willen des Vaters dar. In all diesem finden wir in vielfältiger Weise die Vorschattung des vollkommenen Gehorsams Christi seinem Vater gegenüber, die Ihn angesichts des Todes sagen ließ: „Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe!“ (Lk 22,42).

Während der dreitätigen Reise wurde das Holz des Brandopfers von Isaak getragen, während das Feuer und das Messer in der Hand Abrahams war. Im Verlauf der Dienstjahre trug der Herr sozusagen das Wissen über seinen bevorstehenden Tod. Über jedem Schritt seines Weges stand der Schatten des Kreuzes. Die Volksmengen mögen beeindruckt gewesen sein „über alles, was Er tat“, aber Er wusste, dass der Sohn des Menschen in die Hände von Menschen überliefert werden würde (Lk 9,43.44). Die Jünger folgten Ihm zwar bis nach Jerusalem, aber sie dachten immer, dass Er das Königreich in Macht aufrichten, ja dass Christus auf einem Thron der Herrlichkeit regieren würde. Er aber wusste, dass Er sich auf das schändliche Kreuz zubewegte.

Und dennoch: Auch wenn es den Menschen erlaubt wurde, den Herrn zu kreuzigen, befanden sich doch das Feuer und das Messer – sie sprechen von Gericht und Tod – in den Händen Gottes. Die Menschen mögen gedacht haben, dass sie den Herrn nach ihrem Willen kreuzigen oder freilassen könnten. Aber der Herr konnte Pilatus sagen: „Du hättest keinerlei Gewalt gegen mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre“ (Joh 19,11). Kein Auge konnte die Dunkelheit durchdringen in dieser gewaltigen Szene, als das Feuer und das Messer auf Christus fielen. Aber der Herr nahm alles, was dort stattfand, aus der Hand Gottes. Er sagte: „Du hast mich in die tiefste Grube gelegt, in Finsternisse, in Tiefen. Auf mir liegt schwer dein Grimm, und mit allen deinen Wellen hast du mich niedergedrückt“ (Ps 88,7.8).

Vollkommene Gemeinschaft

Dann kam der Augenblick in der Geschichte Abrahams, in dem die Knaben zurückgelassen werden. Abraham und sein einziger Sohn gehen allein zu dem Berg. Das spricht zweifellos von dem großen Augenblick, von dem der Herr sagten musste: „Wohin ich gehe, dahin kannst du mir jetzt nicht folgen“ (Joh 13,36). Und doch kann der Herr ebenfalls sagen: „Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelassen“ (Joh 8,29). So lesen wir von Abraham und Isaak zweimal: „Und sie gingen beide miteinander“ (Verse 6 und 8). Das spricht von der vollkommenen Gemeinschaft des Vater und des Sohnes, die uns auf so gesegnete Weise im Johannesevangelium vorgestellt wird. Dort finden wir, wie der Herr Jesus dem Kreuz immer näher kommt und das große Brandopfer wird, durch das Gott auf vollkommene Weise verherrlicht wird. Der Herr konnte sagen: „Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke.“ „Ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ „Ich tue allezeit das ihm Wohlgefällige.“ „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 5,17.30; 8,29; 10,30).

Vollkommene Unterordnung

Als Abraham und sein Sohn an dem bestimmten Ort angekommen waren, ordnet sich Isaak in vollkommener Weise demjenigen unter, der handelt. Abraham baut den Altar; er schichtet das Holz; er bindet Isaak, seinen Sohn, und legt ihn auf den Altar. Abraham streckt schließlich seine Hand aus, nachdem er das Messer genommen hat, um seinen Sohn zu schlachten. So lesen wir auch von Christus: „Er tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf ... Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen, er hat ihn leiden lassen“ (Jes 53,7.10).

Vergleiche und Gegensätze

Es ist bedeutsam, dass in allen Opferungen des Alten Testaments das Opfer zunächst getötet und erst danach auf den Altar gelegt wurde. In diesem Fall wird die Opferung ein noch bemerkenswerteres Vorbild von Christus, weil Isaak zuerst auf den Altar gebunden wurde, bevor Abraham das Messer nimmt, um ihn zu schlachten.

Aber jedes Vorbild kommt im Vergleich zur Wirklichkeit zu kurz. In 1. Mose 22 hält der HERR die Hand, die das Messer hielt, an. Isaak wird verschont. Am Kreuz gab es keine Hand, welche die Macht des Todes aufhalten konnte. Die Liebe des Vaters verschonte den Sohn nicht. Und die Liebe des Sohnes ordnete sich dem Willen des Vaters ganz unter und ging soweit, dass der Sohn den Tod wirklich erduldete. Ein Engel mochte den Herrn im Garten Gethsemane stärken. Aber es gab keinen Engel, der Ihn vor dem Gericht am Kreuz beschützen konnte.

Im Bild erhält Abraham seinen Sohn Isaak zurück aus den Toten (Heb 11,19). Aber wenn Isaak frei wieder weggehen sollte, musste der Widder, der im Gestrüpp festgehalten wurde, sterben – ein weiteres Vorbild auf das Lamm Gottes, das ausersehen war.

Im Verlauf dieser wunderbaren Szene macht Abraham zwei prophetische Aussagen:

1. „Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer“ (Vers 8).

2. „Auf dem Berg des HERRN wird ersehen werden“ (Vers 14).

So konnte der Herr sagen: „Abraham, euer Vater, frohlockte, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich“ (Joh 8,56).

Gott erneuert nun die Verheißungen an Abraham auf der Grundlage des Opfers und bestätigt seine Verheißung des Segens für alle Nationen der Erde durch den auferstandenen Nachkommen. Hier wissen wir aus dem Galaterbrief, dass der Nachkomme Christus ist, denn der Apostel sagt: „Abraham aber waren die Verheißungen zugesagt und seinem Nachkommen. Er sagt nicht: ‚und den Nachkommen‘, als von vielen, sondern als von einem: ‚und deinem Nachkommen‘, welcher Christus ist“ (Gal 3,16).

