28.09.2003Jesus Christus / Gott | Johannes

Das Johannesevangelium - ein Überblick

„Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor seinen Jüngern getan, die nicht in diesem Buch geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr glaubend Leben habt in seinem Namen“ (Joh 20,30-31).

Selten finden wir im Wort Gottes einen solch direkten Hinweis auf den Zweck eines Buches. Johannes gibt jedoch am Ende seines Evangeliums drei wichtige Hinweise über den Inhalt des Berichtes über den Herrn Jesus:

1. Die Tätigkeit (und auch die Person) des Herrn Jesus sind zu gewaltig, als dass man sie in einem Buch umfassend behandeln könnte. Am Ende des 21. Kapitels bestätigt Johannes sogar, dass „selbst die Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen könnte“, wenn alles aufgeschrieben würde.

2. Der Zweck des Johannesevangeliums ist, dass der Leser an den Herrn Jesus glaubt. Diese herrliche Person ist Mensch – der Mensch, der von Gott auf diese Erde gesandt wurde: Jesus, der Christus. Und Er ist zugleich der ewige Gott selbst, der keinen Anfang und kein Ende hat: der Sohn Gottes. An Ihn sollen wir glauben. Er ist für uns gestorben als Retter, und Er hat den ganzen Ratschluss Gottes erfüllt.

3. Durch den Glauben an Christus wird uns ewiges Leben geschenkt. Durch dieses Leben können wir Gemeinschaft mit den göttlichen Personen haben (vgl. 1. Joh 1,1-5). Wir haben durch das ewige Leben ewige Beziehungen mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Der ewige Sohn des ewigen Vaters

Diese einleitenden Bemerkungen machen deutlich, dass Johannes die Person Jesus in einer ganz besonderen Weise „beschreibt“. Natürlich ist jedes Evangelium „besonders“. Dennoch schreibt Johannes aus einem Blickwinkel, der sich von dem der anderen drei Evangelisten grundlegend unterscheidet. Daher finden wir in diesem Evangelium vergleichsweise wenig Handlung. Sie fehlt nicht völlig, hat jedoch vor allem die Aufgabe, die Person des ewigen Sohnes Gottes zu bestätigen – als Zeichen. Nicht von ungefähr finden wir in diesem Evangelium immer wieder diesen Ausdruck: Zeichen.

Einen sehr breiten Raum nehmen die Reden des Herrn Jesus ein. Er spricht als das „ewige Wort“ (vgl. Joh 1,1), denn Er ist der vollkommene und damit vollständige Ausdruck Gottes, auch dessen, was Gott in seinem Wesen und in seiner Natur ist. Er wird in diesem Evangelium als der Sohn Gottes gezeigt, als der Sohn des Vaters: „Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht“ (Joh 1,18).

Zugleich finden wir in diesem Buch Hinweise auf die Menschheit des Herrn Jesus, die nicht klarer sein könnten. Nur ein einziges Mal wird in den Evangelien erwähnt, dass der Herr Jesus ermüdet war. Vielleicht würde man erwarten, diesen Hinweis in dem Lukasevangelium zu finden, das den Herrn Jesus als Menschen zeigt. Aber Johannes ist es, der diesen Ausdruck verwendet (Joh 4,6). Auch wendet sich der Herr Jesus in diesem Evangelium immer wieder einzelnen Personen zu. Das zeugt von seiner Einfühlsamkeit (Nikodemus in Johannes 3; die Frau am Jakobsbrunnen in Johannes 4; die im Ehebruch ergriffene Frau in Johannes 8; der Blindgeborene in Johannes 9; Lazarus in Johannes 11 etc.).

Schließlich ist es ein Mensch, der am Kreuz stirbt. „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns ...“ (Joh 1,14). Gott musste Mensch werden, damit Sünden gesühnt werden konnten. Und zur Sühnung war der Tod nötig, denn ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung. Und sowohl Sühnung als auch Versöhnung und Vergebung sind durch den Menschen Jesus Christus bewirkt worden. „Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist“ (Joh 19,30). Der Evangelist spricht hier von dem Menschen Jesus – nicht von dem ewigen Gott, auch wenn Jesus Gott ist, wie wir aus anderen Stellen wissen. Wir können das nicht verstehen, sondern nur anbetend vor diesen Geheimnissen seiner Person stehen bleiben.

