01.04.2003Prophetie | Dienst | 1. Samuel

Samuel, der Prophet (aus Scripture Truth, Bände 21 & 22, 1929 & 1930)

Einleitung

Geschichtlich gesehen ist das erste Buch Samuel die Fortsetzung des Buches der Richter. Dort haben wir die Geschichte des Volkes, dessen Weg schon immer abwärts gerichtet war - trotz der gelegentlichen Erweckungen. Richter schließt mit der ernsten Aussage: “In jenen Tagen war kein König in Israel; ein jeder tat, was recht war in seinen Augen” (Richter 21,25). Israel hatte jedes wahre Bewusstsein davon verloren, dass Gott sein König war. Dadurch hörten sie auf, ein vereintes Volk zu sein und zerbrachen einfach in mehrere Einheiten, die unabhängig voneinander handelten. Und jeder tat seinen eigenen Willen und wandelte gemäß dem eigenen Licht, nicht jedoch im Glauben und Vertrauen auf Gott.

Aber auch heute sieht es beim Volk Gottes nicht anders aus. Die gleiche Ursache führt zu denselben Folgen. Da die Gläubigen darin versagen, das Haupt im Himmel festzuhalten (Kolosser 2,19), tun sie es auch darin, die Einheit und Gemeinschaft im Volk Gottes auf der Erde zu bewahren. Und durch die fehlende Gemeinschaft fallen sie in einfachen Individualismus, bei dem jeder seinen eigenen Willen verwirklicht - unabhängig von den anderen.

Die dunkle Epoche des Volkes Israel

In den einleitenden Kapiteln des ersten Buches Samuel (1-7) finden wir eine der dunkelsten Abschnitte in der Geschichte Israels vorgestellt. Die Abwärtsbewegung des Buches der Richter wurde dort weitergeführt, bis die Nation nicht nur vollkommen durch das Böse gekennzeichnet war, sondern zudem in einem hoffnungslosen Zustand gefangen lag. Ihre Ungerechtigkeit war so schlimm, dass es für Gott unmöglich war, seine äußere Verbindung mit Israel aufrecht zu halten, ohne entweder ihre Sünden zu bestrafen oder seine Herrlichkeit zu beschmutzen. So beginnt eine ernste Periode in der Geschichte des Volkes, in der Gott das Symbol seiner Gegenwart zurückzieht - die Bundeslade - und jede äußere Beziehung zwischen dem Volk und Gott beendet ist.

Es gibt allerdings auch noch eine andere Seite dieses dunklen Bildes. Denn wenn uns erlaubt wird, das vollständige Versagen des Volkes Gottes hinsichtlich seiner Verantwortung zu sehen, so besitzen wir zugleich das Vorrecht, die unumschränkte Gnade Gottes zu bewundern. Wenn also diese Begebenheiten die Tiefe der menschlichen Sünden zeigen, machen sie zugleich die Höhe der göttlichen Gnade deutlich. So wird uns auf anschauliche Weise gezeigt, dass wo die Sünde überströmend geworden ist, die Gnade noch überreichlicher geworden ist (Römer 5,20).

Je dunkler das Bild, desto heller strahlt die Gnade

Wenn wir uns nun die einzelnen Begebenheiten anschauen, dann fehlen die unheilvollen Zeichen des kommenden Sturms nicht. Und im weiteren Verlauf werden die Schatten größer und die Dunkelheit breitet sich aus. Aber inmitten dieser Finsternis lernen wir die Wahrheit dieses Wortes: „Und es wird geschehen, wenn ich Wolken über die Erde führe, so soll der Bogen in den Wolken erscheinen“ (1. Mose 9,14).

Kurz gesagt zeigen uns die ersten sieben Kapitel des ersten Buches Samuel das vollkommene Versagen des Volkes Gottes in seiner Verantwortung, und den letztendlichen Triumph der unumschränkten Gnade Gottes.

Einteilung von 1. Samuel 1-7

Dieser Teil des Buches kann folgendermaßen eingeteilt werden:

1. 1. Samuel 1-2,10: Die unumschränkte Gnade Gottes ist trotz der Schwachheit der Natur und des Versagens des Menschen wirksam, um Gottes festgesetzte Ratschlüsse zu erfüllen, seine eigene Herrlichkeit aufrecht zu erhalten, und um den Segen des Volkes unter der Herrschaft von Christus als König zu sichern.
2. 1. Samuel 2,11-36: Hier sehen wir das Versagen des Volkes Gottes in seiner Verantwortung. Dies wird durch den Zusammenbruch des Priestertums deutlich. Zudem finden wir hier Warnungen vor dem kommenden Gericht.
3. 1. Samuel 3: Der Höhepunkt des Bösen mit dem daraus folgenden beiseite Setzen des Priesters und der Einführung des Propheten.
4. 1. Samuel 4: Das Gericht in den göttlichen Regierungswegen fällt auf das Volk Gottes, so dass es in Gefangenschaft der Feinde gerät. Auch das äußere Kennzeichen der Gegenwart Gottes ist weggenommen.
5. 1. Samuel 5 und 6: Gott bestätigt seine Heiligkeit noch einmal und bewahrt die Majestät seines Namens in Tagen, in denen das Volk Gottes aufgehört hat, ein öffentlicher Zeuge für Gott zu sein.
6. 1. Samuel 7: Gott stellt in seiner unumschränkten Gnade sein Volk wieder her - und Er erneuert seine Beziehungen zum Volk durch den Propheten.


1. Die Absicht Gottes (1. Samuel 1-2,10)

In diesem einleitenden Abschnitt von 1. Samuel haben wir eine herrliche Vorwegnahme des folgenden Wortes: „...nach der Kraft Gottes; der uns errettet hat und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben“ ist (2. Timotheus 1,8-9). Am Ende des Liedes, das Hanna sang, kommen wir bis zum abschließenden und höchsten Vorsatz Gottes, den Segen unter Christus als König einzuführen. In der Geburt Samuels sehen wir die Gnade Gottes, diesen Vorsatz zur Ausführung zu bringen. Und das trotz der Schwachheit und dem Versagen des Menschen - also nicht nach unseren Werken, wie Paulus später schreiben sollte.

Darüber hinaus lernen wir, dass die Gnade jede Krise voraussieht, die unter dem Volk Gottes aufkommen kann. Aber sie überwindet diese Krise nicht nur, sondern trifft die geeigneten Vorkehrungen für solch schwierige Zeiten, bevor sie kommen.

Der Beginn der Geschichte zeigt uns einen gottesfürchtigen Leviten mit zwei Frauen; die eine fruchtbar, die andere unfruchtbar. Die unfruchtbare Frau - Hanna - bringt ihren Zustand mit Trauer vor den HERRN und wird von Peninna, der fruchtbaren Frau, gekränkt. Elkana geht jedes Jahr nach Silo, um vor dem HERRN anzubeten und zu opfern. An diesem Ort finden wir Hophni und Pinehas. Es sind zwei böse Menschen, wie wir in Kapitel 2,12 lesen, die als Priester des HERRN tätig sind. Eli, ihr Vater und zugleich Hoherpriester, ist persönlich sehr gottesfürchtig. Wir lernen ihn jedoch kennen als eine geschwächten alten Mann, der am Eingang des Tempels sitzt (Vers 9) und die Übungen einer Gott hingegebenen Seele als wirres Reden einer betrunkenen Frau missversteht (Vers 13). Dass er an einem Ort sitzt, für den Gott gar keinen Stuhl vorgesehen hat, zeigt uns den Mangel an geistlicher Energie. Dass er Hanna in ihrem Gebet vollkommen falsch versteht, zeigt uns den Mangel an geistlichem Urteilsvermögen.

Souveräne Gnade strahlt aus dem Dunkel hervor

So werden uns eine unfruchtbare Ehefrau, eine kränkende Frau, zwei wertlose Männer als Priester und ein schwacher und versagender alter Mann als Hoherpriester gezeigt. In solchen Umständen wird uns erlaubt, die souveräne Gnade Gottes zu sehen. Sie übergeht die fruchtbare Frau, wirkt durch die Schwachheit der Natur in der unfruchtbaren Frau und ist stärker als die Sünde des Menschen, wie es in den Priestern dargestellt wird. In dem Sohn, der Hanna gegeben wird, sehen wir den Weitblick der Gnade Gottes. Sie sorgt schon vor, um die Beziehungen Gottes mit seinem Volk in den kommenden Tagen des Zusammenbruchs zu erneuern.

Die drei großen Ämter, durch die die Beziehungen zwischen Gott und dem Menschen aufrechterhalten werden, sind die des Priesters, des Propheten und des Königs. Der Priester hält die Beziehungen mit Gott aufrecht, indem er Gott zugunsten des Volkes naht. Dafür ist in Verbindung mit dem Priester die Bundeslade und das Opfer nötig - die Lade, die die Gegenwart des HERRN darstellt, und das Opfer, das uns den Weg des Herzunahens symbolisiert.

Der Prophet erneuert die Beziehungen mit Gott durch den Appell an Gewissen und Herz des Volkes, indem er eine Botschaft von Gott verkündigt. Wenn der Priester versagt und das Volk aufhört, Gott durch die Priesterschaft zu nahen, kommt Gott in seiner souveränen Gnade durch den Propheten zum Volk herab.

Der König hält die Beziehungen zwischen dem Volk und Gott aufrecht, indem er das Volk unter der Autorität Gottes führt. Wenn der König eingesetzt ist, dann regiert und führt Gott nicht mehr auf direkte Weise, sondern handelt durch den König. Dann hängt auch der Segen für das Volk von der persönlichen Treue des Königs ab.

Die Einführung von Christus beendet alles Versagen

Das erste Buch Samuel zeigt uns das Versagen des Priesters, des Propheten und des Königs nach Wahl des Menschen. Dadurch wird der Weg frei gemacht für die souveräne Gnade Gottes, um den Menschen in den Segen zu führen. Und dies geschieht durch die Einführung seines Gesalbten - des Christus - als König, von dem David ein Vorbild ist. So wird letztendlich dem ganzen Universum klar gemacht werden, dass aller Segen für Israel und die Nationen von der Treue Christi als König abhängt. Der Mensch wird gesegnet werden. Aber alle Herrlichkeit des Segens wird auf Christus ruhen. Die Herrlichkeit Christi ist das Ziel der Ratschlüsse Gottes.