Das Geschlechtsregister in den Schlussversen von 1. Mose 22 scheint in erster Linie deshalb an dieser Stelle angegeben zu werden, um Rebekka einzuführen. Sie ist diejenige, die in so schöner Weise die himmlische Braut Christi vorbildet.

Der Tod Saras (1. Mo 23)

Im 23. Kapitel von 1. Mose finden wir den Bericht des Todes und des Begräbnisses von Sara. Wie so oft im Alten Testament haben diese Ereignisse sowohl einen vorbildlichen Charakter als auch eine moralische Bedeutung. Dass diese Schlussfolgerung nicht aus der Luft gegriffen ist, wird aus der zweifachen Auslegung dieser Ereignisse klar, wie sie uns im Neuen Testament gegeben wird.

Eine Allegorie (ein Bild)

Im Galaterbrief gibt uns der Apostel die bildhafte Bedeutung von Hagar und Sara. Hagar und ihr Sohn stellen das Gesetz dar und solche, die den Segen durch das Halten des Gesetzes suchen. Sara dagegen und ihre Kinder stellen die bedingungslosen Verheißungen Gottes für diejenigen vor, die auf der Basis souveräner Gnade gesegnet werden (Gal 4,21–26). Das Volk Israel hatte sich selbst unter Gesetz gestellt und suchte den Segen auf der Basis eigener Anstrengungen zu erhalten. Das Ergebnis war, dass sie nur die bösen Werke des Fleisches hervorzubringen in der Lage waren. Sei verwarfen Christus, der ihnen in Gnade geschenkt worden war und durch den sie Segen auf der Grundlage der Verheißungen hätten erhalten können, die Abraham gemacht worden waren.

Petrus wendet sich nach dem Tod und der Auferstehung von Christus an das Volk und kann sagen: „Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott euren Vätern festgesetzt hat, indem er zu Abraham sprach: Und in deinem Nachkommen werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde. Euch zuerst hat Gott seinen Knecht, als er ihn erweckte, gesandt, euch zu segnen, indem er einen jeden von seinen Bosheiten abwendet“ (Apg 3,25.26). Dieses Angebot der Gnade wurde durch die Nation zurückgewiesen. Und als Ergebnis – jedenfalls in der jetzigen Zeit – ist das irdische Volk Gottes zur Seite gestellt worden.

Die irdische Braut Christi

Der Tod Saras, der in diesen Kapiteln auf die Opferung Isaaks folgt, scheint uns dieses Beiseitesetzen der Nation Israel vorzustellen, das auf die Verwerfung der Gnade folgt, die dem Volk Israel auf der Grundlage des Todes und der Auferstehung Christi angeboten wurde. Sara ist ein Bild der irdischen Braut Christi und muss aus dem Blickfeld verschwinden, damit Rebekka, die ein Vorbild der himmlischen Braut ist, vor uns kommen kann.

Eine deutliche Erklärung

Das scheint mir die vorbildliche Bedeutung des Todes und des Begräbnisses von Sara zu sein. Es gibt jedoch auch eine moralische Bedeutung dieser Ereignisse, die im Brief an die Hebräer vorgestellt wird. Dort lernen wir, dass die Heiligen des Alten Testaments nicht nur im Glauben gelebt haben: „Diese alle sind im Glauben gestorben und haben die Verheißungen nicht empfangen, sondern sahen sie von fern und begrüßten sie und bekannten, dass sie Fremde und ohne Bürgerrecht auf der Erde seien. Denn die, die solches sagen, zeigen deutlich, dass sie ein Vaterland suchen“ (Heb 11,13.14).

Hier nun finden wir den Glauben Abrahams angesichts des Todes und das Bekenntnis, dass er nur ein Fremdling und Wanderer ist. Seine Handlungen machen seinen Charakter als Wanderer vor der Welt deutlich sichtbar.

Die Aussicht des Glaubens

Im Glauben hatte Abraham Isaak auf das Wort des HERRN erhalten, als sein eigener Körper schon erstorben war. Im Glauben hatte er Isaak auf das Wort des HERRN geopfert, indem Er Gott zutraute, diesen sogar aus den Toten aufzuerwecken. Nun begräbt er in gleichem Glauben Sara in der sicheren und festen Hoffnung der Auferstehung. Im Glauben ist er auf den Berg Morija gestiegen, um seinen Sohn zu opfern. In gleichem Glauben wendet er sich jetzt der Höhle des Feldes von Machpela zu, um seine Frau zu begraben. Der Augenblick ist gekommen, dass er seine „Tote begrabe vor meinem Angesicht weg“ (1. Mo 23,4). Aber sein Glaube weiß, dass diese geliebte Ehefrau wiederkommen wird und ihren Teil in dem besseren, himmlischen Land haben wird, nach dem sein Glaube ausschaute.

Der Gott der Auferstehung

Gott hatte sich Abraham als der Allmächte und als der Gott der Auferstehung offenbart. Er hatte ihm das Land, in dem er als Fremdling lebte – das ganze Land Kanaan – als ein ewiges Besitztum zugesichert (1. Mo 17,8). Alles würde Abraham durch die Verheißung gehören, auch wenn es noch nicht in seinem Besitz war. Im Vertrauen auf die Verheißung Gottes achtete er sorgfältig darauf, den Körper Saras im verheißenen Land zur Ruhe zu legen. Im Land Kanaan hatte sie zusammen mit Abraham als eine Fremde und als Wanderer gelebt. „Im Land Kanaan starb Sara“ (1. Mo 23,2), und im Land Kanaan wurde sie begraben (Vers 19).

