22.02.2011 Versammlung / Gemeinde

Geht die Kirche durch die große Drangsal?

Gewiss, die Kirche hatte, entsprechend den Worten des Herrn an Seine Jünger (Joh 16,33), von Anfang an durch alle Jahrhunderte hindurch Drangsal in der Welt. Schon die Heiligen in Thessalonich mussten dies erfahren (2. Thess 1,4-6). Aber die kommende große Drangsal wird in der ganzen vergangenen und gegenwärtigen Geschichte der Welt nicht ihresgleichen haben. Die darauf Bezug nehmenden Schriftstellen, die wir anführen werden, zeigen, dass es sich dabei um einen außerordentlichen Akt in Gottes Regierungswegen mit seinem irdischen Volke Israel und den Nationen handelt. Die große Drangsal ist nie mit der Geschichte und den Erfahrungen der Kirche, die Christi Leib und Braut ist, verbunden. Da, wie der Epheserbrief zeigt, die Berufung der Kirche himmlisch ist - nicht irdisch oder national - wird sie der Herr Jesus zu sich nehmen, bevor Gott in Vorbereitung des in der Schrift verheißenen 1000jährigen Reiches seine Wege mit den Völkern der Erde zum Abschluss bringt.

Das Alte Testament und die große Drangsal

Zwei Prophezeiungen im Alten Testament sind es, die in besonderer Weise das Herannahen der großen Drangsal ankündigen, und keine davon lässt sich auf die Kirche anwenden. Jeremia sagt die Rückkehr Israels und Judas aus der Gefangenschaft, wie auch ihre Wiederherstellung voraus und enthüllt, dass diesen Tagen nationaler Wiederherstellung eine Zeit der Drangsal ohnegleichen vorausgehen wird, aus der sie schließlich gerettet werden: „Wehe! Denn groß ist jener Tag ohnegleichen, und es ist eine Zeit der Drangsal für Jakob; doch wird er aus ihr gerettet werden" (Jer 30,7-lt).

Auch Daniel kündet eine Zeit nationaler Trübsal von bis dahin unbekanntem Ausmaß an, und seine Prophezeiung verknüpft die große Drangsal in deutlicher Weise mit der Befreiung des Volkes Daniels (12,1), d. h. Israels.

Das Neue Testament und die große Drangsal

Auch unser Herr redete von dieser kommenden großen Drangsal, „dergleichen von Anfang der Welt bis jetzt hin nicht gewesen ist, noch je sein wird" (Matth 24,21; Mark 13,19). Auch in seinen Worten findet sich kein Hinweis auf die Kirche oder Versammlung; vielmehr verbindet der Herr diesen Ausspruch mit Juda und Jerusalem, als dem Mittelpunkt, von wo die Drangsal sich ausbreitet, und auch mit dem Gräuel der Verwüstung, der an heiligem Ort stehen und für die Treuen das Zeichen zur Flucht sein wird.

In der Offenbarung allerdings wird in einer Schriftstelle die Drangsal im Zusammenhang mit der Versammlung erwähnt, aber nur um ihr die Verheißung zu geben, dass sie davor bewahrt werden wird. Im Sendschreiben an Philadelphia ruft der Herr dieser Versammlung zu: „Weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung (oder Drangsal), die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, welche auf der Erde wohnen" (Offb 3,10).

Aus Offenbarung 7,9-17 vernehmen wir, dass „aus jeder Nation" eine unzählbare Menge von Gläubigen aus der großen Drangsal herauskommen werden.

Diese mit weißen Gewändern bekleidete Volksmenge, die Johannes in seinem Gesicht sieht, wird aber nicht zur Kirche gehören, denn einer der 24 Ältesten (welche u. a. die Kirche darstellen) ist es, der Johannes deren Herkunft erklärt. Diese Erlösten, mit Palmen in ihren Händen, sind nicht im Himmel, sondern auf der Erde. Es sind in der Tat Gerettete aus den Nationen, die während des Tausendjährigen Reiches auf der Erde sein werden (Offb 21,24.25).

Die große Drangsal trifft nicht die Versammlung (Kirche)!

Aus diesen Schriftstellen geht hervor, dass die große Drangsal über die Juden in Judäa und Jerusalem (Matth 24) über die Welt oder die bewohnte Erde (Offb 3,10) und über jede Nation (Offb 7,9-17) kommen wird. Vor allem geraten die Juden in tiefe Bedrängnis, aber auch die Nationen werden in großem Ausmaß zu leiden haben.

Wir dürfen nicht außer acht lassen, dass diese Trübsale, welche über die Schuldigen kommen, den Charakter einer Vergeltung haben. Die Zeit der Drangsal ist gleichbedeutend mit den „Tagen der Rache" (Lk 21,22). Die Sünde des Menschen hat dann keine Schranken mehr und wird ihr Höchstmaß erreichen. Als Folge davon werden die Gerichte der Vorsehung Gottes mit außergewöhnlicher Strenge alle Klassen der Menschen auf Erden heimsuchen, bevor die Herrschaft des Friedens aufgerichtet wird.

Henoch ist ein Hinweis auf die Versammlung

Wie Henoch aus der Welt herausgenommen wurde, bevor in den Tagen Noahs die Wasser der Sündflut die Erde bedeckten, so wird auch die Versammlung vor den Tagen der besonderen Drangsal hinweggenommen. In Erwartung des Kommens Christi ist es vom Pfingsttage an die normale Erfahrung der Kirche, um Seinetwillen Drangsal zu leiden.

Wenn sie wegen ihres Bekenntnisses Verfolgungen und Trübsal erdulden muss, so nimmt sie dadurch teil an den Leiden Christi, des treuen und wahrhaftigen Zeugen, und sie sollte es als eine Ehre betrachten, einer solchen Auszeichnung würdig erachtet zu werden (2. Thess 1,4-6). In ihrem Fall ist die Drangsal eine Ehre, und nicht eine Strafe, wie im Falle der Juden.

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Mit freundlicher Genehmigung des Beröa Verlages
Halte Fest Jahrgang 1963 - Seite: 129