18.07.2004 Persönlicher Glaube

Herr, lehre uns beten! (1)

Einleitung: Was ist das Gebet?

Mose gibt uns eines der bemerkenswertesten Beispiele für ein Gebet im Alten Testament. Unter dem Gewicht der ungeheuren Verantwortung, die auf ihm ruhte, trat er in das Zelt der Zusammenkunft „um mit ihm zu reden" (4. Mose 7,89). Fern vom Staub der Wüste und dem Getöse des Lagers gelangte er in die Stille des Heiligtums. Zuerst „hörte er die Stimme zu ihm reden", dann „redete er zu ihm". Zuerst hören, dann reden. „Und Jehova*) redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet" (2. Mose 33, 11).

Der Christ erfreut sich eines noch größeren Vorrechts. Er steht mit Gott nicht nur wie mit „seinem Freund" in Verbindung, sondern er hört und spricht wie mit seinem Vater. Der Herr Jesus sagt dies schon Seinen Jüngern: „Wenn ihr betet, so sprechet: Vater" (Luk. 11, 2). Indessen richtet sich das Gebet nicht nur an den Vater. Paulus sagt: „Für dieses flehte ich dreimal zum Herrn" (2. Kor. 12, 8). Stephanus wendet sich, während er gesteinigt wird, an den Herrn Jesus. Aber hauptsächlich beten wir zum Vater, wir blicken auf Ihn bei allem, was uns betrifft oder uns interessiert: Das ist Abhängigkeit! Sein Interesse für uns gibt uns die Freimütigkeit, uns ohne Zögern an Ihn zu wenden: Das ist Vertrauen. Als Grundlage dient der Glaube an Seine Liebe und Seine Macht. Es handelt sich nicht darum, von Gott zu verlangen, nach unseren Wünschen zu handeln, sondern Ihm alle unsere Anliegen darzulegen und Seiner Weisheit und Güte zu vertrauen, die weit höher ist als unser Denken. Es hat Ihm gefallen, uns viele Dinge als Antwort auf unser Gebet zu gewähren, die Er uns ohne Gebet nicht gegeben hätte: „Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet" (Jak. 4, 2). So haben wir einen ständigen Beweis, daß wir es mit dem lebendigen Gott zu tun haben, und unsere Seelen werden in eine immer innigere Gemeinschaft mit Ihm gebracht.

Wir wenden uns an den Gott, der unsichtbar, aber anwesend ist, dessen Macht und Weisheit grenzenlos ist, der uns liebt und sich für uns und unsere Probleme interessiert. Er versteht uns und will uns helfen. Er hat uns Seinen Sohn gegeben, „wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?" (Rom. 8, 32).

Es hat einmal jemand gesagt: „Mein Glück besteht darin, Ihm alles im Gefühl meiner Abhängigkeit darzulegen und das Vertrauen zu haben, daß Er in Seiner Liebe mein Herz stärken wird im Bewußtsein, daß Seine unermüdliche Pflege nicht ausbleiben wird."


Warum beten?


Als erstes beten wir, um Gott zu nahen und uns Ihm anzuvertrauen. Der Brief an die Hebräer ist voll mit dem Verb „hinzutreten". „Laßt uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zu dem Thron der Gnade" (Hebr. 4,16). Wir nahen Gott durch Christus, der sich auch für uns verwendet (Hebr. 7,25). Wir treten auf dem neuen und lebendigen Wege hinzu (Hebr. 10,19-22). Und wir verkündigen: „Denn wer Gott naht, muß glauben, daß er ist" (Hebr. 11, 6). Jeder, sei sein Glaube vielleicht auch sehr schwach, der aber ein Bewußtsein der Existenz Gottes hat, kann sich Ihm schon nahen. „Nahet euch Gott, und er wird sich euch nahen" (Jak. 4, 8). Ein Asaph sagte einst schon: „Ich aber, Gott zu nahen ist mir gut" (Ps. 73,28). Er hatte zuvor gedacht, Gott wäre gegen ihn. Er konnte das Gedeihen der Bösen nicht verstehen, verglichen mit seinen persönlichen Schwierigkeiten. Aber „als er hineinging in die Heiligtümer Gottes", da verstand er. Als Johannes den Herrn wegen des Verrats befragte, lag er im Schöße Jesu - er, der Jünger, den Jesus liebte (Joh. 13, 23).

