02.12.2003Persönlicher Glaube | Dienst | Versammlung / Gemeinde

Die Versammlung Gottes (19) – Das Miteinander am Ort I

Wir haben beim letzten Mal gesehen, dass Praxis und Grundsätze untrennbar miteinander verbunden sind. Man kann das eine nicht auf Kosten des anderen hochhalten. Wenn ich in dieser Folge und an dieser Stelle nun nur auf einige praktische Punkte eingehen, dann nicht, weil die Praxis wichtiger wäre, sondern, weil das Thema der Grundsätze und der biblischen Lehre über den Platz des Zusammenkommens in späteren Folgen noch eingehend bearbeitet wird. Und - weil wir in Epheser 4,2 sehr ausführliche Hinweise auf unsere Praxis erhalten - also das WIE -, BEVOR das WAS erläutert wird.

Demut

Demut ist nicht so sehr, schlecht von sich zu denken, als gar nicht an sich zu denken (JND). Unser Versammlungsleben muss von Demut gekennzeichnet sein, wenn es „funktionieren“ soll. Demut ist zunächst eine Eigenschaft, die wir persönlich praktizieren müssen (auch wenn eine gemeinsame Demut von großer Bedeutung ist! - wenn es um das Verhältnis zu anderen Christen geht). Mit Demut muss ich selbst anfangen - nicht mein Bruder oder meine Schwester. Der Apostel Paulus nennt diese Demut als erstes von vier Kennzeichen, die nötig sind, um die Einheit des Geistes zu verwirklichen. Wir tun gut daran, diese Demut auch in unserem Leben voranzustellen.

Nur der Herr Jesus konnte vollumfänglich sagen, dass Er demütig war (Matthäus 11,29). Wir werden bis an unser Lebensende Lernende auf diesem Gebiet sein. Aber wir sollen nicht nur demütig sondern mit „aller Demut“ bekleidet sein! Das ist ein hoher Anspruch. Ein Bruder, der korrigiert wird, wird dann schweigen und sich nicht zu rechtfertigen suchen, um weiter im „positiven“ Licht stehen zu können. Ein Bruder wird z.B. auch schweigen, wenn ein anderer Bruder eine andere Sichtweise zu einem bestimmten Vers darlegt, und nicht immer sogleich (oder später) darauf hinweisen, dass die eigene Sichtweise die allein richtige und nachvollziehbare sei (wir reden hier nicht über fundamentale Fragen).

Eine Schwester wird sich nicht so kleiden, dass alle eigentlich gar nicht anders können als auf sie zu schauen. Die Geschwister werden sich nicht so geben, dass sie (immer) im Mittelpunkt stehen. Jeder wird den anderen höher achten als sich selbst - auf das Wohl des anderen sehen. Man freut sich mit dem Mitbruder, der Mitschwester, wenn sie erhöht wird. Man ist nicht neidisch auf andere Geschwister, weder im Hinblick auf ihren Besitz noch auf ihre Begabungen. Man ist schlicht niedrig gesinnt. Man läuft in den Fußspuren Jesu (Philipper 2,5).

Demut ist eine Herzenssache. Natürlich wird sie sichtbar. Aber Demut äußert sich nicht direkt in Worten - häufig eben in schlichtem Schweigen. Demut ist eine Gesinnung. Sei ist leise und doch hörbar, unscheinbar und doch sichtbar. Ohne Demut ist alles nichts - selbst die größte Begabung, selbst das höchste Verständnis.

Sanftmut

Auch hier ist Christus das große, einmalige Vorbild. Genau wie im Hinblick auf die Demut, konnte Er - nur Er sagen: „Ich bin sanftmütig“ (Matthäus 11,29). Es geht um eine sanfte, milde, geduldige Gesinnung. Aber sie äußert sich unmittelbar, weil sie gerade im Miteinander gefordert wird. Wenn alle Menschen und Geschwister demütig wären, gäbe es sozusagen keinen Bedarf an Sanftmut. Aber das ist eben nicht Realität. Ein sanftmütiger Bruder wird, wenn ihm jemand auf die Füße tritt, nicht aufschreien, und erst recht nicht zurücktreten.

Und treten können wir nicht nur physisch. Fußtritte im seelischen und geistlichen Bereich sind viel härter und verletzender. Jeder von uns wird so etwas schon einmal erlebt haben. Und vermutlich hat jeder von uns solche Tritte auch schon ausgeteilt. Ob wir uns dessen immer bewusst sind?

Aber die Versammlungspraxis sieht anders aus! Wenn ich angegriffen werde, werden ich nicht aufbrausen und zurück-angreifen, schreien, unwirsch. Sondern ich werde geduldig ertragen, einstecken. Ein sanftmütiger Mensch hat eine immense Fähigkeit, Schläge einstecken zu können. Dennoch explodiert er nicht. Das ist eine Eigenschaft, die wir alle im Umgang miteinander nötig haben. Aber es ist eine lebenslange Übung und Ausbildung.

Das sehen wir am Beispiel von Mose. Er war jähzornig und zeigte das dadurch, dass er den Ägypter erschlug (2. Mose 2,11-15). Gott hielt es für gut, Mose daraufhin für 40 Jahre in die Wüste zu schicken - zu Schafen. Das war ein harter Job! Mit welchem Ergebnis? Gott sagt von ihm: „Der Mann Mose aber war sehr sanftmütig, mehr als alle Menschen, die auf dem Erdboden waren“ (4. Mose 12,3). Wir sehen, dass Sanftmut eine Eigenschaft ist, die ein Führer des Volkes Gottes NÖTIG hat.

Wie reagierte Mose auf die Anschuldigungen seiner Geschwister? Gar nicht, er schwieg. Dafür handelte Gott. So sollen auch wir handeln, in der Versammlung Gottes. Wir schweigen, wenn wir angegriffen werden, wenn man uns widerspricht, oder?

Demut und Sanftmut - die beiden ersten Eckpfeiler der Versammlungspraxis. Sie sind notwendig, um die Einheit des Geistes in Gott gemäßer Weise bewahren zu können. Wir sollten die Ansprüche nicht zu niedrig aufhängen. Erst recht nicht, wenn wir ein hohes Bekenntnis über den christlichen Weg ablegen (wollen).

Beim nächsten Mal wollen wir dann die nächsten beiden Eigenschaften betrachten.