Darüber hinaus zeigt uns die Geschichte von Hanna nicht nur den großen Grundsatz, nach dem Gott seinen Ratschluss der Gnade ausführt. Sie gibt uns auch eine reichhaltige moralische Belehrung für jedes geprüfte und leidende Kind Gottes. Wie auffallend ist der Kontrast zwischen der Hanna, die nicht essen kann und in ihrer Seele verbittert weint, wie wir in Vers 7 lesen, und der Hanna, die „ihres Weges ging und aß, und ihr Angesicht war nicht mehr dasselbe“ (Vers 18).

Wie kam es zu dieser Veränderung? Hatten sich die Umstände gewandelt, die ihren Kummer bewirkt hatten? Überhaupt nicht, denn sie war nach wie vor die unfruchtbare Frau. Das Geheimnis dieses Wechsels liegt in der Tatsache, dass sie ihre Seele vor dem HERRN ausgeschüttet hatte. Die Kränkung durch ihre Gegnerin, die Sorgen ihres Geistes und die Bitterkeit der Seele - alles das hatte sie mit Weinen vor ihren HERRN gebracht. So durfte sie das Wort hören: „Gehe hin in Frieden“. Sie schüttet ihren Kummer aus, und der Friede Gottes strömt in sie hinein. Das ist eine beeindruckende Illustration der Ermahnung, die uns sagt: „Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus“ (Philipper 4,6-7).

Aus Leid kommt Freude hervor

Wie oft schleppen wir unseren Kummer mit uns herum, statt ihn vor dem Einen auszuschütten, der in diese Welt der Weinenden kam, um unsere Leiden zu tragen und unsere Schmerzen auf sich zu nehmen. Haben wir ein verstecktes Leid; haben wir einen Feind, der Kränkungen bewirkt (Vers 6); etwas oder jemand, der unseren Geist provoziert (Vers 6); etwas, das unsere Herzen betrübt (Vers 8); etwas, das unsere Seele mit Bitterkeit erfüllt und unsere Augen mit Tränen (Vers 10)? Dann lasst uns unsere Seelen vor dem HERRN ausschütten, und Er wird uns mit seinem Frieden erfüllen. Und ein freudiges Herz wird ein freudiges Gesicht zeigen, wie wir lesen: „Und ihr Angesicht war nicht mehr dasselbe.“ Wenn das Herz in Frieden ruht und damit der Freude des Herrn erfüllt ist, wird es zu einem anbetenden Herzen; so lesen wir von Hanna, dass sie vor dem HERRN anbetete (Vers 19).

Nachdem Hanna gelernt hat, dass der HERR in der Lage ist, sie in den Umständen zu aufrecht zu erhalten und sie trotz dieser Schwierigkeiten sogar zu einer Anbeterin zu machen, ändert die Barmherzigkeit des HERRN ihre Umstände. Denn Er gewährt ihr ihre Bitte. Sie hatte gebetet: „HERR der Heerscharen! Wenn du ... meiner gedenken ... wirst“ (Vers 11). Nun lesen wir: „Und der HERR gedachte ihrer“ (Vers 19). Sie bekommt einen Sohn, den männlichen Samen, um den sie gebeten hatte. Und das Kind, das sie von dem Herrn erhält, gibt sie Ihm zurück. „Um diesen Knaben habe ich gefleht, und der HERR hat mir meine Bitte gewährt, die ich von ihm erbeten habe. So habe auch ich ihn dem HERRN geliehen; alle die Tage, die er lebt, ist er dem HERRN geliehen“ (Vers 27-28).

Das prophetische Gebet Hannas

Das Geschenk des Kindes ruft ganz natürlich den Dank Hannas hervor (1. Samuel 2,1-10). Hanna hatte ihre Seele im Gebet um eine Sohn ausgeschüttet. Nachdem ihre Bitte nun erhört worden ist, vergisst sie nicht, ihr Herz in einem Lobpreis auszuschütten. Darum beginnt sie ihr zweites Gebet: „Es frohlockt mein Herz in dem HERRN“ (2,1).

Hanna beginnt ihre Danksagung zu Recht mit der feierlichen Erwähnung der Herrlichkeiten Gottes, da sie anerkennt, dass jeder Segen von Ihm abhängt. „Keiner ist heilig wie der HERR“ (Vers 2). Gott ist allmächtig - „denn keiner ist außer dir“; Gott ist ewig - „und kein Fels ist wie unser Gott“. Gott ist allwissend - „denn ein Gott des Wissens ist der HERR“ (Vers 3).

Gottes souveräne Gnade kann erlebt werden

Danach rühmt sie die souveräne Gnade Gottes, der die Schwachen, Bedürftigen und Unfruchtbaren aufnimmt, um sie zu segnen. Solchen, die gestrauchelt (Vers 4), hungrig oder unfruchtbar sind (Vers 5), kommt Er zur Hilfe. Gott geht an den Weisen, Mächtigen und Edlen vorüber - aber Er nimmt die Unedlen und Verachteten der Welt auf, damit sich niemand selbst in seiner Gegenwart rühmen kann.

Darüber hinaus hat Gott seinen eigenen Weg, um mit uns zu handeln und uns unsere Bedürfnisse bewusst zu machen. Er lässt den Tod in unsere Seele hineinkommen, um wieder lebendig zu machen. Er führt uns dem Grab nahe, damit wir unsere vollständige Schwachheit zu erkennen lernen. Er macht uns von allem frei, worauf wir vertrauen - so macht Er uns arm, um uns dann reich zu machen. Er sorgt dafür, dass wir in unseren Gedanken niedrig von uns denken, um uns dann zu erhöhen (Verse 6 und 7).

Gottes Fülle ersetzt unsere Nichtigkeit

Nachdem Gott uns unsere Nichtigkeit gezeigt hat, entfaltet Er seine eigene Fülle - den Ratschluss seines Herzens. Dabei stillt Er nicht nur unsere Bedürfnisse, sondern verändert unseren Zustand - der Bettler wird zu einem Fürsten. Und Er gibt uns eine ganz neue Stellung, die dem neuen Zustand angemessen ist. Aus „dem Staub“ und „dem Kot“ werden wir zum „Thron der Ehre“ geführt. In allen diesen gesegneten Wegen handelt Er vollkommen souverän. Der Eine, dem „die Säulen der Erde“ gehören, und der „den Erdkreis auf sie gestellt hat“, kann eine arme und bedürftige Seele unter Edlen auf den Thron der Herrlichkeit setzen (Vers 8).

Auch sehen wir nicht nur ein herrliches Erbe, das für das Volk Gottes vorgesehen ist, sondern sie selbst werden durch die Macht Gottes für dieses Erbteil bewahrt. „Die Füße seiner Frommen bewahrt er“ (Vers 9). In eigener Kraft können sie nicht dem „Gesetzlosen“ und den Feindes des Herrn widerstehen, „denn nicht durch Stärke hat der Mensch die Oberhand“. Durch die sichere Bewahrung durch den Herrn müssen sie nichts fürchten, denn Er wird dafür sorgen, dass die Gesetzlosen verstummen und seine Feinde „zerschmettert werden“ (Vers 10; 1. Petrus 1,3-5).

Der Gipfelpunkt der Ratschlüsse Gottes: Christus

Schließlich enthüllt uns das Gebet von Hanna den Gipfelpunkt der Ratschlüsse Gottes: die Einführung von Christus als König und die Verherrlichung seines Gesalbten. So werden wir in dem offenbarten Ratschluss Gottes zu einer herrlichen Zeit geführt, in der das Volk Gottes gesegnet wird, jeder Feind zerstört sein wird und die Enden der Erde unter den gesegneten Einfluss von Christus als König gebracht sein werden.

Aus dem Schlussvers des Buches der Richter lernen wir, dass es keinen König in Israel gab. Jetzt - durch die Offenbarung, die einer Frau gegeben wurde - lernen wir den festen Ratschluss des Herzens Gottes kennen, seinen König einzuführen. Er wird in souveräner Gnade die Schwachen und Bedürftigen herbeirufen, um den Thron der Herrlichkeit mit seinem König zu teilen.

In der Weisheit und Vollkommenheit der Wege Gottes wird diese herrliche Offenbarung der dunkelsten Zeitepoche der Geschichte Israels vorangestellt. So wird uns versichert, sogar ehe der Sturm ausbricht, dass letztendlich die Gnade triumphieren wird, denn Gott ist souverän. Der Sturm mag kommen, aber wahrhaftig ist der Regenbogen in den Wolken. Unser Weg mag durch ein dunkles Tal führen, aber unser Glaube wird durch den Lichtblick der Sonne, die über den Bergen scheint, aufrechterhalten.


2. Das Versagen des Priesters (1. Samuel 2,11-36)

Das Lied Hannas bürgt für den letztendlichen Triumph der Gnade unter der Herrschaft Christi. Im Licht dieser Gewissheit sind wir in der Lage, den vollständigen Zusammenbruch des Menschen, was seine Verantwortlichkeit betrifft, zu betrachten.

Der schlimme Zustand des bekennenden Volkes Gottes unter der Priesterschaft Elis wird durch drei furchtbare Übel deutlich. Die Priesterschaft war verunreinigt (Vers 12); die Opfer des HERRN wurden verachtet (Vers 17); und die Stiftshütte wurde entweiht (Vers 22). Wir haben aus 1. Samuel 1,3 schon gelernt, dass die Söhne Elis Priester des HERRN waren. Nun wird uns mitgeteilt, dass sie „Söhne Belials“ waren und dass sie den HERRN nicht kannten. Gerade die Männer, deren Amt darin bestand, das Volk vor dem HERRN zu vertreten, kannten diesen Herrn nicht. Vielmehr nutzten sie ihre Stellung dazu, sich selbst auf Kosten des Volkes zu bereichern (Verse 12-16). Die Größe ihrer Sünde vor dem HERRN wird darin deutlich, dass ihr Verhalten dazu führte, dass die Opfergaben für den HERRN von dem Volk verachtet wurden.