Wir nahen uns Gott als dem Schöpfer, „von welchem alle Dinge sind, und wir für ihn" (1. Kor. 8, 6). Wir nahen uns Ihm als dem Erlöser, der alles geordnet hat, um uns aus der Macht Satans zu befreien und uns zu versetzen in das Reich des Sohnes Seiner Liebe. Und noch mehr, wir dürfen zum Vater kommen, der uns selbst lieb hat (Joh. 16, 27), und zum Herrn Jesus, dem Freund, „der anhänglicher ist als ein Bruder", der in allen Umständen mit den Seinen fühlt. Für den Israeliten war Jehova hinter dem Vorhang verborgen. „Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde" (Pred. 5, 2). Aber für die Kinder Gottes ist Er nahe und sagt ihnen gleichsam: Kommt, tretet herzu, habt keine Angst. Wir können es, weil wir einen Hohenpriester haben, der „völlig zu erretten vermag, die durch ihn Gott nahen, indem er immerdar lebt, um sich für sie zu verwenden" (Hebr. 7, 25). Christus ist in den Himmel selbst eingegangen (9, 24), als Er eine ewige Erlösung erfunden hatte (9,12). Da Er aber auf der Erde war und die Schwierigkeiten des Weges erfahren hat, vermag Er mit unseren Schwachheiten Mitleid zu haben (4, 15). Wir treten mit Freimütigkeit hin zu dem Thron der Gnade (4,16). Es ist immer schwer, in die Gegenwart eines Monarchen zu gelangen. Esther riskierte dabei ihr Leben (Esth. 4, 16).
Wir stehen jetzt in der Gunst Gottes. Er versteht unsere Schwachheit. Und selbst bevor Er uns die rechtzeitige Hilfe gewährt, läßt Er uns Seine Barmherzigkeit zuteil werden. Untersuchen wir jetzt, zu welchem Zweck wir Gott nahen sollen.

Danken und anbeten

Der Ungläubige dankt Gott nicht (Rom. l, 21). Ist dagegen nicht das erste Wort eines Wiedergeborenen: Danke, Herr? „Danksagend dem Vater, der uns fähig gemacht hat zu dem Anteil am Erbe der Heiligen in dem Lichte" (Kol. l, 12). Danksagung ist sozusagen das Fundament allen Gebetes. „Beharret im Gebet und wachet in demselben mit Danksagung (Kol. 4, 2). „In allem lasset durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden" (Phil. 4, 6). Schon in früheren Zeiten ließ sich Daniel dreimal des Tages auf seine Knie nieder, betete und lobpries, obwohl er Gefangener war und sich dabei großer Gefahr aussetzte. Dies hat ihn nicht vom Danken abgehalten.

Um Gott anzubeten, ist ein tiefes Gefühl von der Liebe Gottes nötig. In den schwierigsten Lagen hat der Gläubige noch Gründe, Gott zu loben. „Durch ihn nun laßt uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen" (Hebr. 13,15). Wir beten den Vater an, aber auch den Herrn Jesus: „Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat. . ., ihm sei die Herrlichkeit" (Offb. l, 5.6). Den Heiligen Geist dagegen beten wir nicht an, sondern „wir dienen durch den Geist Gottes" (Phil. 3, 3) und beten und flehen in dem Geiste (Eph. 6,18). Wenn wir nicht wissen, wie wir beten sollen, verwendet sich der Geist selbst für uns in unaussprechlichen Seufzern (Rom. 8, 26).

Bitten

Durch viele Umstände des Lebens sehen wir uns genötigt, mit Bitten vor Gott zu treten. Wie viele Bedürfnisse haben wir doch! Das Wort Gottes sagt: „Zu aller Zeit betend mit allem Gebet und Flehen" (Eph. 6,18). Wir wollen nun einige verschiedene Arten von Gebeten, die wir an Gott richten, unterscheiden, aber eben nur solche, die unter die Rubrik „Bitten" fallen.

