24.09.2003Versammlung / Gemeinde

Die Versammlung Gottes (14) – Gemeindegründung – gibt es das?

„Denn so, wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich viele, ein Leib sind: so auch der Christus. Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden … und sind alle mit einem Geist getränkt worden“ (1. Korinther 12,12.13). Wir haben in der letzten Folge gesehen, dass es nur eine Versammlung gibt. Es gibt nur einen Leib, einen Körper, nicht verschiedenen Menschen. Denn Christus ist nicht zerteilt, wie Paulus den Korinthern an anderer Stelle sagen muss.

Ein Leib - sichtbar in örtlichen Versammlungen

Nein, es gibt weltweit nur diesen einen Leib, zusammen mit Christus „der Christus“ genannt. Aber nicht nur das, auch örtlich gibt es nur eine Versammlung (Gemeinde, Kirche). Daher spricht Paulus zu den Korinthern: „Ihr aber seid Christi Leib, und Glieder im einzelnen“ (1. Korinther 12,27). Sie waren nicht „der“ Leib Christi, aber sie waren Christi Leib, weil sie dieselben Kennzeichen trugen wie der ganze Leib. Sie waren eben die örtliche Darstellung, der örtlich sichtbare Organismus - die örtliche Versammlung.

Aber sie sind örtlich nicht unabhängig vom Ganzen, denn „der“ Leib Christi, der weltweit existiert, wird am Ort sichtbar im Leib Christi, den Gläubigen des jeweiligen Ortes. Und auch durch ein entsprechendes Zusammenkommen an jedem Ort sollte diese Versammlung Gottes sichtbar werden. Das war ursprünglich auch so.

Gott gründet Versammlungen

Nun war es am Anfang der christlichen Geschichte tatsächlich so, dass sich das Evangelium der Gnade Gottes erst verbreiten musste. So entstand die Versammlung am Pfingsttag (Apostelgeschichte 2) in Jerusalem. Dann breitete sie sich aus in Judäa und Samaria (Apostelgeschichte 8), usw. Dann lesen wir beispielsweise davon, dass auch in Antiochien Gläubige waren und zusammenkamen. Und in dem Moment, wo Menschen gläubig wurden, bildeten sie die Versammlung Gottes an jenem Ort. Es war das Wirken Gottes, das dazu führte.

Niemand musste „als Versammlung“ anerkannt werden. Nein, Gott wirkte und bekehrte, und dadurch entstanden örtliche Versammlungen. So war es auch nicht Barnabas (Apostelgeschichte 11,22-26), der Antiochien als Versammlung anerkannte oder überhaupt anerkennen konnte. Dazu hätte es ja nicht nur eines zweiten Bruders bedurft, nein er hätte auch wieder nach Jerusalem zurückkehren müssen, um Zeugnis zu geben. Aber das war gar nicht nötig. Denn wie am Pfingsttag war es allein Gott, der wirkte. Nur Er kann auch örtlich eine Versammlung „gründen“, bilden. Und natürlich war jede örtliche Versammlung nicht nur mit Christus, dem Haupt, verbunden, sondern sie war nichts anderes als die örtliche Darstellung der ganzen Versammlung Gottes. Von ihrem Wesen gab es überhaupt keinen Unterschied!

Neue Gemeinden gründen?

Nun leben wir heute in einer Zeit, in der sich die Christen in allen möglichen Gruppierungen wiederfinden. Es gibt eine vollkommen unübersichtliche Zersplitterung. Da mag es sich plausibel anhören, wenn von Gemeindegründung die Rede ist. Und natürlich darf man sich nicht an einem einzelnen Begriff aufhängen in der Beurteilung. Dass der Begriff an sich problematisch ist, wird deutlich, wenn man das Wesen der Versammlung betrachtet. Denn es gibt für einen Menschen nichts zu gründen - der Grund liegt längst, und ist Christus (1. Korinther 3,11).

Wenn es also um die Gründung neuer Gemeinden geht, so müssen wir zunächst feststellen, dass es gar nichts zu gründen gibt. Aber natürlich ist es wahr, dass es an manchen Orten nur solche Zusammenkommen gibt, die den biblischen Anforderungen nicht standhalten. Wenn man an einem solchen Ort neu anfängt, auf der Grundlage der Schrift zusammenzukommen, dann handelt es sich nicht um eine Gemeindegründung. Denn sehr wahrscheinlich leben an diesem Ort längst Gläubige. Und sie bilden eben bereits die Versammlung.

Wieder auf der Grundlage der Schrift zusammenkommen

Aber Gott möchte nicht nur Gläubige an einem Ort haben, Er wünscht, dass sie in einer schriftgemäßen Art und Weise zusammenkommen. Das zu verwirklichen ist das Vorrecht und die Pflicht zugleich für uns als Gläubige. Sicher wird man zunächst auf die Christen an diesem Ort zugehen, um sie für die Sache des Herrn zu gewinnen. Und sicher wird man auch das Evangelium an einem solchen Ort verkündigen, um Menschen zu gewinnen. Aber gegründet werden muss nichts. Man muss sich nur zurückbesinnen auf das, was Gott von Anfang an in seinem Wort niedergelegt hat.

Nun ist es leider so, dass bei jedem Gläubigen die Gefahr besteht, dass er zufrieden ist mit dem, was er kennt und besitzt. Dadurch werden wir leicht schläfrig, anstatt auch an Nachbarorten oder an Orten, wo wir einen Auftrag für diese Arbeit fühlen, für den Herrn tätig zu werden. Es mag sein, dass dieses Problem - nachvollziehbar - zu der sogenannten Gemeindegründungsbewegung geführt hat. Wie gesagt - wenn man das richtige will und es nur ein wenig unglücklich benennt - wer hätte das nicht auch schon oft getan? - dann ist dagegen nichts einzuwenden.

Statt Neuem das Alte verwirklichen

Manche Gespräche zeigen jedoch, dass man häufig auch ganz bewusst eine NEUE Gemeinde gegründet werden soll. Und das gibt es in der Schrift nicht. Es gibt eben nur die eine Versammlung (Gemeinde, Kirche). Wer dann etwas Neues errichten, gründen möchte, ist auf einem falschen Weg. Wir brauchen in DIESEM Sinn nichts Neues, sondern Altes. Aber wir alle brauchen neue Energie, um andere für den Herrn zu gewinnen. Vielleicht müssen ja auch wir selbst erst einmal gewonnen werden!