02.05.2003 Persönlicher Glaube | Hebräer

Abgleiten

Wir lernen aus der Natur

Oft findet man an irgendeinem Ufer in Skandinavien einen toten Baumstrunk, der an der Ostgrenze von Peru oder Kolumbien in den Amazonas fiel. So hat er eine Reise von Tausenden von Kilometern durch Südamerika gemacht und dann durch den Atlantischen Ozean dem Norden zu, indem er abglitt.

Dieses Stück Holz war zwar leblos, es konnte keinerlei Energieäußerung von sich geben, aber der Kraft der Elemente unterworfen, die es umgaben, erreichte es schließlich einen Ort, der in einer enormen Distanz vom Ausgangspunkt entfernt lag, und das alles durch Abgleiten.

Wir laufen, wie dieser Baumstrunk, große Gefahr, ins Abgleiten zu geraten, von jedem Wind der Lehre und durch die Wogen der Umstände mitgerissen zu werden. Diese, den Heiligen erteilte Warnung datiert nicht von heute. ... Der den Heiligen einmal gelehrte Glaube ist eine unveränderliche und bleibende Sache. Aber die Gefahr besteht, dass wir uns von den göttlichen Wahrheiten entfernen. Es ist nicht so, wie es schon übersetzt worden ist, dass wir uns diese Wahrheiten entgleiten lassen; nein, wir sind es, die von ihnen abgleiten.

Abgleiten kann langsam beginnen

Dieses Abgleiten geht langsam, schrittweise vor sich; wir beachten es anfänglich nicht, und es ist daher mehr zu fürchten, als ein plötzlicher, gewaltsamer Schlag. Die meisten der Gläubigen widerständen mit ganzer Kraft den offenen Anstrengungen des Feindes, ihnen die Wahrheit zu rauben; die Scheuen und die Sanftmütigen sogar sind fähig, zu widerstehen, wenn solches geschieht.

Aber während wir gegenüber Dieben, die einzubrechen und zu stehlen versuchen, auf der Hut sind, sind wir alle geneigt, die Motten und den Rost gewähren zu lassen, die im Verborgenen zernagen. Wir unterschätzen die Wirkung der in der Christenheit lautenden Meinungen gegenüber der Art und Weise, wie wir die Offenbarungen der Schrift betrachten. Aber unmerklich verringert sich dabei unser Respekt vor den Aussprüchen Gottes; unser Vertrauen in sie wird untergraben. Wir können diesen Wechsel kaum feststellen: Das Abgleiten hat begonnen, der Verfall und die Leugnung werden folgen.

Ein Beispiel aus der Anfangszeit der Kirche

Wir haben im Anfang der Kirche ein Beispiel der Neigung abzugleiten. Diese Bewegung, unmerklich zuerst, begann in Antiochien, verbreitete sich dann schnell, so sehr, dass Petrus, Barnabas und viele andere jüdische Christen von der Wahrheit des Evangeliums hinweg mitfortgerissen wurden. Wie hatte es denn begonnen? Nun, durch Petrus, den man mit Recht als eine Säule der Kirche betrachtete. Nach Antiochien gekommen, trennte er sich von den Brüdern aus den Nationen, indem er einen Unterschied zwischen ihnen und sich machte, weil sie keine Juden waren (Galater 2). Andere Juden folgten dem Beispiel des Apostels.

Es mochte scheinen, als habe es wenig Bedeutung, dass Petrus die jüdischen Brüder als Juden, und die übrigen Brüder als aus den Nationen behandelte, gemäß der weltlichen Gewohnheit seines Volkes. Aber, indem er so handelte zerstörte Petrus, was er selber durch die Predigt des Evangeliums aufgerichtet hatte, nämlich, dass Gott jetzt zwischen Juden und Griechen keinerlei Unterschied macht (Apg 15,8.9).

So unbedeutend das Handeln des Petrus einigen erscheinen mochte, so war der Apostel Paulus in der Lage zu sehen, in welcher Richtung das Abgleiten vor sich ging. Er erklärte, dass Petrus und die, welche mit ihm waren, „nicht den geraden Weg nach der Wahrheit des Evangeliums wandelten". ... Aber dank des energischen und entschiedenen Handelns des Paulus wurden die, welche angefangen hatten abzuweichen, gehindert, im Aufgeben der Wahrheit weiterzugehen. Dieser Zwischenfall wird in der Schrift als Warnung für uns erzählt, damit wir uns hüten, fortgezogen zu werden durch die gängigen menschlichen Meinungen und durch volkstümliche Theologie.

Menschenfurcht ist ein großes Übel!

Petrus fürchtete sich vor dem, was die jüdischen Brüder sagen würden (Gal 2,12), und er fiel in die Schlinge der Menschenfurcht. Auch wir können durch die Meinungen anderer beeinflusst werden und so von der schriftgemäßen Unterweisung und von der Praxis, die wir von Gott empfangen haben, abweichen.

Es ist gut, unsere Wege oft zu überprüfen und uns zu vergewissern, ob wir uns nicht von der Schrift entfernt haben, die unser unfehlbarer Führer ist. Prüfen wir also, jeder für sich, die folgenden Fragen:

Ganz praktische Fragen

Bist du immer noch so sicher, wie du es gewesen bist, dass der Herr Jesus selbst in der Mitte der zwei oder drei ist, die zu seinem Namen hin versammelt sind? Oder erhebt sich in deinem Geist etwa Zweifel in dieser Sache? Bist du von jenen glücklichen Erfahrungen abgewichen, die du einst in der Versammlung seiner Heiligen gemacht hast?

Nimmst du an den Zusammenkünften zum Gebet und zur Wortbetrachtung ebenso regelmäßig teil wie früher? Oder bist du von dieser Gewohnheit abgeglitten und suchst du, wenn möglich, einen guten Grund, um abwesend zu sein?

Ist dein Beitrag zu den Kollekten weniger groß, obwohl dein Einkommen gestiegen ist? Hast du vergessen, dass du ein Verwalter der Güter deines Meisters bist, und lässt du die Idee aufkommen, andere könnten dich in dieser Pflicht ersetzen?

Hat dein Heim immer noch den Geruch der Gottseligkeit, den es einst hatte? Oder hast du bemerkt, dass andere, die sich zur Gottseligkeit bekennen, nicht mehr das Lesen des Wortes, das Gebet und das Singen von Liedern in der Familie praktizieren? Gibt dir das eine Entschuldigung, um auch deinerseits diese nötigen Gewohnheiten in deinem Hause aufzugeben?

Erkennst du deine Verantwortlichkeit an, deine Kinder in der Zucht und Ermahnung des Herrn zu erziehen? Oder bist du auch da abgewichen und hast die Bürde, die dir auferlegt ist, ganz auf andere Schultern gelegt?

Und betrachtest du in deinen täglichen Beschäftigungen dein gegebenes Wort als bindend? Verhältst du dich andern gegenüber als Menschengefälligen, indem du nur vor ihren Augen dienst? Und gibst du dich Praktiken hin, die heute vielleicht allgemein üblich, aber tadelnswert sind?

Segen gesucht!

Seien wir überzeugt, Geliebte, dass, wenn wir von der Wahrheit abgleiten, die wir einst gekannt und ausgelebt haben, wir keinen offenbaren Segen von Gott erleben. Sein Wort ist: „Kehrt doch um, ein jeder von seinem bösen Wege, und machet gut eure Wege und eure Handlungen" (Jer. 18,11).

*********
Mit freundlicher Genehmigung des Beröa Verlages
Halte Fest Jahrgang 1987 - Seite: 225