30.12.2003Jesus Christus / Gott | Persönlicher Glaube | Dienst

Die Zisterne in Bethlehem

Der schönen Geschichte der drei Männer, die Wasser aus der Zisterne in Bethlehem schöpften, geht der Bericht die Taten der drei größten Helden unter Davids großen Kämpfern voraus. Ob es sich um dieselben drei Männer handelte, die durch das Lager der Philister brachen und Wasser aus dem Brunnen schöpften, ist nicht ganz klar und wahrscheinlich unwesentlich. Dennoch ist es wichtig, den Unterschied zwischen diesen drei ersten Taten und dem Dienst zu sehen, der David durch das Besorgen des Wassers aus der Zisterne erwiesen wurde.

Die drei Helden, deren Namen genannt werden

Adino war das Haupt der Anführer. Sein Name bedeutet unter anderem „Zierde, Schmuck“. Zweifellos füllte er seine herausgehobene Position so aus, dass er selbst Anerkennung erhielt und der König einen Vorteil daraus zog. Denn er hatte erfolgreich 800 der Feinde Davids auf einmal überfallen. (Vers 8).

Eleasar widersetzte sich den Philistern an einem Tag, als sich das Volk Israel zurückzog. Ganz allein machte er sich auf und schlug den Feind. Und als der Sieg gesichert war, „kehrte das Volk um, ihm nach, nur um zu plündern“ – das Volk Israel, das Eleasar allein im Angesicht des Feindes zurückgelassen hatte. Der Herr schaffte an jenem Tag eine große Rettung durch Eleasar, und das Volk erntete die Früchte des Sieges (Verse 9.10).

Schamma ist berühmt geworden als derjenige, der “sich mitten auf das Feldstück stellt und es rettete“. Das war ebenfalls an einem Tag, als die anderen vor den Philistern flohen (Verse 11.12).

Wir haben die Kämpfe des Herrn zu kämpfen

In den Kämpfen des Volkes Gottes sehen wir diese unterschiedlichen Arten von Dienst. Es gibt Zeiten, in denen der Herr uns aufruft, gegen die Gewalt des Feindes anzukämpfen, wie in den Tagen Adinos. Es gibt andere Gelegenheiten, bei denen es Beute zu gewinnen gibt durch einen Kampf, wie in den Tagen des Sieges Eleasars. So gibt es aber auch Zeiten, wenn wir aufgerufen sind, fest auf einem „Feldstück“ zu stehen und einen Abwehrkampf zu führen, wie es in den Tagen der großen Tat Schammas war.

Wie wichtig sind solche Heldentaten zu ihrer Zeit und Gelegenheit. Dennoch wollen wir nicht vergessen, dass sowohl in den Tagen Davids als auch in unserer Zeit eines diese Taten kennzeichnet: Sie sind zum Nutzen des Volkes Gottes und zur Verherrlichung des Königs.

Die drei „namenlosen“ Helden Davids

Wenn wir dann jedoch zu den drei Helden kommen, die Wasser aus der Zisterne schöpften, haben wir eine ganz andere Art des Dienstes. Wenn die Siege der ersten drei Männer den Segen des Volkes im Blickfeld hatten, war die zu Herzen gehende Handlung der zweiten drei Männer ganz allein zum Nutzen des Königs.

Diese drei Helden „kamen zur Erntezeit zu David in die Höhle Adullam hinab“ (Vers 13). Es hat den Anschein, als ob sie die „Welt“ zu einer Zeit verließen, als es Nahrung in Fülle dort gab. Sie taten es, um sich mit David in den Tagen seiner Armut und seiner Verwerfung zu identifizieren.

Das Leben riskieren einfach für einen persönlichen Wunsch Davids?

David war auf der Bergfeste, während eine Aufstellung der Philister den Ort besetzte, an dem David seine Jugendzeit verbracht hatte. Da dachte David an die Zisterne am Tor Bethlehems, aus der er damals zweifellos oft Wasser geschöpft hatte. Er drückt seine Sehnsucht nach einem erfrischenden Zug aus dem Brunnen aus. Er sagt: „Wer wird mir Wasser zu trinken geben aus der Zisterne in Bethlehem, die am Tor ist?“ (Vers 16).