Mit dem gleichen Glaubensvertrauen haben die Söhne Isaaks später ihren Vater in Hebron beerdigt, im Land Kanaan (1. Mo 35,27–29). So wurde zu seiner Zeit dann auch Jakob, auch wenn er in Ägypten starb, im Glauben von seinen Söhnen im Land Kanaan in der Höhle des Feldes Machpela begraben (1. Mo 50,13). Und auf der Basis desselben schönen Glaubens ließ Joseph, als er kurz vor seinem Tod stand, die Kinder Israel schwören, dass sie seine Gebeine aus Ägypten in das Land Kanaan bringen sollten (1. Mo 50,25.26; 2. Mo 13,19).

Göttliche Trauer

Wenn wir in diesen Begebenheiten Beispiele des Glaubens der Auserwählten Gottes angesichts des Todes hervorscheinen sehen, lernen wir doch auch, dass der Glaube die natürlichen Zuneigungen nicht beiseite setzt. So lesen wir: „Und Abraham kam, um Sara zu beklagen und sie zu beweinen“ (1. Mo 23,2). Natürlich wissen wir im Glauben, dass unsere geliebten Angehörigen, die in dem Herrn sterben, wieder auferstehen werden. Für sie ist das Sterben Gewinn. Dennoch ist es richtig zu trauern und den Verlust zu empfinden. Unsere feste und sichere Hoffnung der Auferstehung macht uns in der Tat klar, wie der Apostel uns erinnert, dass unsere Trauer nicht verglichen werden kann mit der Trauer derjenigen, die keine Hoffnung haben (1. Thes 4,13). Aber wir finden kein Wort in die Richtung, dass wir nicht trauern dürften. Niemand kannte die Kraft der Auferstehung in gleicher Weise wie der Eine, der selbst die Auferstehung und das Leben ist. Und doch weinte Er am Grab des Lazarus.

Die erfüllte Verheißung

Darüber hinaus sehen wir, dass sich Abraham auch angesichts des Todes wie jemand verhält, der ein Fremdling und Wanderer ist. Er bekennt vor den Söhnen Heths: „Ich bin ein Fremder und Beisasse bei euch“ (1. Mo 23,4). Als solcher hat er sich den Respekt der Welt erworben. Das erkennen wir aus ihren Worten: „Du bist ein Fürst Gottes unter uns“ (Vers 6). Wie bedeutsam ist der Unterschied zum armen Lot – dem Gläubigen, der seinen Charakter als Fremdling und Wanderer aufgab, um in Sodom zu wohnen. Einen solchen behandelt die Welt mit der „wohl-verdienten“ Verachtung, denn am Tag, als er in Schwierigkeiten ist, sagen sie: „Zurück da ... Der eine ist gekommen, um als Fremder hier zu weilen, und will den Richter machen?“ (1. Mo 19,9).

Sechzig Jahre vor diesem Ereignis hatte Gott zu Abraham gesagt, dass eine Folge davon, dass er der Berufung Gottes entsprochen und einen Platz außerhalb der Welt eingenommen hatte, der Segen Gottes sein würde, Abrahams Namen groß zu machen (1. Mo 12,2). Hier nun sehen wir diese Verheißung erfüllt. Denn die damalige Welt musste anerkennen, dass dieser abgesonderte Mann ein mächtiger „Fürst Gottes“ war. Der arme Lot, der sich selbst groß in der Welt machen wollte, nämlich als ein Richter in dem Tor Sodoms, musste zurückweichen und einen Platz der Verachtung in den Augen der Welt einnehmen.

Eine demütige Gesinnung

Dennoch stützt sich Abraham nicht auf die hohe Achtung, die ihm von der Welt entgegengebracht wird, um sich selbst zu erheben. Er spricht nicht von seiner Würde, von seiner hohen Berufung oder von den Herrlichkeiten, die vor ihm liegen. Als die gedankenlose Welt den Herrn Jesus zum König machen wollte, machte Er nichts aus sich selbst und zog sich auf den Berg zurück, um dort allein zu sein (Joh 6,15). In der gleichen Gesinnung lehnt es Abraham ab, sich selbst zu erhöhen. Er möchte nicht, dass sich die Welt vor ihm niederbeugt und ihn als mächtigen Fürsten verehrt. Vielmehr ist er durch eine demütige Gesinnung gekennzeichnet, denn zweimal lesen wir, dass er sich „vor dem Volk des Landes verneigte“ (Verse 7 und 12).

Ein gerechter Charakter

Die Freundlichkeit der Welt drängt Abraham, die Grabhöhle als ein Geschenk anzunehmen. Aber Abraham bewahrt seinen Charakter als Wanderer und lehnt es ab, den Platz eines Fürsten anzunehmen, der Geschenke annimmt. Er ist zufrieden damit, ein Fremdling zu bleiben und für seine Bedürfnisse zu bezahlen. Er lehnt es auch ab, die Ehre der Welt zu benutzen, um sich selbst zu erhöhen. So lässt er nicht zu, durch die Freundlichkeit der Welt dazu gebrcht zu werden, seinen Weg als Fremdling aufzugeben. Wie er früher die Geschenke des Königs von Sodom abgewiesen hat, so lehnt er jetzt die Geschenke der Kinder Heths ab. Er kauft den Platz des Begräbnisses und handelt, wie es sich für einen Fremdling gebührt, in absoluter Gerechtigkeit in allen seinen Geschäften. Er bezahlt „vierhundert Sekel Silber, gängig beim Kaufmann“ (1. Mo 23,16).

In allen seinen Wegen sehen wir, dass Abraham zu seiner Zeit jemand war, der den Herrn aus einem reinen Herzen anrief und nach Gerechtigkeit, Liebe und Frieden strebte (vgl. 2. Tim 2,22).

Die Berufung Rebekkas (1. Mo 24)

Wir können nicht anders als in der Opferung Isaaks, die in 1. Mose 22 berichtet wird, ein bemerkenswertes Vorbild auf den Tod und die Auferstehung Christi zu sehen. In 1. Mose 23 stellen dann der Tod und das Begräbnis von Sara das Beiseitesetzen Israels – des irdischen Volkes Gottes – vorbildlich dar. Es folgt auf die Verwerfung von Christus. In diesem Kapitel nun finden wir ein schönes Bild der Berufung der Versammlung (Gemeinde, Kirche), die stattfindet, während Israel zur Seite gestellt ist.

