20.10.2004Persönlicher Glaube

Ein Christ soll (nicht) freundlich sein!

Eine Frucht des Glaubens

Freundlichkeit ist bekanntlich eine Frucht des Geistes (Galater 5). Das bedeutet, dass sie letzten Endes als wahre Herzensfreundlichkeit nur durch den Geist Gottes bewirkt werden kann. Die Menschen dieser Welt können auch freundlich sein, weil es sich so gehört, es einem Vorteile bringt, man so erzogen worden ist …

Aber wir, - sind wir denn freundlich, wenn es darauf ankommt? Es gibt viele Gelegenheiten zur tätigen Freundlichkeit, aber auch Situationen, wo wir trotz eines Empfindens, freundlich sein zu müssen, unfreundlich sein sollen (zumindest den menschlichen Maßstäben nach). Lasst uns darüber nachdenken, welches Verhalten sich wann bei uns zeigen soll.

Was ist Freundlichkeit?

Stellen wir uns doch zuerst einmal die Frage, wie sich Freundlichkeit zeigen kann. Freundlichkeit zeigt sich in einem liebenswürdigen Geist. Man begegnet dem anderen in Milde, Zuvorkommenheit, Gutherzigkeit und Liebe. In Philipper 4,8 sieht man, wie sie sich noch darstellen kann, eben in Dingen, die eine Tugend sind, gelobt werden, oder dem anderen Freude bereiten.

Wie oder wann zeigt sich Freundlichkeit?

Praktisch gesehen heißt das, dass wir einem Menschen, der z.B. in eine Zusammenkunft kommt, die Hand reichen, ihn ansprechen oder mit einem Lächeln begegnen. Wie viele Menschen, darunter auch Gläubige, sind nicht mehr wiedergekommen, weil alles so kalt und unfreundlich erschien. Freundlichkeit ist durchaus nicht nur eine Angelegenheit der älteren Brüder und Schwestern, sondern eine Aufgabe aller. Wir werden eben nicht nur anhand der Lehre, sondern vor allem auch anhand unseres Verhaltens (unserer Freundlichkeit) geprüft und beurteilt.

Auch wenn Menschen an uns vorübergehen, die wir kennen, sollten wir sie ebenfalls grüßen, auch wenn es der böse Nachbar von nebenan ist. In Apostelgeschichte 28,2.9 sehen wir auch, dass sich Freundlichkeit in Gastfreundschaft erweist, besonders dann, wenn jemand anders sie nötig hat wie diese gestrandeten Personen.

Wir sollen also generell unseren Mitmenschen in diesem gutherzigen Geist begegnen, damit wir einen guten Eindruck hinterlassen - nicht für uns, sondern für den Herrn! - und dadurch einer solchen Person vielleicht später das Evangelium verkündigen können.

Wie oder wann zeigt sich Freundlichkeit nicht?

Wie zuvor schon bemerkt, gibt es Augenblicke, wo Freundlichkeit Fehl am Platz ist. Einfach ausgedrückt: Immer dann, wenn es die Ehre Gottes verlangt, dürfen wir nicht freundlich sein! Aber wir dürfen zugleich auch nicht sündigen, indem wir den anderen z.B. erniedrigen oder beleidigen!

Wenn an unserer Tür ein Person anklopft, die uns eine Irrlehre bringt, sollen wir sie nicht grüßen und uns auch nicht mit ihr auf ein Gespräch einlassen (2. Johannes 10). Am besten wir sagen ihr, welche Irrlehre sie bringt, und dass wir deshalb nicht mit ihr reden möchten. Wir können dann getrost die Tür zumachen und alles dem Herrn überlassen, der diese Situation dazu benutzen wird, solchen Personen zum Gewissen zu reden.

Auch können wir Geschwistern gegenüber, die grundsätzlich verkehrte Dinge tun, nicht ohne weiteres freundlich bleiben, sondern müssen uns unter Umständen von ihnen zurückziehen wie im Römerbrief (Kap. 16,17) beschrieben wird (vgl. auch Titus 3,10).

Genauso, wenn jemand Kinder zu erziehen hat, wird er nicht immer dem Kind gegenüber freundlich sein, sondern gerechten Zorn gegenüber dem Bösen haben, aber doch in Liebe (Epheser 4,26).

Hier zeigt sich auch ein Unterschied der Freundlichkeit zur Liebe. Die Liebe soll uns immer kennzeichnen, aber sie wird sich der Situation anpassen; die Freundlichkeit wird entweder getan oder nicht.

Freundlich sein! Oder abweisen ...

Menschen, die von Natur aus freundlich sind, neigen dazu, immer freundlich zu sein, auch dann wenn sie es nicht sollen. Von Natur Unfreundliche haben Schwierigkeiten damit, Freundlichkeit zu praktizieren. Das ist zwar verständlich, und doch für einen Christen nicht normal. Der Herr kann jeden unserer Charakterzüge ändern! Beten wir darum, dass unser Charakter mehr dem unseres Herrn gleicht, damit wir für Gott mehr Frucht bringen.

„Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit“ (Galater 5,22).