14.03.2011Versammlung / Gemeinde | Epheser

Mit allen Heiligen”

Zwei Gefahren der Sektiererei

Wir können uns auf deutlich sektiererischen Boden stellen, dadurch, dass wir uns mit Gläubigen verbinden, die sich eins machen mit der allgemeinen Auffassung über die “Kirche” und ihre Verwaltung, so, wie sie in der Christenheit ausgeübt wird. Anderseits können wir im Bekenntnis, uns auf dem Boden der Versammlung Gottes zu befinden, sektiererisch werden, indem wir unsere Gedanken, unsere Interessen und unsere Zuneigungen auf die Wenigen beschränken, mit denen wir Gemeinschaft pflegen. In beiden Fällen handeln wir nicht nach den Gedanken Gottes. Einige Illustrationen aus der Schrift werden diesen Gesichtspunkt beleuchten und voll bestätigen.

Nach der Rückkehr des Überrestes aus Babel, als sie trotz mancher Nachlässigkeit und Untreue den Bau des Hauses Gottes vollendet hatten, ermuntert durch die Weissagungen Haggais und Sacharjas, versammelten sich “die Kinder Israel, die Priester und die Leviten und die übrigen Kinder der Wegführung», und sie «feierten die Einweihung dieses Hauses Gottes mit Freuden” (Esra 6,14-17).

Ganz Israel – alle Gläubigen

Eigentlich stellten diese “Kinder Israel” nur einen schwachen Überrest der Stämme Juda und Benjamin dar, außer den Priestern und Leviten. In einem solchen Augenblick hätten sie versucht sein können, jene ihrer Brüder zu vergessen oder sogar auszuschließen, die auf den Aufruf Kores nicht geantwortet und sich ihnen nicht angeschlossen hatten, um in das Land ihrer Väter zurückzukehren, das ihnen durch Jehova, ihrem Gott, gegeben worden war. Jene hatten das Leben in Babel, das trotz Gefangenschaft leichter war, dem Anteil an der Trübsal derer vorgezogen, die der Geist Gottes erweckt und zubereitet hatte, um den Gefahren einer langen Reise zu begegnen wie auch den Schwierigkeiten der Niederlassung in einem Land, das jetzt unter der Macht ihrer Feinde war.

Nahm dieses Verhalten den in Babel verbliebenen Juden nicht das Recht, zum Volke Gottes zu gehören? Ein harter Geist hätte so urteilen können, aber dieser arme Überrest, so elend auch sein Zustand war, besaß die Gedanken Gottes. Darum brachten sie bei diesem Fest der Einweihung des Tempels, außer den übrigen Opfern, auch solche dar “zum Sündopfer für ganz Israel, zwölf Ziegenböcke, nach der Zahl der Stämme Israels”. Das Herz Gottes umfasste alle Kinder Israel, denn Er hatte sie nicht wegen dessen, was sie in sich waren, auserwählt, sondern weil Er sie liebte und den Eid hielt, den Er ihren Vätern geschworen hatte (5. Mose 7,7.8). So groß auch ihre Untreue war und wohin sie auch zerstreut sein mochten auf der Fläche der Erde, so waren sie doch immer noch sein Volk.

Deshalb, in voller Gemeinschaft mit den Gedanken und dem Herzen Gottes, konnte der treue Überrest im Sündopfer, das er an jenem Tage darbrachte, ganz Israel darstellen. Wäre es anders gewesen und hätten diese Kinder der Wegführung ihre Brüder vergessen, in der Meinung, nur sie allein seien die Gegenstände der Gedanken Gottes, wären sie zu einer Sekte und zu nichts anderem geworden, trotz der Tatsache, dass ihre gegenwärtige Haltung von ihrem Gehorsam und ihrer Treue zu reden schien. Schon oft ist bemerkt worden: Während die Füße auf dem schmalen Pfad wandeln, soll das Herz weit bleiben.

Auch Elia nahm 12 Steine – für ganz Israel

Beschäftigen wir uns jetzt mit einer anderen, viel früheren Szene. Sie trug sich in den Tagen Elia, des Tisbiters, in einer der dunkelsten Zeiten der Geschichte Israels zu. Ahab ließ es zu, dass seine Frau Isebel die Diener Gottes verführte, Hurerei zu treiben und Götzenopfer zu essen (Offb. 2,20). Israel war abfällig geworden. Wohl gab es noch siebentausend Männer, von denen Gott wusste, dass sie ihre Knie nicht vor dem Baal beugten, aber Elia war der einzige Vertreter eines öffentlichen Zeugnisses für die Wahrheit Gottes.

In der Energie des Geistes Gottes kämpfte er gegen den Götzendienst und vernichtete er die Priester des Baal. Diese elenden Propheten hatten vom Morgen bis zum Mittag ihr Opfer dargebracht, unter Anrufung des Baal, und zur Bezeugung ihrer Hingabe “riefen sie mit lauter Stimme und ritzten sich nach ihrer Weise mit Schwertern und mit Lanzen, bis sie Blut an sich vergossen, … sie weissagten bis zur Zeit da man das Speisopfer opferte; aber da war keine Stimme und keine Antwort und kein Aufmerken” (1. Kön 18,28.29).