Drei große Wahrheiten

Wir wissen, dass Christus nach seinem Tod und seiner Auferstehung in die Herrlichkeit auffuhr und seinen Platz zur Rechten Gottes einnahm. Danach folgte das große Ereignis des Kommens des Heiligen Geistes – einer göttlichen Person, der mit und in den Gläubigen auf der Erde wohnt. Diese drei großen Wahrheiten kennzeichnen die Tage, in denen wir leben:

1. Es ist ein Mensch in der Herrlichkeit – Christus Jesus.

2. Es ist eine göttliche Person auf der Erde – der Heilige Geist.

3. Der Heilige Geist ist gekommen, um die Versammlung zu bilden, um sie durch diese Welt zu führen und ihr Christus in der Herrlichkeit vorzustellen.

Ein umfassender Blick

Diese drei großen Wahrheiten finden wir im Vorbild im 24. Kapitel von 1. Mose. Die immense Wichtigkeit des Kapitels liegt in der Tatsache begründet, dass es in einem einzigen Bild zeigt, welche Tätigkeit jede göttliche Person der Gottheit in der Zeit übernimmt, in der wir leben. Wenn wir um uns herum schauen, sehen wir die wachsende Bosheit der Welt, das zunehmende Versagen und die größer werdende Schwachheit des Volkes Gottes. Wenn wir auf diese Verwirrung schauen, könnten wir leicht deprimiert und niedergeschlagen werden. Wenn wir jedoch auf das Bild schauen, das uns in diesem Kapitel vorgestellt wird, sehen wir in einer umfassenden Weise das, was Gott nach seinen eigenen Plänen ausführt. Andere Schriftstellen mögen den Glauben oder auch das Versagen des Gläubigen betonen – zu unserer Ermunterung oder zu unserer Warnung. Aber hier kommt das vor uns, was Gott in all seinem Segen zur Verherrlichung Christi tut, und zwar trotz jedes gegenteiligen Einflusses durch uns selbst, durch die Welt oder den Teufel.

Wenn wir sehen, was Gott tut, und auch denjenigen sehen, der immer der „Gegenstand“ seines Handelns war und ist, und wenn wir wissen, was Gott sich alles vorgenommen hat und was Er auch sicher ausführen wird, werden wir unsere Seele in innerer Ruhe inmitten einer Szene von Aufruhr bewahren können. Zudem wird es uns einsichtig machen in Bezug auf die Gedanken Gottes; es wird uns vor Enttäuschungen durch falsche Erwartungen bewahren. Auch werden wir davor bewahrt, unsere Energien in so manche Aktivitäten zu setzen, die zwar den Nutzen der Welt im Auge haben, aber dennoch außerhalb von Gottes Plan liegen.

Im Verlauf der Geschichte dieses Kapitels kommen drei große Themen vor uns:

1. Die Anweisungen, die Abraham seinem Knecht gibt (Verse 1–9).

2. Die Mission des Knechtes in Mesopotamien (Verse 10–61).

3. Das Zusammentreffen von Isaak und Rebekka im Land Kanaan (Verse 62–67).


Das Ziel des Vaters (Verse 1–9)

Abrahams Anweisungen zeigen auf gesegnete Weise die Ratschlüsse Gottes, des Vaters, über seinen Sohn. Sie machen auch deutlich, was Gott in der heutigen Welt durch den Heiligen Geist tut, um seine Ziele auszuführen.

Zunächst lernen wir den großen Gegenstand der Mission des Dieners Abrahams. Dieser trägt dem Knecht auf, „seinem Sohn Isaak eine Frau zu nehmen“ (1. Mo 24,4). Der Diener wurde nach Mesopotamien gesandt mit diesem einzigen Auftrag. Wenn er die Braut gefunden und sie zu Isaak gebracht haben würde, wäre seine Mission erfüllt. Der Diener hat nicht den Auftrag, sich in die politischen oder sozialen Interessen Mesopotamiens einzumischen. Der Heilige Geist ist nicht hier auf der Erde, um die Welt zu verbessern oder zu reformieren, oder um Frieden für die Nationen zu bringen; selbst nicht, um die Welt zu bekehren. Er ist nicht hier, um das Unrecht der Armen richtig zu stellen. Er entfernt auch nicht die Unterdrückung, oder befreit die Menschen von ihren Krankheiten, ihren Mängeln oder ihrem Elend.

Es gibt jemanden, der zukünftig zu festgelegter Zeit Frieden und Segen für die Welt bringen wird. Das ist der Eine, der schon einmal hier auf der Erde war und bewiesen hat, dass ER die Macht und die Gnade besitzt, um den Menschen von jedem Druck zu befreien. Aber wir haben Ihn an das Kreuz genagelt. Nun ist Er weggegangen – und das Elend der Welt bleibt uns erhalten. Dennoch wird Er wiederkommen und den Segen für diese Erde bringen. Aber in der Zwischenzeit ist Jesus in der Herrlichkeit und der Heilige Geist hier auf der Erde, um für Christus die Braut zu bilden – das himmlische Volk Gottes – und sie Christus in der Herrlichkeit zuzuführen.

Die Christenheit hat die Gedanken Gottes so sehr verfehlt, dass sie das Christentum als ein religiöses System zur Verbesserung und Veredlung des Menschen ansieht, um – wie man sagt – die Welt zu einem besseren und schöneren Ort zu machen. Wenn das alles ist, was die Menschen im Christentum sehen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn sie dieses Bekenntnis aufgeben. Denn es ist offensichtlich, dass die Welt nach 19 Jahrhunderten schlechter wird und nicht besser. Heute ist sie mit zunehmender Gewalt und Verdorbenheit erfüllt. Und die Herzen der Menschen sind erfüllt mit der Angst vor dem, was künftig über die Erde kommen wird.