So wurden sie zu Instrumenten des Verderbens des bekennenden Volkes Gottes (Vers 17). Schließlich wurde das Haus Gottes in Silo durch ihren schlimmen Wandel zur Kulisse schrecklicher Sünde, die sogar das natürliche Gewissen erschüttert.

Alte Tage als Bild unserer Tage

Aber ist dies nicht das genaue Bild dessen, was in der Christenheit in unseren Tagen passiert? Dieser Zustand wurde in der Tat in der Christenheit über die Jahrhunderte hindurch gefunden. Aber er ist in der letzten Zeit ganz offensichtlich schlimmer geworden, denn viele, die in der Öffentlichkeit bekennen, dass sie Priester des Herrn sind, sind in Wirklichkeit Fremde für Ihn.

Wie Hophni und Pinehas damals, so nutzen solche Menschen auch heute ihre Religion, um sich selbst und ihren eigenen Zielen zu dienen - und das auf Kosten des Volkes Gottes. Durch sie wird das Sühnungsopfer Christi verachtet, und das Böse und die Weltlichkeit werden mit Macht eingeführt in den Bereich, der bekennt, Haus Gottes zu sein. Dadurch wird sogar das natürliche Empfinden erschüttert, und man wendet sich mit wahrem Ekel von dem ab, was zu einem reinen Zerrbild des Glaubens geworden ist. Auf diese Weise werden die Führer des christlichen Bekenntnisses - wie die damaligen Priester - zu dem Hauptmittel des Verderbens und des Abfalls.

Je dunkler die Tage - um so heller strahlt der Regenbogen hervor

Dies war also der schreckliche Zustand in Israel - und doch, wenn sich der Sturm formiert, dann werden wir an Gottes eigene Worte erinnert: „Und es wird geschehen, wenn ich Wolken über die Erde führe, so soll der Bogen in den Wolken erscheinen“ (1. Mose 9,14). Inmitten vollkommener Finsternis stärkt der Geist Gottes wieder und wieder den Glauben, indem Er uns den Blick auf den Regenbogen schenkt. So lesen wir hier, dass „das Kind dem HERRN diente“ (Vers 11). Dann verdunkelt sich der Himmel weiter, denn wir finden die furchtbaren Enthüllungen über die Sünde der Priester (Verse 12-17). Und erneut können wir einen Blick auf den Regenbogen werfen, denn wir lesen: „Und Samuel diente vor dem HERRN, ein Knabe...Und der Knabe Samuel wurde groß bei dem HERRN“ (Verse 18-21).

Dennoch wird die Dunkelheit noch größer, denn wir lesen von der Entweihung des Hauses Gottes (Verse 22-25). Aber erneut wird der Regenbogen sichtbar in seiner Schönheit, denn wir lesen: „Der Knabe Samuel wurde fort und fort größer und angenehmer, sowohl bei dem HERRN, als auch bei den Menschen“ (Vers 26).

Gott geht an den Großen vorbei und benutzt Kinder als Zeugen

Überzeugt diese Schilderung unsere Herzen nicht davon, dass, wie dunkel die Tage auch sein mögen, Gott sich ein Zeugnis erhalten und den Glauben seines wahren Volkes stärken wird? Deutet nicht die wiederholte Erwähnung des „Knaben“ oder „Kindes“ zudem den Weg Gottes an, den Er beschreitet, um sein Zeugnis in Tagen des Verfalls aufrechtzuerhalten? Er geht an selbsternannten religiösen Amtsträgern vorbei und benutzt ein „Kind“ als Zeuge für sich selbst.

Als also die Priester in Elis Tagen versagten, kam ein Kind zum Vorschein - aber immer in Verbindung mit dem Herrn: „Der Knabe diente dem HERRN“, „Samuel diente vor dem HERRN, ein Knabe“, „der Knabe Samuel wurde groß bei dem HERRN“, „der Knabe Samuel wurde ... angenehmer... bei dem HERRN“, „der Knabe Samuel diente dem HERRN“ (1. Samuel 2,12.18.21.26; 3,1).

So finden wir hier die Enthüllung des schrecklichen Zustands von Israel durch Gott - eine ernste und feierliche Vorhersage des Zustands der Christenheit - und den gnädigen Weg, den Gott zum Zeugnis für sich selbst aufrecht erhält in den Tagen des Ruins.

Gott bereitet den Befreier im Verborgenen zu

Darüber hinaus sehen wir einen weiteren großen und ermutigenden Grundsatz der Wege Gottes, dass genau zu dem Zeitpunkt, an dem über das Volk Gottes böse Zeiten hereinbrechen - durch eigene Torheit - Gott im Verborgenen ein Gefäß für ihre vollständige Befreiung zubereitet. Es hat dazu jemand geschrieben: „Zu allen Zeiten, in denen sich der Mensch selbst zerstörte, gab es zugleich etwas anderes, das Gott plante... Während seine Brüder ihre Sünden und Sorgen in Kanaan anhäuften, wuchs Joseph - für sie unbekannt - in Ägypten auf, um ihnen später helfen zu können.

Während sich Israel in der „Glut des Ofens“ befindet, bereitet sich Mose weit entfernt in der Einsamkeit Midians darauf vor, ihr Erlöser zu werden... Als die Priesterschaft verunreinigt war und die Herrlichkeit [die Bundeslade] ins feindliche Land weggeführt wurde, wurde das Kind Samuel hervorgebracht, um den „Stein der Hoffnung“ zu erwecken.... Als Saul und das Königtum selbst Verfall auf sich gebracht hat, wird David, „das Geheimnis Gottes“ zubereitet, um den Thron wieder in Ehren und das Königtum zu Ordnung und Stärke zu bringen.“

Gott warnt immer, bevor Er richtet

Eine weitere Wahrheit tritt in den Schlussversen des Kapitels hervor: Gott lässt den schlimmen Zustand seines bekennenden Volkes nicht ungerichtet. Aber - wie immer - warnt Er, bevor Er richtet. So wird ein Mann Gottes mit einem ernsten Zeugnis und einer Warnung für den betagten Eli gesandt. Zunächst wird er an die hohen Vorrechte seines Amtes erinnert. Er ist - sagt der HERR - „erwählt, um auf meinem Altar zu opfern... vor mir“ (1. Samuel 2,28). Dann wird seine Übertretung deutlich angegeben: „Warum“, sagt der HERR, „tretet ihr mit Füßen mein Schlachtopfer und mein Speisopfer, die ich in der Wohnung geboten habe? Und du ehrst deine Söhne mehr als mich“ (1. Samuel 2,29). Tatsächlich waren die Söhne die schuldigen Personen. Insoweit aber Eli nichts gegen sie unternahm, wird er selbst für ihre Taten verantwortlich gemacht.

Es ist wahr, dass er ihnen widersprochen hat. Aber das Böse hatte einen solch schlimmen Charakter, dass zu widersprechen und doch gemeinsam mit denen im Dienst fortzufahren, denen der Widerspruch galt, eine Billigung ihrer Bosheit darstellte. Der verborgene Beweggrund, der Eli regierte, kommt in den Worten Gottes zum Ausdruck; „Du ehrst deine Söhne mehr als mich.“ Die natürlichen Beziehungen und die Freundschaften des Lebens wurde über die Ansprüche des Herrn gestellt. Eli war erwählt worden, vor dem Herrn zu wandeln. Da er jedoch seine Söhne mehr ehrte als den Herrn, muss er das ernste Wort hören: „Denn die mich ehren, werde ich ehren, und die mich verachten, werden gering geachtet werden“ (Vers 30).

Eli ist eine Warnung für uns!

Hat nicht das ernste Versagen dieses gottesfürchtigen, alten Mannes auch eine warnende Stimme für das Volk Gottes zu allen Zeiten? In sehr verschiedenen Umständen und in unterschiedlichem Ausmaß können wir uns in der Schlinge verfangen, unsere Brüder, Freunde, Verwandten mehr zu ehren als den HERRN. Immer wieder hat sich die Wahrheit der Worte des Herrn als richtig erwiesen: „Denn die mich ehren, werde ich ehren, und die mich verachten, werden gering geachtet werden.“ Wenn Gott uns in seiner Gnade erwählt hat, vor Ihm zu wandeln, werden wir nur in Sicherheit bewahrt werden, wenn wir gemäß den Worten des Psalmisten handeln: „Ich habe den Herrn stets vor mich gestellt“ (Psalm 16,8).

Nachdem Eli an seine Vorrechte erinnert und wegen seiner Fehler zur Verantwortung gezogen wurde, musste er das Gericht hören, das im Begriff stand ausgeführt zu werden. Eli hatte durch seine Familie gesündigt - und über seine Familie würde das Gericht kommen. Die Nachkommen („Anwuchs“) seines Hauses würden in der Blüte ihres Alters sterben; Hophni und Pinehas würden an einem Tag umkommen. Und jeder, der übrig bleiben sollte, würde aus dem Priesteramt verstoßen werden und um Brot betteln müssen.

Gottes Wort erfüllt sich!

Der weitere Verlauf der Geschichte zeigt uns die feierliche und ernste Erfüllung dieser Weissagungen. Hophni und Pinehas kommen im Kampf mit den Philistern um (1. Samuel 4,11). 60 Jahre später werden die Nachkommen des Hauses Eli durch den König Saul ausgerottet (1. Samuel 22,18). Und 100 Jahre nach dieser Prophezeiung wurde der Letzte aus dem Haus Elis durch Salomo von dem Priesterdienst verstoßen (1. Könige 2,27).

Darüber hinaus wird das Versagen der Priester zum Anlass, den großen Wechsel anzudeuten, der in den Wegen Gottes stattfinden sollte. Wegen der Untreue Elis würde sein Haus zerstört werden. Ein treuer Priester sollte erweckt werden, der nach dem Herzen und der Seele Gottes handeln würde. Sein Haus sollte ein beständiges sein. Dennoch sollte der Priester von diesem Augenblick an nicht mehr den ersten Platz vor dem HERRN einnehmen, sondern vor dem Gesalbten des HERRN wandeln.