Jesus Christus und seine Darstellung im Johannesevangelium

Dieses vierte Evangelium ist sehr wahrscheinlich als letztes verfasst worden. Man nimmt an, dass es erst ganz am Ende des ersten Jahrhunderts von Johannes aufgeschrieben wurde. Dennoch beeindruckt uns Johannes mit Einzelheiten, die deutlich machen, dass der eigentliche Verfasser Gott selbst, der Heilige Geist, ist. Aber diese Details zeigen auch, mit welcher Liebe Johannes über seine Erlebnisse mit dem Herrn Jesus nachgedacht hat. Er spricht beispielsweise von der „zehnten Stunde“, in der zwei Jünger zu dem Herrn Jesus kamen – er selbst war vermutlich einer davon (Joh 1,39). Dann schreibt er anlässlich der Hochzeit in Kana von „sechs steinernen Wasserkrügen“ (Joh 2,6) oder in Verbindung mit dem Fischfang von „153 großen Fischen“ (Joh 21,11).

Johannes gehört mit Matthäus auch zu den beiden einzigen Evangelisten, die den Herrn während seines Dienstes hier auf der Erde als Jünger begleitet haben. So konnte er von vielen Dingen als Augenzeuge schreiben, weil er selbst zugegen gewesen war. Es fällt auf, dass Johannes seinen eigenen Namen im Evangelium nie erwähnt. Er spricht allerdings von sich als von dem „Jünger, den Jesus liebte“[1].

[1] Dabei ist auffallend, dass dies erst ab Kapitel 13 der Fall ist. Wenn Johannes damit beginnt, den letzten Leidensweg seines Herrn zu beschreiben, wird ihm die Liebe Herrn ganz besonders groß. Ende der Fußnote

Johannes beginnt sein Evangelium mit einer einzigartigen Einleitung in den ersten 18 Versen des ersten Kapitels. Bereits die ersten zwei Verse haben es „in sich“.

• „Im Anfang war das Wort“: Die Person, von der hier geschrieben wird – Jesus Christus, der Sohn Gottes – ist als solche ewig. Denn in jedem Anfang, den man sich (aus)denken könnte, war Er schon. Und Er wird das „Wort“ genannt. Das heißt, Er ist der vollkommene und vollständige Ausdruck Gottes. Er ist es immer schon gewesen!

• „Und das Wort war bei Gott“: Dieses Wort wird unterschieden von Gott. Es war eine Person, die bei Gott war. Wenn jemand bei einer anderen Person ist, dann kann er unmöglich diese Person sein. Er muss eine eigene Identität haben. So wird das Wort – der Sohn Gottes – von Gott unterschieden.

• „Und das Wort war Gott“: Wenn auch das Wort von Gott unterschieden wird, so ist es zugleich dennoch Gott. Es ist wesensgleich mit Gott, weil es Gott ist. Diesen scheinbaren Widerspruch – unterschieden von Gott als Person, zugleich aber Gott selbst – können wir Menschen nicht mit unserem Verstand verstehen. Aber wir wissen aus vielen Stellen, dass der „eine“ Gott zugleich ein „dreieiner“ Gott ist: Gott der Vater; Gott der Sohn; Gott der Heilige Geist. Und zwischen diesen drei Personen gibt es keinen Rangunterschied.

• „Dieses war im Anfang bei Gott“: Die Person, die das Wort ist – also der Sohn – war in dieser Beziehung schon immer – im Anfang – bei Gott und Gott. Er wurde nicht erst Gott, Er kam nicht erst in die Beziehung Vater-Sohn, als Er auf diese Erde kam. Nein, vor Grundlegung der Welt, schon immer, war das Wort der Sohn.

Da der Herr Jesus in diesem Evangelium als der Sohn Gottes gezeigt wird, finden wir hier kein Geschlechtsregister. Denn der ewige Sohn hat keine Vorfahren – Er ist Gott. Wir können dann im Verlauf des Evangeliums immer wieder feststellen, dass der Herr Jesus von Johannes von Anfang an als der Verworfene und Verachtete beschrieben wird. Auch das wird in den ersten Versen schon deutlich: „Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt kannte ihn nicht. Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an“ (Joh 1,10.11).