In dringenden Angelegenheiten: Flehen

Der Gläubige ruft zu Gott, wenn er verzweifelt, in Gefahr oder in Not ist. David hatte sich, als er von allen verlassen war, in die Höhle geflüchtet, wo er Psalm 142 niederschrieb: „Mit meiner Stimme schreie ich zu Jehova, mit meiner Stimme flehe ich zu Jehova. Ich schütte meine Klage vor ihm aus, meine Bedrängnis tue ich vor ihm kund" (V. 1.2). Als Petrus sah, wie stark der Wind war und daß er zu sinken begann, rief er: „Herr, rette mich!" (Matth. 14, 30). Der Herr Jesus läßt ihn nicht warten: „Alsbald" streckt Er Seine Hand aus und ergreift ihn. Im Gleichnis von den drei Freunden hat der Gastgeber kein Brot für den Reisenden. Was tun? „Er wird um Mitternacht zu ihm gehen und zu ihm sagen: Freund, leihe mir drei Brote" (Luk. 11, 5).

Kann man, wenn man sich eines Fehlers bewußt ist und unter den Folgen zu leiden hat, trotzdem zu Ihm rufen? Der 130. Psalm gibt uns die Antwort. „Aus den Tiefen rufe ich zu dir, Jehova! Herr, höre auf meine Stimme! laß deine Ohren aufmerksam sein auf die Stimme meines Flehens! Wenn du, Jehova, merkst auf die Ungerechtigkeiten: Herr, wer wird bestehen? Doch bei dir ist Vergebung, damit du gefürchtet werdest" (V. 1-4).

„Im Falle, daß ich die Gemeinschaft mit Gott eingebüßt habe, sagt mein natürliches Herz: Ich muß die Sache bereinigen, bevor ich zu Christus komme. Doch Er ist voll Gnade, und wenn wir dies wissen, ist es unsere Aufgabe, sofort zu Ihm zu kommen, so wie wir sind, und uns vor Ihm tief zu demütigen. Nur in Ihm und durch Ihn kann die Seele wiederhergestellt werden" (J.N.D.).

„Bittet, und es wird euch gegeben werden", sagt der Herr Jesus zu Seinen Jüngern (Luk. 11, 9). Es wird euch gegeben werden... nicht unbedingt das, um was wir gebeten haben, aber das, was Gott in Seiner Weisheit gut für uns findet. Selbst ein irdischer Vater weiß seinen Kindern „gute Gaben" zu geben. Sie sind nicht immer in Übereinstimmung mit den Wünschen der Kinder! Wieviel mehr wird der Vater, der vom Himmel ist, geben (Luk. 11, 13).

So können wir in dringenden Angelegenheiten Vertrauen zur Güte und Weisheit unseres Vaters haben. Doch das sollte uns nicht davon abhalten, auch an jedem Orte, zu jeder Zeit, in allen Umständen zu beten.

Unsere Anliegen kundwerden lassen

In Phil. 4,6 handelt es sich nicht darum, in einer speziellen Notlage zu Gott zu rufen, sondern darum, in allem durch Gebet und Flehen mit Danksagung unsere Anliegen vor Gott kundwerden zu lassen. Das Herz, das sich nach Erleichterung sehnt, schüttet sich vor Gott aus, in dem Bewußtsein, daß Er sich für uns interessiert. Man wirft seine Last, alle Sorgen auf Ihn (1. Petr. 5, 7). Man befiehlt Ihm seinen Weg, indem man sich Ihm anvertraut, und Er wird handeln (Ps. 37, 5). Wir breiten vor Ihm all das aus, was uns Sorge bereitet, ohne um diese oder jene Lösung oder um einen bestimmten Ausgang zu bitten, sondern indem wir Ihm vertrauen. Das Ergebnis ist nicht die sofortige Erhörung unseres Gebetes, sondern der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt. Dieser Friede wird unsere Herzen und unseren Sinn bewahren in Christo Jesu (Phil. 4, 7). Jemandem von unseren Problemen erzählen mag Erleichterung bringen, aber sie vor Gott kundwerden lassen gibt uns den Frieden, das Vertrauen, daß Er eingreifen wird. „Ich jedoch würde Gott suchen und Gott meine Sache darlegen", sagte schon Eliphas (Hiob 5, 8).

Nach Seinem Willen bitten

1. Joh. 5, 14.15 gibt uns die Verheißung, daß solch ein Gebet erhört wird. „Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, daß, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten, er uns hört. Und wenn wir wissen, daß er uns hört, um was irgend wir bitten, so wissen wir, daß wir die Bitten haben, die wir von ihm erbeten haben." Und der Herr selbst sagt uns zu, daß Er das, was wir in Seinem Namen bitten, tun wird, „auf daß der Vater verherrlicht werde in dem Sohne. Wenn ihr etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun" (Joh. 14, 13. 14).

