27.01.2011 Jesus Christus / Gott | Persönlicher Glaube | 1. Samuel

Abigail

Verwoben mit der Geschichte über das bewegte Leben des Königs David finden wir eine Reihe an Berichten über andere, herausragende Personen. Dazu gehören Jonathan und die drei Helden, die unter Lebensgefahr für David Wasser aus der Zisterne Bethlehems holten. Oder wir denken an Mephiboseth und Ittai, weitere hervorstrahlende Beispiele. Unter diesen Freunden Davids gibt es vielleicht keine Person, die einen schöneren Charakter trägt als Abigail, die Karmeliterin. Es ist sehr bedeutsam, dass ihr Name „Quelle der Freude“ oder „Grund der Freude“ bedeutet. Ihre Geschichte beweist zweifellos, dass sie eine Quelle der Freude für das Herz Davids war.

In dem Moment, in dem sie auf der Bildfläche auftaucht, ist David zwar bereits der Gesalbte des Herrn und somit der kommende König. Er ist auch da schon der Mann nach dem Herzen Gottes. Und doch sehen wir ihn in diesem Augenblick als den Gejagten, der sich an schändlichem Ort aufhalten muss. Er verbirgt sich in den Höhlen der Erde, ist ein bedürftiger Wanderer, wie ein umherziehendes Tier an wüsten Orten. Er ist umgeben von einer Bande treuer Nachfolger, die sich zu ihm versammelt hatten (1. Samuel 22,1.2).

Im Verlauf seiner Streifzüge hatten David und seine Schar manche gute Tat vollbracht. So haben die Hirten Nabals anzuerkennen, dass David und seine Männer „sehr gut zu uns gewesen sind“. David und seine Leute hatten die Hirten und ihre Herden bei Nacht und bei Tag beschützt. Dadurch hatten diese so lange, wie David mit den Seinen in ihrer Nähe war, nicht das Geringste verloren.

Nabal war sehr vermögend …

Dieser Nabal nun, der solch einen Nutzen von David und seinen Männern gehabt hatte, wird uns in 1. Samuel 25 als ein wohlhabender Mann geschildert, der eine hohe soziale Stellung einnahm. In den Augen der Welt war er „sehr vermögend“, der einen königlichen Stil unterhalten konnte (Verse 2.3.46). In den Augen Gottes jedoch war er ein ungehobelter Mann, „hart und boshaft in seinen Handlungen“. Er war jemand, „dass man nicht mit ihm reden kann“ (Verse 3.17).

Nabal erklärt, dass er David nicht kenne, denn er fragt: „Wer ist David, und wer der Sohn Isais?“ Zweifellos hatte er von Davids großem Sieg über den Riesen Goliath gehört, und wie die Frauen zu seiner Ehre gesungen hatten. Aber wahrscheinlich betrachtete er David als einen, dessen Kopf durch seine eigenen großen Taten und die Gesänge der Frauen verdreht worden war. So glaubte Nabel vielleicht, dass Davids Ehrgeiz, Thronfolger zu werden, aus ihm einen rebellierenden Knecht gemacht habe, der sich von seinem Herrn und König, Saul, losgesagt hatte. Wenn das Gerücht von der Salbung Davids durch Samuel irgendwie zu Nabal gedrungen war, behandelte er diese Sache ganz offensichtlich mit totaler Gleichgültigkeit. Er schenkte solchen Berichten offenbar keine Beachtung. Für Nabal war David somit nichts als ein davongelaufener Knecht.

… und ein Tor

So kommt es dazu, dass Nabal die Bitte Davids, an einem ertragreichen Tag eine gewisse Belohnung für den empfangenen Nutzen zu geben, damit beantwortet, dass er Davids Knaben mit Beleidigungen wegjagt (Verse 4-12). David wieder wird durch diese Behandlung so wütend, dass er sich fertig macht, um Rache zu üben (Vers 13).

Und nun tritt Abigail in Erscheinung. Sie wird als eine Frau „schön von Gestalt“ und vor allem „von guter Einsicht“ beschrieben. Sie hat offensichtlich über die Menschen und die Ereignisse ihrer Zeit nachgedacht. Und der Herr hat ihr ein Verständnis gegeben, was den Worten des Apostel entspricht, die so viele Jahrhunderte später aufgeschrieben wurden: „Bedenke, was ich sage; denn der Herr wird dir Verständnis geben in allen Dingen“ (2. Timotheus 2,7).

Abigail aber handelt im Glauben …

Abigail wird die Torheit ihres Mannes von den Knaben berichtet. Sofort handelt sie im Glauben – folglich, ohne ihren Mann zu befragen. Der natürliche Geist konnte in David nichts als einen davongelaufenen Knecht sehen. Der Glaube dagegen betrachtete nicht allein die rein äußeren Umstände, sondern sah in dem gejagten und bedürftigen David den kommenden König.