Folgende grobe Gliederung erscheint möglich:

1. Einleitung: Kapitel 1,1-18
2. Der öffentliche Dienst des Sohnes Gottes: Kapitel 1,19-12,50
3. Der Dienst und die Worte des Sohnes für die Familie Gottes: Kapitel 13,1-17,26
4. Tod und Auferstehung: Kapitel 18,1-20,31
5. Prophetischer Ausklang: Kapitel 21

Darüber hinaus sind die ersten 17 Kapitel auch mit der Stiftshütte verglichen worden:

Kap. 1-12: Der Vorhof: Jesus zeigt sich seinem Volk
Kap. 13-16: Das Heilige des Heiligtums: Die Vertrautheit der Unterhaltungen des Herrn mit den Seinen
Kap. 17: Das Allerheiligste des Heiligtums: Die heilige Gemeinschaft zwischen dem Vater und dem Sohn.

Schließlich wurde auch schon einmal darauf hingewiesen, dass die ersten 19 Kapitel des Johannesevangeliums sozusagen eine Einführung in die drei Briefe des Johannes sind, weil die dort genannten Themen wie Leben (besonders Kapitel 3-7), Licht (8-12) und Liebe (13-17) alle im Evangelium bereits behandelt werden. Die letzten drei Kapitel (19-21) könnte man als eine Hinführung zum Buch der Offenbarung verstehen, das ebenfalls aus der Feder des Johannes stammt und in dem er die prophetischen Skizzen der letzten Kapitel des Evangeliums wieder aufgreift und eingehend beleuchtet.

Auch eine Aussage des Herrn Jesus in diesem Evangelium (16,28) kann gewissermaßen als Einteilung dienen: „Ich bin von dem Vater ausgegangen (1,1-18) und bin in die Welt gekommen (1,19-12,50); wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater (13-21).“ Diese Aufzählung an möglichen Gliederungen macht deutlich: Wenn es um den ewigen Sohn des Vaters geht, sind menschliche Vernunftschlüsse nicht mehr in der Lage zu erfassen, was Gott uns vorstellt. Wir können immer nur einer Linie folgen, danach einer anderen. „Denn wir erkennen stückweise“ (1. Kor 13,9).

Die sieben Wunder im Johannesevangelium

Von den über 30 Wundern, die wir in den anderen drei Evangelien finden, nennt Johannes nur dasjenige, das in allen vier Evangelien vorkommt: die Speisung der 5000. Dafür schreibt er jedoch von sechs anderen Wundern, die in keinem der anderen Evangelien erwähnt werden. So kommt Johannes auf insgesamt 7 Wunder – was von der Vollkommenheit und Vollständigkeit der göttlichen Herrlichkeit und Macht des Herrn Jesus zeugt. Die Wunder des Herrn werden hier übrigens „Zeichen“ genannt, weil sie in diesem Evangelium ganz besonders Zeichen seiner göttlichen Herrlichkeit sind. Eine mögliche Bedeutung jedes Wunders gebe ich an.

(1) Verwandeln von Wasser in Wein (2,1-11): Das Wort Gottes (Wasser), das in Buße aufgenommen wird, führt zu wahrer Freude (Wein).

(2) Die Heilung des kranken Sohnes des königlichen Beamten (4,46-54): Israel (königlicher Beamter) widerfährt Barmherzigkeit, auch wenn der Sohn Gottes den Beamten nicht direkt besucht.

(3) Heilung des Lahmen am Teich Bethesda (5,1-9): Souveräne Gnade triumphiert über das Gesetz.

(4) Die Speisung der 5000 (6,1-15): Christus begegnet als das Manna und Brot des Lebens allen Bedürfnissen der Menschen.

(5) Heilung des Blindgeborenen (9,1-38): Das Öffnen der Augen der Seele – neue Geburt.

(6) Die Auferweckung des Lazarus (11,1-44): Die Macht der Auferweckung von Menschen – Christus ist Herr über den Tod.

(7) Der wunderbare Fischfang der 153 Fische (21,4-14): Die Sammlung der Nationen kurz vor und während des 1000jährigen Reiches

Ich zweifle nicht daran, dass diese sieben Wunder auch in einer gewissen moralischen Reihenfolge stehen. Das Ziel Gottes für den Menschen ist, ihm wahre und echte Freude zu schenken. Das Mittel dazu ist bis heute das Wort Gottes (1). Daher kam der Sohn Gottes auf die Erde. Zunächst kam Er als der von Gott gesalbte Messias (Psalm 2 nennt Ihn in diesem Zusammenhang Sohn Gottes) zu seinem Volk Israel (2). Dieses jedoch lehnte Ihn ab. Aber damit war Gottes Plan nicht gescheitert. Seine souveräne Gnade triumphiert über das Gesetz und die Ablehnung Israels (3), denn Christus ist als das Brot vom Himmel, das wahre Manna, nicht nur für Israel gekommen, sondern für die ganze Welt (4). Nicht von ungefähr wird in Johannes 6 der Ort „Tiberias“ genannt, der an den römischen Herrscher mit gleichem Namen erinnert und damit das Arbeitsfeld des Herrn Jesus nicht auf Israel beschränkt.