Gottes Ratschlüsse erfüllen sich

Wir hatten schon aus dem Lied Hannas gelernt, dass der Gesalbte der König ist. Der Hohepriester wird so beiseite gesetzt als die unmittelbare Verbindung zwischen dem HERRN und seinem Volk. Er fällt auf den zweiten Platz, da es nunmehr einen Gesalbten geben sollte, der größer ist als er. So wird durch dieses Versagen des Priesters der Weg bereitet, damit Gottes Ratschluss erfüllt werden konnte, Christus als König einzuführen, vor dem ein treuer Priester alle Tage dienen und wandeln wird.

Wir mögen daran denken, dass Gott in einer Zeit, in der die eigentlichen Amtsträger versagen, eine Frau benutzt, um seinen Ratschluss zu verkünden; ein Kind das Zeugnis Gottes trägt und ein namenloser Mann Gottes vor dem kommenden Gericht warnt, um den endgültigen Segen zu verkünden.


3. Die Einführung des Propheten (1. Samuel 3)

Nachdem der namenlose Mann Gottes sein Zeugnis gebracht und das Gericht über das Haus Eli angekündigt hat, hören wir in diesem Bericht nichts weiter von ihm. Von nun an wird der HERR auf direktere Weise durch Samuel sprechen, der „als Prophet des HERRN bestätigt war“ (1. Samuel 3,20).

Die ersten Verse dieses dritten Kapitels zeigen den niedrigen Zustand des Volkes Gottes. Unwissenheit über die Gedanken des HERRN herrschten vor, denn das Wort des HERRN war selten geworden; die Augen des Priesters waren trübe geworden, und die Lampe Gottes erlosch (Verse 1-3).

Gibt es heute noch Botschaften des Herrn?

Es ist tatsächlich ernst für das Volk Gottes als Ganzes, oder für einen Teil seines Volkes, wenn es nur wenig Botschaften des HERRN zur Versorgung ihrer Seelen gibt; wenn es dem Volk selbst an geistlichem Unterscheidungsvermögen mangelt, und wenn das Zeugnis für Gott unter dem Volk ausstirbt. So sah der Zustand Israels in den Tagen Elis aus. Und dennoch ist Gott nicht ohne Gedanken an sein Volk, wie schlimm sein Zustand auch sein mag. So sehen wir, dass der HERR aus sich selbst heraus in souveräner Gnade wirksam wird, „um denen zu leuchten, die in Finsternis und Todesschatten sitzen“ (Lukas 1,79). Wir mögen gedacht haben, dass in einem solch niedrigen Zustand das Volk - oder der Priester für das Volk - den HERRN angerufen hätte. Aber es war der HERR, der Samuel rief (Verse 4-10).

Das ist sehr bedeutsam, denn am Ende dieses Kapitels lesen wir, „dass Samuel als Prophet des HERRN bestätigt war“. Das betonte den Unterschied zwischen dem Priester und dem Propheten. Das Amt der Priester ist es, dem HERRN zugunsten des Volkes zu nahen, und so die Beziehungen mit dem HERRN aufrecht zu erhalten. Der Prophet ist jemand, durch den der HERR dem Volk naht, wenn die Beziehungen mit dem HERRN durch das Versagen des Volkes zerstört worden sind. Daher tritt der Prophet in Tagen des Verfalls in den Vordergrund.

Der Charakter des neuen Propheten

Es ist ebenfalls bezeichnend, den Charakter desjenigen zu erkennen, den der HERR für das prophetische Amt benutzt. Es handelt sich um jemanden, der dem Herrn als Nasiräer geweiht worden war (1. Samuel 1,11). Und er wird immer wieder „Knabe“ oder Kind genannt. Er ist also getrennt von dem Bösen, gegen das er zeugt, und den Interessen des HERRN hingegeben. Und er ist sich - wie ein Knabe (Kind) - seiner eigenen Schwachheit und seines Mangels an Weisheit bewusst. So ist er von dem HERRN abhängig und hat seine Zuflucht allein im HERRN. Einen solchen also benutzt der HERR, um das Gewissen seines Volkes zu erreichen.

Seine Berufung wird zur Gelegenheit, den Mangel an geistlichem Unterscheidungsvermögen auf Seiten des Hohenpriesters zu betonen. Denn erst, nachdem der HERR das dritte Mal gesprochen hat, erkennt Eli die Stimme des HERRN.

Die erste Botschaft des HERRN (Verse 10-14) an Samuel ist von tiefem Ernst. Eli hatte schon das Urteil und die Strafe gehört, die über sein Haus kommen sollte. Nun wird Samuel für seinen prophetischen Dienst zubereitet, indem ihm entgültig das Gericht angekündigt wird, dass über den Hohenpriester kommen würde, und auch die Ursache für dieses Gericht. Ganz Israel würde von dem Gericht betroffen sein, das über die priesterliche Familie kommen sollte. Denn was der HERR im Begriff stand zu tun, würde Er „in Israel“ tun, und es würde jedem, der davon hörte, in beiden Ohren gellen. Der HERR selbst stand im Begriff zu handeln. Er sagt: „An selbigem Tag werde ich wider Eli alles ausführen, was ich über sein Haus geredet habe: ich werde beginnen und vollenden“ (Vers 12).

Gott handelt nicht ohne Grund im Gericht!

Zudem wird uns ausdrücklich der Grund genannt, der zu dem direkten Handeln des HERRN mit seinem Volk führt. Der Grund ist einzig und allein darin zu sehen, dass es das Volk ablehnte, das Böse zu behandeln. Sehr schlimme Dinge sind inmitten des Volkes Gottes getan worden: Aber nicht das Böse an sich hat das regierungsmäßige Handeln Gottes hervorgerufen. Kein Ausmaß an Bösem würde das Eingreifen Gottes hervorrufen, wenn das Böse behandelt und durch das Volk Gottes gerichtet würde. Der Herr schreitet in Gericht ein, weil das Böse bekannt war, aber nicht entsprechend behandelt wurde.

Wie ernst ist tatsächlich der Zustand des Volkes Gottes, wenn Böses in seiner Mitte aufkommt, sei es entweder gegen die Person Christi, oder Ungehorsam gegen die Grundsätze des Hauses Gottes, oder ein Abweichen von dem Weg moralischer Rechtschaffenheit - und wenn das Böse bekannt ist, aber ihm nicht gehindert wird.

Protest allein reicht nicht - es muss gehandelt werden

Es mag tatsächlich gesagt werden, Eli habe in gewisser Weise Protest erhoben und den Wandel seiner Söhne als Böse verurteilt. Aber offensichtlich leitete er keine Schritte ein, um ihnen zu wehren. So ist es auch heute, wenn Menschen sagen, sie stimmten falschen Lehren nicht zu, und bedauerten, welchen Weg manche einschlagen. Aber welchen Nutzen hat ein solch schwacher Protest, wenn keine Schritte unternommen werden, um dem Bösen zu wehren und wenn diejenigen, die widersprechen, sich weiterhin mit denen verbinden, die das Böse tun, als ob alles in Ordnung wäre?

Samuel offenbart ein natürliches und angemessenes Zurückschrecken davor, dieses ernste Wort dem betagten Eli mitzuteilen. Zu gleicher Zeit zeigt er Treue zum HERRN, da er bis ins Kleinste die Botschaft des HERRN weitergibt. Es ist immer gut für die Jüngeren, den Älteren Ehrerbietung zu zeigen. Aber weder die Jugend noch das Alter dürfen im Weg stehen, wenn es um Treue für den HERRN geht (Verse 15-18).

Nachdem Samuel den Ruf des HERRN beantwortet und treu seine erste Botschaft übergeben hat, lernen wir, dass „der HERR mit ihm war“. Das ernste Wort bezüglich des Hohenpriesters war: „Ich werde wider Eli alles ausführen, was ich über sein Haus geredet habe“ (Vers 12). Der HERR war gegen den Hohenpriester, aber Er war mit dem Propheten. Da der Herr mit ihm war, fiel keines seiner Worte „auf die Erde“ (Vers 19). Und weil seine Worte nicht auf die Erde fielen, wurde es von Dan bis nach Beerseba offenbar, „dass Samuel als Prophet des HERRN bestätigt war“. Ihm erschien der HERR, und Ihm offenbarte sich der Herr durch das Wort des HERRN.


4. Das Gericht des Volkes (1. Samuel 4)

In 1. Samuel 4 haben wir den ernsten Bericht über das vollständige Versagen und den Ruin des Volkes Gottes. Israel wird von den Philistern geschlagen, die Bundeslade weggenommen, die Priester werden ermordet, und der Hohepriester wird durch den Tod entfernt. So ist jede nach außen sichtbare Verbindung mit Gott zerstört.

Die Nation tritt damit in eine Zeit der Knechtschaft unter seine Feinde ein, die 20 Jahre andauert (1. Samuel 7,2). Während dieser Periode fällt auf, dass Samuels Name nicht ein einziges Mal genannt wird. 20 Jahre lang vernachlässigt das Volk den Mann, mit dem der HERR war.

Gott selbst bewertet diese ernste Zeit in den Psalmen

Der Geist Gottes hat uns seinen eigenen Kommentar über diese ernste Zeit in Psalm 78,56-64 gegeben. Aus diesem Abschnitt lernen wir, dass das Geheimnis ihres niedrigen Zustandes und der daraus folgenden Niederlagen durch die Hand ihrer Feinde in ihrem Ungehorsam und Götzendienst lag. „Seine Zeugnisse bewahrten sie nicht. ... Sie erbitterten ihn durch ihre Höhen, und reizten ihn zur Eifersucht durch ihre geschnitzten Bilder“ (Psalm 78,56.58). Dann folgt die ernste Aussage: „Gott hörte es und ergrimmte, und er verachtete Israel sehr.“ Aus 1. Samuel 2,17 lernen wir, dass „die Leute die Opfergabe des HERRN verachteten“. Nun lernen wir, dass der HERR das götzendienerische Israel verachtete.