So nimmt sie ihren Platz ein, indem sie sich diesem König unterordnet. Sie handelt mit einem Respekt, der für die Gegenwart eines Königs angemessen ist. Zunächst bereitet sie ein Geschenkt vor. Als sie David trifft, fällt sie ihm zu Füßen, beugt sich zur Erde nieder und erkennt David als Herrn an. Zudem ergreift sie Partei für David, sowohl gegen ihren eigenen Ehemann als auch gegen den amtierenden König Saul. Sie erkennt an, dass Nabal – auch wenn er ihr eigener Ehemann ist und in der Welt hohes Ansehen genießt – gottlos und töricht handelt. Und, dass Saul, auch wenn er der regierende König ist, nichts als „ein Mensch“ ist, der gegen den Gesalbten Gottes aufgestanden ist. Sie erkennt, dass David zwar verfolgt wird und dadurch in Armut leben muss, dass er aber zugleich „eingebunden sein wird in das Bündel der Lebendigen“ (Vers 29) und ein herrliches Erbteil antreten wird.

… und sieht kommende Herrlichkeiten voraus

Wie Jonathan nahm Abigail eine hohe Stellung in dieser Welt ein. Denn sie war die Ehefrau eines „sehr vermögenden Mannes“. Im Gegensatz zu Jonathan jedoch wurde sie durch ihre soziale Stellung nicht daran gehindert, sich selbst mit David auch in den Tagen seiner Armut und Verachtung zu identifizieren. In sehr gesegneter Weise blickt sie über den Tag der Leiden Davids hinaus, indem sie seine kommende Herrlichkeit sieht. Im Blick auf diese Herrlichkeit und im Vertrauen auf den König kann sie sagen: „Und wenn der HERR meinem Herrn wohl tun wird, so erinnere dich an deine Magd“ (Vers 31).

Es kann nicht anders sein, als dass uns diese Worte an die viel größere Szene erinnern, als der sterbende Räuber in dem gekreuzigten Menschen neben sich den Herrn der Herrlichkeit und den König der Könige erkannte. Auch er schaute über die schrecklichen Umstände jenes Momentes hinaus zu der kommenden Herrlichkeit. So konnte er im Vertrauen auf den wahren König sagen: „Gedenke meiner, Herr, wenn du in deinem Reich kommst! (Lukas 22,42). So schauen die hochgeborene Abigail und der Räuber niedriger Geburt beide mit demselben Glauben über die jeweilige Gegenwart hinaus. Sie handeln und sprechen im Licht der Zukunft, und die Zukunft rechtfertigt ihren Glauben.

David befindet sich zwar in „Wüsten-Umständen“. Aber er reagiert auf die Worte und Handlungen Abigails mit königlicher Würde, wie ein König einer Untergebenen gegenüber. Er entlässt Abigail mit seinem Segen, nachdem er ihr Geschenk angenommen und ihren Bitten entsprochen hat. Er hat ihre „Person angesehen“ (Verse 32-35).

Das Ende eines Toren

Als Abigail zu ihrem Ehemann zurückkehrte, traf sie ihn bei einem Festmahl an, bei dem er sich betrank und entwürdigte. Nachdem er wieder nüchtern geworden war, informiert sie ihn über das, was stattgefunden hatte. Sofort „erstarb sein Herz in seinem Innern, und er wurde wie ein Stein“ (Vers 37). Ungefähr zehn Tage später schlug ihn der Herr, und – um mit den Worten Abigails zu sprechen – er wurde im Gereicht weggeschleudert in der Pfanne der Schleuder (Verse 29.36-38).

Nachdem Abigail durch den Tod ihres Mannes Freiheit erlangt hat, wird sie die Ehefrau Davids. Sie verlässt ihre hohe Stellung, die Bequemlichkeit und ihren Komfort, was einer vermögenden Frau natürlicherweise zustand, um sich mit David in seinen Leiden und seinen Streifzügen zu verbinden. In diesem neuen Weg würde sie in der Tat Leiden und Entbehrung kennenlernen. Sie würde sogar von den Feinden Davids „in den Tagen Ziklags“ gefangen weggeführt werden. Aber sie würde auch seinen Thron in den Tagen seiner Regierung in Hebron mit ihm teilen dürfen (1. Samuel 30,5; 2. Samuel 2,2).

Es geht eigentlich um Christus!

Haben wir hier nicht – als eine Vorschattung – die zu Herzen gehende und Geschichte des viel größeren Sohnes Davids vor uns? Sehen wir nicht in dem abgelehnten und gejagten David ein Bild des Einen, der verachtet und verlassen war von den Menschen? Natürlich ist wahr, dass wir in David einen Menschen mit gleichen Empfindungen wie wir sehen. Und doch erkennen wir in ihm in beeindruckender Weise ein Vorbild dessen, der auf seinem Lebensweg der Ablehnung in allem vollkommen war. David mochte in einem Augenblick hastig sein Schwert gürten, um Rache an seinen Feinden zu nehmen; Petrus würde in gleicher Gesinnung sein Schwert ziehen, um seinen Meister zu verteidigen.