Das Brot des Herrn schenkt uns – im Bild – neues Leben. Und dieses erhalten wir durch die neue Geburt (5), wenn der Herr uns die Augen der Seele für seine Botschaft öffnet. Wir ziehen den neuen Menschen an, wie Paulus es nennt, und erfahren geistlicherweise bereits die Kraft der Auferstehung (Eph 1,19-2,10), die auch Christus aus den Toten auferweckte (6). Aber es wird der Augenblick kommen, an dem auch unser Körper auferweckt werden wird. Dann werden wir bei dem Herrn Jesus sein und mit Ihm auf diese Erde kommen. Dort findet Er dann nicht nur einen wiederhergestellten Überrest aus Israel vor, der sich Gott unterwirft. Sondern von allen Enden der Erde werden Menschen aus den Nationen kommen, um Gott als Schöpfer und Herrn anzuerkennen und vor Ihm niederzufallen (7).

„Ich bin“ im Johannesevangelium

Gott hatte sich Mose gegenüber als der „Ich bin, der ich bin“ offenbart (2. Mo 3,13-15). Das ist sein Name als der Ewige, der Bleibende, der immer war und immer sein wird. Johannes greift diesen Namen Gottes ganz besonders wieder auf. Genau genommen ist es Jesus selbst, der diesen Namen für sich in Anspruch nimmt und damit eigene Herrlichkeiten verbindet. Sieben verschiedene spezielle Herrlichkeiten seiner Person fügt Er dem betonten „ICH bin“ hinzu. Es war der „ICH bin“, der auf die Erde gekommen war. Diesmal hatte Gott nicht einen großen Diener wie Mose gesandt. Diesmal war Er selbst gekommen, indem Er Mensch wurde, um als Knecht und Gott in einer Person das Volk zu befreien. Es ist nicht verwunderlich, dass die vollkommene, göttliche Herrlichkeit[2] in dieser Weise mit Christus verbunden wird.

[2] In diesem Zusammenhang finden wir in der Bibel immer wieder die Zahl 7 genannt. Ende der Fußnote

1. „ICH bin das Brot des Lebens“ (Joh 6,35.41.48)[3]: Der Herr Jesus ist der Himmlische, der aus dem Himmel gekommen ist, um den Hunger des Menschen zu stillen. Dazu musste Er als Mensch sein Leben geben: „Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt“ (Joh 6,51).

[3] In Johannes 6,51 ergänzt der Herr Jesus den ähnlichen Ausdruck: „Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel hernieder gekommen ist.“ Ende der Fußnote

2. „ICH bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12). „Gott ist Licht“ (1. Joh 1,5). Und der Sohn Gottes hat dieses Licht in dieser Welt offenbart, denn Er ist Gott. Als der große „ICH bin“ war Er dann auch als Mensch dieses „Licht der Welt“, das jeden Menschen erleuchtet und ins Licht Gottes stellt. Das wird besonders in den ersten 11 Versen dieses Kapitels offenbart, in denen sein Licht der Wahrheit auf die heuchlerischen Pharisäer und sein Licht der Gnade auf diese sündige Frau fallen ließ.

3. „ICH bin die Tür der Schafe“ (Joh 10,7.9). Christus ist der einzige Weg zu Gott. Nur wer durch Ihn „eingeht“, wird Errettung finden. Gott ist Mensch geworden, und nur durch diesen einen Menschen gibt es Errettung. Jede andere Tür führt in die Irre. Auch heute noch!

4. „ICH bin der gute Hirte“ (Joh 10,11.14). Normalerweise zeichnet sich ein Hirte dadurch aus, dass er seine Schafe führt und beschützt. Der „ICH bin“ jedoch – der Ewige – war bereit zu sterben, als Er Mensch geworden war. Denn seine „Schafe“ konnten nur dadurch zu Gott geführt werden, dass Er stellvertretend für sie starb. Gott sei ewig Dank dafür – Er hat es getan!

