01.06.2004Versammlung / Gemeinde

Versammlungspraxis 1: Weglaufen

Korinth war trotz Unordnung „Versammlung Gottes“

Bei den Korinthern war praktisch alles in Unordnung. Und doch stellt sich Paulus nicht in Frage, dass es die Versammlung Gottes ist. Es ist möglich, dass da jedes erdenkliche Übel unter der Sonne eindringt. Habe ich das Recht, der Versammlung Gottes den Rücken zu kehren, weil ich von dem einen oder anderen Böses höre? Sicher ist das nicht die Weise des Herrn, der uns mitteilt, wie Böses verurteilt und zurechtgebracht wird. Was wir in solchen Fällen tun müssen, ist das Wort mit geistlichem Verständnis anzuwenden, und alle, was zum Anstoß zu werden droht, aus dem Weg zu räumen.

Gleichgültigkeit dem Willen Gottes gegenüber ist natürlich bei mir selber ebenso böse wie das Böse, das ich bei anderen sehe. Es ist jedoch ebenso schriftwidrig, einfach wegzulaufen, weil jemand anders gesündigt hat, wie untätig zuzusehen oder gar das Böse noch zu unterstützen. Die Versammlung Gottes kann das Böse in ihrer Mitte nicht dulden. Sie bekennt, dass ER in ihrer Mitte ist; doch müssen die Gewissen geweckt werden, und es gilt, Ihm zu gehorchen. In der Versammlung (nicht außerhalb, wenn ich sie übereilt verlasse) kann ich damit rechnen, dass Gott in und durch seine Heiligen wirkt.

Nicht wegen des Eindringens von Sünde weglaufen!

Welche Art von Bösem der Feind auch heimlich hereinbringen will, sei es falsche Lehre oder schlimme Unsittlichkeit: Wir sollten uns davon nicht völlig aus der Fassung bringen lassen, noch dürfen wir der Versammlung, deren Aufgabe es doch ist, in allem den Willen des Herrn zu tun, unsere Hilfe verweigern. Ich habe auf Ihn zu blicken, Ihn anzurufen, und mit Ihm zu rechnen, ebenso wie mit meinen Brüdern, dass unser aller Gewissen, - der Männer, Frauen und Kinder – in Tätigkeit kommt und wir genug Gnade haben, das, was der Ehre Gottes zuwider ist, hinaus zu tun, wenn es für das Übel kein anderes Heilmittel gibt.

Ihr seht also, dass weder das Vorhandensein großer Schwachheit noch das Eindringen von Bösem irgendwelcher Art ein Grund ist, weg zu gehen, wie groß auch die Beschämung und der Schmerz für unsere Herzen sein mag. Was verhängnisvoll ist, ist die Weigerung, gegen die Unreinigkeit vorzugehen, das praktische Beiseitesetzen des Geistes Gottes, wenn Er durch das Wort auf das Böse aufmerksam macht und zeigt, wie gefährlich es ist. Dass menschlicher Eigenwille vorherrscht und gutgeheißen wird, um Bequemlichkeit, Ruhe und den Anschein von Einheit aufrecht zu erhalten, obwohl alles, was echte Einheit kostbar macht, verloren gegangen ist, - das ist so verhängnisvoll.

Es ist die Versammlung Gottes – so wirkt er in der Versammlung!

Was haben wir mit einer Einheit zu tun, die nicht durch den Willen Gottes gewirkt und aufrechterhalten wird? Ist es nicht die Einheit, auf die der Heilige Geist sein Siegel drückt, die zur Ehre des Herrn Jesus beiträgt, dann ist sie Sünde und ein Gräuel und hat kein Anrecht auf meine Treue. Darum ist letzten Endes nichts einfacher als die praktische Anwendung dieser Grundsätze, obwohl der Unglaube laut schreit, das sei unmöglich, und wir hätten die Freiheit, alle diese Gräuel zu tun. Gewiss gibt es auf dem Weg mit Christus Schwierigkeiten, aber der Glaube überwindet sie. Wir wissen wohl, dass die Kirche aus Menschen besteht, die wenn sie auch den Geist Gottes haben, auch noch das Fleisch in sich haben. Deshalb ist der Keim des Bösen vorhanden, und Satan ist bemüht, ihn sprossen zu lassen, damit der Ehre Gottes so viel wie möglich Schaden zugefügt wird.

Wenn der Herr in unserer Mitte ist, sollte uns das nicht erschrecken; noch weniger sollten wir vor einer so ehrenvollen und gesegneten Stellung fliehen, wenn sie auch Schwierigkeiten und Gefahren in sich birgt. Lasst uns die Lenden umgürten und auf Ihn blicken! Es ist seine Versammlung, und Er hat alle Macht und Gewalt in seinen Händen. Er wird seine Macht in Gnaden zu unseren Gunsten entfalten und mit dem, was Er hasst, handeln.