10.01.2005Persönlicher Glaube | Versammlung / Gemeinde

"Dieses tut zu meinem Gedächtnis"

Der Herr stand kurz vor dem Werk am Kreuz. Nur noch wenige Stunden, dann würde der Verräter Judas kommen, um Ihn mit einem Kuß Seinen Feinden preiszugeben, und rohe Menschenhände würden sich nach Ihm ausstrecken, um Ihn zu greifen und zu mißhandeln. Nur noch wenige Stunden, dann würde ein ungerechter Richter den Unschuldigen zu Tode verurteilen, und sündige Menschen würden den Heiligen an ein Kreuz nageln.

Sein Wunsch - unser Vorrecht

Das alles wird in jenen Augenblicken vor den Augen des Herrn gestanden haben, als Er die Worte sprach: „Dieses tut zu meinem Gedächtnis." Doch nicht nur die Leiden von selten der Menschen, nein, ganz besonders die Stunden der Finsternis am Kreuz, das Verlassensein von Seinem Gott, werden Ihn beschäftigt haben. Er gab Seinen Jüngern Brot und Wein in dem Bewußtsein der tiefen Bedeutung dieser Handlung. Seinen Leib würde Er für sie geben, Sein Blut würde für sie vergossen werden. Wie tief muß es die Jünger bewegt haben, wenn sie später versammelt waren, um das Brot zu brechen! Sie hatten die Worte des Herrn persönlich gehört: „Dieses tut zu meinem Gedächtnis." Nie werden sie es vergessen haben! Hören nicht auch wir die Worte des Heilandes: „Dieses tut zu meinem Gedächtnis?" Ja, es ist der Wunsch Dessen, der uns liebt. Sein Wunsch gilt dir, sein Wunsch gilt mir. Der Herr meint uns. Es ist ein unschätzbares Vorrecht, daß wir am ersten Tag einer jeden Woche das Gedächtnismahl feiern dürfen. Paulus erklärt in 1. Korinther 10 und 11 von verschiedenen Seiten die Bedeutung dieses Mahles. Doch jetzt steht das vor uns, wovon der Herr sagt, daß wir es tun sollen, um an Ihn zu denken.

Bist Du diesem Wunsch schon nachgekommen?

Tun wir es alle schon, die wir diese Zeilen lesen? Hast du Ihm schon eine Antwort; auf Seinen Wunsch gegeben; „Tu es zu meinem Gedächtnis"? Wenn nein, dann bedenke, was der Heiland für dich tat. Er wartet auf dich.

Tun wir es immer wieder gern, oder fehlen wir gelegentlich leichtfertig, wenn die Seinen versammelt sind, um das Brot zu brechen? Der Herr erwartet uns an jedem ersten Tag der Woche. Fehlen wir unbedacht, dann haben wir eine kostbare Gelegenheit versäumt, den Wunsch unseres Herrn zu erfüllen, den Er so kurz vor Seinem Tod geäußert hat „Dies tut zu meinem Gedächtnis", sagt der Herr. Woran denken wir, wenn wir an Seinem Tisch versammelt sind und die Zeichen Seines Todes und Seiner Liebe vor uns sehen? Ist es nicht so, daß wir oft zu unserem Gedächtnis zusammen sind? Wir denken an das große Heil, an die Segnungen, die uns zuteil geworden sind. Ganz gewiß, der Herr gab Sein Leben für uns, Sein Blut floß zur Sühnung unserer Sünden. Diese Seite sollten wir nie vergessen, aber das Gedächtnismahl feiern wir doch zu Seinem Gedächtnis. Wir verkündigen Seinen Tod. Wir beschäftigen uns mit Ihm in Seiner tiefen Erniedrigung, Seiner großen Armut, Seiner beispiellosen Abhängigkeit und Hingabe. Wir erinnern uns an Seine unendlichen Leiden, die Er erduldete von der Krippe bis zum Kreuz. Wir bewundern Seine Energie, Seinen Gehorsam bis zum Tod. Wir beten Ihn an in Seiner Liebe, die stärker war als alles.

Den Tode des Herrn verkünden bis Er kommt

Ganz besonders aber steht die unfaßbare Tatsache vor uns, dass der Fürst des Lebens, in den Tod ging. Der Herr Jesus hat nicht nur auf Seinem Weg und in den Stunden am Kreuz so unendlich gelitten, sondern Er hat tatsächlich den Tod geschmeckt. Er gab Sein Leben in den Tod. „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst." Das steht eigentlich im Mittelpunkt, wenn wir zum Brotbrechen versammelt sind, denn wir verkündigen ja den "Tod des Herrn".

Wir denken aber auch an den lieblichen Wohlgeruch Seiner Hingabe, der vom Kreuzaltar zu Gott emporstieg. Der Herr Jesus hat „durch den ewigen Geist sich selbst ohne Flecken Gott geopfert". In Gemeinschaft mit dem Vater betrachten wir all Seine Schönheiten und Vortrefflichkeiten in Verbindung mit Seinem Tod und gehen dabei ein wenig in Seine Gedanken und Empfindungen ein, die Er gehabt hat.

Wenn wir so zu Seinem Gedächtnis zusammen sind und Er selbst unsere Herzen erfüllt, wird wahre Anbetung zu Gott emporsteigen. Es ist die Freude des Vaters, wenn wir an den Sohn denken, auf dem Sein Auge immer mit Wohlgefallen ruht und der der Mittelpunkt aller Seiner Ratschlüsse ist.