5. „ICH bin die Auferstehung und das Leben“ (Joh 11,25). Auch wenn der Herr Jesus zu dem Zeitpunkt, als Er gegenüber Martha diese gewaltige Aussage machte, noch nicht auferstanden war, konnte Er diese Herrlichkeit bezeugen. Denn Er ist das Leben. Als der ewige Gott besaß Er schon immer die Macht des Lebens. Aber auch als Mensch ist Ihm diese Herrlichkeit vom Vater geschenkt worden: „Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst“ (Joh 5,25). Aber Er ist nicht nur der Ausdruck des Lebens. Auch die Auferstehung ist Teil seiner Herrlichkeit. Die Auferstehung, jede Auferstehung, beruht auf seiner Person. Er war nicht nur der Erste, der auferstand. In Ihm ist die Kraft der Auferstehung zu finden.

6. „ICH bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). So, wie es nur einen Weg der Errettung gibt, gibt es auch nur einen Weg zum Vater. Und dieser führt über den Sohn, Jesus Christus. Er allein hat auch die Wahrheit über den Vater offenbart. So kann Er in dem gleichen Kapitel zu Philippus sagen: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen, und wie sagst du: Zeige uns den Vater-“ (Vers 9). Ganz grundsätzlich ist auch wahr, dass der Herr Jesus die Wahrheit über alles offenbart hat – sei es über Gott, über den Menschen, über die göttliche Liebe und Gnade, über die Sünde des Menschen, über das Licht Gottes etc. Aber Er ist auch das Leben, das wir alle nötig haben, wenn wir Gemeinschaft mit dem Vater haben und genießen wollen. Er selbst ist die Quelle dieses Lebens.

7. „ICH bin der wahre Weinstock“ (Joh 15,1). Es ist erstaunlich, dass die sieben bestimmten „ICH bin“ mit diesem Titel enden. Er ist der einzige, der wirklich Frucht für Gott hervorgebracht hat. Er war von Gott ausgegangen und tat genau das, was Gott früher von seinem Volk erwartet hatte. In Psalm 80,8 lesen wir, dass eigentlich Israel der Weinstock war. Das Volk hätte es auch für Gott sein sollen, aber Israel war verderbt. Daher musste Christus als der wahre Weinstock kommen. Und Er brachte in vollkommener Weise Frucht für Gott, für den Vater. Das sehen wir in einzigartiger Weise durch sein Werk am Kreuz von Golgatha! Und wir selbst sind Teil dieser Frucht; ein deutliches Zeichen, dass Er Frucht zur Freude Gottes hervorgebracht hat.

Neben diesen sieben Bezeichnungen, mit denen der Herr Jesus das „ICH bin“ konkretisiert, gibt es eine Reihe an weiteren Stellen, in denen der Herr Jesus von sich sagt, dass Er der „ICH bin“ des Alten Testamentes ist. Zwei markante Stellen ergänze ich hier; aber es sind nicht die einzigen, die Johannes nennt:

„ICH bin es“ (Joh 6,20): Die Jünger fahren mit dem Schiff auf stürmischer See. Da kommt der Herr Jesus und ruft ihnen diese Worte zu. Sie stehen symbolisch für sein Kommen auf diese Erde als der „Ich bin es“, der von Gott zu seinem Volk kam, das sich in stürmischen Zeiten befand, um es zu retten.

„Jesus nun, der alles wusste, was über ihn kommen würde, ging hinaus und sprach zu ihnen: Wen sucht ihr- Sie antworteten ihm: Jesus, den Nazaräer. Jesus spricht zu ihnen: ICH bin es ... Als er nun zu ihnen sagte: ICH bin es, wichen sie zurück und fielen zu Boden“ (Joh 18,4-6). Judas war mit Soldaten, Hohenpriestern und Dienern gekommen, um Jesus zu verraten und gefangen zu nehmen. Er hatte aber nicht mit der Allmacht Jesu gerechnet. Und der Herr Jesus erwies sich als der Ewige, vor dem jeder Mensch niederfallen muss. Und dennoch: Freiwillig ließ sich Jesus dann gefangen nehmen, um später gekreuzigt zu werden. Das ist göttliche Gnade!

