19.10.2004 Persönlicher Glaube

Schlafen – Fehlende Wachsamkeit oder Ruhe im Glauben?

Es gibt Zeiten, in denen wir ruhen in der Gewissheit von Römer 8,31-39. Es gibt aber auch Zeiten, in denen wir unruhig sind wie in Psalm 42,5: „Was beugst du dich nieder, meine Seele, und bist unruhig in mir?“

Ein uns allen gut bekannter Mann hat auch solche unterschiedlichen Zeiten in seinem Glaubensleben erlebt: Es gab dort eine Zeit, wo er extra aufgefordert wurde zu wachen. Aber er versagte und schlief ein, obwohl es erst -wenn überhaupt - einige Stunden her war, als er beteuert hatte, da zu bleiben, wenn auch die anderen fliehen würden.

Es gab aber auch die Zeit, da schlief er, den Tod ganz nah vor Augen, seelenruhig.

Ich spreche von Petrus, diesem Mann, der seinen Herrn so sehr liebte, sich dabei aber manchmal auch überschätzte.

Schlafen, wenn der Herr uns eigentlich gebrauchen möchte

Der Herr Jesus stand vor den schwersten Stunden seines Lebens hier auf der Erde. Er wusste, was in den nächsten Stunden auf Ihn zukommen würde. Da bat Er diejenigen, die Ihm am nächsten standen, von denen Er hoffte, dass sie Ihn verstünden (obwohl Er natürlich ihre Herzen genau kannte), zu wachen und zu beten. „Und er kommt und findet sie schlafend, und er spricht zu Petrus: Simon, schläfst du? Vermochtest du nicht eine Stunde zu wachen?“ (Markus 14,37.38). Ihn spricht der Herr wahrscheinlich deshalb direkt an, weil er sich so stark fühlte. Petrus fühlte sich stark und versagte. Der Herr hatte auf Mitleiden gewartet, auf solche, die Ihn unterstützten in diesen schweren Stunden, aber Petrus schlief.

„Ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummer, ein wenig Händefalten, um auszuruhen - und deine Armut kommt herangeschritten, und deine Not wie ein gewappneter Mann.“ (Sprüche 24,33.34)

Geistliche Armut kommt auf uns zu, wenn wir geistlicherweise schlafen. Wenn wir nicht wachsam sind, ist die Not nicht mehr weit. Genau wie seine Jünger, fordert der Herr Jesus uns auf zu wachen und nicht einzuschlafen. Sonst bekommen wir nicht mehr mit, was um uns herum los ist, aber wir hören auch nicht auf die Stimme unseres Herrn.

Zu Petrus sagte der Herr Jesus; „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt“ (Matthäus 26,41) Dieses Wort gilt auch uns heute. Petrus war eingeschlafen und der Fall ließ nicht lange auf sich warten. Viele Jahre später erinnert sich Petrus noch an dieses Wort und kommt in seinem Brief darauf zurück „Seid nüchtern, wacht; euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (1. Petrus 5,8). Wie nötig haben auch wir heute diese Aufforderung. Lasst uns doch alle wachsamer sein - zu unserem Schutz, aber auch zur Freude und Verherrlichung unseres Herrn.



Schlafen im Vertrauen auf unseren Herrn - trotz der größten Not!

Im Vertrauen auf den Herrn zu schlafen, ist leichter gesagt als getan! Wenn das Wasser wirklich bis zum Hals steht, kann man doch nicht in Ruhe sein! Dann muss man doch ständig daran denken, wie es weiter gehen soll. Ja, wenn wir auf uns sehen, ist das genau so. Wenn wir aber bedenken, dass der Herr immer bei uns ist und alles in der Hand hat, können wir in der größten Not ruhig sein und auf den Herrn vertrauen. Natürlich ist das leichter gesagt als getan, darüber bin auch ich mir im klaren.

Aber auch hier können wir wieder von Petrus lernen. Er hatte etwas gelernt. Als Jünger des Herrn sehr emotional, immer schnell dabei und überzeugt von sich, aber in einer wichtigen Situation geschlafen und versagt: Doch der Herr hatte aus ihm einen Diener gemacht, der fest auf seinen Herrn - nicht mehr auf sich - vertraute.

In Apostelgeschichte 12 lesen wir davon, wie Herodes Jakobus töten ließ und, um den Juden zu gefallen, auch das gleiche mit Petrus vorhatte. Er ließ ihn gefangen nehmen und gut im Gefängnis bewachen, um ihn am nächsten Tag der Volksmenge vorzuführen. Und was macht Petrus? Er schläft - so fest, dass es gar nicht so einfach war, ihn zu wecken. War Petrus lebensmüde oder hatte er einfach resigniert, weil er keinen Ausweg mehr sah? Nein, Petrus vertraute sich völlig seinem Herrn an. In diesem Vertrauen konnte er sogar Auge in Auge mit dem Tod, in der Nacht ruhig schlafen.

Ja, mit diesem Gott-Vertrauen kann man sogar in der allergrößten Not Ruhe finden - und schlafen. Der Herr schenke uns doch mehr Vertrauen zu Ihm und Ruhe im Glauben. Unruhe ist immer hinderlich für uns.

Kleiner Exkurs

Ein kleiner Exkurs: Die Glaubensgeschwister von Petrus wussten von seiner Not und taten etwas. Sie beteten anhaltend für Petrus. Und Gott hörte auf sie - Er hört auch heute unsere Gebete. Schön, wenn wir um die Not unserer Geschwister wissen und dann anhaltend für sie beteten.

Die Fragen, die sich uns jetzt stellen:

Sind wir schläfrig? - Dann wird es Zeit aufzuwachen, um dem Feind keine Angriffsfläche zu bieten und auch nützlich für unseren Herrn und Heiland zu sein.

Sind wir unruhig?- Dann sollten wir wieder unser ganzes Vertrauen auf den Herrn werfen, um ruhig zu werden und Ihn durch Vertrauen zu ehren.