Es ist wahr, dass Gott in seiner vorhersehenden Sorge für seine armen Geschöpfe sorgt und das Böse der Menschen zurückhalten kann, und Er tut es auch. Da, wo die Wahrheit angenommen wird, bringt das tatsächlich teilweise eine Verbesserung in zeitlichen Umständen. Wenn wir unsere Gedanken aber durch das Wort Gottes bilden lassen, werden wir sehen, dass der Heilige Geist hier ist, um ein Volk aus der Welt herauszunehmen für Christus in der Herrlichkeit.

Dann wird dem Diener gesagt, dass die Braut für Isaak nicht „von den Töchtern der Kanaaniter“ sein durfte (1. Mo 24,3). Abraham verlangt, dass sie von seiner „Verwandtschaft“ ist. Die Kanaaniter standen unter dem Fluch und waren dem Gericht geweiht. Es kann keine Verbindung zwischen Christus in der Herrlichkeit und einer Welt unter Gericht geben. Isaaks Braut sollte kein Fremdling für ihn sein, sondern jemand, der bereits zur Familie Abrahams gehörte. So wird die Versammlung (Gemeinde, Kirche) nicht aus Ungläubigen gebildet, auch nicht aus einer Mischung von Ungläubigen und Gläubigen, sondern vollständig aus der Familie des Glaubens.

Darüber hinaus wird der Knecht gewarnt: „Hüte dich davor, meinen Sohn dorthin [nach Mesopotamien] zurückzubringen!“ (Vers 6). Während der Zeit, die der Knecht in Mesopotamien war, hielt sich Isaak in Kanaan auf. Es gab keine Verbindung zwischen Isaak und dem Volk Mesopotamiens. So wissen wir, dass es heute keine direkte Beziehung zwischen Christus in der Herrlichkeit und der Welt als solcher gibt. Da die Christenheit das übersehen hat, strengt sie sich an – wie auch viele ernsthafte Christen – genau das zu tun, wovor der Knecht zweimal gewarnt wird. Man strengt sich an, in einer Vielzahl verschiedener Maßnahmen, Christus zurück in die Welt zu bringen und seinen Namen für wohltätige Aktionen zur Veränderung und Verbesserung der Welt einzusetzen. Derartige Anstrengungen liegen vollständig außerhalb des Werkes des Geistes, der hier auf der Erde ist, nicht um Christus zurück in die Welt zu bringen, sondern um ein Volk aus der Welt für Christus herauszunehmen. Es ist wahr, dass Christus bald in diese Welt zurückkommen wird. Aber lasst uns nicht vergessen, dass die Welt Christus das letzte Mal auf dem Kreuz gesehen hat, an das sie Ihn genagelt haben. Das nächste Mal, dass sie Ihn sehen werden, wird dann sein, wenn Er „in flammendem Feuer Vergeltung gibt denen, die Gott nicht kennen, und denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorchen“ (2. Thes 1,8).

Schließlich wird dem Knecht gesagt, dass der Engel Gottes vor ihm hergehen würde. Wir wissen, dass Engel „dienstbare Geister sind, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die die Errettung erben sollen“ (Heb 1,14). Ihr Dienst scheint immer einen vorbeugenden und beschützenden Charakter zu tragen. Der Heilige Geist handelt mit Seelen, während es scheint, dass Engel mehr in Verbindung mit den äußeren Umständen tätig sind. Ein Engel mochte Philippus führen in Bezug auf den Weg, den er wählen sollte. Aber der Geist leitete ihn darin, sich mit der Seele zu beschäftigen (Apg 8,26.29).

Die Mission des Knechtes (Verse 10–61)

Dieser Teil der im 24. Kapitel berichteten Geschichte ist reich an Belehrung für unsere Seele. Er stellt uns vorbildlich nicht nur den Gegenstand des Kommens des Heiligen Geistes vor, sondern auch den Weg, den der Geist benutzt, um sein Ziel zu verwirklichen.

Der Knecht kommt nach Mesopotamien und ist dabei gut ausgestattet. Wir lesen: „Und allerlei Güter seines Herrn hatte er bei sich“ (Vers 10). Das erinnert uns daran, dass der Heilige Geist gekommen ist, um uns „alles zu lehren“, um uns „in die ganze Wahrheit zu leiten“ und uns „alles, was der Vater hat“ zu zeigen (Joh 14,26; 16,13–15).

Der Dienst des Knechtes in Mesopotamien trägt einen vierfachen Charakter:

1. Er findet die Braut, die für Isaak vorgesehen ist (Verse 10–21).

2. Nachdem er die Braut gefunden hat, macht er einen Unterschied zwischen ihr und allen anderen (Vers 22).

3. Er bringt ihr Herz von Mesopotamien ab und gewinnt ihre Zuneigungen für Isaak (Verse 23–53).

4. Schließlich führt er sie durch die Wüste zu Isaak (Verse 54–61).

Die Braut wird gefunden

Zuerst lernen wir das große Ziel der Mission kennen durch das Gebet des Knechtes. Er betet nicht für die Menschen der Stadt, oder ihre Töchter. Er ist vertieft in ein Ziel: die für Isaak vorgesehene Frau zu finden. Der Heilige Geist ist nicht gekommen, um die Welt zu bekehren, sondern um die Auserwählten Gottes ans Licht zu bringen: die für Christus bestimmte Braut.

Zudem erkennen wir, dass das unfehlbare Zeichen der für Isaak bestimmten Braut darin liegt, dass sie durch Gnade gekennzeichnet ist. Der Knecht bittet: „Möge es nun geschehen, dass das Mädchen, zu dem ich sagen werde: Neige doch deinen Krug, dass ich trinke, und das sagen wird: Trinke, und auch deine Kamele will ich tränken, dass es diejenige sei, die du für deinen Knecht, für Isaak, bestimmt hast“ (1. Mo 24,14). Aus diesen Worten wird klar, dass der Knecht nicht ausgesandt worden war, um irgendeine Braut von den Töchtern der Menschen für Isaak zu suchen. Er sollte die „bestimmte“ Braut finden. Und Gnade sollte ihr charakteristisches Kennzeichen sein.