Aber wie sollen wir „nach Seinem Willen" bitten, wenn wir den gar nicht kennen? Der Herr verrät uns das Geheimnis: „Wenn ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen" (Joh. 15, 7). Wenn wir in der Gemeinschaft mit Ihm leben, uns durch Sein Wort nähren und Ihm gehorchen (V. 10). Dann werden wir in der Lage sein, Seinen Willen zu erkennen. Rom. 12,1. 2 verknüpft damit einige Bedingungen: Unsere Leiber als ein lebendiges Schlachtopfer darzustellen, nicht gleichförmig dieser Welt zu sein, verwandelt zu werden durch die Erneuerung unseres Sinnes. Dann ist man in der Lage, Gottes Willen zu erkennen. 1. Joh. 3, 22 unterstreicht noch besonders: „Was irgend wir bitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und das vor ihm Wohlgefällige tun".

Wenn wir nahe bei dem Herrn leben, uns von Seinem Worte nähren, Seinen Plan für unser Leben erkennen, dann können wir nach Seinem Willen bitten. Doch kann es leicht geschehen, daß wir unsere eigenen Wünsche für den Willen Gottes halten. Und auch, wenn wir glauben, Gottes Willen verstanden zu haben, muß die „Antwort" in Übereinstimmung mit Seinem Worte sein, muß der Heilige Geist uns die innere Überzeugung geben und werden die Umstände sie bestätigen.

Der Geist in uns kann uns fühlen lassen, daß es besser ist, für manche Dinge nicht zu bitten, weil sie nicht mit Seinem Willen in Einklang sind (z.B. 1. Joh. 5,16). Jak. 4, 3 zeigt uns, daß wir übel bitten können, um es in unseren Lüsten zu vergeuden.

Jakobus fügt ferner hinzu: „Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er von Gott, der allen willig gibt und nichts vorwirft, und sie wird ihm gegeben werden" (Kap. l, 5). Dies war Salomos besondere Bitte. Am Anfang seiner Regierung, in der Nachfolge eines bemerkenswerten Vaters, sagt er zu Gott: „Gib mir nun Weisheit und Erkenntnis, daß ich vor diesem Volke aus- und eingehen möge" (2. Chr. l, 10). Haben wir nicht oft die Erfahrung gemacht, daß der Herr, wenn wir Ihn einfältig um die für die jeweiligen Umstände nötige Einsicht gebeten haben, uns nach Seiner Verheißung geantwortet hat?

Dies ist eine beständige Übung. Sie erfordert Glauben, ohne irgend zu zweifeln (Jak. l, 6); aber auch das Vertrauen in die Güte Gottes, der nach all Seiner Weisheit erhören wird; dann auch die Abhängigkeit, die sich dem Willen unterwirft, den unser Vater offenbart.

In der Not kann man sich auflehnen und den Willen Gottes nicht annehmen oder resignieren und aufhören zu beten. Oder auch den Sieg davontragen, indem man die Prüfung, die der Herr zuläßt, annimmt im Bewußt-sein, daß Er besser als wir weiß, was nützlich ist.

Fürbitten

Fürbitten ist Beten für andere, besonders für Gläubige, aber auch für verlorene Seelen, für jeden Liebe habend.

Epaphras „ringt allezeit für euch in den Gebeten, auf daß ihr stehet vollkommen und völlig überzeugt in allem Willen Gottes" (Kol. 4,12). Samuel sagte, als sein Dienst als Richter zu Ende ging, daß er nicht ablassen würde, für das Volk zu bitten (1. Sam. 12, 23). Dies wäre Sünde gewesen.

Der Herr Jesus bittet für uns; der Heilige Geist verwendet sich für uns; sollten wir für unsere Brüder nicht Fürbitte tun? Und an erster Stelle für unsere Familie. Abraham bat für Sodom wegen der Gerechten, die sich dort befinden mochten, aber vor allem in der Hoffnung, daß besonders Lot gerettet werden möge. Die Eltern tun Fürbitte besonders für ihre Kinder; die Kinder können es auch für die Eltern tun, vor allem, wenn sie sehen, daß diese in Not sind.

