21.11.2004Persönlicher Glaube

Herr, lehre uns beten! (5)

Samuel

Samuel war, dem Vorbild seiner Mutter folgend, ein Mann des Gebets. Schon frühe warf er sich vor Jehova nieder (l, 28). Wie oft hat er Hanna in dieser Haltung gesehen und gelernt, sich wie sie vor Gott zu beugen. Diese Haltung hat am Ende seines Dienstes den Altar als Gegenstück, den er bei seinem Haus zu Rama baute (7, 17), wo er sicher Jehova anbetete. In PS. 99, 6 wird Samuel genannt als einer von denen, „die seinen Namen anrufen", „die zu Jehova riefen, und er antwortete ihnen." Das Gebet kennzeichnete seine ganze Laufbahn.

Samuels erstes Gebet

Samuel wächst in Jehovas Nähe auf; er dient Ihm. Es kommt ein Tag, an dem sich ihm Gott offenbart; in der Nacht hört er die Stimme: „Samuel, Samuel!" Von Eli angewiesen spricht der Knabe das erste Gebet, das uns berichtet wird: „Rede, denn dein Knecht hört" (3, 10). Eli hatte gesagt: „Rede, Jehova …" Samuel vergißt in seiner Aufregung im Gebet diese notwendige Anrede. Doch Gott ist nachsichtig und antwortet trotzdem. Welche Ermunterung für die Jüngeren, Samuel nachzuahmen! Viele Jahre sind vergangen. Die zwei Söhne Elis sind bei der Schlacht getötet worden; der Greis hat sich das Genick gebrochen, als er vom Verlust der Bundeslade hörte. Diese wird zurückgeführt und in das Haus Abinadabs gebracht. „Und es geschah von dem Tage an, da die Lade zu Kirjath-Jearim blieb, daß der Tage viele wurden, und es wurden zwanzig Jahre" (7, 2), bis Israel wieder Gott suchte. Da steht Samuel bereit: „Wenn ihr mit eurem ganzen Herzen zu Jehova umkehret ... Versammelt ganz Israel nach Mizpa, und ich will Jehova für euch bitten …, und die Kinder Israel sprachen zu Samuel: Laß nicht ab, für uns zu Jehova, unserem Gott, zu schreien …, und Samuel schrie zu Jehova für Israel, und Jehova erhörte ihn." Die Gemeinschaft nach einem schweren Fall wiederzufinden ist keine kleine Sache. Es benötigt viel Herzensübung und Selbstgericht; die fremden Götter müssen hinweggetan werden. Das Gebet spielt dabei eine wichtige Rolle. Nach der Fürbitte des Propheten und dem Opfern des Brandopfers gibt Gott sofort den Sieg von Eben-Eser; Samuel kann sagen: „Bis hierher hat uns Jehova geholfen" (7, 12).

Saul statt Samuel, dem Mann des Gebets

Der Richter ergraute. Israel begehrte an seiner Stelle einen König. „Und das Wort war übel in den Augen Samuels" (8, 6). Was tun- - „Und Samuel betete zu Jehova." Gott gibt dem Propheten Anweisungen für das Volk, aber dieses weigert sich, auf seine Stimme zu hören; es besteht darauf, einen König zu bekommen. Samuel wendet sich wieder an Jehova und erzählt Ihm die Worte des Volkes. Israel soll einen König bekommen, aber mit der damit verbundenen Zucht (Hos. 13,11). Samuel nimmt die Verhältnisse demütig an; er überrascht Saul, salbt ihn und redet zu seinem Herzen. Er nimmt kurz darauf Abschied vom Volk: „Ihr sprächet zu mir: Nein, sondern ein König soll über uns regieren! da doch Jehova euer Gott, euer König war. Und nun siehe, da ist der König, den ihr erwählt, den ihr begehrt habt; und siehe, Jehova hat einen König über euch gesetzt" (12, 12. 13). Nach dem Losbrechen des folgenden Unwetters sagte das Volk zu Samuel: „Bitte Jehova, deinen Gott, für deine Knechte." Samuel gibt zur Antwort: „Auch ich - fern sei es von mir, daß ich gegen Jehova sündige, daß ich ablassen sollte, für euch zu bitten; sondern ich werde euch den guten und richtigen Weg lehren." Er war nicht mehr der Führer, aber anstatt ihnen dies übel zu nehmen und sich in sein Dorf zurückzuziehen und sich nicht mehr um sie zu kümmern, fährt er fort, den unbedingt notwendigen Dienst des Gebets zu tun. Er steht zur Verfügung, um den Weg Jehovas zu lehren (V. 23).

Abgesetzt als Füherer des Volkes bleibt er der Mittler des Volkes

Lange danach, als Gott ihm sagt: „Es reut mich, daß ich Saul zum König gemacht habe" (15,11), ist Samuel tief betrübt, aber was kann er tun- Wieder einmal - das letzte Mal, daß es uns berichtet wird - schreit er zu Jehova die ganze Nacht. Er hatte hingenommen, daß Saul König wurde; er hatte versucht, ihm zu helfen, ihn zu leiten; doch Saul hatte zu selten auf ihn gehört, er hatte ihn abgewiesen; wir sehen nirgends, daß er mit ihm gebetet hätte.

Eine lange Laufbahn voll Hingabe an Jehova und an Sein Volk neigt sich ihrem Ende zu. Das Gebet zeigte die Gemeinschaft Samuels mit Gott; wie tat er Fürbitte für die anderen! Im Leid schüttete er wie seine Mutter seine Seele vor Ihm aus und fand Frieden und Trost, wie Er es verheißen hat.