Das Gebet wird erhört. Denn als Rebekka ins Bild kommt und nach diesen Worten geprüft wird, antwortet sie auf die Bitte des Knechtes mit den Worten: „Ich will auch für deine Kamele schöpfen“ (Vers 19). In allem diesen werden wir an den Geist erinnert, der in Gnade in denen wirkt, die „auserwählt sind nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, durch Heiligung des Geistes“ (1. Pet 1,2).

Die geschmückte Braut

Zweitens lernen wir, dass der Knecht, nachdem er die von Gott bestimmte Braut gefunden hat, nicht damit zufrieden ist, selbst das Werk der Gnade in ihr zu sehen. Er möchte auch öffentlich einen Unterschied machen zwischen der Braut und allen anderen. Deshalb schmückt er sie mit einem goldenen Ohrring und Armspangen aus Gold, die andere auch sehen können. Der Geist Gottes ist nicht nur auf der Erde, um ein Werk der Gnade in dem Gläubigen hervorzubringen. Im Leben des Gläubigen sollen die Früchte des Siegels durch den Heiligen Geist gesehen werden – Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit. Diese kostbaren Juwelen würden ein Zeugnis für andere werden und unterscheidenden Gläubigen von der ihn umgebenden Welt.

Die Geschichte wird erzählt

Drittens sehen wir die großen Anstrengungen, mit denen der Knecht die Zuneigungen von Rebekka zu Isaak zu erwecken sucht. Auch das zeigt uns vorbildlich das Werk des Geistes, durch das die Gläubigen am inneren Menschen gestärkt werden, damit Christus in ihren Herzen durch den Glauben wohne (Eph 3,17). Dieser Teil der Arbeit des Knechtes wird durch die Frage eingeleitet: „Ist im Haus deines Vaters Raum für uns zum Übernachten?“ (1. Mo 24,23). In sehr gesegneter Weise antwortet Rebekka und geht über die Bitte des Knechtes hinaus. Er fragt nur nach einem „Raum“. Sie sagt, dass sowohl „Stroh als auch Futter“ als auch Raum da sei (Vers 25). Auch Laban kann dem Knecht sagen: „Komm herein, Gesegneter des HERRN.“ Und so lesen wir: „Und der Mann kam in das Haus“ (Verse 31 und 32).

Der Heilige Geist ist gekommen, um von den Dingen Christi zu nehmen, und sie uns zu zeigen (Joh 16,14). Sind wir zubereitet, in unserem Heim Raum für den Heiligen Geist zu machen? Das Fleisch und der Geist „sind einander entgegengesetzt“ (Gal 5,17). Wir können den Geist nicht aufnehmen, wenn wir dem Fleisch leben. Raum für den Geist zu machen und die Dinge des Fleisches zu verfolgen ist unmöglich. Sind wir zubereitet, die Begierde des Fleisches in Bezug auf die vergänglichen Dinge zurückzuweisen, um Platz für den Geist Gottes zu machen, der uns in die tiefen und ewigen Dinge Gottes einführen möchte? Machen wir Platz und treffen wir Vorsorge für den Geist Gottes? „Raum“ und „Vorsorge“ wurden im Haus Bethuels für den Knecht Abrahams zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis ist, dass der Knecht von Isaak sprechen kann, um die Zuneigungen von Rebekka für Isaak zu erwecken. So kann er sie zu Isaak führen.


Die Braut ist gewonnen

Nachdem der Knecht auf warmherzige Weise im Haus willkommen geheißen wurde, zeugt er sofort von Isaak. Er offenbart die Gedanken seines Herrn, was Isaak betrifft. So nimmt er von dem Eigentum Isaaks und zeigt es Rebekka. Er spricht von dem Vermögen seines Herrn und zeigt, dass dies alles an Isaak gegeben worden ist: „Er hat ihm alles gegeben, was er hat“ (1. Mo 24,36). In gleicher Weise sagt uns der Herr selbst: „Alles, was der Vater hat, ist mein.“ Und das Werk des Geistes ist es, von dem Seinen zu nehmen, um es uns zu verkündigen (Joh 16,15).

Die Antwort

Nachdem Isaak von den Plänen Abrahams gesprochen hat, die den Segen Isaaks beinhalten, hält der Knecht inne, um die Wirkung seiner Botschaft zu erkennen. Handelt der Geist Gottes mit uns nicht in gleicher Weise? Wartet Er nicht, um zu erkennen, ob wir auf seine Entfaltungen der Herrlichkeit Christi antworten, bevor Er uns zu öffentlichen Zeugen Christi macht? In dem Bild dieser alttestamentlichen Geschichte gibt es eine sofortige Antwort. Das Ergebnis ist, dass der Knecht „silbernes Geschmeide und goldenes Geschmeide und Kleider hervorzog und sie Rebekka gab“ (1. Mo 24,53). In gleicher Weise wird uns der Geist, wenn wir auf seine Mitteilungen über die Person Christi eine Antwort geben, zu Zeugen der erlösenden Liebe machen – im Bild des silbernen Geschmeides. Er macht uns zu Zeugen göttlicher Gerechtigkeit – im Bild des goldenen Geschmeides. Und Er macht uns zu Zeugen der praktischen Heiligung – im Bild der Kleider.

Die Entscheidung wird getroffen

Schließlich ist es das große Ziel des Knechtes, nachdem er die Zuneigungen von Rebekka für Isaak erwecken konnte, diese zu Isaak zu führen. Der Knecht sagt: „Entlasst mich zu meinem Herrn!“ (Vers 54). Er war gekommen, um eine Braut zu finden. Und nachdem er diese Aufgabe erfüllt hatte, verlangte es ihn danach, wieder nach Hause zu gehen. Er war nicht gekommen, um die Braut zu finden und sie in ihrem alten Heim wohnen zu lassen. Er wollte sie zu ihrer neuen Heimat führen.