Aber Christus selbst würde in der Gegenwart seiner Feinde sagen: „Stecke das Schwert in die Scheide“ (Johannes 18,11). In jedem Vorbild auf den Herrn finden wir diese Gegensätze, die nur dazu dienen, uns zu zeigen, dass die Vorbilder nicht in der Lage sind, die Vollkommenheit von Jesus vollständig zu offenbaren. Manche Menschen mögen uns zeitweise eine sehr gesegnete Vorschattung des Kommenden geben. Aber sie bleiben immer Schatten. Christus ist die Wirklichkeit. Und Er allein ist vollkommen.

Nabal ist ein Bild der Welt

Wenn wir in David ein Vorbild auf Christus, den König der Könige sehen können, erkennen wir dann nicht in Nabal ein Bild der Gesinnung der Welt gegenüber Christus – sei es in den Tagen seines Fleisches, oder während der gegenwärtigen Zeit, wo Er zur Rechten Gottes thront? Die Gedanken der Welt gehen – wie die Nabals – nicht über die gegenwärtige Zeit hinaus. Damals wie heute ist es eine Welt, die auf den gegenwärtigen Gewinn ausgerichtet ist, auf Feste und Vergnügen. Von einer solchen Welt wird Christus verachtet und verworfen. In Ihm sehen sie keine Schönheit. In Ihm sehen sie nichts. Denn die Welt hat kein Bewusstsein davon, dass sie Christus nötig hat.

Diese Welt mag tatsächlich ein christliches Bekenntnis annehmen. Und doch ist sie auch dann mit sich selbst sehr zufrieden, so dass sie sagen kann: „Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts“ (Offenbarung 3,17) – nicht einmal das „Bedürfnis“ nach Christus. Wenn die christliche Welt also den Namen Christi annimmt, so weist sie Christus selbst doch den Platz vor ihren Türen zu, außerhalb. Und doch ist die langmütige Gnade Christi derart gewaltig, dass sie – so wie David sich an Nabal wandte – an der Tür der bekennenden Kirche steht und anklopft.

Bis heute kann man auf die Stimme des Herrn hören

Wenn es jedoch inmitten dieser Christus verwerfenden Christenheit solche gibt, die die Stimme des Herrn hören und Christus ihre Türen öffnen, wie reich werden sie gesegnet! In der jetzigen Zeit werden solche die schöne Gemeinschaft mit Christus in den Tagen seiner Verwerfung genießen. Denn der Herr kann zu demjenigen, der Ihm seine Tür öffnet, sagen: „Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und das Abendbrot mit ihm essen, und er mit mir“ (Offenbarung 3,20).

Und in der Zukunft wird derjenige, der mit Christus diese Tischgemeinschaft in den Tagen seiner Verwerfung geteilt hat, in den Tagen seiner Herrlichkeit mit Ihm regieren. Denn der Herr kann sagen: „Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen“ (Offenbarung 3,21).

Abigail als ein Vorbild des Glaubens

Ist Abigail von all diesem nicht ein strahlendes Beispiel? Als die Welt ihrer Tage die Tür vor David zuschlug, öffnete sie ihre Tür, um Fülle zu seiner Verfügung zu stellen. Dafür bekam sie eine reiche Belohnung. Sie durfte die herrliche Gemeinschaft mit David als seine Ehefrau in den Tagen seiner Verwerfung genießen. Und sie saß mit ihm auf seinem Thron in den Tagen seiner Herrlichkeit.

Es ist gut für uns, wenn wir das Beispiel Nabals als Warnung zu Herzen nehmen, um dem Beispiel Abigails zu folgen. Wie glücklich können wir sein, wenn wir uns mit ganzem Herzen von der Verdorbenheit des christlichen Bekenntnisses trennen, um uns zu Christus außerhalb der Welt am Platz seiner Schmach zu versammeln. Die Christenheit unternimmt größte Anstrengungen, um eine unheilige Einheit herbeizuführen, in der jede wesentliche Wahrheit des Christentums geleugnet wird oder in einem Nebel von Spekulationen verloren geht. Christus selbst steht außerhalb.

Außerhalb der Welt ist der größte Segen für den Gläubigen

Und schließlich werden diese Menschen feststellen müssen, dass sie sich vereinigt haben, um aus dem Mund Christi ausgespieen zu werden (Offenbarung 3,16). Wie wichtig ist es daher für wahre Gläubige, sich durch den Ernst der Tage, in denen wir leben, aufwecken zu lassen, um die Stimme des Herrn zu hören, der sagt: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden mitteilhaftig werdet und damit ihr nicht empfangt von ihren Plagen“ (Offenbarung 18,4).

Diejenigen, die den Worten des Herrn Gehorsam leisten, werden feststellen, dass die natürlichen Bindungen, die der sozialen Stellung und auch die an weltlich-religiöse Autoritäten überwunden werden müssen. Wenn wir jedoch wie Abigail Überwinder sind, werden wir feststellen, dass der Platz außerhalb der Welt, verbunden mit Christus, den größten gegenwärtigen Segen in der heutigen Zeit und die größte Herrlichkeit in der Zukunft mit sich bringt.