Hiob bat für seine Freunde trotz all des Unrechts, das sie ihm gegenüber begangen hatten. Gott gab ihm nach dieser Fürsprache das Doppelte von dem, was er vorher gehabt hatte (Hiob 42, 10). Wie oft bat Paulus für die Versammlungen, indem er sie jeden Tag fürbittend in seine Gebete einschloß. In den meisten seiner Briefe erzählt er, daß er für die Adressaten betete, mitunter Tag und Nacht.

Man soll für das Evangelium bitten, in allgemeiner Weise, damit Gott geöffnete Türen gibt, aber auch indem man speziell für das Heil einer Seele bittet. Und das Wort legt uns besonders die Bitten für die Diener Gottes ans Herz: „... und für mich ...", sagt Paulus in Eph. 6,19. An die Thessalonicher schreibt der Apostel: „Brüder, betet für uns" (1. Thess. 5,25). Der Herr Jesus selbst fordert Seine Jünger auf: „Bittet nun den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter aussende in seine Ernte" (Matth. 9, 38). Paulus bittet die Korinther, durch ihr Flehen für ihn und seine Mitarbeiter mitzuwirken, „auf daß für die mittelst vieler Personen uns verliehene Gnadengabe durch viele für uns Danksagung dargebracht werde" (2. Kor. l, 11). Die Versammlung bittet für die Diener; der Herr gibt als Antwort darauf Seine Gnade. Das Resultat davon ist Dank, der von vielen dargebracht wird. Doch der Kreis weitet sich. Der Herr ermutigt die Seinen, für die zu bitten, die sie beleidigen und verfolgen (Matth. 5, 44). Paulus gibt Timotheus die Anregung, „für alle Menschen" zu bitten und für „alle, die in Hoheit sind" (1. Tim. 2, 1. 2).

In Jes. 59, 16, als das Böse, das Sein Volk befallen hat, überhandnahm, sah Jehova, „daß kein Mann da war; und er staunte, daß kein Vermittler (Fußn.: Fürbittender) vorhanden". Sind wir Fürbittende für die örtliche Versammlung, zu der wir gehören? An vielen Orten widmen Brüder einige Minuten am Tag, wenn möglich zur gleichen Stunde, dem Gebet für die Zusammenkünfte. Und sicher erhört der Herr und segnet und gibt die nötige Einsicht.

Unsere Fehltritte bekennen

Der Prophet Hosea sagt, die Worte Jehovas verkündigend: „Nehmet Worte mit euch und kehret um zu Jehova; sprechet zu ihm: Vergib alle Ungerechtigkeit" (Hos. 14, 2). Wir müssen Reue zeigen und bekennen, „mit Worten kommen". Wir zeigen damit unsere Trau- rigkeit, die wir empfinden, weil wir Gott durch unsere Taten verunehrt haben. Dies Bekennen kann gemeinsam sein, wie im Fall von 1. Kor. 5; aber an erster Stelle jeder allein, nach 1. Joh. l, 9: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit."

Der 32. Psalm zeigt, daß das Bekenntnis vor allem an Gott selbst zu richten ist: „Ich tat dir kund meine Sünde ... Ich sagte: Ich will Jehova meine Übertretungen bekennen; und du, du hast vergeben die Ungerechtigkeit meiner Sünde" (V. 5). In PS. 51 unterstreicht David dies: „Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt, und ich habe getan, was böse ist in deinen Augen" (V. 4). Es handelt sich nicht darum, einfach um Verzeihung zu bitten, sondern Gott das Böse, das wir uns haben zuschulden kommen lassen, genau zu bekennen, im Bewußtsein dessen, was es Christus gekostet hat, als Er diese Sünde am Kreuz getragen hat. Dann ist Gott treu und gerecht und vergibt uns unsere Sünden und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.

Je nach Fall ist außerdem ein Bekenntnis der gekränkten oder verletzten Person gegenüber angebracht, begleitet von einer eventuellen Rückerstattung, wie uns 3. Mose 5, 5. 21-24 und 4. Mose 5, 7 lehren.

Jakobus 5, 16 spricht von einem gegenseitigen Bekenntnis: „und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet". „Einander" steht in der Einzahl und bedeutet „gegenseitig". Dieses Schuldbekenntnis*) erfordert absolute Verschwiegenheit von dem, der es empfängt. Es kann eine wirkliche Hilfe sein und einen neuen Fall verhüten. Die Heilung, als Antwort auf die Fürsprache, ist nicht nur physischer Art, sondern ist auch geistlicher Natur wie in Hebr. 12, 13.