Die Verwandten Rebekkas wollen sie gerne noch zehn Tage festhalten. Aber der Wunsch des Knechtes ist es zu gehen. Durch seinen Bericht von Isaak formt er bei Rebekka dieselben Gedanken. Wenn wir dem Heiligen Geist erlauben, dass Er seinen Weg mit uns geht – wenn wir Ihn nicht behindern – dann wird Er in uns dieselben Gedanken hervorbringen, die Er selbst hat: so zu denken über Christus, wie Er es tut; unsere Herzen von den Dingen zu trennen, in denen Christus nicht zu finden ist; unsere Zuneigungen auf Christus zu richten, darauf wo Er jetzt ist. Viel zu oft behindern wir das Werk des Geistes, indem wir so sehr an der Welt hängen, an der Politik, an den Freuden der Welt, an ihrer Religion. Aber die Welt kann uns nicht halten, wenn unsere Herzen darauf gerichtet sind, Christus in der Herrlichkeit zu ergreifen.

Der Bruder und die Mutter mögen Rebekka festzuhalten suchen. Aber letztendlich hat sie selbst die Entscheidung zu treffen. So sagen sie: „Lasst uns das Mädchen rufen und ihren Mund befragen“ (Vers 57). So ist die große Frage an Rebekka: „Willst du mit diesem Mann gehen?“ Das ist bis heute die Frage, die sich an jeden von uns richtet. Erkennen wir die Gegenwart des Heiligen Geistes an, und sind wir zubereitet, koste es, was es wolle, seiner Führung zu folgen?

Die Christenheit hat die Gegenwart des Geistes Gottes fast vollständig ignoriert. Das Ergebnis ist, dass sich der größte Teil der Bekenner in der Welt niedergelassen hat, die Christus verwarf und in der Christus abwesend ist. Es ist ein großartiger Augenblick, wenn unsere Herzen so sehr an Christus in der Herrlichkeit hängen, dass wir – wie Rebekka damals – sagen können: „Ich will gehen“ (Vers 58).

Der Weg wird aufgenommen

Das unmittelbare Ergebnis der Entscheidung Rebekkas war, dass sie „ihre Schwester Rebekka entließen mit ihrer Amme, und den Knecht Abrahams und seine Männer“ (Vers 59). Wenn wir deutlich machen, dass wir das vergessen, was hinter uns liegt, um uns nach den himmlischen Dingen auszustrecken, dann wird das Ganze nicht nur eine Frage an uns, die Welt aufzugeben, sondern dann wir die Welt auch uns aufgeben. Wir werden „entlassen“, weggeschickt.

Dann lesen wir: „Und Rebekka machte sich auf ... und sie folgten dem Mann; und der Knecht nahm Rebekka und zog hin“ (Vers 61). Gläubige sind zwar oft bereit, sich dem Weg Gottes unterzuordnen, was die Errettung betrifft. Aber zugleich wollen sie ihren eigenen, praktischen Weg in den Himmel verfolgen. Unsere Übung sollte es sein, „seinen Weg“ zu kennen, und dann dem Geist Gottes zu folgen, wie Er führt. Dem Geist zu folgen heißt nicht, einem inneren Licht zu folgen, wie die Menschen sagen. Es bedeutet, immer genau entsprechend dem Wort Gottes seinen Lebenswandel zu führen; und der Geist, der das Wort Gottes dazu benutzt, wird uns immer zu Christus hin versammeln.

So findet sich Rebekka dadurch, dass sie dem Mann folgt, auf einer Wüstenreise wieder. Für einen Augenblick verfügt sie weder über das Heim von Laban noch über das von Isaak. So werden auch wir das erleben, wenn wir uns der Führung des Geistes anvertrauen, wie jemand einmal gesagt hat: „Uns gehört weder die Erde, auf der wir leben, noch der Himmel, zu dem wir gehen.“ Dennoch hatte Rebekka während der Wüstenreise von vierhundert Meilen eine großartige Zukunft vor sich. Denn am Ende wartete Isaak, zu dem sich ihr Herz hingezogen fühlte, um sie zu empfangen. In gleicher Weise konnte der Apostel Paulus sagen, hinblickend auf Christus in der Herrlichkeit, der am Ende seiner Pilgerreise stand: „Eins aber tue ich: Vergessend, was dahinten, und mich ausstreckend nach dem, was vorn ist, jage ich, das Ziel anschauend, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus“ (Phil 3,13.14).

Das Ziel erreicht

Die Mission des Knechtes in Mesopotamien hatte den großen Tag im Blick, an dem die Braut, nachdem sie die Wüste durchquert hätte, Isaak vorgestellt würde. In allen diesen Ereignissen hatte Isaak keine aktive Rolle eingenommen. Auch hat Er das Land Kanaan nicht verlassen. Alles war den Händen des Knechtes überlassen worden. Dennoch war Isaak weit davon entfernt, der Mission des Knechtes und dem Kommen seiner Braut gleichgültig gegenüberzustehen. Beim Anbruch des Abends kommt Isaak vom Weg des Brunnens Lachai-Roi, um der Braut zu begegnen. Die wichtige Bedeutung des Brunnens ist: „Brunnen des Lebendigen, der mich schaut.“ Wenn das so ist, legt es die unzweifelhafte Wahrheit nahe, dass wir während der ganzen Wüstenreise unter dem Auge des Lebendigen sind, der uns sieht. Und der Apostel konnte sagen: „Er vermag diejenigen auch völlig zu erretten, die durch ihn Gott nahen, indem er allezeit lebt, um sich für sie zu verwenden“ (Heb 7,25).