Der niedrige Zustand des Volkes Gottes wird zur Gelegenheit für seine Feinde, sich Macht über Israel anzueignen. Der besondere Feind zu dieser Zeit waren die Philister im Land. Das Volk Israel war auch außerhalb des Landes von Feinden umgeben -Ägypter, Syrer und andere. Aber es hatte auch Feinde innerhalb der Landesgrenzen. Und von diesen waren die Philister die hartnäckigsten. Der Feind inmitten des Volkes kommt immer dann zum Vorschein, wenn sich das Volk Gottes in einem schlechten Zustand befindet. Feindschaft von außen kann auch das Ergebnis eines leuchtenden Zeugnisses sein. Aber zu jeder Zeit war Verderben von innen immer das Resultat eines niedrigen geistlichen Zustandes.

Sich auf den Herrn zu berufen verlangt Selbstgericht

Das Volk Israel versucht in eigener Kraft - geschwächt durch den Götzendienst, und ohne den HERRN oder den Mann zu befragen, mit dem der HERR ist - in den Kampf mit seinen Feinden zu ziehen. Und das alles führt nur zu einer schlimmen Niederlage (Verse 1 und 2). Auf ihre Niederlage halten sie Rat und fragen: „Warum hat der HERR uns heute vor den Philistern geschlagen? (Vers 3).

Die Ältesten, die die Gedanken des HERRN eigentlich hätten kennen müssen, offenbaren ihren schlechten geistlichen Zustand durch den Ratschlag, den sie geben. Sie sagen: „Lasst uns von Silo die Lade des Bundes des HERRN zu uns holen, dass sie in unsere Mitte komme und uns rette aus der Hand unserer Feinde.“ Sie hätten ihren Ratschlag noch mit vielen Argumenten stützen können. Sie hätten beispielsweise auf ihre Geschichte verweisen und damit ihre Meinung bekräftigen können. Hatte die Bundeslade das Volk nicht in den Tagen Josuas zum Sieg geführt, als die Stadt Jericho vor Israel fiel? Eine Sache vergaßen sie jedoch. Und es war ihr Ruin!

Man darf die Heiligkeit und Eifersucht Gottes nie vergessen!

Israel übersah die Majestät und Heiligkeit Gottes, die Ungerechtigkeit in seinen Feinden nicht ertragen wird und kann - wie viel weniger in seinem Volk. Es ist wahr, dass die Bundeslade das Volk in den Tagen Josuas zum Sieg führte, aber nicht ohne die Führung des Obersten des Heeres des HERRN (Josua 5,13-15).

Zudem ging der Einnahme Jerichos die Beschneidung in Gilgal voraus. Das Volk, das die Lade in Josuas Tagen nutzte, war ein Volk, in dem das Fleisch gerichtet worden war, und das unter der Führung des Obersten des Heeres des HERRN stand. Wenn der Zustand des Volkes Gottes richtig ist, muss die Lade des HERRN, die von der Gegenwart des HERRN spricht, der Mittelpunkt des Segens für sein Volk sein. Die Gegenwart des HERRN anzurufen, ohne den eigenen Zustand gerichtet zu haben bedeutet, das Gericht des HERRN in seinen Regierungswegen herbeizurufen.

Abwehr falscher Einflüsse setzt Selbstgericht voraus

Zu welcher Zeit auch der Widerstand auftreten mag, der von den verderblichen Einflüssen stammt, die innerhalb des Volkes Gottes entstehen: Diesem Widerstand kann nur richtig entgegengetreten werden, wenn zunächst der schlechte Zustand unter dem Volk Gottes behandelt wird, der zum Anlass für die Existenz des Widerstandes geworden ist.

Das Volk Israel folgt dem Rat seiner Führer, ohne den eigenen Zustand zu richten, und sendet nach Silo, um von dort die Lade des HERRN zu holen. Wir finden hier die ernste Erinnerung, dass der HERR „zwischen den Cherubim thront“, und auch, dass „die beiden Söhne Elis, Hophni und Pinehas, daselbst bei der Lade des Bundes des HERRN waren“ (Vers 4). Der HERR der Heerscharen ist dort, und auch die Söhne Belials (1. Samuel 2,12), ein sicherer Hinweis des kommenden Gerichts, denn „welche Übereinstimmung (hat) Christus mit Belial“ (2. Korinther 6,15)? Das Volk Gottes mag gegenüber der Herrlichkeit Christi und der Heiligkeit, die seinem Namen gebührt, gleichgültig sein. Aber Gott macht bei dieser Gleichgültigkeit nicht mit. Er kann sich selbst nicht verleugnen (2. Timotheus 2,13). Er wird seine eigene Herrlichkeit bestätigen, auch wenn dies Niederlage und Schande für sein Volk bedeuten mag.

Glaube handelt in Ruhe - nicht lärmend

Die Bundeslade wird in das Lager gebracht und mit „großem Jauchzen“ empfangen, „dass die Erde erdröhnte“ (Vers 5). Dieses große Jauchzen hat einen triumphierenden Klang und den Anschein von Kraft. In Wirklichkeit offenbart es jedoch nur auf der einen Seite den Mangel an Glauben, und auf der anderen Seite das Vertrauen auf das Fleisch. Glaube handelt in Ruhe, und moralische Kraft wirkt nicht mit Lärm.

Der natürliche Mensch wird jedoch durch großen Lärm beeindruckt. Und daher lesen wir von den Philistern, als sie „den Schall des Jauchzens hörten“ und „merkten, dass die Lade des HERRN ins Lager gekommen war“, dass sie sich fürchteten. Ihre Furcht war zu Recht auf dem Bewusstsein der wahren Bedeutung der Bundeslade gegründet, denn sie sagen: „Gott ist ins Lager gekommen!“

Der Feind hat ein klareres Urteil als das Volk Gottes

Wir sehen die schreckliche Folge für das Volk Gottes, das gestattet hatte, dass Unheiligkeit mit der Lade Gottes verbunden wurde. Es hatte sich durch Sünde so verhärtet, dass es weniger empfindsam für die Gegenwart Gottes war als seine Feinde. Das Volk hatte von der Lade gesagt, dass sie „in unsere Mitte komme und uns rette aus der Hand unserer Feinde“ (Vers 3). Als die Lade in ihre Mitte kam, sagten ihre Feinde zu Recht: „Gott ist ... gekommen!“ (Vers 7).

Unter solchen Umständen ist die Furcht der Philister genauso unbegründet wie der Jubel der Israeliten. Die Philister hätten es nicht nötig gehabt, sich vor der Bundeslade zu fürchten, als das verunreinigte Volk Israel diese in das Lager brachte - sozusagen als eine Billigung seiner Ungerechtigkeit. Der Zustand Israels war so schlimm, dass Gott das Volk nicht schützen konnte. Und in solchen Umständen musste das Zurückgreifen auf das Symbol der Gegenwart Gottes Gericht für das Volk selbst hervorrufen. So kam es dazu, dass das Volk Gottes geschlagen wurde, die Bundeslade in die Hände der Feinde fiel und die beiden Söhne Elis getötet wurden. „Und er gab in die Gefangenschaft seine Kraft, und seine Herrlichkeit in die Hand des Bedrängers. Und er gab sein Volk dem Schwert preis, und gegen sein Erbteil ergrimmte er“ (Psalm 78,61-62).

Eli in seiner Lebenstragik

Die Schlussszene dieses Kapitels ist zu Herzen gehend und offenbar die persönliche Gottesfurcht Elis - im Gegensatz zu seinem Versagen, in bezug auf das Übel seiner Söhne zu handeln. Und diese Verse zeigen auch, dass Gott einen gottesfürchtigen Überrest in Israel hatte, der durch die Frau von Pinehas dargestellt wird, der die Herrlichkeit Gottes über die natürlichen Ansprüche stellte.

Israel befand sich im Kampf mit dem Feind, Hophni und Pinehas waren mitten in der Schlacht. Und doch bangte das Herz Elis für die Bundeslade (Vers 13). Sein erster Gedanke war die Bundeslade. Als die Nachricht der Niederlage Israels den betagten Hohenpriester erreichte, hörte er in Ruhe dem Bericht über die große Niederlage des Volkes und den Tod seiner beiden Söhne zu, aber als erwähnt wird, dass die Lade Gottes genommen wurde, „da fiel Eli rücklings vom Stuhl“ - ein geschlagener Mann.

Und das gleiche hören wir von der Frau Pinehas‘. Ihr erster Gedanke war nicht ihr Ehemann, sie selbst oder ihr Kind, sondern die Herrlichkeit Gottes. Die umherstehenden Frauen sprechen dann zu ihr, als sie bei der Geburt im Sterben lag, von dem Sohn, der geboren wurde. „Aber sie antwortete nicht und nahm es sich nicht zu Herzen“ (Vers 20). Sie war sich vollkommen bewusst, dass sie einen Sohn geboren hatte, denn sie gab dem Kind einen Namen. Aber der Name zeigt, dass ihre Gedanken sich auf die Lade Gottes konzentrierten. Ihre letzten Worte sind: „Die Herrlichkeit ist von Israel gewichen, denn die Lade Gottes ist genommen!“ (Vers 22).

5. Das Aufrechthalten der Herrlichkeit Gottes (1. Samuel 5 und 6)

Der Abschnitt des ersten Buches Samuel, der durch die Kapitel 5 und 6 abgedeckt wird, handelt von der ernsten Zeit in der Geschichte Israels, während der jede äußerlich sichtbare Verbindung zu Gott unterbrochen ist. Es wird uns gestattet zu sehen, dass Gott selbst in dieser traurigen Zeit die Majestät seines großen Namens aufrecht erhält.

Das Volk Gottes hat vollkommen darin versagt, Gott zu ehren. Schlimmer noch: Es hat versucht, das Symbol der Gegenwart Gottes - die Bundeslade - mit seinem eigenen sündigen Zustand zu identifizieren. Daher hat Gott in Gericht gehandelt und sich aus der Mitte des Volkes zurückgezogen. Während die Gottesfürchtigen im Volk in dieser Situation wegen der Untreue des Volkes Gottes gedemütigt sein mögen, müssen sie nicht um die Ehre Gottes fürchten. Getrennt von seinem Volk ist Gott in der Lage, seine Heiligkeit zu erweisen und seine Majestät aufrechtzuerhalten.

