26.01.2005Ehe & Familie

Familienorientierung: FAZ: „Alles gleichzeitig geht nicht“

Wer tatsächlich Kinder will ...

„Wer tatsächlich will, dass junge Menschen ihre Kinderwünsche verwirklichen und mit ihrem Nachwuchs ihren Alltag selbstverantwortlich gestalten können, kommt um einen Mentalitätswechsel nicht herum. Es muss Schluss sein mit dem Ideal von Frauenerwerbsbiographien nach dem Vorbild der Männer, Schluss mit der weltfremden Parole: Kinder und Karriere sind kein Widerspruch. Beruf, Partnerschaft und Familie sind gleichzeitig nicht zu haben“, so war heute, am 25. Januar 2005, in einem Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zu lesen.

Das ist vermutlich eine einsame Trompete im Sinfoniekonzert heutiger soziologischer, psychologischer und volkswirtschaftlicher Parolen. Denn scheinbar ist es für alle teuerer, wenn Mütter sich wieder ihren Kindern zuwenden, statt über die Möglichkeit von Ganztagskinderkrippen, Ganztagskindergärten, Ganztagsschulen und Internaten sowie Ganztagsuniversitäten direkt nach der Geburt - spätestens nach dem „Abstillen“ (wieder) ins Berufleben überzugehen.

Christen sind Kinder ihrer Zeit!

Es besteht die Gefahr, dass solche familienpolitischen Selbstverständlichkeiten auch auf Christen abfärben. Wir leben eben nicht isoliert in dieser Gesellschaft. Und letztlich sind wir auch gedanklich-emotional Kinder unserer Zeit - das war schon immer so! Dabei ist die Bibel klar: „Damit sie [die alten Frauen] die jungen Frauen unterweisen, ihre Männer zu lieben, ihre Kinder zu lieben, besonnen, keusch, mit häuslichen Arbeiten beschäftigt, gütig, den eigenen Männern sich unterzuordnen, damit das Wort Gottes nicht verlästert werde“ (Titus Kapitel 2 Verse 4 und5).

Dieser Abschnitt der Bibel zeigt, dass es an sich selbstverständlich ist, dass Eltern Kinder haben. Dass es zunehmend biologische Hindernisse dafür gibt, ist jetzt nicht Thema. Aber es gibt auch unter Christen anscheinend eine Tendenz zur Kleinfamilie oder zur „Nur-Ehe“. Dabei zeigen viele Bibelstellen den Auftrag zur „Fruchtbarkeit“ (z.B. 1. Mose Kapitel 1 Vers 28 oder Kapitel 9 Vers 1). Dem scheinen auch andere heute wieder zuzustimmen: „Es muss wieder eine Selbstverständlichkeit sein, Kinder zu haben”, fordert die hessische Familienministerin Silke Lautenschläger und wird dafür in der CDU als Vorreiterin einer neuen konservativen Familienpolitik gefeiert.

Kinder brauchen Mütter: Zeit, Energie, Liebe!

Aber - so der Artikel in der FAZ weiter: „Wer seiner Elternrolle gerecht werden will, weiß, dass es nicht genügt, einfach Kinder zu haben. Elternschaft bedeutet, mit Kindern zusammenzuleben. Zeit zu haben, um ihre Bedürfnisse, Fähigkeiten und Sorgen kennen zu lernen. Sie auf ihrem langen Weg zu sich selbst und in die Gesellschaft mit Zuwendung und Wissen zu begleiten. Kurz: Eltern sein heißt, im Leben der Kinder eine Hauptrolle zu spielen.“

Genau das schreibt Paulus an Titus: Die Mütter sollen ihre Kinder lieben und mit häuslichen Arbeiten beschäftigt sein. Viele haben das so ausgelegt, als ob sich eine Frau und Mutter ausschließlich mit dem Kochtopf und der Waschmaschine auseinander zu setzen hätte. Das ist natürlich Unsinn! Aber eine Mutter, die ihre Kinder liebt - das heißt, die wahren Bedürfnisse der Kinder kennt und zu stillen sucht - wird in die Erziehung ihrer Kinder Zeit und Energie investieren. Das ist jedoch nur dann möglich, wenn sie die Familie in den Mittelpunkt ihres Interesses stellt - wenn man einmal von dem Verhältnis zum Herrn Jesus und zum Ehemann absieht.