Das Kommen

Wir sehen dann weiter, dass Isaak wirklich kommt, um seiner Braut zu begegnen, denn Rebekka fragt: „Wer ist der Mann, der uns da auf dem Feld entgegenkommt?“ (1. Mo 24,65). Das Bild zeigt uns Isaak als jemanden, der auf seine Braut wartet und sie begehrt. Unser Sehnen nach Christus mag oft schwach sein. Aber Ihn verlangt nach dem Augenblick, wenn Ihm seine Braut geschenkt werden wird. Bevor Er wegging, konnte Er zu seinen Jüngern sagen: „Und wenn ich hingehe ..., so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet“ (Joh 14,3).

Die Hochzeit

Als Rebekka Isaak schließlich sah, „nahm sie den Schleier und verhüllte sich“ (1. Mo 24,65). Sofort darauf folgte die Hochzeit, denn wir lesen: „Und Isaak ... nahm Rebekka, und sie wurde seine Frau, und er hatte sie lieb“ (Vers 67). Diese Worte werden ihre wahre Erfüllung finden, wenn wir nach unserer Wüstenreise hier auf der Erde den Herrn Jesus das erste Mal von Angesicht zu Angesicht sehen werden, nachdem das große Werk des Heiligen Geistes vollendet ist: wenn Er uns zu sich selbst aufnimmt. „Denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitet“ (Off 19,7).

Als die Schöpfung vollendet war, wurde Eva Adam als seine Braut präsentiert. Das ist das erste Vorbild dieses großen Geheimnisses, das von Anfang der Welt an in Gott verborgen war und das uns etwas von dem ewigen Ratschluss Gottes zeigt, seinem Sohn eine Braut zu schenken. Während vieler Jahrhunderte und inmitten der wechselnden Zeitepochen hat Gott diesen großen Tag der Hochzeit des Lammes immer im Blick behalten. Das Volk Gott mag versagen und sogar zusammen brechen – wie es das in jeder Zeitepoche getan hat. Die Welt mag durch anwachsende Gewalttat und zunehmendes Verderben das Volk Gottes versuchen und auch oft überwinden. Der Teufel mag seinen Widerstand leisten und die falsche Frau „aufrichten“, die betrunken wird durch das Blut der Heiligen (Off 17,6). Dennoch – und trotz des Versagens des Volkes Gottes, der Anstrengungen des Teufels und der Versuchungen der Welt hat Gott seinen großen Plan, seinem Sohn zu schenken, nie aufgegeben. Am Ende des Buches Gottes wird uns gestattet, in einer Vision den großen Tag der Hochzeit des Lammes zu sehen. Und ganz am Ende finden wir die wunderbare Darstellung, dass Christus auf seine Braut wartet, aber auch die Braut in ihrer echten Haltung, geleitet durch den Geist, wie sie sich nach dem Kommen Jesu sehnt: „Der Geist und die Braut sagen: Komm!“ Die Antwort des Bräutigams ist: „Ja, ich komme bald.“ Und die Braut antwortet: „Amen; komm Herr Jesus!“ (Off 22,17.20).

Ein Ansporn für uns

Vor wie vielen Enttäuschungen würden wir bewahrt, wenn wir in unserem Dienst immer das große Ziel vor Augen hätten, das der Geist Gottes verfolgt: die Darstellung der Versammlung (Gemeinde, Kirche) vor Christus ohne Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen an dem großen Tag der Hochzeit des Lammes. Unser Blick, unser Dienst sind oft so verengt auf einen kleinen Ort und unsere schwierigen Tage. Genau dann, wenn örtlich alles zu versagen scheint – aber auch ganz generell – erleben wir, dass unsere Herzen zerbrechen und sehr enttäuscht sind. Wenn unser großes Ziel jedoch ist, Seelen für Christus im Blick auf die Hochzeit des Lammes zu sammeln, werden wir nicht enttäuscht, wie viel Leiden und Versagen es auf unserem Weg auch geben mag. Dann gibt es keine zerbrochenen Herzen, kein Bedauern, keine Enttäuschungen, wenn wir schließlich die Stimme der großen Volksmenge hören, wie die Stimme vieler Wasser und wie ein Rollen starker Donner, welche sagt: „Lasst uns fröhlich sein und frohlocken und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen“ (Off 19,6.7). Lasst uns daher weitergehen durch Leiden, durch Übungen, durch Schwachheit, durch jede Art des Widerstandes hindurch. Denn wir wissen, dass es am Ende diesen großen Tag der Hochzeit des Lammes geben wird.

Segen für die Nationen – Isaak bleibt der Mittelpunkt des Segens (1. Mo 25)

Die vorbildliche Belehrung dieser Kapitel schließt mit dem Bericht über die Kinder Abrahams, die er mit Ketura gezeugt hat. Davon berichten die ersten sechs Verse des 25. Kapitels von 1. Mose. Diese Kinder, aus denen viele Nationen aus dem (Nahen) Osten hervorgegangen sind, erhielten „Geschenke“. So erhalten sie ihren Segen durch die Verbindung mit Abraham. Dennoch wird Isaak in einen auffallenden Kontrast zu den anderen Söhnen Abrahams gestellt. Andere mögen Geschenke bekommen; dem Isaak aber gibt Abraham alles, was er hatte (Vers 5).

Das zeigt uns in diesem Vorbild die große Tatsache, dass Christus als der Auferstandene aus den Toten der Erbe aller Dinge ist. Und nachdem Er seine himmlische Braut erhalten hat, wird Er auf die Erde kommen, um sein irdisches Erbteil in Verbindung mit dem wiederhergestellten Israel anzutreten. Aber auch die anderen Nationen der Erde werden gesegnet werden.

Schluss

Die äußerst lehrreiche Geschichte Abrahams schließt mit einem kurzen Bericht seines friedevollen Endes „in gutem Alter“ (1. Mo 25,8). Er wird durch seine Söhne Isaak und Ismael in der Höhle von Machpela begraben. So steht er in einem krassen Gegensatz zu dem armen Lot. Abraham beendet seinen Lebensweg als Wanderer auf der Erde, indem er den Respekt und die Achtung erhält, die dem gebührt, der „Freund Gottes“ war, und „Vater aller, die ... glauben“ (Röm 4,11).