Die Philister offenbaren ihre Unwissenheit über Gott

Die Philister hatten sich gefürchtet, als sie hörten, dass die Lade in das Lager Israels gekommen war. Nachdem nun diese Bundeslade in ihre Hände gekommen war, platzieren sie die Lade mit kühner Dreistigkeit in das Haus ihres Götzen, als ob sie ihre Erbeutung als Sieg ihres Gottes Dagon über den Gott Israels feiern wollten. Ihr früheres Fürchten war genau so unnötig wie ihr jetziger Stolz fehl am Platz war.

Gott zeigte dadurch, dass Er sich aus der Mitte seines eigenen Volkes zurückzog, deutlich, dass Er die Schuld seines Volkes nicht billigt. Nun will Er offenbar machen, dass Er es nicht dulden kann, wenn seine Herrlichkeit durch seine Feinde verfinstert wird. Die Feinde des Volkes Gottes müssen lernen, dass Gott in seinen Regierungswegen einen Triumph über sein Volk erlauben mag, aber Er selbst niemals eine Niederlage erleiden wird.

Gott steht selbst für seine Ehre ein

Nachdem die Lade Gottes in das Haus von Dagon gestellt worden war, handelte es sich nicht länger um eine Angelegenheit zwischen den Philistern und Israel, sondern um eine Sache zwischen Dagon und dem Gott Israels. Bei diesem Wettstreit kann es nur ein einziges Ergebnis geben. Dagon stürzt auf die Erde vor die Bundeslade. Um zu beweisen, das ganze sei nichts anderes als ein Zufall, stellt man Dagon wieder an seinem Platz. Aber dadurch wird die Majestät Gottes und die Nutzlosigkeit eines Götzen nur noch deutlicher. Dagon stürzt diesmal nicht nur auf den Boden, sondern zerbricht in Stücke. Dadurch wird das Haus Dagons zu einem verächtlichen Ort unter den Menschen.

Aber das ist nicht das einzige Mittel, durch das Gott seine Majestät aufrecht erhält. Er hat seine Verachtung über den Götzen ausgeschüttet. Nun wird Er mit den Götzendienern in Gericht handeln. „Und die Hand des HERRN lag schwer auf den Asdoditern“ (Kapitel 5,6). Viele werden verwüstet, andere durch Krankheiten und Beulen getroffen. In ihrer Not suchen die Philister Asdods den Rat ihrer Fürsten, die raten, die Lade nach Gath zu senden.

Weder Götter können dem Menschen helfen noch er sich selbst

Die Stadt Gath war als Wohnplatz der letzten Enakim bekannt - einem Geschlecht von Riesen (Josua 11,21-22; 1. Samuel 17,4). Dennoch nützt die Macht des Menschen nichts gegen die Macht Gottes, denn wir lesen: „Die Hand des HERRN kam über die Stadt, und es entstand eine sehr große Bestürzung; und er schlug die Leute der Stadt, vom Kleinen bis zum Großen“ (Vers 9).

Schließlich wird die Bundeslade nach Ekron gesandt, dem Sitz ihres Gottes Baalzebub - einem Gott, dem die Macht zugesprochen wurde, Krankheiten zu heilen. So hofft man offenbar, Erleichterung von der Geißel zu erhalten. Aber diese Hoffnung ist vergebens, denn das Gericht Gottes kommt mit einer vermehrten Härte, denn wir lesen: „Es war eine tödliche Bestürzung in der ganzen Stadt; die Hand Gottes war sehr schwer daselbst“ (Vers 11). So hält Gott seine Herrlichkeit aufrecht und offenbart die Ohnmacht der Dämonen, den Menschen von den Züchtigungen zu befreien.

Gott ist und bleibt ein heiliger Gott

Wie ernst ist der göttliche Kommentar, den wir in Psalm 78 über diese Ereignisse finden. Nachdem es dort von Israel heißt, „seine Priester fielen durch das Schwert, und seine Witwen weinten nicht“ (Vers 64), fährt der Psalmist fort: „Da erwachte, gleich einem Schlafenden, der Herr gleich einem Helden, der da jauchzt vom Wein; Und er schlug seine Feinde von hinten, gab ihnen ewige Schmach“. Wenn der Mensch in seiner Torheit versucht, die Herrlichkeit Gottes mit Götzen gleichzusetzen, wird Gott seine Herrlichkeit im Gericht aufrechterhalten. Und dann übt Gott im Gericht Barmherzigkeit. Denn Gott ist auch der Schöpfer, und selbst wenn seine Geschöpfe in Finsternis und Götzendienst herabgesunken sind, wird ihr Ruf in ihrem Elend bis „zum Himmel empor“ (5,12) steigen.

Aber wie oft benutzt der Mensch die Tatsache, dass Gerichte in göttlicher Vorsehung ausgeübt werden, um sein Herz gegen Gott zu verhärten. So war es auch mit den Philistern. Sieben Monate vergehen, bis sie versuchen von ihrer ernsten Notlage befreit zu werden. Ihr Volk ist zu diesem Zeitpunkt nicht nur durch eine schwere Krankheit geschlagen worden, sondern ihr Land ist von einer Mäuseplage verdorben.

Die Philister wenden sich nun an Wahrsager, für die sie berühmt waren (Jesaja 2,6). Offenbar erkennen die Wahrsager, dass der HERR seine eigene Herrlichkeit in diesen Gerichten aufrecht erhält. Daher raten sie den Philistern, dem Gott Israels Ehre zu erweisen und die Bundeslade nach Israel zurückzubringen, verbunden mit einem Schuldopfer. Zudem schlagen sie vor, dass die Lade auf eine Weise zurückgeführt wird, die deutlich zeigt, dass sie erkannt haben, dass das, was geschehen ist, von der Hand Gottes aus geschehen ist und nicht einfach Zufall war.

Gott hat alles in der Hand - auch seine Feinde müssen seine Pläne erfüllen

Dementsprechend wir die Lade auf einen neuen Wagen gestellt, der von zwei säugenden Kühen gezogen wird, deren Kälber weggenommen wurden. In völlig unnatürlicher Weise verlassen die Kühe ihre Kälber und bringen die Lade nach Beth-Semes, ohne von den Menschen weiter angetrieben zu werden. Dabei brüllen sie und beweisen, dass sie durch eine Macht handeln, die übernatürlich und stärker als der eigentliche Instinkt ist. So lässt sich Gott herab, diesen Heiden in ihrem Elend zu begegnen, und zugleich stellt Er seine Ehre in den Augen seiner Feinde wieder her. Gott macht offenbar, dass der Sieg der Philister über das sündige Israel kein Sieg über Gott war. Ihr Schuldopfer, wie unwissend es auch gebracht wird, ist eine Anerkennung, dass die Eroberung der Lade nur Gericht von einem Gott gebracht hat, den sie jetzt zu versöhnen suchen.

Nun wechselt die Szene, und die Bundeslade befindet sich wieder unter dem Volk Gottes in Beth-Semes. Sie nehmen die Lade mit Freude auf und opfern dem HERRN Schlachtopfer. Es zeigt sich jedoch, dass es sich um fleischliche Freude handelt von Herzen, die noch nicht angesichts der Sünde zusammengebrochen sind. Sie waren glücklich, die Bundeslade wieder zu besitzen, indem sie zu Recht den Segen vorhersahen, der mit ihr verbunden ist. Aber offensichtlich hatten sie kein Bewusstsein von der Sünde, die die Ursache für den Verlust der Lade gewesen ist. Sie mussten noch lernen, dass Gott Ehre gebührt, während diejenigen, deren Zustand so schlecht war, Demut gut anstand.

Das Bewusstsein von Sünde wird schnell fallen gelassen

Die Leichtfertigkeit ihrer Herzen wird offenbar durch einige von ihnen, die in die Bundeslade hineinschauen. Im selben Augenblick bestraft der HERR diese Übeltat und bewahrt seine Herrlichkeit durch das Gericht an den 70 Mann, die er tötet. Die Männer von Beth-Semes sagen sofort: „Wer vermag vor dem HERRN, diesem heiligen Gott, zu bestehen?“ (6,20).

Mit großer Bestimmtheit können wir antworten: Niemand von dem sündigen Geschlecht Adams kann von dem heiligen HERRN, Gott, stehen - es sei denn, er ist geschützt durch das Blut Christi. Um in die Lade hineinzuschauen, mussten diese Männer notwendigerweise den Gnadenstuhl wegrücken, auf den das Blut gesprengt war. So standen sie sofort als nackte Sünder vor einem heiligen Gott. Gericht muss so das Ergebnis sein.

Der Sünder findet durch das vergossene Blut ewigen Schutz

Von 1. Mose bis zur Offenbarung lehrt uns die Bibel die große Lektion, dass ohne Blutvergießung keine Vergebung möglich ist.. Von dem Augenblick an, an dem der HERR, Gott, unsere gefallenen Eltern mit Röcken von Fell bekleidete (1. Mose 3,21), und sie aus dem Paradies vertrieben wurden, bis zu dem letzten Abschnitt in der Offenbarung, der deutlich macht, dass nur diejenigen, die ihre Kleider gewaschen haben, das Recht am Baum des Lebens haben (Offenbarung 22,14) und so durch die Tore der Stadt hineingehen können.

Und doch! Auch die heutigen Anhänger des Modernismus zertrampeln wie die Männer von Beth-Semes erneut mit dreister Unverschämtheit das Blut Christi unter ihren Füßen. So versuchen sie, vor dem heiligen HERRN, vor Gott aufgrund ihrer eigenen Werke und unabhängig vom Werk Christi zu stehen. Die verderbte Christenheit ist den Weg Kains gegangen. Und zu ihnen sagt Gott: „Wehe ihnen!“ (Judas 11).

6. Die Wiederherstellung des Volkes (1. Samuel 7)

Das siebte Kapitel stellt uns den HERRN in seiner souveränen Gnade vor. So stellt Er seine Beziehungen mit seinem Volk durch Samuel, seinen Propheten, wieder her. Und das Volk naht dem HERRN durch Samuel, den Priester.