Kinder haben Bedürfnisse, die gestillt werden müssen!

Denn Kinder haben Bedürfnisse. Und nicht zu knapp. Und diese Bedürfnisse bestehen eben nicht nur aus Essen und Trinken - was ja keine revolutionäre Erkenntnis ist - sondern aus Zuwendung und emotionaler, aber auch körperlicher Nähe. Kinder brauchen ihre Mütter - übrigens auch ihre Väter!

Der Artikel in der FAZ konstatiert dann weiter: „Dass Silke Lautenschläger andere Vorstellungen hat, zeigt sich in ihrer Forderung nach der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie”. Die Reihenfolge macht die Prioritäten klar ... Die Erwerbsarbeit ist der Mittelpunkt der Lebensplanung, um den herum sich alles zu gruppieren hat - auch die Kinder.“ Hier steckt auch für Christen eine wichtige Lehre: Wie leicht vergessen wir, dass der „Beruf“ Mutter und Hausfrau höchsten Anforderungen genügt. Er wird zwar nicht in Euro und Cent bezahlt - aber er verlangt höchsten Einsatz, höchst Konzentration, höchste „Ausbildung“. Sie sind die wirklich herausragenden CEO’s der Gesellschaft!

Stehen Christen-Männer zu ihren Frauen, die bei den Kindern bleiben?

Nur sind wir Männer oft so töricht, dass wir selbst uns nicht vor unsere Ehefrauen stellen, um ihnen und anderen deutlich zu machen, wie sehr wir ihre „Arbeit“ schätzen. Sie tun den vielleicht wichtigsten Dienst überhaupt. Und wenn es an uns Menschen liegt, dass Kinder zum lebendigen Glauben an den Herrn Jesus Christus kommen - dann, weil ihre Mütter nicht nur mit ihren Ehemännern dafür gebetet haben, sondern den Kindern viel vom Retter erzählt haben!

In der FAZ kommt in diesem Zusammenhang eine andere, bemerkenswerte Aussage: „Die Gewerkschaften, Amtskirchen und viele (Frauen-)Verbände unterstützen die Offensive aus einem anderen Motiv. Für sie findet der Mensch allein in der Erwerbsarbeit zu seiner wahren Bestimmung. Deshalb ist für sie die letzte Stufe der Gleichberechtigung erst erreicht, wenn Frauen die gleichen Karrieremöglichkeiten wie Männer haben.“

Frauen und Männer unterscheiden sich!

Welch ein Unsinn! Die Bibel macht von dem ersten Blatt an deutlich, dass Frauen und Männer unterschiedlich sind. Sie ergänzen sich wunderbar. Aber sie sind unterschiedlich. Und das bezieht sich eben nicht nur auf den Körper - hier ist es ja gar nicht zu leugnen -, sondern auch auf die geistig-geistliche Dimension und die seelische. Niemand käme - bis auf Abnorme - auf die Idee, Frauen körperlich dem Mann anzupassen. In der Kleidung hat man das schon sehr früh unternommen - in geistiger und seelischer Hinsicht inzwischen auch. Und was die Aufgaben betrifft, so scheint man noch nicht am Ziel angekommen zu sein.

Man vergisst, dass das wahre Bedürfnis einer Frau ganz anders aussieht. Natürlich - als „Kinder unserer Zeit“ können sich die eigenen Wünsche und Begehrlichkeiten anpassen. Aber ganz im Innern sieht es wohl bis heute anders aus. Aber die gesellschaftlichen Normen lassen ein solches Ausleben innerer Überzeugungen gar nicht zu. Man fühlt sich leicht rückständig. Und wir Männer sind an dieser Entwicklung beteiligt. Auch wir Christen!

Nachdenklich werden ...

Vielleicht sind diese Gedankenskizzen für uns alle einmal Anlass, über unser eigenes „Familienbild“ nachzudenken. Und auch, inwieweit wir Männer uns vor unsere Frauen stellen. Inwieweit Frauen zu ihrer Weiblichkeit stehen. Inwiefern jugendliche Menschen ihre Mütter, die sich zu Hause Zeit für sie nehmen und die Erziehung im positiven Sinn mit ganzer Energie verfolgen, schätzen. Ihnen schlicht einmal „Danke!“ zurufen und sie umarmen - für das, was sie über so viele Jahre geleistet haben.