In Büchern nicht zu fassen

Man könnte noch manche Besonderheit im Johannesevangelium nennen, die uns zum Staunen führt. Es ist beispielsweise bemerkenswert, wie prophetisch gerade die ersten und letzten Kapitel dieses Buches sind. In den ersten Kapiteln ist immer wieder von Tagen die Rede: am folgenden Tag, am dritten Tag etc. Durch die Anordnung und Verbindung der Ereignisse an diesen Tagen entsteht ein gleichnishaftes Bild von Vorhersagen über Zeitabschnitte, die bis heute teilweise in der Zukunft liegen. Das gleiche gilt für die letzten beiden Kapitel, in denen von „jenem“ Tag, von „nach acht Tagen“ etc. gesprochen wird. Auch hier wird prophetisch die Abfolge von Ereignissen angedeutet.

Andere Einzelheiten sind ebenso beeindruckend[4]. Beispielsweise schreibt Johannes von sechs Nächten in seinem Buch. Warum eigentlich nicht sieben- Weiter oben wurde schon darauf hingewiesen, dass sich Johannes in diesem Evangelium nicht mit Namen nennt. Und doch spricht er von sich als von dem Jünger, den Jesus liebte. Und gerade Johannes schreibt viel von der Liebe des Vaters zum Sohn[5], von der Liebe Gottes, und auch von der Liebe Jesu. Offenbar hatte Johannes ein besonderes Empfinden für diese Liebe.

[4] Zum Beispiel:
1) Erwähnung des Vaternamens (ca. 120 mal)
2) Gezielter Hass der Juden wegen der Gottessohnschaft (5,18; 7,30.32.44.19; 8,20.37.59; 10,31.39)
3) Die verschiedenen „Stunden“ (vielleicht fünf Hauptaspekte)
4) Der Herr redet, was und wie Er Dinge beim Vater gesehen und gehört hat (3,11.32; 8,26.28.40; 12,49.50; 15,15)
5) Das ewige Leben (ein Hauptthema)
Wir überlassen euch das Studium dieser Themen, da es den Rahmen eines Überblicks sprengen würde, alle diese Aspekte zu behandeln. Ende der Fußnote


[5] Siebenmal: Kap. 3,35; 5,20 (hier wird ein anderes Wort für Liebe benutzt: lieb haben); 10,17; 15,9; 17,23.24.26. Einmal spricht der Herr von seiner Liebe zum Vater: Kap. 14,31. Ende der Fußnote

Es gibt nicht Schöneres, als sich mit dem Herrn Jesus zu beschäftigen. Und es ist eine schöne Aufgabe für uns alle, Ihn im Johannesevangelium zu betrachten – um Ihn dann zu preisen und anzubeten. Dabei eine kleine Hilfe zu geben, war Ziel dieses Artikels.

Fragen für das persönliche Studium

• Wer ist der Schreiber dieses Evangeliums- Warum hat Gott gerade ihn ausgewählt-

• Unter welchem Blickwinkel wird der Herr Jesus in diesem Evangelium gezeigt- Suche Beispiele dafür!

• In jedem Evangelium wird der Herr Jesus nicht nur unter einem einzigen Blickwinkel betrachtet. Wo kann man Ihn im Johannesevangelium als Sohn des Menschen, als König, als Diener, als Prophet sehen-

• Welche „Struktur“ hat dieses Evangelium- Warum muss das so sein-

• Der „Opfertod“ des Herrn Jesus und die Opfer in 3. Mose 1-5 haben manche Ähnlichkeiten. Welche treten besonders hervor-

• Die Evangelien im Neuen Testament haben zu jeweils einzelnen anderen Büchern/Briefen im Neuen Testament eine mehr oder weniger direkte Verbindung. Welche Bücher haben einen besonderen Bezug zu dem Johannesevangelium-

• In jedem Evangelium werden auch die Jünger des Herrn unter einem speziellen Blickwinkel gesehen. Unter welchem im Johannesevangelium-

• Warum nennt sich Johannes in „seinem“ Evangelium unter diesem eigenartigen Synonym „der Jünger, den Jesus liebte“-

• Es gibt im Johannesevangelium kein Geschlechtsregister und keine Himmelfahrt. Warum nicht-

• Warum werden uns gerade in diesem Evangelium so viele Reden des Herrn genannt-

• Das letzte Kapitel des Evangeliums ist eindeutig ein inhaltlicher Anhang. Was mag zu diesem Anhang geführt haben-