Bevor der HERR jedoch seine Beziehungen zu seinem Volk erneuert, müssen sie durch bittere Erfahrung lernen, dass sie selbst den HERRN nötig haben. In der Vergangenheit haben sie seine Gegenwart so gering geschätzt, dass sie sich Götzen zuwandten. Nachdem Er sich dann aus ihrer Mitte zurückgezogen hat, fangen sie an zu bemerken, dass es ohne den HERRN keine Rettung von ihren Feinden gibt. 20 Jahre lang sind sie Knechte eines Feindes gewesen, der in ihren Grenzen wohnte. Als der Tage viel wurden, „wehklagte das ganze Haus Israel dem HERRN nach“ (Vers 2).

Gott kann dem Volk durch den Propheten wieder nahen

Nachdem dieses Bewusstsein der Not geweckt worden war, antwortet der HERR, der auch dem Ruf der Heiden (1. Samuel 7,2) nicht gleichgültig gegenüber gestanden hatte, sofort auf die Wehklage seines Volkes. Samuel, von dem während einer Zeit von 20 Jahren keine Rede mehr war, erscheint wieder auf der Bildfläche. So naht der HERR durch den Propheten wieder dem Volk. Samuels letzte Äußerung hatte das Volk vor dem kommenden Unglück gewarnt, und „das Wort Samuels erging an ganz Israel“ (1. Samuel 4,1). Dann gibt es von dem HERRN während einer Zeitdauer von 20 Jahren kein Wort durch den Propheten. Der Glaube kann auf die Zeit des HERRN warten.

Dann aber, nach vielen Tagen, kam die Zeit: Gott bewirkt eine Bewegung unter dem Volk, indem Er das Bewusstsein der Not erweckt - und wieder spricht „Samuel zu dem ganzen Haus Israel“ (1. Samuel 7,3). Es ist bedeutsam, dass es nicht das Volk ist, das Samuel ruft. Es ist Samuel - der Mann, mit dem der HERR ist - der sich dem Volk naht. Das betont die Tatsache, dass jede wahre Wiederherstellung von der souveränen Gnade des HERRN abhängig ist. Wiederherstellung beginnt mit dem HERRN - unabhängig davon, ob sie persönlicher Natur ist oder das Volk Gottes als Ganzes betrifft. Nur der HERR kann sein umherirrendes Volk wiederherstellen.

Gott sucht Absonderung, zubereitete Herzen und Hingabe

Mit seiner neuen Botschaft an das Volk zeigt Samuel deutlich, dass bei der Umkehr zum Herrn alles von der Art und Weise abhängt, in der dieser große Schritt getan wird. Er sagt gewissermaßen: „Wenn ihr zum Segen zurückfinden wollt, dann kehrt mit eurem ganzen Herzen zu dem HERRN um.“ Eine halbherzige Umkehr ist vergebens. Es ist nutzlos für das Volk Gottes, zu dem HERRN umzukehren mit einer teilweisen Verurteilung der eigenen Wege, die durch Entschuldigungen begleitet wird. Wenn wir zu dem HERRN umkehren, kann es keinen Kompromiss in Bezug auf unsere Sünde und unsere Fehler geben. Wenn das Volk jedoch mit seinem ganzen Herzen zu dem Herrn umkehrt, wird es durch drei Dinge gekennzeichnet sein:

1) Absonderung: Sie müssen sich von dem Bösen absondern, das zu ihrer Wegwendung vom HERRN geführt hat. Götzendienst muss gerichtet und „weggetan“ werden. Das ist mehr als nur ein Protestieren gegen das Böse; es erfordert auch, dass mit dem Bösen gehandelt wird. Wir sind oft willig, gegen das Böse zu protestieren, während wir davor zurückschrecken, es in der richtigen Weise zu behandeln. Wir mögen uns auf die Schwierigkeit berufen, wie mit Bösem zu handeln ist. Wir mögen die Folgen unseres Handelns mit dem Bösen fürchten. Wir mögen vor dem Makel zurückschrecken, der mit einem entsprechenden Handeln verbunden ist. Und so drücken wir uns mit dem einen oder anderen Argument davor, entsprechend unserer klaren Verantwortlichkeit zu handeln. Nichtsdestoweniger erklärt das Wort Gottes deutlich, dass das Böse hinweggetan werden muss.

2) Zubereitung. Es ist nicht ausreichend, sich von dem Bösen zu trennen. Absonderung vom Bösen muss mit der Zubereitung des Herzens zusammengehen. Das Wort des HERRN durch Samuel lautet: „Richtet euer Herz auf den HERRN“ (Vers 3). Die Zubereitung des Herzens beinhaltet einen moralischen Zustand, der durch Selbstgericht herbeigeführt wird und führt zu einem demütigen und zerknirschten Geist - dem wahren Begleiter der Absonderung vom Bösen. Ohne eine solche Zubereitung des Herzens wird die Absonderung nur dem fleischlichen Stolz dienen. Auf der anderen Seite - nur auf eine Zubereitung des Herzens abzuzielen, ohne sich vom Bösen zu trennen, wird letztendlich zur Gleichgültigkeit gegenüber dem Bösen führen.

3) Hingabe. Das wahre Ziel der Trennung vom Bösen und der Zubereitung des Herzens ist ein hingebungsvoller Dienst für den HERRN. Es geht darum, dass wir „ihm allein“ dienen (Vers 3). So ist es auch heutzutage noch. Denn die Absonderung von Gefäßen zur Unehre, zu der wir in 2. Timotheus 2,21 eindrücklich ermahnt werden, ist zugleich nötig, wie uns der Abschnitt in 2. Timotheus 2 lehrt, damit wir „nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet“ sind. Die speziellen Umstände mögen im Laufe der Jahre wechseln. Aber die großen Grundsätze Gottes bleiben ständig dieselben. So ist es immer noch wahr in unseren Tagen, dass „Absonderung“ und „Zubereitung“ für den Dienst des Meisters notwendig sind.

Jede echte Erweckung muss diese drei Kennzeichen tragen

Wenn es also diese Umkehr mit ungeteiltem Herzen gibt, wird sie durch Absonderung, Zubereitung und Hingabe gekennzeichnet sein. Und wenn es eine Bewegung unter Gottes Volk gibt, die dieses Kennzeichen trägt, dürfen wir auf die Rettung des Herrn für sein Volk aus der Hand der Feinde warten. Samuel sagt: „Wenn ihr mit eurem ganzen Herzen zu dem HERRN umkehrt“ und „die fremden Götter... aus eurer Mitte hinwegtut“ und „euer Herz auf den HERRN richtet und ihm allein dient“, wird Er „euch aus der Hand der Philister erretten“.

Das Ergebnis dieses Appells zeigt, dass Gott wirklich an seinem Volk gearbeitet hatte. Denn sie hören Samuel nicht nur zu, sondern gehorchen seinen Worten. Zunächst reinigen sie sich von ihren bösen Verbindungen (Vers 4). Sie geben sich nicht damit zufrieden, gegen das Böse zu protestieren, sondern handeln mit dem Bösen. Sie tun die Baalim und Astaroth hinweg. Ohne diesen ersten Schritt wäre alles weitere vergeblich gewesen. Gottes Reihenfolge ist: „Höre auf, das Böse zu tun“, bevor man lernen kann, das Gute zu tun.

Gott greift ein - wenn Er bei uns einen ersten Schritt sieht

Nachdem dieser erst Schritt getan war, spricht Samuel erneut, um das Volk zum zweiten Schritt zu führen, der Zubereitung der Herzen. Er treibt sie an, ganz Israel nach Mizpa zu versammeln. Und er fügt hinzu: „Ich will den HERRN für euch bitten“ (Vers 5). Der Platz, an dem sie sich versammeln sollen, ist bedeutsam. Denn die Bedeutung von Mizpa ist „Wachturm“. Das weist darauf hin, dass durch Mangel an Wachsamkeit der Feind unter dem Volk Gottes Fuß fasst, um es in Knechtschaft zu führen.

Anders war es auch nicht in der Versammlung (Gemeinde, Kirche) Gottes. Der Apostel warnt die frühe Kirche davor, dass „reißende Wölfe“ hineinkommen würden, die der Herde nicht schonen. Und er fügt hinzu, dass innerhalb des christlichen Bereichs Männer aufstehen würden, die verkehrte Dinge reden. Im Hinblick auf diese zweifache Gefahr sagt er: „Darum wacht“ (Apostelgeschichte 20,19-31). Die Führer in der Versammlung sollten - genauso wie die Führer im damaligen Israel - auf dem „Wachturm“ gestanden haben. Leider haben beide darin versagt zu wachen. Statt zu wachen, haben die Menschen geschlafen. Und der Feind benutzte diese Gelegenheit, um sein Werk zu vollbringen.

Zurück zum Ausgangspunkt des Abweichens!

In jeder Erweckung besteht die erste Notwendigkeit darin, zu dem Platz, von dem man abgewichen ist, zurückzukehren. Wir müssen zum „Wachturm“ zurückkehren. So finden wir es auch bei Israel: „Und sie versammelten sich nach Mizpa“ (Vers 6). Nachdem sie an dem richtigen Ort versammelt sind, geben sie ihre völlige Schwachheit und Hilflosigkeit zu. Und sie bekennen ihre Sünde. Sie „schöpften Wasser und gossen es aus vor dem HERRN“. Es konnte keinen größeren Ausdruck von Schwachheit geben als ausgeschüttetes Wasser. Denn selbst alle Weisheit und Macht des Menschen vereint reichte nicht aus, um auf die Erde ausgeschüttetes Wasser wieder zusammen zu sammeln (2. Samuel 14,14).

Diese Tat war somit ein echtes Bekenntnis ihres Zustandes vor dem HERRN. Durch ihre eigene Torheit waren sie viel zu schwach und hilflos geworden, um sich selbst aus der Hand der Feinde zu retten. Zudem erkennt das Volk an, dass seine Schwachheit die Folge der eigenen Sünde war. Es sagt: „Wir haben gegen den HERRN gesündigt“ (Vers 6).