Es handelte sich nicht um einen Befehl, der Gehorsam erforderte. Es war kein Ruf nach einem Dienst. Es war nur der Ausdruck seines sehnsüchtigen Wunsches. Und der von ihm ausgedrückte Wunsch bewirkte diese hingebungsvolle Handlung der Liebe in einer Weise, wie kein Befehl sie hätte bewirken können.

Einige wären vielleicht bereit gewesen, ihr Leben für einen Dienst zu riskieren, der dem Königtum zum Nutzen gewesen wäre. Aber diese Helden waren bereit, dem Tod ins Auge zu sehen, um etwas zu tun, das allein der Erfüllung von Davids Wunsch diente. Sie brachen durch das Lager der Philister, schöpften Wasser aus der Zisterne und brachten es zu David. Diese Tat größter Hingebung erfreute das Herz Davids so sehr, dass er darin ein Opfer sah, dessen allein der HERR würdig war. Daher lehnte er ab, dieses Wasser zu trinken, und goss es dem HERRN als Trankopfer aus.

Einfache Hingabe für den David unseres Lebens!

Wir mögen in unseren Tagen in Übereinstimmung mit den geistlichen Grundsätzen zuweilen wissen, was es bedeutet, den Mächten des Bösen zu widerstehen, Beute aus den Reihen des Feindes zu erlangen und im Verteidigungskampf für die Wahrheit festzustehen. Wir mögen auch die Kämpfe des Herrn zu kämpfen wissen. Aber wie sehr kennen wir diesen höheren Dienst, der etwas allein für das Herz Christi tut? „Wer wird mir … geben?“, fragt David.

Gibt es nicht auch heute Gelegenheiten, wo wir dem Einen etwas geben können, der sich selbst für uns hingegeben hat? Als sie in Bethanien in den Tagen des Herrn etwas für den Einen tun wollten, der so viel für sie getan hatte, „machten sie ihm dort ein Abendessen“ – Ihm, der durch sein Erlösungswerk ein Fest für die ganze Welt bereitet hat. Sehen wir es als ein besonderes Vorrecht an, Christus etwas geben zu können, das der Freude seines Herzens dient?

Maria von Bethanien war eine solche Heldin!

Hatte nicht der Dienst Marias diesen erhabenen Charakter, als sie sechs Tage vor dem Passah die Füße des Herrn mit ihrer teuren Narde salbte und seine Füße mit den Haaren ihres Hauptes abtrocknete? Erfrischte sie nicht zugleich angesichts des Hasses der Feinde und der Kritik der Freunde das Herz des verachteten und verworfenen Sohnes Davids, gegen den sich die Welt gerade in jenem Moment mit mörderischem Hass verschwor?

Und genauso, wie das Wasser dieser hingebungsvollen Männer vor dem HERRN ausgegossen wurde, so stieg der Geruch von Marias Salböls auf vor dem Herrn zu einem duftenden Wohlgeruch. Der Geruch erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich befanden.

Zu seinem Gedächtnis

Ist nicht Davids Frage, „Wer wird mir … geben?“, eine schwache Vorwegnahme der Bitte des sterbenen Herrn: „Dies tut zu meinem Gedächtnis!“ (Lukas 22,19)?

Wenn wir dieser Bitte des Herrn nachkommen, kämpfen wir nicht die Kämpfe des Herrn und erringen auch keine Beute. Wir verteidigen dann auch nicht die Wahrheit, sondern tun einfach etwas, was ganz für den Herrn selbst ist. Wir dienen seinem eigenen Herzen, indem wir seine Liebe beantworten. Es wäre schön, wenn wir besser wüssten, was es bedeutet, Wasser aus der Zisterne zu schöpfen und es vor dem Herrn zur Freude seines Herzens auszugießen!