20.04.2004 Versammlung / Gemeinde

Die Versammlung Gottes (22) – Das Gegeneinander vor Ort

Dasselbe reden

„Ich ermahne euch aber, Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle dasselbe redet und nicht Spaltungen unter euch seien, sondern dass ihr in demselben Sinn und in derselben Meinung vollendet seiet“ (1. Korinther 1,10).

Wenn Geschwister anfangen, gegeneinander zu reden und zu handeln, entstehen sehr schnell Spaltungen. Und aus Spaltungen werden schnell Parteiungen, und dann trennt man sich, ohne dass es einen schriftgemäßen Grund dafür gibt. Natürlich ist es so, dass sich häufig persönliche Auseinandersetzungen und unterschiedliche Einstellungen über den Weg als Versammlung verbinden; oder dass sich persönliche Konflikte auf Konflikte über den gemeinsamen Weg als Gläubige verlagern.

Aber das hätte nicht nur einmal vermieden werden können, wenn frühzeitig ein entsprechender Ältesten- bzw. Hirtendienst an den Geschwistern getan worden wäre. Jede Sache, die beginnt, zwischen Geschwistern zu stehen - und daran sind allein WIR selbst schuld - wird von dem großen Widersacher, dem Teufel, so aufgebauscht, dass nach gar nicht so langer Zeit - manchmal aber auch erst nach Jahrzehnten - eine Trennung manchmal unausweichlich zu werden scheint.

Streit und Bitterkeit müssen frühzeitig behandelt werden

Hüten wir uns, solche Dinge aufkommen zu lassen. Wir sollen dasselbe reden. Wir sollen „eines Sinnes sein“ und nichts aus Streitsucht tun (Philipper 2,2). Das sieht auf den ersten Blick wie Soft-Faktoren aus. Aber wenn wir bei diesen, sogenannten „weichen“ Punkten nicht aufpassen, werden sie zu großem Streit fortschreiten.

Wie leicht verunehren wir auf solche Weise unseren Herrn! Beim Brotbrechen drücken wir aus, aufs engste miteinander verbunden zu sein. Und unter „dem Tisch“ treten wir uns gegen das Schienbein.

Es ist leicht möglich, dass wir einen hohen Anspruch an den gemeinsamen Weg haben und verkünden. Das Maß, ob ein Zusammenkommen als auf dem gleichen Weg anerkannt wird, ist manchmal sehr, sehr hoch. Und die eigene Praxis derjenigen, die diesen Anspruch verkünden, ist durch Streit und Neid gekennzeichnet. Man ist nicht bereit, ein Bekenntnis abzulegen - vielleicht nicht einmal der eigenen Ehefrau oder einem „einfachen“ Bruder gegenüber.

Messen wir andere und uns mit dem gleichen Maßstab?

Auch uns gilt: „Zweierlei Gewichtssteine, zweierlei Epha, sie alle beide sind dem HERRN ein Gräuel“ (Sprüche 20,10). Wenn wir andere mit einem anderen Maßstab beurteilen als uns selbst - persönlich oder gemeinsam - so werden wir die züchtigende Hand erleben müssen. Wer wollte das aus Erfahrung nicht bestätigen (müssen)?

Die Versammlung (Kirche, Gemeinde) wird in der Bibel als der „eine Leib“ gesehen. Wenn wir gegeneinander handeln, gegeneinander reden, steht dies im Widerspruch zu dieser Einheit. Es geht an dieser Stelle natürlich nicht um das Problem der Sünde, die in eine örtliche Versammlung hineinkommen kann. Aber Einheit ist Gott ein hohes Gut. Wir sollten es nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Ein Gegeneinander ist nicht Einheit - diese Aussage ist banal. Ein gegeneinander reden, ein gegeneinander beten, ein gegeneinander predigen - das verträgt sich nicht mit den Gedanken Gottes über seine Versammlung. Dann ist es besser, man schweigt. Und wenn die anderen es tun? Dann schweigen wir dennoch. Denn es ist schlimm, wenn einer fleischlichen Handlung eine weitere fleischliche Aktion entgegengesetzt wird.

Gegeneinander hat verwüstende Konsequenzen

Sowohl in Philippi als auch in Korinth gab es ein solches gegeneinander - aus Neid- und Streitsucht. Die Folgen waren besonders in Korinth dramatisch: falsche Lehre kam hinein, falsche Moral, Spaltungen und Parteiungen begannen, Unordnung wurde sichtbar. Das alles sind ganz schnell Folgen, wenn wir ein Gegeneinander am Ort dulden. Wir können es nicht mit dem Knüppel verdammen. Aber ein Hirtendienst, in Demut getan, kann manche Geschwister wieder zusammenbringen.

Wir - jeder von uns - müssen aber bereit sein, Fehler und Sünden einzugestehen und zu bekennen. Wir müssen bereit sein, uns die Füße von unseren Geschwistern waschen zu lassen. Wir müssen korrekturfähig und -willig werden. Das fällt uns allen schwer. Aber es ist die Voraussetzung, dass ein eigener Dienst überhaupt angenommen wird. Wer sich und sein Verhalten ständig zu rechtfertigen sucht - und vielleicht andere dazu um sich sammeln will, das ist übrigens Spaltung - wird hier keinen Dienst der Versöhnung tun können. Denn wir alle straucheln oft und sollten entsprechend durch Demütigung demütig werden. Der Herr wird eine solche Haltung immer segnen - zum Wohl seiner Versammlung!