Nachdem sie sich von dem Bösen getrennt und die eigenen Herzen zubereitet haben, greift der HERR zu Rettung des Volkes ein. Sie haben sich von dem Bösen gereinigt, sie haben den „Wachturm“ bestiegen, ihre vollkommene Hilflosigkeit eingestanden und ihre Sünde bekannt. Indem sie so ihren wahren Platz „vor dem HERRN“ eingenommen haben, sind sie in einer Stellung und in einem Zustand, so dass der HERR sich freut, für sein Volk zu handeln.

Der Feind wird durch den Gehorsam des Volkes Gottes angestachelt

Als die Philister hörten, dass sich die Kinder Israel „nach Mizpa versammelten“, wird ihr Widerstand sofort wachgerufen. Nichts wird die Feindschaft des Teufels so sehr anstacheln wie das Volk Gottes auf der Hut vor dem Feind, im Gebet und mit einem Bekenntnis vor dem HERRN zu sehen.

Nachdem die Kinder Israel ihre eigene Schwachheit erkannt haben, fürchten sie sich zu Recht vor den Philistern (Vers 7). Bei ihrem letzten Zusammenstoß mit den Philistern 20 Jahre zuvor waren die Israeliten durch das Vertrauen auf das Fleisch weit von Gott entfernt gewesen. So ging das Volk nun in die Offensive und „zog aus, den Philister entgegen zum Streit“ (1. Samuel 4,1).

Nicht auf die Symbole, sondern auf Gott vertrauen!

Nachdem das Volk nun wiederhergestellt ist für den Herrn, lesen wir: „Die Fürsten der Philister zogen wider Israel herauf“. Bei der früheren Gelegenheit „jauchzte ganz Israel mit großem Jauchzer“ im Vertrauen auf sich selbst, während „sich die Philister fürchteten“ (1. Samuel 4,5.7). Nun misstraut Israel sich und hat Furcht. Das fleischliche Vertrauen finden wir nun auf der Seite der Fürsten der Philister.

Am Tag ihres Selbstvertrauens vernachlässigte Israel Samuel, den Mann, mit dem Gott war. An dem Tag, an dem sie sich ihrer Schwachheit bewusst waren, gehen sie mit Freuden zu Samuel und sagen: „Lass nicht ab, für uns zu dem HERRN, unserem Gott, zu schreien, dass er uns von der Hand der Philister rette!“ (Vers 8). Sie erkennen an, dass der Mann, durch den der HERR sich seinem Volk nahte, derjenige ist, durch den das Volk dem HERRN nahen kann. So erkennen sie an, dass der HERR ihr Gott ist, und dass alleine Er sie vor ihren Feinden retten kann. Nun vertrauen sie nicht länger einfach der Lade Gottes, sondern vielmehr dem Gott der Bundeslade.

Die Grundlage von jedem Segen ist das Opfer Jesu

Sofort antwortet Samuel auf ihr Schreien. Der eine, den Gott als Propheten benutzt hatte, um seine Beziehungen mit seinem Volk wiederherzustellen, kommt nun als Priester zugunsten des Volkes zu Gott. Da er die Gedanken Gottes kennt, nimmt er ein „Milchlamm und opferte es ganz als Brandopfer dem HERRN“. Er naht Gott auf der Grundlage eines Opfers. Trennung vom Bösen, die Zubereitung des Herzens, Buße, wie tief sie auch sein mag, das Bekenntnis von Sünde, wie echt es auch sein mag, und wie notwendig und richtig das alles ist, bilden nicht die gerechte Grundlage, auf der Gott sein Volk segnen kann. Die feste und unwandelbare Basis für jedes Handeln Gottes in Gnaden muss immer Christus und sein Opfer am Kreuz sein.

Samuels „Milchlamm“ spricht von einem unschuldigen Opfer; das „Brandopfer“, das ganz für den HERRN war, spricht von dem Opfer, das der Herrlichkeit Gottes entspricht. Auf der Grundlage des Brandopfers „schrie Samuel zu dem HERRN für Israel“, und auf der Grundlage des Opfers „erhörte ihn der HERR“.

Gott verbindet sich mit einem gedemütigten Volk

So finden wir hier ein gedemütigtes Volk mit zerbrochenen Herzen, das vor seinen Feinden zitternd um ein Opfer bittet und zu Gott schreit. Mit einem solchen Volk hat Gott keine Auseinandersetzung, sondern kann dafür handeln. So ist es nicht länger eine Sache zwischen Israel und den Philistern, sondern es geht um den HERRN und die Philister.. So lesen wir: „Während Samuel das Brandopfer opferte, da rückten die Philister heran zum Streit wider Israel. Und der HERR donnerte mit starkem Donner an selbigem Tag über den Philistern und verwirrte sie, und sie wurden vor Israel geschlagen“ (Vers 10).

Auf Samuels Opfer folgt sein Rufen zum HERRN. Aber das Eingreifen Gottes fand auf der Grundlage des Opfers statt und begann schon während der Opferung, vor dem Schreien. Das Schreien war richtig, und wir lesen, dass der HERR das Schreien erhörte. Dennoch liegt der Grund des Eingreifens im Opfer. Gott freut sich daran, Christus zu ehren. Und was wird Gott nicht um Christi willen tun, um sein Volk zu segnen? „Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken“ (Römer 8,32).

Auf Errettung sollte Lob und Dank folgen

Der HERR hat für sein Volk eingegriffen, indem Er sie aus der Hand ihrer Feinde errettete. Und Samuel, der in ihrer Not zum HERRN gebetet hatte, vergisst nicht, den HERRN augrund der Errettung zu loben. Er nimmt einen Stein, nennt ihn „Eben-Eser“ und sagt: „Bis hierher hat uns der HERR geholfen“ (Vers 12). Das war in Wirklichkeit ein Preisen - ein Anerkennen der Güte des HERRN.

Die Philister wurden dann unterworfen, und die Gegenden, die an sie verloren gegangen waren, zurückerobert. Alle Tage Samuels war die Hand des HERRN wider die Philister. Der HERR hatte seine Beziehungen zu Israel wiederhergestellt. Und nun wurde der Feind durch einen Mann festgehalten - und das während des ganzen Lebens dieses Mannes. Wie oft hat Gott auch seit den Tagen Samuels einen einzigen Mann benutzt, der in die Bresche gesprungen ist und die Feinde des Volkes Gottes zurückgehalten hat (Verse 13 und 14).

Eine „Rundreise“ für jeden Gläubigen

Das Kapitel schließt mit einem Bericht über die Rundreise, die Samuel von Jahr zu Jahr machte. Wenn wir deren geistliche Bedeutung erfassen, dann werden wir zugeben, dass es für uns alle gut ist, diese „Runde zu drehen“.

Zunächst ging Samuel nach Bethel, was übersetzt ist Haus Gottes. Hier offenbarte sich Gott in souveräner Gnade Jakob, dem Wanderer. Hier enthüllte Gott seinen festen Ratschluss, Jakob zu segnen. Und hier verhieß Gott, dass Jakob auf allen Wegen bewahrt bleiben und zurückgebracht werden würde zum Platz des Segens. Gott wird seinem eigenen Wort treu sein, wie Er zu Jakob sagte: „Ich werde dich nicht verlassen, bis ich getan, was ich zu dir geredet habe.“ Es ist gut für uns, Bethel zu besuchen, um uns an die souveräne Gnade zu erinnern, die uns den entgültigen Segen gesichert hat - gemäß der Treue Gottes zu seinem eigenen Wort (1. Mose 28,15-22).

Selbstgericht und Wachsamkeit stehen uns gut zu Gesicht

Zweitens sehen wir, dass Samuel von Bethel nach Gilgal geht. Das ist, wie wir ja alle wissen, der Platz der Beschneidung. Gilgal bedeutet „Abwälzung“, denn in Gilgal wurde, nachdem das Volk beschnitten worden war, die Schande Ägyptens von Israel abgewälzt. Wenn wir in Bethel gelernt haben, was Gott für uns in souveräner Gnade und gemäß seiner eigenen Treue ist, erkennen wir in Gilgal, dass Gott das Fleisch in seinem Volk nicht gutheißen kann. Wenn man das Gericht Gottes über das Fleisch anerkennt, dann wird die Schande Ägyptens abgewälzt (Josua 5,2.9:

Drittens reist Samuel von Gilgal nach Mizpa. Wenn Gilgal vom Richten des Fleisches in uns Gläubigen spricht, deutet Mizpa die Notwendigkeit an, gegenüber dem Feind von außen wachsam zu sein, denn Mizpa bedeutet Wachturm.

Christus will uns auf Höhen führen

Schließlich kehrt Samuel nach Rama zurück. Rama heißt übersetzt Höhe. Der Mann Gottes lebt oberhalb dieser Welt auf den Höhen. Für den Christen sind die Segnungen geistlicher Art, in den himmlischen Örtern. Das Heim seiner Zuneigungen ist droben. Bethel, Gilgal und Mizpa sind nur Etappen auf seinem Weg zu den Höhen von Rama. Der feste Ratschluss Gottes, das Richten des Fleisches und die Wachsamkeit gegenüber dem Feind werden uns für den himmlischen Boden vorbereiten.

Samuel mag Bethel, Gilgal und Mizpa besuchen, aber von Rama lesen wir. „Dort war sein Haus, und dort richtete er Israel. Und er baute daselbst dem HERRN einen Altar“ (Vers 16). Es ist auch für uns gut, wenn wir diese „Rundreise“ gemacht haben, zu den Höhen unserer Berufung zurückzukehren. Wenn wir unser Teil als ein himmlisches Volk annehmen - außerhalb dieses gegenwärtigen bösen Zeitlaufs und im Geist und mit unserer Zuneigung in einer anderen Welt - dann werden wir tatsächlich unsere Wohnung dort finden. Und dort, von dem Gipfel der Felsen aus werden wir uns ein wahres Urteil über das Volk Gottes bilden können. Und dort werden unsere Herzen zur Anbetung geführt werden.