01.03.2005 Persönlicher Glaube | Philipper

Wachsen – im Gleichschritt?

Verschiedene Wachstumsstufen unter Christen - sofort egalisieren?

Hier in Philipper 3 wird eine Sache erwähnt, die wir beachten sollten. Wir finden verschiedene Herzenszustände, und dabei machen die Kinder Gottes keineswegs die gleichen Wachstums-Schritte. Welches große Prinzip sollte uns dann leiten?

Stellen wir uns eine Gruppe von zusammenkommenden Gläubigen vor, alle desselben Sinnes, jeder von ihnen erzogen, exakt gleich zu denken, anfangend von der Taufe mit Wasser bis hin zum Wiederkommen des Herrn und dem Reich des Christus; ihre Gedanken sind eins und übereinstimmend selbst in Detailpunkten.

Würde dies das Herz befriedigen? Würde es ein richtiges Zeugnis in Bezug auf die Wege Gottes gegenüber seinen Kindern abgeben? Ich wage nicht, so etwas zu denken.

Es ist kostbar, wenn Gott Seelen durch Prüfen des geistlichen Urteils unter der Leitung des Heiligen Geistes dahin bringt, Gleiches zu empfinden. Aber wenn Gleichheit das Ergebnis eines Einhämmerns einer Lehre in die Köpfe der Leute ist, und durch Regeln und Steuerungen erfolgt, wodurch die Gedanken in Monotonie gezwängt werden - gibt es etwas Elenderes?


Ist unser Maßstab für andere verbindlich?

Der Apostel legt hier die einzige göttliche Regel in solchen Fällen dar. Wir haben es mit Verhältnissen zu tun, in denen eine große Verschiedenheit von Haltungen existiert. Im Himmel werden wir erkennen, wie wir erkannt worden sind (1. Kor 13,12); aber es geht darum, wie wir uns hier auf der Erde diesen Dingen gegenüber zu verhalten haben.

Es ist ein natürlicher Wunsch, dass alle zunehmen und heranwachsen zu einer gewissen Höhe des Maßes des Christus (vgl. Eph 4,13). Aber neigen wir nicht dazu, das Maß des Christus mit unserer eigenen Vorstellung davon zu verwechseln? Zu wünschen, dass die Leute unsere Gedanken haben? Dagegen müssen wir wachsam sein; und die richtige Korrekturweise wird hier vorgestellt.

Noch nicht am Ziel - aber dennoch erwachsen

„So viele nun vollkommen sind, lasst uns also gesinnt sein“ (Vers 15). Paulus spricht von sich selbst und auch von anderen als solchen, die vollkommen sind; aber das ist kein Gegensatz zum dem vorher Gesagten. Wenn er in Vers 12 für sich selbst verneint, den Preis bereits erhalten zu haben und vollendet zu sein, so meinte er damit, noch nicht aus dem Glaubenskampf heraus in die Welt der Auferstehung gekommen zu sein. Aber wenn er hier ermahnt „so viele aber vollkommen sind“, so denkt er an die Erwachsenen im Glauben, gründlich fundiert in der christlichen Stellung, die in diese eingehen durch Glauben und geistliche Einsicht.

Es meint einen Christen, der kein Baby mehr ist, sondern erwachsen; natürlich nicht in dem Sinn, dass er seinen Lauf total beendet hat, denn dies ist erst in der Auferstehung der Fall, sondern jemand, der ein Mann in Christus geworden ist. Dies geschieht dadurch, dass wir Christus in der Herrlichkeit als das persönliche Objekt unserer Herzen vor uns haben.


Konformität in allen Details des Alltags?

Was geschieht nun, wenn andere Kinder Gottes noch in Schwierigkeiten und Zweifeln sind, die den praktischen Weg als Christen betreffen? Sollen wir sie dahin bringen, einfach unsere Empfindungen und Beurteilungen hierüber zu übernehmen? Mit Sicherheit nicht! Das wäre ein echter Schaden, es sei denn, dass die Heiligen durch die Kraft des Heiligen Geistes zu einer besseren Wertschätzung Christi kämen.

Es geht hier nicht um solche Punkte des Glaubens oder der Praxis, bei denen Unterschiede ausgeschlossen sind, wie zum Beispiel die Herrlichkeit des Herrn, oder Sünde, oder wenn moralisch Böses an den Tisch des Herrn gebracht wird. Dinge dieser Art können nicht nur Weise und Erwachsene im Glauben beurteilen, sondern auch die Babys.

Hier dagegen geht es um Dinge, die manche Heiligen spüren und andere gerade nicht. Das mögen praktische oder lehrmäßige Fragen sein, wie z.B. die besondere Weise, in der Kinder erzogen werden sollten, oder der Lebensstil, die Einrichtung oder die Wohnung.


Tempo und „Motor“ bei Fortschritten im Glaubensleben

Dort muss man sich damit begnügen, die heiligen Grundsätze Gottes herauszustellen, und nicht zu schnell unterstellen, dass unser eigener Maßstab derjenige ist, dem sich alle Kinder Gottes oder sein Haus anpassen sollte. Gott wacht darüber, dass Er das Formen seiner Heiligen selbst vornimmt.

Ein gutes Beispiel ist wertvoll, und wir können nicht wachsam genug sein in Bezug auf die Wege, die wir uns erlauben. Aber wenn das getan ist, müssen die anderen Kinder Gottes das selbst gewissenhaft anhand seines Wortes prüfen. In diesen Dingen müssen wir geduldig sein und auf das Handeln Gottes warten, wie Er durch seine eigene Wahrheit an den Herzen seiner Heiligen wirkt.

Wir mögen von der Wahrheit Gottes vorstellen, was wir können, um das Herz zu beeinflussen; aber in Bezug auf solche Punkte können durch niemanden absolute Regeln aufgestellt werden. Man hat oft Personen gekannt, die mit einer bestimmten Idee begannen, die sie beherrschte und mit der sie eifrig andere zu beherrschen suchten. Wie lange hielt das stand? In genau der Sache, derer sie sich rühmten, sind sie manchmal gestürzt.

Gott setzt Christus als Standard für alles. Alles andere versagt. Warum sollten wir auch so streng und in Hast etwas aufdrücken? „Wenn ihr etwas anders gesinnt seid, so wird euch Gott auch dies offenbaren“(Vers 15b). Es gibt also keinen Grund, ängstlich zu sein. „Doch wozu wir gelangt sind, lasst uns in denselben Fußstapfen wandeln“ (Vers 16). So weit, wie wir zusammen mit Christus beschäftigt sind und seinen Willen sehen, ist es von großer Wichtigkeit, auch gemeinsam zu wandeln.

Dennoch: Vorbild für einander sein!

Aber der Apostel geht noch weiter; er bezieht sich auf sein eigenes Vorbild und stellt diejenigen als Warnung hin, die einst als Brüder erkannt wurden (Vers 17.18). Ist es nötig, darauf hinzuweisen, dass es nicht fleischlich vom Apostel war, so von sich zu sprechen? Der Apostel war so vollständig über die Gedanken der Menschen erhaben, er war sich so deutlich/völlig der Kraft Gottes in Christus bewusst, dass gerade das in ihm die Energie des Geistes veranschaulichte.

Der Heilige Geist leitete ihn, so zu sprechen. Deshalb fordert er sie auf, zusammen seine Nachahmer zu sein und die zu beachten, die sich ihn zum Vorbild nahmen (Vers 17).