22.12.2004 Persönlicher Glaube

Gesündigt – und was nun?

„Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand gesündigt hat – wir haben einen Sachwalter bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten. Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt“ (1. Joh 2,1-2).

Was machst Du, wenn Du gesündigt hast?

Was machst du, wenn du merkst, dass du gesündigt hast? Es gibt mehrere Reaktionsmöglichkeiten:

a) „Schwamm drüber, kann jedem mal passieren!“
b) „Ich kann nichts dafür, denn ich bin ein Mensch mit Fehlern. Da hilft es auch nichts, gläubig zu sein.“
c) „Bin ich überhaupt errettet? Ein Christ sündigt doch nicht!“
d) „Diese Sünde kommt durch den Teufel! Er ist der Schuldige. Wenn es ihn nicht gäbe, hätte ich nicht gesündigt.“
e) „Ich habe gesündigt, und das tut mir Leid, denn auch für diese Sünde musste mein Retter am Kreuz sterben. Daher bekenne ich Gott, meinem Vater, meine Sünde und verurteile mich und meine Sünde vor Ihm (Selbstgericht), um von der Sünde künftig zu lassen.“

Wahrscheinlich gibt es noch eine Reihe anderer Antwortvariationen. Aber sicher hast auch du schon eine oder mehrere dieser Sätze ausgesprochen, nachdem du gesündigt hattest. Wie sollen wir uns nun wirklich „biblisch“ verhalten, wenn wir gesündigt haben?

Doch bevor wir darüber nachdenken, was es bedeutet, wenn Christen sündigen, muss die Basis stimmen. Das heißt im Klartext: Nur wer einmal mit seinen Sünden zu Jesus Christus gekommen ist, weil er als Sünder ohne Bekenntnis der Sünden verloren gehen würde – nur der ist wirklich Christ und hat etwas mit dem Thema zu tun!

Ein Christ sündigt?

Leider kommt es auch bei uns Christen vor, dass wir sündigen. Und dann? Ist die Sünde dann egal? „Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, damit die Gnade überströme? Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch darin leben?“ (Röm 6,1-2). Wer bei Sünde meint, ein Auge zudrücken zu können, der missachtet die Heiligkeit Gottes. Gott ist zu rein, um Böses zu sehen (Hab 1,13). Er verurteilt die Sünde, egal ob sie bei einem ungläubigen oder gläubigen Menschen vorkommt. Deshalb sollen wir nicht sündigen, sondern die Sünde – genau wie Gott es tut – hassen.

Es ist wahr: Ein Gläubiger kann nicht mehr verloren gehen, weil er nicht aus der Hand des Herrn geraubt werden kann (Joh 10,28). Aber zugleich gilt auch für einen Christen: Was der Mensch sät, das erntet er auch. Gott lässt sich nicht spotten (Gal 6,7). Wenn wir meinen, Sünde wäre nicht schlimm, dann werden wir in unserem Leben lernen müssen, dass Gott sich nicht zu jemandem bekennen kann, der Ihn verleugnet (2. Tim 2,13). Willst du das in Kauf nehmen?

Zudem macht der oben zitierte Vers aus Galater 6,7 deutlich: Obwohl die Sünde – und zwar jede Sünde – nach aufrichtigem Bekenntnis vergeben wird, bleiben die Folgen der Tat (mitunter ein Leben lang) bestehen. Das sollte uns davor bewahren, die Frage der Sünden „auf die leichte Schulter zu nehmen“.

Sünde ist nicht zu entschuldigen!

Die Entschuldigung, man wäre auch nur ein Mensch, gilt nicht. „Jemand, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde“ (1. Joh 3,9). Wenn jemand aus Gott geboren ist, das heißt ewiges Leben besitzt, so führt er kein Leben, das durch Sünde gekennzeichnet ist. Er wird sich bewahren lassen. Und somit gibt es für uns auch keine Rechtfertigung für die Sünde: “Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm; und erkann nicht sündigen, weil es aus Gott geboren ist“ (1. Joh 3,9).

Das bedeutet nicht, dass ein Kind Gottes nicht in Sünde fallen kann. Aber wenn ein Christ sündigt, dann handelt er im Gegensatz zu der Natur, die er von Gott geschenkt bekommen hat.

Hör nicht auf den Teufel!

Eine der gemeinsten Lügen, die der Teufel einem Gläubigen einflüstert, ist, dass die Sünde allein auf ihn zurückzuführen und zu schieben ist – und nicht auf den Gläubigen selbst. Es ist wahr, dass dieser der Lügner von Anfang ist und uns bis heute verführt. Aber der Vers in 1. Johannes 2,1 macht klar, dass es der Mensch selbst ist, der sündigt, nicht der Teufel.

Auch der Gläubige, von dem Paulus in Römer 7 spricht, muss von sich anerkennen: „Ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt ... Denn nicht das Gute, das ich will, übe ich aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich“ (Röm 7,18-19). Wenn wir sündigen, dann sind wir selbst dafür verantwortlich, dann können wir die Schuld nicht auf andere schieben.

