01.04.2003Prophetie | Persönlicher Glaube | Apostelgeschichte

Verstehst du auch, was du liest?

Die Bildersprache der Bibel

Die Sprache der Bibel ist keineswegs trocken. Gott kleidet seine Gedanken und Lehren in eine unerschöpfliche Fülle verschiedenartigster Bilder. Er weiß, dass wir Ihn dann besser verstehen. Auch bleibt die Wahrheit in bildhafter Form in der Seele besser haften.

Besser verstehen? - Kommt es uns nicht manchmal vor, diese Bilder seien zusammengerollt und mit einem Schloss versehen, es sei nichts damit anzufangen? Aufgepasst! Oft liegen die Schlüssel gleich daneben und manchmal sind sie weiter hinten im Buch, in den Evangelien und Briefen verstreut, zu finden.

Die Bibel ist für fleißige Leute geschrieben<

Das gibt allerhand Sucharbeit. Die Bibel ist für emsige Leute geschrieben, für solche, die ihren Schätzen eifrig nachspüren. Jenen, die in Eile immer nur an den gleichen Versen „nippen", bleibt sie allerdings so gut wie verschlossen.

Es gibt Christen, welche die Bilder wörtlich und ohne die dazu gehörende biblische Auslegung auf sich anwenden wollen. Weil es in der Schrift heißt:

„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kindlein, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen", meinen manche Leute ..., sie müssten sich nun wieder wie kleine Kinder benehmen… Und weil der Herr (Johannes 13) die Jünger auffordert, einander die Füße zu waschen, wie Er es ihnen getan habe, waschen heute die Mitglieder einer gewissen Gruppe von Christen einander regelrecht die Füße, mit Wasser und Handtuch. Das sind bedauerliche Verirrungen.

Der Verstand muss im Gehorsam unter Christus arbeiten

Andere wieder glauben, die Schlüssel zum Öffnen der Bilder des Wortes Gottes im Stübchen des eigenen Verstandes anfertigen zu müssen. Das hat in der Christenheit schon unzählige Irrtümer heraufbeschworen. So hat man zum Beispiel auf das Gleichnis in Matthäus 13,33 den Schlüssel menschlicher Deutung angewendet und behauptet: Der Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl verbarg, bis es ganz durchsäuert war, sei ein Bild von der christlichen Botschaft. Sie werde in der Welt immer mehr Fuß fassen und sich ausbreiten, bis alle Länder davon durchdrungen und das Reich der Himmel auf der ganzen Erde aufgerichtet sei. –

Hätte man sich aber die Mühe genommen, der Bedeutung des „Sauerteiges" im Worte Gottes selber nachzuspüren, wäre man zu einem ganz andern Schluss gekommen. Die Stellen in Matth. 16,6 und 11; Mark. 8,15; Luk. 12,1; 1. Kor. 5,68; Gal. 5,79 zeigen deutlich, dass „Sauerteig" ein Bild vom sittlichen und lehrhaften Bösen ist, das sich in der Christenheit immer mehr ausbreitet, bis sie schließlich reif ist zum Endgericht. Statt uns zu veranlassen, von einer kommenden besseren Welt zu träumen, warnt uns also dieses Gleichnis vor dem immer mehr überhand nehmenden Bösen. Welch ein Unterschied! Das Wort Gottes erklärt sich selber. Die Spekulationen des Menschengeistes sind uns ein Hindernis. Wir müssen das immer wieder betonen.

Es liegt nicht in unserer Absicht, alle Bilder des Wortes Gottes aufzuzählen. Sie würden allein schon ein ganzes Buch füllen. ... Wir begnügen uns jetzt damit, an einige Gruppen zu erinnern.



Da sind einmal die vielen Gleichnisse, die unser Herr dem Volke, den Pharisäern und Schriftgelehrten, sowie den Jüngern selbst erzählt hat. Wir finden sie besonders im Matthäus- und Lukas-Evangelium. ... Sie sind von einer Schlichtheit, dass ein Kind sie verstehen kann, und haben eine so tiefe Bedeutung, dass auch ein gereifter Christ diese Bilder immer und immer wieder betrachtet und großen Segen dabei empfängt.

In 1. Korinther 10,1-11 werden wir aufgerufen, auch die ganze Geschichte des Volkes Israel, wie sie uns das Alte Testament beschreibt, als eine große Sammlung von Bildern zu betrachten: „Diese Dinge sind als Vorbilder für uns geschehen", sie „widerfuhren jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf welche das Ende der Zeitalter gekommen ist," lesen wir im 6. und 11. Vers. So sind wir also von Gott selber angewiesen, anhand anderer Teile des Wortes Gottes den tiefen Sinn all dieser Vorbilder zu ergründen, um als einzelne Christen oder auch als das himmlische Volk Gottes die mannigfaltigsten Unterweisungen dadurch zu empfangen.

In den Büchern Mose finden wir außer den geschichtlichen Ereignissen eine gewaltige Fülle von Anweisungen, Verordnungen und Gesetzen betreffend die darzubringenden Opfer, das Priestertum, die Beschaffenheit der Stiftshütte und ihrer Geräte, usw. Sie alle wären für uns bedeutungslos, wenn sie nicht hindeuteten auf das „Bessere", auf Christum, auf sein ein für allemal geschehenes Opfer und auf die daraus hervorgegangenen, für uns so gesegneten Resultate. Für uns, die wir auf diesem vollbrachten Werke ruhen, bilden diese „Schatten der zukünftigen Güter" (Hebräer 10,1) eine reiche Fundgrube wertvollsten Anschauungsmaterials. Es macht uns die lehrhaften Unterweisungen der Apostel, die in ihren Schriften die Herrlichkeit Christi und die wunderbaren Ergebnisse Seines Werkes beschreiben, erst recht klar und eindrücklich.

Schließlich weisen wir noch auf eine weitere Bildergruppe hin: Auf Personen des Alten Testamentes, wie Joseph, David (auch in den Psalmen), Salomo und andere, die deutliche Vorbilder auf Christum hin sind. ... Joseph ist eines der schönsten und vollständigsten Vorbilder auf Christum hin. ...

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Im ganzen Worte und wohl auf jeder Seite begegnen wir dem Finger Gottes, der auf den „Sohn seiner Liebe" hinweist. Gott will uns nicht so sehr auf Personen oder Dinge aufmerksam machen, als vielmehr auf Ihn, auf seine Schönheiten und Herrlichkeiten. Wenn wir also in den ungezählten Bildern seines Wortes vor allem die Person Jesu suchen, sind wir auf der rechten Fährte zum richtigen Verständnis. (Siehe Joh. 5,39; Röm. 15,34 usw.) Wir werden dabei auch den Zugang zu andern Wahrheiten finden, die uns Gott damit eindrücklich machen will.

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Mit freundlicher Genehmigung des Beröa Verlages
Halte Fest Jahrgang 1958 - Seite: 58