Nun war Elia an der Reihe, als einziger öffentlicher Zeuge, wir wiederholen es; er war allein gegenüber einer haltlosen Menge, die zwischen Gott und Baal hinkte; allein gegenüber den Abtrünnigen. Seine erste Handlung war, den zerstörten Altar Jehovas wieder aufzubauen: der Zustand des Altars war die Offenbarung des Zustandes des Volkes. Nun “nahm Elia zwölf Steine, nach der Zahl der Stämme der Söhne Jakobs, zu welchem das Wort Jehovas geschehen war, indem er sprach: Israel soll dein Name sein! und er baute von den Steinen einen Altar im Namen des Herrn” (1. Kön. 18,31).

Auch schlimmster Abfall hindert nicht den Gedanken an Einheit

Es hatte noch nie eine so dunkle Epoche gegeben, so geeignet, einen Diener Gottes zu entmutigen, wie Elia es nach dem Bericht des nächsten Kapitels wurde. Aber auf dem Karmel, gegenüber dem Feind, unterstützt durch die Macht des Heiligen Geistes, wurde er befähigt, sich auf Gott und seine Treue zu verlassen, so dass sein Glaube die zwölf Stämme umfassen konnte. Der Mann des Glaubens wollte nicht aufgeben, was Gott nicht aufgab; daher verkündete er, trotz des Abfalls und der Rebellion, die Einheit des Volkes Gottes. Erfüllt von den Gedanken Gottes, gebührte es ihm, sich auf dem Boden der Einheit des Volkes zu bewegen.

Hätte Elia, wenn auch unabsichtlich, einen engeren Boden gesteckt, wäre er sektiererisch gewesen. Man kann hinzufügen, dass es keinen Platz für Entmutigung geben kann, selbst in einer Zeit großer Verwirrung und des Abweichens von der Wahrheit, solange wir in Gemeinschaft sind mit dem Herzen Gottes, im Blick auf sein Volk. Dessen trauriger Zustand wird für uns vielmehr ein Ansporn zu beständigem Dienst ihm gegenüber, sei es in Ausübung, sei es im Gebet.

Und Paulus ist ebenfalls ein großes Beispiel dafür

Nehmen wir noch ein anderes Beispiel. Als Paulus sich vor Agrippa verteidigte, sagte er: “Und nun stehe ich vor Gericht wegen der Hoffnung auf die von Gott an unsere Väter geschehene Verheißung, zu welcher unser zwölfstämmiges Volk, unablässig Nacht und Tag Gott dienend, hinzugelangen hofft” (Apostelg 26,6.7). Die zwölf Stämme auch in ihrem damaligen Zustand so zu betrachten, mochte schwierig scheinen. Zehn Stämme waren verschwunden und die zwei, die von Babel zurückgeführt worden waren, hatten ihren Messias gekreuzigt, und sie suchten jetzt auch seinen Diener Paulus zu töten.

Für den Glauben bestehen jedoch zwölf Stämme, und er sieht sie alle Nacht und Tag Gott dienen, im Hinblick auf die Erfüllung der den Vätern gemachten Verheißungen. So war es auch in der Wüste: welches auch der moralische Zustand des Lagers war, beständig sollten zwölf Brote, bedeckt mit reinem Weihrauch, auf dem goldenen Tisch im Heiligen vor Jehova ausgelegt sein. So tritt der Glaube in die Gedanken und die Ratschlüsse Gottes ein; er sieht die Dinge, wie sie vor Gott bestehen.

Mit allen Heiligen

Lasst uns nun auf die in der Überschrift dieses Artikels angeführte Stelle eingehen. Wir finden da den gleichen Grundsatz angewandt. Der Apostel bittet in seinen Gebeten, dass die Epheser mit allen Heiligen zu erfassen vermöchten, welches die Breite und Höhe … sei, u.s.w. Der Augenblick würde kommen, wenn er nicht schon da war, wo die Wahrheit aus den Augen verloren ging, wo alle, die in Asien waren, sich abwandten, wo Demas den Apostel verlassen würde, da er den jetzigen Zeitlauf liebte; wo die Korinther im Begriff waren, seine apostolische Autorität zu verleugnen.

Aber trotz allem, weil der Apostel mit dem Herzen Gottes in Gemeinschaft war, konnte er nicht anders, als vor dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus die Wünsche darzulegen, die sein Herz ihnen gegenüber erfüllten. Die Liebe Gottes selbst umfasste alle seine Kinder, in seinem Wunsche, sie wachsen und fortschreiten zu sehen, als Gegenstände seiner fortwährenden Fürsorge und Gnade. Der Apostel handelte in gleicher Weise.

Die Lektion ist leicht zu verstehen. Auch wir sollen in gleicher Weise in unseren Zuneigungen und Gebeten alle Heiligen umfassen. Dabei ist es angebracht zu bemerken, dass diese Erweiterung des Herzens, für die wir eintreten, nichts zu tun hat mit einer unbiblischen Verbreiterung unseres Pfades. In beiden Fällen ist Christus unser Vorbild. Wenn wir einander lieben sollen, wie Er uns geliebt hat (Joh 15,12), dann sollen wir auch wandeln, wie Er gewandelt hat (1. Joh 2,6). Möchten diese beiden Dinge bei uns in wachsendem Masse offenbar werden, zur Ehre des herrlichen Namens unseres Herrn und Heilandes.

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Mit freundlicher Genehmigung des Beröa Verlages.
Halte Fest Jahrgang 1983 - Seite: 39