Dein Bekenntnis ist gefragt!

Was soll ich dann aber tun, wenn ich gesündigt habe? Es gibt letztlich nur einen einzigen Weg: zum Herrn Jesus gehen und Ihm die Sünden bekennen. Denn auch für uns gilt: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1. Joh 1,9). Wenn du Sünde bekennst, dann siehst du ein, dass du selbst der Verursacher dieser Schuld bist, und dass du diese Schuld gegenüber Gott hast. Es bleibt auch dann wahr, dass du bei der Bekehrung alle Schuld von Gott vergeben bekommen hast. Aber so lange wir hier auf der Erde leben und sündigen – denn im Himmel werden und können wir nicht mehr sündigen – kann Gott auch bei einem Gläubigen keine Sünde akzeptieren.

Nicht, dass die ewige Vergebung in Frage gestellt würde. Nein! Aber Sünde steht im Widerspruch zu der Beziehung, die wir als Kinder Gottes zu Gott haben. Deshalb kann Gott auch in unserem Leben hier auf der Erde Sünde nicht dulden. Wenn sie aber vor Gott bekannt und bereut wird, dann können wir wieder die Gemeinschaft mit Ihm genießen, die die Voraussetzung dafür ist, ein glückliches Leben zu führen. Der, den wir „als Vater“ anrufen (1. Pet 1,17), schenkt uns dann auch seine väterliche Vergebung.

Der gottesfürchtige König David kann dir hier eine gute Hilfe sein. Nachdem er schwer gesündigt hatte, indem er mit der Ehefrau eines anderen Mannes geschlafen hatte und diesen Mann umbringen ließ, macht ihn Gott darauf aufmerksam. Das führt dazu, dass er Buße tut und vor Gott bekennt, was für eine schlimme Sünde er begangen hat. Er demütigt sich vor dem HERRN. Du kannst das in Psalm 51 nachlesen. David wurde sich bewusst, dass er gegen Gott gesündigt hatte und Gott darüber tief beleidigt gewesen sein musste. Nimm dir in dieser Hinsicht David als Vorbild!

Es kommt natürlich noch ein wichtiger zweiter Punkt hinzu: Wir müssen die Sünde, die wir gegen einen Menschen begangen haben, auch diesem bekennen. David konnte das nicht mehr - denn er hatte Urija umbringen lassen. Aber wenn das noch möglich ist, sind wir aufgefordert, die Sünde nicht nur vor Gott, sondern auch dem Menschen zu bekennen, gegen den wir gesündigt haben.

Was „empfindet“ Gott bei Sünde?

Auch wir sollten uns klar sein, dass Gott sozusagen traurig, ja beleidigt ist, wenn wir als Christen sündigen (siehe z.B. 1. Mo 6,6). Daher sollten wir uns von Herzen demütigen und im Selbstgericht darüber nachdenken, wie es zu einer solchen Sünde in unserem Leben kommen konnte. Häufig müssen wir feststellen, dass es nicht nur eine, sondern gleich mehrere Sünden gibt, die wir zu bekennen haben. Wenn wir in einer solchen Haltung zum Herrn Jesus beten, dann wird Er uns annehmen und wieder neue Freude schenken. Darum betete auch David: „Lass mir wiederkehren die Freude deines Heils“ (Ps 51,12). Nicht das Heil sollte wiederkehren. Wie wir schon gesehen haben, können wir das Heil, die Errettung, nicht verlieren. Sehr wohl aber die Freude des Heils. Wenn wir die beschriebenen Voraussetzungen dazu schaffen, wird der Herr Jesus ein solches Gebet gerne erhören.

Wenn wir es jedoch mit der Sünde nicht so ernst nehmen, dann werden wir erleben müssen, dass unsere Freude nachlässt, wir kein Interesse mehr am Wort Gottes haben und unsere Gebete inhaltslos werden und vielleicht sogar ganz aufhören. Und mit unseren Mitmenschen und Geschwistern werden wir häufig auch nicht mehr im Frieden leben können.
 
Das möchte der Herr nicht! Er will uns glücklich sehen, mit der Bereitschaft, Ihm alles das zu bekennen, was nicht in Ordnung ist. Hast du das heute schon getan?

Vorbeugen ist besser als heilen!

Und für die Zukunft wollen wir aus den Fehlern lernen. Zum Beispiel, indem wir in kritischen Momenten oder Zeiten innerer Leere besonders intensiv zum Herrn um Bewahrung und neue Nähe zu Ihm beten. Oder die eigenen Ablenkungsmanöver bzw. die des Teufels durch bewusste Beschäftigung mit der Bibel „aushebeln“. Dann wird uns der Herr vor dem allmählichen Abgleiten in Sünde (wie bei Petrus!) bewahren, und wir dürfen dann immer mehr seine Nähe erleben.